In der vorliegenden Arbeit soll sich damit befasst werden, wie die beiden Philosophen das Sein einer höchsten guten Instanz mit der Existenz des Bösen miteinander vereinbaren können und worin in ihrer Argumentation Gemeinsamkeiten und Unterschiede auftreten.
Um diese Frage zu beantworten, soll mit einer ausgiebigen Betrachtung der jeweiligen Positionen begonnen werden um im Anschluss eine strukturierte Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Texte ansprechend darstellen zu können.
Die Literaturrecherche umfasste sich zu Beginn mit der Suche nach geeigneten Primärquellen. Dazu wurden sowohl die Aufzeichnungen aus dem Seminar „Das Böse“ von Herr Sebastian Böhme herangezogen, als auch die Bestände der sächsischen Landes und Universitätsbibliothek in Dresden.
Als Primärquellen bezieht sich diese Arbeit folglich auf „Plotins Schriften Band Va“ und Augustinus „13 Bücher Bekenntnisse“. Als Sekundärquelle wurden das „Malum“ von Ingolf Dalferth, sowie von Christian Schäfer die Texte zur Betrachtung des Bösen in „Was ist das Böse?“ herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Plotins Betrachtung des Bösen
2.1 Beschreibung des Guten
2.2 Das resultierende notwendige Böse
3 Das Böse bei Augustinus
3.1 Die Beschreibung des Guten
3.2 Das Vorhandensein und Nichtvorhandensein des Bösen
4 Vergleichende Betrachtung der Argumentationen
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2 Unterschiede
5 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Philosophen Plotin und Aurelius Augustinus das Sein einer höchsten göttlichen Instanz, die als rein gut betrachtet wird, mit der nachweisbaren Existenz des Bösen in Einklang bringen und welche Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede sich in ihren jeweiligen Argumentationslinien zeigen.
- Die Definition des Guten als ursprüngliche Basis der Wirklichkeit.
- Die ontologische Natur des Bösen als Mangel an Gutem.
- Die Rolle der Körperlichkeit und der Materie bei der Entstehung des Bösen.
- Der Einfluss des menschlichen Willens und der Tugend auf die Wahrnehmung des Bösen.
- Die Gegenüberstellung von Plotins neuplatonischer Sichtweise und Augustinus' theologischer Perspektive.
Auszug aus dem Buch
2.2 Das resultierende notwendige Böse
Wenn das Böse nicht in Form des Seienden anzutreffen sein kann, dann muss es also von ihm abgegrenzt sein (vgl. ebd.: 205). Plotin führt an dieser Stelle den Vergleich eines Schattens an, welcher eine Gestalt des Nicht-Seienden gegenüber dem Seienden darstellt (vgl. ebd.). Es ist das Gegenteil, das Unwirkliche und damit „der Erkennbarkeit entzogen“ (Schäfer, 2014: 47). Das heißt, zum einen ist alles Wirkliche „Ausdruck des Guten“ (ebd.) und zum anderen ist das Üble oder Böse jenseits der Wirklichkeit und „unterhalb der Seinsgrenze“ (ebd.) zu konzipieren, also nicht in der Wirklichkeit zu finden.
Da das Böse in Abwesenheit des Guten auftritt, scheint es keine Gestalt zu besitzen, im Gegensatz zum Guten (vgl. ebd.). Das Gute ist die Gestalt, ist der Urbeginn (vgl. ebd.). Das Böse ist die Beraubung, ist das Letzte (vgl. ebd.). Die Materie als das Böse ist „in seiner ganzen Unwirklichkeit“ (Schäfer, 2014: 47) vor der Strukturierung kein Seiendes, sondern eine „reine Möglichkeit zur Verwirklichung“ (ebd.) wodurch jede Wirklichkeit möglich wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Theodizee ein und stellt die Fragestellung zur Vereinbarkeit der Existenz des Guten mit dem Bösen bei Plotin und Augustinus dar.
2 Plotins Betrachtung des Bösen: Das Kapitel erläutert Plotins philosophischen Ansatz, in dem das Gute als Urprinzip definiert wird und das Böse als notwendiger Schatten bzw. Materie erscheint.
3 Das Böse bei Augustinus: Hier wird Augustinus' christliches Verständnis dargelegt, das das Böse nicht als Substanz, sondern als Mangel an Gutem oder als Verkehrtheit des Willens einstuft.
4 Vergleichende Betrachtung der Argumentationen: Dieses Kapitel arbeitet Gemeinsamkeiten in der Gott-Vorstellung und Unterschiede in der Bewertung der Ontologie des Bösen zwischen beiden Denkern heraus.
5 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und reflektiert, dass während Plotin das Böse als Materie verortet, Augustinus dessen eigenständige Existenz grundsätzlich negiert.
Schlüsselwörter
Das Böse, Plotin, Augustinus, Theodizee, Ontologie, Gute, Materie, Mangel, Tugend, Seinsgrenze, Wille, Schöpfung, Substanz, Dualismus, Neoplatonismus
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und theologischen Frage, wie die Existenz des Bösen in einer durch ein allmächtiges, rein gutes göttliches Prinzip erschaffenen Welt begründet und eingeordnet werden kann.
Welche Denker stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die Arbeit vergleicht die Ansätze des neuplatonischen Philosophen Plotin mit der theologischen Perspektive des Aurelius Augustinus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Argumentation beider Philosophen bezüglich der Entstehung und Natur des Bösen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von Primärquellen der beiden Philosophen, ergänzt durch relevante sekundärwissenschaftliche Literatur zur Theodizee-Problematik.
Was sind die zentralen Themenfelder im Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die Definition des Guten, die ontologische Einordnung des Bösen als Mangel oder Materie sowie die Rolle des menschlichen Willens bei Augustinus.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Neben dem zentralen Begriff der Theodizee spielen die Konzepte des "mangels an Gutem", der "Materie", des "Seins" und der "Verkehrtheit des Willens" eine zentrale Rolle.
Wie definiert Plotin das Böse im Vergleich zum Guten?
Plotin sieht das Gute als Urbeginn und Gestalt, während er das Böse als "Schattenbild" und absolute Materie strukturlos unterhalb der Seinsgrenze ansiedelt.
Warum leugnet Augustinus die Substanz des Bösen fast vollständig?
Augustinus argumentiert, dass alles Wirkliche von Gott geschaffen und somit gut ist. Wäre das Böse eine eigenständige Substanz mit einem eigenen Sein, müsste es logischerweise als gut gelten, was dem Begriff des Bösen widerspricht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Das Böse bei Plotin und Augustinus. Wie das immerwährende Gute mit dem Bösen vereinbar ist, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1255451