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Gesellschaftskritik in der Soziologie. Eine zahnlose Wissenschaft?

Titel: Gesellschaftskritik in der Soziologie. Eine zahnlose Wissenschaft?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2022 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Valentin Müller (Autor:in)

Soziologie - Allgemeines und Grundlagen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Folgenden werden verschiedene Begriffe von Kritik, ihre epistemologischen Berührungspunkte mit der professionellen Soziologie sowie die fachinternen Auseinandersetzungen um ihre adäquate Einbeziehung in soziologische Forschung und Theoriebildung vorgestellt. Als Leitthemen werden dabei zum einen die Versuche, Kritik theoretisch zu begründen und zum anderen das Verhältnis von (professioneller) Soziologie und Öffentlichkeit identifiziert. Dabei wird deutlich, wie das Programm einer dezidiert "kritischen Soziologie" zugunsten einer "Soziologie der Kritik" ins Hintertreffen geraten ist (Kapitel 2).

Auch aktuelle Bezüge zur kritischen Theorie leiden spürbar unter den inneren Blockaden, Verwirrungen und Unschärfen, die der Werturteilsstreit im Feld der Soziologie hinterlassen hat. Um sich aus dieser festgefahrenen Situation zu lösen, versucht Stephan Lessenich (2014) kritische Soziologie und Soziologie der Kritik zu versöhnen. Das Forschungsprogramm einer solchen "kritischen Soziologie der Kritik" ist jedoch bislang unzureichend bestimmt und ihr Potenzial unerschlossen (Kapitel 3). Wenngleich in dieser Arbeit diese Defizite nicht behoben werden können, werden doch erste konzeptionelle Eckpfeiler identifiziert. So soll versucht werden, kritische Theorie und Soziologie der Kritik gemeinsam in eine wissenssoziologische Diskurstheorie einzubetten. Im Fazit wird für die Erschließung soziologischen Erkenntnispotenzials im Sinne einer "Wissenssoziologie sozialer Probleme" (Schetsche 2000) plädiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesellschaftskritik als Aufgabe der Soziologie?

3. Die kritische Soziologie (in) der Krise

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das aktuelle Verhältnis zwischen Soziologie und Gesellschaftskritik. Ziel ist es, das kritische Potenzial der soziologischen Disziplin neu auszuloten und zu hinterfragen, warum die Soziologie angesichts aktueller globaler Krisen zunehmend an politischer Wirkungskraft verloren hat und wie eine Neuausrichtung hin zu einer kritisch reflektierten "Wissenssoziologie sozialer Probleme" gelingen kann.

  • Historische Entwicklung der Verbindung von Soziologie und Gesellschaftskritik.
  • Analyse der fachinternen Debatten (Werturteilsstreit, Positivismusstreit).
  • Kritik an der "Soziologie der Kritik" und ihrer passiven Beobachterrolle.
  • Die Rolle der Soziologie in der Bewältigung moderner Krisendynamiken.

Auszug aus dem Buch

3. Die kritische Soziologie (in) der Krise

Vobrubas Programm einer „Soziologie der Kritik“ gewann an Bedeutung, als die Finanzkrise 2007, weltweit Millionen Menschen in den finanziellen Ruin trieb. Dass zeitgleich Großbanken mit Steuergeldern gerettet wurden, hat die Kapitalismuskritik in der Gesellschaft neu befeuert. Bewegungen wie Occupy Wallstreet oder Attac kritisieren dabei die wachsende Schere zwischen Arm und Reich und die Exzesse der Investmentbanker aufs Schärfste. Auf lange Sicht muss man jedoch feststellen haben die Proteste dem Projekt des Neoliberalismus nur geringfügig geschadet. Eine „Soziologie der Kritik“ muss sich dabei auch fragen, warum die Kritik an den herrschenden Verhältnissen weitgehend verklungen ist, statt sich auszuweiten und grundlegende Reformen anzustoßen (vgl. Lessenich 2014: 9). Auch Georg Vobruba (vgl. 2019: 52) räumt ein, dass eine Abwesenheit von Kritik im Angesicht dramatischer sozioökonomischer Schieflagen der empirischen Soziologie ein Rätsel aufgibt, wo doch die entsprechenden Mitbestimmungs- und Demonstrationsrechte demokratisch abgesichert sind.

Ein entscheidender Beitrag zu diesem Thema ist die Studie von Luc Boltanski und Eve Chiapello (2003), die aus Managementratgebern des späten 20. Jahrhunderts den „neuen Geist des Kapitalismus“ herauspräparierten. In der schwerpunktmäßigen Verlagerung auf Flexibilität, Kreativität und Selbststeuerung, die sie dort antreffen, sehen sie ebenjene Kritik an der Monotonie und der Entfremdung aufgegriffen und produktiv gemacht, die noch in den späten 60er Jahren die Menschen gegen einen starren, entmenschlichenden Kapitalismus auf die Straßen getrieben hat. Diese Fähigkeit, sich Gesellschaftskritik zu eigen zu machen und in den eigenen Verwertungszusammenhang einzuspannen, mache den „flexiblen Kapitalismus“ praktisch immun gegen jede Form der Kritik, die er stets als Ressource zur immer feineren Anpassung an den sozikulturellen Hintergrund zu nutzen weiß, vor dem er operiert (vgl. Bröckling 2013: 316ff.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet die aktuelle Krisenanfälligkeit der Weltgesellschaft und hinterfragt das ausbleibende kritische Engagement der Soziologie bei der Analyse gesellschaftlicher Missstände.

2. Gesellschaftskritik als Aufgabe der Soziologie?: Zeichnet die historische Herleitung der Soziologie als Instrument der Aufklärung und spätere Debatten um Wertfreiheit und normative Neutralität nach.

3. Die kritische Soziologie (in) der Krise: Analysiert, warum aktuelle soziologische Ansätze gegenüber dem Neoliberalismus oft machtlos bleiben und fordert eine Synthese aus Forschung und kritischer Reflexion.

4. Fazit: Plädiert für eine aktive Rückbesinnung der Soziologie als demokratische Leitwissenschaft, die sich wieder in öffentliche Debatten einmischt und soziale Probleme konstruktiv sichtbar macht.

Schlüsselwörter

Soziologie, Gesellschaftskritik, Werturteilsstreit, Kritische Theorie, Soziologie der Kritik, Kapitalismus, Neoliberalismus, Wissenssoziologie, Aufklärung, Krisendiagnose, Handlungsforschung, soziale Probleme, Diskursanalyse, Modernität, politische Soziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen soziologischer Wissenschaft und gesellschaftlichem Engagement und fragt, warum die Soziologie ihre Rolle als kritisches Korrektiv gesellschaftlicher Missstände weitgehend eingebüßt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Soziologie als "Krisenwissenschaft", die Bedeutung der Werturteilsfreiheit, die Grenzen der "Soziologie der Kritik" sowie die Notwendigkeit einer neuen kritischen Praxis.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das kritische Potenzial soziologischen Denkens neu auszuloten und Wege aufzuzeigen, wie eine moderne Soziologie wieder wirkungsvoller an gesellschaftlichen Diskursen teilhaben kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretisch-diskursanalytische Herangehensweise, die historische Fachdebatten und aktuelle soziologische Literatur systematisch aufarbeitet und neu bewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die wechselvolle Geschichte der Gesellschaftskritik innerhalb der Soziologie, von den Ursprüngen in der Aufklärung bis hin zur aktuellen Debatte zwischen Fachprofessionalisierung und politischer Notwendigkeit.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Werturteilsstreit, kritische Soziologie, Wissenssoziologie, Kapitalismuskritik und das Aufbrechen von Problemdiskursen stehen im Zentrum der Analyse.

Inwiefern hat der "Positivismusstreit" das Handeln moderner Soziologen geprägt?

Der Positivismusstreit führte zu einer starken Betonung der Beobachterrolle, wodurch sich die Soziologie zunehmend aus der aktiven Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse zurückgezogen hat.

Welches Fazit zieht der Autor zur Rolle der Soziologie in der Corona-Pandemie?

Der Autor konstatiert, dass die Soziologie während der Pandemie weitgehend daran gescheitert ist, tiefgreifende soziokulturelle Krisenursachen zu adressieren, und fordert stattdessen eine Neuausrichtung auf die Analyse der kritischen Diskurse selbst.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gesellschaftskritik in der Soziologie. Eine zahnlose Wissenschaft?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Masterkurs „Soziologische Theorie“
Note
1,0
Autor
Valentin Müller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
17
Katalognummer
V1255724
ISBN (PDF)
9783346695208
ISBN (Buch)
9783346695215
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologische Theorie Kritik Stephan Lessenich Pierre Bourdieu Soziologie der Kritik Kritische Soziologie Kritische Theorie Methodenstreit Werturteilsstreit Positivismusstreit Luc Boltanski Öffentliche Soziologie Soziale Probleme Diskursanalyse Corona Pandemie Kapitalismus
Produktsicherheit
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Arbeit zitieren
Valentin Müller (Autor:in), 2022, Gesellschaftskritik in der Soziologie. Eine zahnlose Wissenschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1255724
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Leseprobe aus  17  Seiten
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