Die folgende Seminararbeit behandelt die Fragestellung, ob eine Erweiterung des Grammatikbegriffs um Pragmatik sowohl von linguistischen und fremdsprachendidaktischen, als auch und damit verbunden theoretischen und praktischen Überlegungen und Zusammenhängen ausgehend legitimiert werden kann und sinnvoll erscheint. Um eine möglichst umfassende und klare Darstellung des Themas zu gewährleisten, werden zuerst die Begriffe Pragmatik und Grammatik definiert und beschrieben. Da eine vollständige Auseinandersetzung mit diesen Termini den Rahmen dieser Seminararbeit überschreiten würde, wird im Folgenden versucht, einen, wenn auch möglichst aufschlussreichen, zusammenfassenden Überblick zu geben, dessen Fokus auf den vor allem für diesen Text relevanten Begriffen und Teilgebieten liegt. Danach werden Argumente, die für oder gegen die Integration von Pragmatik in eine erweiterte Konzeption von Grammatik sprechen, vorgestellt und diskutiert. Hierbei sollen sowohl sprachwissenschaftliche – auch unter Bezugnahme auf verschiedene Grammatiktypen (insbesondere der funktionalen Grammatik) –, als auch fremdsprachendidaktische Perspektiven berücksichtigt werden. Daran anknüpfend werden Überlegungen zu(r) pragmatisch-kommunikativen Kompetenz(en) und deren Relevanz für den Fremdsprachenunterricht dargestellt. Ausgehend davon soll der Zusammenhang von Pragmatik und Grammatik auch auf praktischer Ebene durch Bezugnahme auf Grammatikregeln und deren mögliche Vermittlung anhand von Beispielen veranschaulicht werden. Abschließend soll mit den im Text präsentierten Ansätzen und Argumenten als Grundlage versucht werden, die dieser Seminararbeit zu Grunde liegende Fragestellung zusammenfassend zu erörtern und zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen und –beschreibungen
2.1 Pragmatik
2.2 Unterscheidung zwischen Semantik und Pragmatik
2.3 Teilbereiche und Kategorien der Pragmatik
2.3.1 Kontext
2.3.2 Deixis
2.3.3 Präsupposition
2.3.4 Sprechakt
2.3.5 Implikatur
2.3.6 Konversationsstruktur
2.3.6.1 Kooperatives Prinzip
2.4 Der Grammatikbegriff
3 Argumente für oder gegen die Integration der Pragmatik in eine erweiterte Grammatikkonzeption
3.1 Überlegungen und Zusammenhänge aus linguistischer Sicht
3.2 Funktionale Grammatik
3.3 Argumente aus (fremdsprachen)didaktischer Sicht
4 Pragmatische Kompetenz
4.1 Pragmatische Kompetenz im Unterricht
4.1.1 Beispiel 1: Aufforderungssätze (aus: Götze 1993, 5)
5 Der Zusammenhang von Pragmatik und Grammatik
5.1 Satztypen
5.2 Pragmatik und Syntax
5.2.1 Passiv
5.2.1.1 Beispiel 2: Passiv (vgl. Thornbury 2001, 95)
5.3 Beispiel 3: Physical distance (aus: Thornbury 2001, 88-89)
6 Ein alternatives (modulares) Modell
7 Resümee
8 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretische und didaktische Legitimation einer Erweiterung des traditionellen Grammatikbegriffs um pragmatische Aspekte, um den Bedürfnissen authentischer Kommunikation im Fremdsprachenunterricht gerecht zu werden.
- Linguistische Definitionen von Pragmatik und Grammatik
- Argumente für eine Integration der Pragmatik in den Grammatikbegriff
- Bedeutung der funktionalen Grammatik
- Konkretisierung pragmatischer Kompetenz für den Fremdsprachenunterricht
- Beispielhafte Analyse von Satztypen, Passiv und Kontextfaktoren
Auszug aus dem Buch
4.1 Pragmatische Kompetenz im Unterricht
Anhand des ‚klassischen’ Beispiels der Aufforderungssätze kann nun veranschaulicht werden, wie grammatikalische Formen aufbereitet und dargestellt werden können, um auch der Vermittlung pragmatisch-kommunikativer Kompetenzen gerecht zu werden oder nach Götze:
„Für den Unterricht heißt das [nun], dass der Lehrer stets den kommunikativ-funktionalen Aspekt der Grammatik beachten sollte: Welche sprachlichen Mittel stehen zur Verfügung, um eine bestimmte Intention (Absicht, Funktion) zu realisieren? Für den Fremdsprachenunterricht ist also das – zweifellos schwierige – Erlernen der korrekten sprachlichen Form (Perfekt, Konjunktiv II, Valenz eines Verbs usw.) nicht das eigentliche Ziel, sondern der intentions- und situationsadäquate Gebrauch dieser Mittel durch den Lernenden“ (Götze 1993, 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hier wird die Fragestellung dargelegt, ob eine Erweiterung des Grammatikbegriffs um Pragmatik sowohl linguistisch als auch fremdsprachendidaktisch sinnvoll legitimiert werden kann.
2 Begriffsdefinitionen und –beschreibungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Termini Pragmatik und Grammatik und erläutert ihre jeweiligen Teilbereiche, wie Kontext, Deixis, Sprechakt und Satztypen.
3 Argumente für oder gegen die Integration der Pragmatik in eine erweiterte Grammatikkonzeption: Hier werden linguistische, funktionale und didaktische Argumente diskutiert, die für eine Integration der Pragmatik in das Grammatikmodell sprechen oder dagegen angeführt werden können.
4 Pragmatische Kompetenz: Dieses Kapitel befasst sich mit der Vermittlung pragmatischer Kompetenz als übergeordnetem Ziel des Fremdsprachenunterrichts und illustriert dies anhand von Aufforderungssätzen.
5 Der Zusammenhang von Pragmatik und Grammatik: Hier wird die Interaktion von Pragmatik und grammatikalischen Regeln anhand von Beispielen zu Satztypen, Syntax und insbesondere dem Passiv verdeutlicht.
6 Ein alternatives (modulares) Modell: Das Kapitel schlägt ein Modell vor, das Grammatik und Pragmatik als zusammenwirkende, aber distinkte Module betrachtet.
7 Resümee: Hier werden die Ergebnisse abgewogen und die Schlussfolgerung gezogen, dass eine funktionale Integration sinnvoll ist, ohne jedoch alle Aspekte der Pragmatik in einen erweiterten Grammatikbegriff aufzulösen.
8 Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Pragmatik, Grammatikbegriff, Fremdsprachendidaktik, Funktionale Grammatik, Pragmatische Kompetenz, Sprachwissenschaft, Kontext, Sprechakt, Syntax, Kommunikative Kompetenz, Sprachverwendung, Sprachlernprozess, Passiv, Satztypen, Sprachunterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob der traditionelle Grammatikbegriff im Fremdsprachenunterricht sinnvoll um pragmatische Aspekte erweitert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die linguistische Theorie von Pragmatik und Grammatik, deren Interaktion in funktionalen Modellen und die didaktische Relevanz für den authentischen Spracherwerb.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Legitimation einer integrativen Grammatikkonzeption, die kommunikative Funktionen stärker einbezieht als rein formorientierte Ansätze.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die Fachliteratur sowie linguistische und fremdsprachendidaktische Ansätze diskutiert und auf konkrete Lehrbeispiele anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Diskussion der Integrationsargumente, die Definition pragmatischer Kompetenz sowie die praktische Illustration durch Beispiele zu Satztypen und Passivkonstruktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Pragmatik, Grammatikbegriff, Fremdsprachendidaktik, funktionale Grammatik, pragmatische Kompetenz und kommunikative Kompetenz.
Warum spielt der Kontext eine so große Rolle für das Verständnis von Sprache?
Die Arbeit betont, dass Sprache kontextsensitiv ist; ohne die Einbettung in den Situationszusammenhang (Zeit, Ort, Beteiligte) bleiben Äußerungen oft unvollständig oder ambig.
Was ist das Problem bei einer zu starken Fokussierung auf reine Grammatikstrukturen?
Die Autorin argumentiert, dass eine rein strukturelle Vermittlung den Lernenden oft nicht befähigt, Sprache in authentischen, mitteilungsbezogenen Kommunikationssituationen funktionsadäquat einzusetzen.
- Arbeit zitieren
- Mag. Andreas Raab (Autor:in), 2006, Zur Integration der Pragmatik in eine erweiterte Grammatikkonzeption, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125593