Was wäre wenn? - Analyse der Gefährdungslage bei einem künftigen Vesuvausbruch und Erstellung einer "Gefährdungskarte"


Facharbeit (Schule), 2006
28 Seiten, Note: 1,3

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Gliederung

1. Einführung in das Thema

2. Lage des Vesuvs

3. Entstehung und Aufbau des Vesuvs
3.1. Sage über die Entstehung des Vesuvs
3.2. Geologische Gründe für die Entstehung des Vesuvs
3.3. Entstehung des Vesuvs Gegliedert in 4 Epochen
3.4. Entstehung und Aufbau des Vesuvs erklärt anhand einer Grafik
3.5. Bestimmung der Größe der Magmakammer

4.Historische Ausbrüche

5.Heutiges Erscheinungsbild des Vesuvs

6.Maßnahmen zur Überwachung des Vesuvs

7.Die Entwicklung der Solfatara in den Campi Flegrei

8. Ausbruchsvorherbestimmung

9. Der Ausbruch des Vesuvs
9.1. Der Beginn eines erneuten Ausbruchs
9.2. Maßnahmen der Regierung zur Reduzierung der bedrohten Bevölkerung
9.3. Ausbruch des Vesuvs dargestellt in zwei möglichen Szenarien
9.3.1. Zukünftiger Ausbruch und seine Folgen in Anlehnung an den Ausbruch aus dem Jahr 1944
9.3.2. Zukünftiger Ausbruch und seine Folgen in Anlehnung an den Ausbruch aus dem Jahr 79 n. Chr

10. Die Gefährdungskarte

11. Erklärungen zur Gefährdungskarte

12. Der Vesuv- Ein Glück und Leid bringender Berg

13. Literaturverzeichnis
13.1. Internetseiten
13.2. Bücher

14. Fernsehen

15. Bildnachweis

16. Verwendete Computersoftware

17. Anhang

1. Einführung in das Thema

Fast jeder Mensch der westlichen Welt hat schon einmal etwas vom Vesuv gehört bzw. assoziiert mit diesem die fürchterliche Katastrophe, den Untergang von Pompeji bei dem Ausbruch im Jahr 79. nach Chr. Die gesamte Stadt wurde damals unter einer meterhohen Ascheschicht begraben und dadurch bis in die heutige Zeit konserviert. Diese damalige Katastrophe sollte gerade heutzutage den Bewohnern, die in den nahen Gebieten leben, ein Lehre sein, welche Kräfte dieser Vulkan freisetzen kann, denn der nächste Ausbruch ist schon seid mehreren Jahren überfällig!Was aber bewegt die Menschen, ihre Häuser an die Hänge bis fast an den Kraterrand heran zu bauen, also in die absolute Todeszone, und sich damit bei einem zukünftigen Ausbruch in Todesgefahr zu begeben?1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ohne vor Ort gewesen zu sein und das Flair, das der Vulkan und die umliegenden fruchtbaren Gebiete auf einen ausüben, gespürt zu haben, wird man wohl kaum verstehen, warum sich Menschen um den Vesuv ansiedeln. Die einzigartige Landschaft mit ihrer dichten Bewaldung und den Weinstöcken an den Hängen lassen einen leicht vergessen, dass dies alles auf einer fruchtbaren Ascheschicht gedeiht, die durch einen Ausbruch entstanden ist.

Was passiert, wenn es zu einem erneuten Ausbruch oder gar zu einer Explosion des Vesuvs kommen würde? Lässt sich ein Ausbruch überhaupt vorhersagen? In wie weit kann man das gefährdete Gebiet realistisch eingrenzen? Wie viele Menschen sind betroffen? Kann man die Bewohner rechtzeitig informieren bzw. evakuieren? Wie wird sich ein Ausbruch auf die Böden, das örtliche Klima oder sogar das Weltklima auswirken? Welche Maßnahmen trifft die Regierung, um die umliegenden Bewohner auf einen Ausbruch vorzubereiten? Sehen die Bewohner in ihrem Berg überhaupt noch eine Gefahr oder nur einen Touristenmagneten?

Dies alles sind Fragen, die zu beantworten sind, wenn man die Folgen eines erneuten Vesuvausbruches abschätzen will. In meiner Facharbeit werde ich diese Fragen klären und auch darüber berichten, wie der Vesuv überhaupt entstehen konnte und welche Schäden durch vergangene Ausbrüche entstanden sind.

2. Die Lage des Vesuvs

Der Vesuv liegt südöstlich von Neapel, 41°N, 14,5°E in Kampanien1. Er wird im Süden und Westen von der Küste begrenzt.

3. Die Entstehung und Aufbau des Vesuvs

Vor der wissenschaftlichen Erklärung über die Entstehung, hier eine Sage über die Entstehung des Vesuvs. Danach war der Berg ein verliebter neapolitanischer Edelmann:

"Vesuvius war einst ein neapolitanischer Edelmann, der sich in ein ebenso edles Fräulein der Familie Capri unsterblich verliebt hatte, und diese erwiderte die Neigung aus tiefstem Herzen. Doch die bösen Eltern wollten diese Verbindung auf gar keinen Fall. Um eine heilige Verbindung aber unmöglich zu machen, hatten sie die Tochter Capri auf einem Schiff wegbringen lassen. Die enttäuschte Tochter wollte lieber sterben als ohne den geliebten Vesuvius leben. Also stürzte sie sich auf der Höhe von Capo Minerva ins Meer. Diese tiefe Liebe wurde sogleich belohnt, denn kaum hatte das Fräulein das Wasser berührt, wurde es in einen großen Stein verwandelt, der heute als Insel Capri im Golfe liegt. So konnte sie noch als Insel täglich nach Neapel sehen, wo ihr Geliebter wohnte. Dieser aber, nachdem er von dem wunderbaren Vorfall gehört hatte, begann sofort feurige Seufzer auszustoßen und sich in einen Berg zu verwandeln. Im täglichen Anblick seiner geliebten Dame Capri musste sich bald seine feurige Liebe in echtes Feuer verwandeln." 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der geologische Grund für die Entstehung des Vesuvs ist, dass er sich über einer Subduktionszone befindet. Die Afrikanische Platte bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 2-3 cm pro Jahr Richtung Norden und schließt allmählich das mediterrane Becken. Dabei wird die Afrikanische Platte unter die Eurasische geschoben, wobei sie beim Abtauchen ihre wasserhaltigen Minerale verliert. Das Wasser steigt in höher gelegene Gesteinsschichten und führt zum Zerfließen des Gesteins wodurch Magma entsteht, das im Vesuv die Oberfläche erreicht.3 4

Die Entstehung des Vesuvs wird in der Fachliteratur meist in 4 Epochen gegliedert:

1. Vor etwa 12.000 Jahren entstand aus einer sehr großen Eruption die Ur-Somma.
2. Nach einer längeren Ruhepause formte sich die alte Somma, deren Höhe ca.1000m betrug. Ihr Förderschlot stürzte jedoch ein.
3. Es folgte die junge Somma, die bis ins 12. Jahrhundert v. Chr. sehr aktiv war und auf eine Höhe von ca. 2000m anwuchs.
4. Erst im 3. Jahrhundert bildete sich der Vesuv im eingestürzten Kessel der neuen Somma.1 Diese Einteilung ist an historische Ausbrüche gebunden, da jeder Ausbruch das Erscheinungsbild des Vulkans bis zu seiner heutigen Gestalt verändert hat. Man nennt den Vesuv deshalb auch einen polygenen Vulkan.2 Die Form des Vesuvs bezeichnet man als komplexen Stratovulkan3 4 (oder auch zusammengesetzter Vulkan5, Schichtvulkan, gemeiner Vulkan oder gemischter Vulkankegel6 ), da er aus einer unregelmäßigen Wechselfolge von Lavaergüssen und pyroklastischem Material besteht. Diese Vulkanform haben auch der Mayón auf den Philippinen, der Fujijama in Japan, der Mount St. Helens in den USA und der Gipfel des Ätna auf Sizilien7 8. Die Lebensdauer solcher Vulkane beträgt zwischen 100.000 und 10.000.000 Jahren.9 Als Beispiel für einen „rein“ aufgebauten Stratovulkan gilt aber in erster Linie der Vesuv, genauer gesagt sein Ahnherr, der Monte Somma10.

Ein klareres Bild über die Historie des Vesuvs gibt folgende Grafik, die in sechs Einzelschemata aufgeteilt ist und die Entstehung des Somma-Vesuvs seit prähistorischer Zeit anschaulicher darstellt.

I. Nach dem zweiten prähistorischen Paroxysmus (= aufs Höchste gesteigerte Tätigkeit eines Vulkans11 ) besaß der Ur-Somma-Vulkan einen weiten Gipfelkrater, in dem sich
II. nach der folgenden Dauertätigkeit ein Kegel bildete.
III. Im 12. Jhdt. v. Chr. erreichte dieser zentrale Kegel eine Höhe von ca. 3000m.
IV. Eine lange Periode der Dauertätigkeit fand ihren Abschluss durch den dritten prähistorischen Paroxysmus. Im laufe der Zeit wurde der Krater durch Einsturzmaterial weitgehend aufgefüllt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

V. Nach der Eruption 79 n. Chr., in der die Somma ihren Gipfel wegsprengte1, besaß der Vulkan eine weite Gipfel-Caldera (Siehe Pfeil) (Caldera = Durch Explosion oder Einsturz entstandener kesselartiger Vulkankrater 2 ), deren höchster Rand den heutigen Monte Somma bildet.

VI. In dieser Caldera, von der nur die nördliche Wand erhalten blieb3, wuchs in der Folgezeit der Vesuv-Kegel empor, den man auch heute noch in der Gestalt vorfindet. Erst im

3. Jahrhundert entsteht der Vesuv im eingestürzten Kessel der neuen Somma. Von ihr blieb nur die nördliche Wand erhalten, die als zweiter Gipfel 1132 Meter in den Himmel ragt4.

Legende zur Grafik:

1 = Aufschüttung der ersten, eiszeitlichen Eruptionsphase (diluviale Ursomma)
2 = Gelber, napolitanischer Tuff
3 = Vulkanbau des Alt-Somma in Prähistorischer Zeit
4 = Reste der gesprengten Aufschüttung aus dem 12. Jhdt. V. Chr. (Jung-Somma)
5 = Vulkanbau und Kraterfüllung des Vesuv 5 6

Das Fundament des Vesuvs bildet eine Abfolge von tertiären Sandsteinen, Tonen und Mergeln. Es folgen Formationen aus dem erdgeschichtlichen Mittelalter (=mesozoisch), sowie massige Kalke aus Kreide und Jura. Dolomit prägt die Triasformation. Durch die hohe Temperatur des Magmas werden die Gesteine an den Rändern der Magmakammer verändert.

Dies nennt man Kontaktmetamorphose. Bei jedem Ausbruch werden Gesteinsbrocken jeder Schicht aus dem Schlot geschleudert, so dass man jedes Gestein auf seine Veränderung hin untersuchen kann. Dabei kam man zu der Erkenntnis, dass die tertiären Gesteine wenige Veränderungen zeigen, die Kreidekalke schon mehr und die Triasdolomite intensiv umgewandelt wurden. Aus den unterschiedlich stark kontaktmetamorph beeinflussten Auswurfprodukten schließt man, dass Trias-Dolomite die Kuppe des Magmaherdes bilden bzw. der Magmaherd sich in der Triasschicht befindet. Der Vulkanologe Rittmann schließt aus dem Fehlen von Formationen unter den Auswürflingen, die älter als die vorhandenen Triasdolomite sind, dass sich der Magmaherd in einer Tiefe von 5-6 km befindet.1 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um aber die Größe der Magmakammer genauer zu bestimmen, erzeugten Vulkanologen um Paolo Gasparini von der Università di Napoli Federic II kleinere Erdbeben am Rande des Vesuvs. Dabei breiteten sich seismische Wellen in der Erde aus, deren Geschwindigkeit gemessen wurde. Dadurch konnte man Rückschlüsse auf die Struktur des Gesteins der einzelnen Krusten ziehen, und erhielt auch ein dreidimensionales Bild der Kammer. Dieses Verfahren nennt man seismische Tomographie. Die Forscher stellten fest, dass sich der Magmasee in einer fast flachen, umschlossenen Schicht, parallel zu den Schichten der Erdkruste, über eine Fläche von etwa 400 Quadratkilometer erstrecken muss! Mindestens 200 Kubikkilometer Schmelze haben sich dort angesammelt, schätzt Paolo Gasparini von der

Universität Neapel – anno 79 nach Christus spie der Berg höchstens fünf Kubikkilometer.1 Diese heutige Menge an Magma ist größer als die, die der Vesuv seit seiner Entstehung geförderte hat. 2

4. Historische Ausbrüche

Die vulkanische Tätigkeit des Vesuvs beginnt in der späten Würm- Kaltzeit vor ungefähr 12.000 Jahren. Die ersten Aufzeichnungen über einen Vesuvausbruch finden sich jedoch erst aus den Jahren 1800 und 1600 v. Chr. Es wird beschrieben dass weite Teile des ägäischen Meeresbodens mit Asche bedeckt wurden. Davor gibt es nur wenige schriftliche Aufzeichnungen von Schriftstellern (z.B. Strabo, Plutarch, Crassus und Florus) aus denen man aber kein genaues Bild des Vesuvs rekonstruieren kann. Dieses Desinteresse dürfte wohl auch daran liegen, dass der Vesuv lange Zeit ruhte und deshalb allgemein als erloschen galt. Man geht aber davon aus, dass die vulkanische Natur des Berges den Naturforschen sehr wohl bekannt war.3 Nach 1600 v. Chr. ruhte der Vesuv für etwa 1600 Jahren bis es 79 n. Chr. zum schwersten Ausbruch in der Antike kam, wobei durch den unaufhörlichen tagelangen Aschefall und dem Niedergehen von pyroklastischen Strömen die antiken Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiae zerstört wurden. Ca. 2000 Menschen wurden getötet4. Der Ascheregen ging sogar noch in der 200 km südlich liegenden antiken Stadt Paestum nieder. Bei diesem Ausbruch wurde die gesamte alte Bergspitze weggesprengt, wobei als sichtbarer Überrest der Monte Somma übrig blieb, in dessen Innern im Laufe der folgenden Jahrhunderte ein neuer Aschenkegel heranwuchs. 5 Diese Eruption wird Plinianische Explosionen genannt, nach der auch heute noch Vulkanausbrüche benannt sind. Kennzeichnen sind sehr große, explosive Eruptionen, die in kurzer Zeit ca. 10 Kubikkilometer Magma in die Atmosphäre ausstoßen können6.

Nach 79 bis etwa 1500 befand sich der Vesuv in einer Periode der Dauertätigkeit in der 11 größere Ausbrüche verzeichnet wurden:

203, 472, 512, 685, 787, 968, 991, 999, 1007, 1036, 1139 7 8 9.

[...]


1 vgl. http://www.daserste.de

1 AutoRoute

2 vgl. http://www.kle.nw.schule.de

3 vgl. http://www.welt.de

4 vgl. E. L.: Der Vesuv und die Phlegräischen Felder, S.108

1 vgl. http://www.vulkane.net

2 vgl. http://www.kle.nw.schule.de

3 vgl. E. L.: Der Vesuv und die Phlegräischen Felder, S.109

4 vgl. http://www.vulkane.net

5 vgl. http://www.uni-muenster.de

6 Herbert Butze: Lavaströme und Ascheregen, S.102

7 vgl. E. L.: Der Vesuv und die Phlegräischen Felder, S.109

8 vgl. http://www.uni-muenster.de

9 Hans Ulrich Schmin>

10 H. B.: Lavaströme und Ascheregen, S.102

11 Duden: Das Fremdwörterbuch

1 vgl. http://www.vulkane.net

2 Duden

3 vgl. http://www.vulkane.net

4 vgl. E. L.: Der Vesuv und die Phlegräischen Felder, S.108,110

5 Carl Chr. Beringer: Vulkanismus und andere Tiefenkräfte der Erde

6 vgl. E. L.: Der Vesuv und die Phlegräischen Felder, S.110

1 vgl. E. L. Der Vesuv und die Phlegräischen Felder, S.109

2 vgl. http://www.kle.nw.schule.de

1 vgl. http://www.zeit.de

2 vgl. http://www2.welt.de

3 Gustav Schenk: Gott Erde Schöpfer und Zerstörer, S.309/310

4 vgl. http://www.wetter.at

5 vgl. http://www.ajb-hennings.de

6 vgl. http://www.volcanodiscovery.com

7 G. S.: Gott Erde Schöpfer und Zerstörer, S.310

8 vgl. http://www.swisseduc.ch

9 vgl. http://www.ajb-hennings.de

27 von 28 Seiten

Details

Titel
Was wäre wenn? - Analyse der Gefährdungslage bei einem künftigen Vesuvausbruch und Erstellung einer "Gefährdungskarte"
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V125607
Dateigröße
1828 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Analyse, Gefährdungslage, Vesuvausbruch, Erstellung, Gefährungskarte
Arbeit zitieren
Sebastian Genthe (Autor), 2006, Was wäre wenn? - Analyse der Gefährdungslage bei einem künftigen Vesuvausbruch und Erstellung einer "Gefährdungskarte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125607

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