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Abriss einer Soziologie der Nekrophilie

Title: Abriss einer Soziologie der Nekrophilie

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sebastian Theodor Schmitz (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Ausgehend von Krafft-Ebings Psychopathia Sexualis, finden sich bis heute einige dutzend wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Nekrophilie. Meist liegen diese in Form kurzer Aufsätze oder Artikel vor. Eine einzige knappe quantitative Studie zur
Nekrophilie liefern Jonathan Rosman und Peter Resnick (1989). Das vorhandene Material lässt sich grob in drei Typen gliedern: psychoanalytische Fallanalysen, Verhaltensanalysen
und medizinische Einordnungsversuche. Eine einheitliche Definition
des Phänomens fällt anhand der wenigen und diesbezüglich uneinheitlichen Texte schwer. Ich möchte daher im Rahmen der vorliegenden Arbeit eine primäre Unterscheidung von latenter und manifester Nekrophilie einführen. Als latent nekrophil sollen
erotische Phantasien in Verbindung mit dem Tod oder Leichen, aber auch sexuelle Handlungen, die symbolisch auf den Tod verweisen, bezeichnet werden. Hierzu gehört beispielsweise das lustvolle Totstellen beim Koitus, die Bevorzugung schlafender
Sexpartner (sleepy sex), die Erotisierung von Särgen, bleichem Make-up und dergleichen mehr. Tatsächliche sexuelle Handlungen mit und in Gegenwart von Leichen, sei dies in Form von Onanie, Streicheln, Küssen, Koitus, Nekrophagie oder Verstümmelungen sollen jedoch als manifest nekrophil gekennzeichnet werden. Das
Gros der verfügbaren Literatur beschäftigt sich fast ausschließlich mit manifest nekrophilen Phänomenen. Dagegen scheinen Beispiele latenter Nekrophilie von höherer
soziologischer Relevanz zu sein, da hier soziales Handeln in stärkerem Maße interpretierbar wird. Ziel dieser Arbeit ist die Interpretation nekrophiler Handlungen als soziale Handlungen, wobei eine möglichst hohe Bandbreite an Dimensionen der
Nekrophilie, wie sie in der Fachliteratur präsentiert werden, angerissen werden soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der Nekrophilie

2.1 Latente und manifeste Nekrophilie

2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen

2.3 Historische und kulturelle Perspektiven

2.4 Erklärungsansätze nach Hirschfeld

2.5 Erklärungsansätze nach Rauch

2.6 Erklärungsansätze nach Fromm

2.7 Häufigkeit und soziale Relevanz

2.8 Soziologische Einordnung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, das tabuisierte Phänomen der Nekrophilie aus soziologischer Perspektive zu analysieren. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie nekrophile Handlungen in den sozialen Kontext eingebettet sind und welche gesellschaftlichen Bedeutungsdimensionen – etwa in Bezug auf Macht, Isolation und kulturelle Moralvorstellungen – diesem Phänomen zugrunde liegen.

  • Klassifizierung in manifeste und latente Nekrophilie
  • Analyse rechtlicher und moralischer Tabuisierungen
  • Diskussion psychologischer Erklärungsansätze (Hirschfeld, Rauch, Fromm)
  • Kritische Betrachtung des Objektstatus von Leichen
  • Nekrophilie als Ausdruck moderner urbaner Isolation

Auszug aus dem Buch

Nekrophilie und gesellschaftliche Moral

Der Gesetzestext belegt ein starkes moralisches Tabu. Hinter der Bezeichnung des „beschimpfenden Unfugs“ steht die Auffassung, dass auch der tote Körper über ein gewisses Maß an Würde verfügt und damit nicht ein bloßes Ding ist. Diese Auffassung lässt sich auf christlich-abendländische Moralvorstellungen zurückführen. Ruhestätten, Orte an denen Leichen aufgebahrt werden und auch die möglichst mit dem Sterbesakrament versehene Leiche gelten dort als geweiht. Die Durchführung sexueller Handlungen mit Bezug auf Leichen gilt in diesem Kontext in zweierlei Hinsicht als moralisch falsch. Erstens ist gemäß der christlichen Tradition das Praktizieren sexueller Handlungen ohne die Intention der Fortpflanzung zumindest problematisch. Symbolisch steht die Sexualisierung des Todes einer reinen, lebenserzeugenden Fortpflanzungssexualität sogar konträr gegenüber. Zweitens ist die Durchführung einer solchen unmoralischen Handlung in Verbindung oder in Gegenwart von Toten eine Entweihung eines gesegneten Körpers oder einer gesegneten Stätte.

Auch der Begriff der Totenruhe bezieht sich auf diese den Toten zukommende Weihe, die nicht auf beschimpfende Weise zerstört werden darf. Die Existenz dieses auch rechtlich verankerten Tabus verleiht der Nekrophilie eine soziologische Relevanz. Obgleich die Allgemeinverbindlichkeit christlicher Werte in der Moderne rückläufig ist, bleiben kulturgeschichtlich verankerte Ressentiments gegenüber nekrophilen Akten institutionell verankert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt das Fundament für die Arbeit, indem sie die bisherige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Nekrophilie skizziert und den methodischen Rahmen absteckt.

2. Definition der Nekrophilie: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Erscheinungsformen und analysiert das Phänomen anhand rechtlicher, psychologischer und soziologischer Ansätze.

Schlüsselwörter

Nekrophilie, Sexualsoziologie, Tabubruch, Leiche, Totenruhe, Störung der Sexualpräferenz, Manifeste Nekrophilie, Latente Nekrophilie, Eros und Thanatos, Gesellschaftliche Moral, Macht, Isolation, Magnus Hirschfeld, Erich Fromm, Hans-Joachim Rauch

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet einen soziologischen Abriss über das Thema Nekrophilie und untersucht, wie dieses gesellschaftlich und kulturell konstruiert sowie rechtlich geahndet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Abgrenzung von latenter und manifester Nekrophilie, die Rolle von Moralvorstellungen und das Spannungsfeld zwischen psychologischer Pathologisierung und soziologischer Interpretation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, nekrophile Handlungen nicht nur als pathologische Störung zu betrachten, sondern als soziale Phänomene in den Kontext von Kultur, Machtstrukturen und gesellschaftlicher Isolation einzuordnen.

Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?

Es werden vor allem fachwissenschaftliche Ansätze aus der Sexualwissenschaft, der Psychologie (u.a. Hirschfeld, Rauch, Fromm) und der Rechtswissenschaft herangezogen und soziologisch reflektiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische und kulturelle Verankerung von Nekrophilie, die juristische Behandlung (§ 168 StGB) sowie verschiedene Erklärungsmodelle zur Entstehung und sozialen Bedeutung des Phänomens.

Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Tabuisierung, Leichenwürde, Perversion, Ersatzhandlung und soziologische Identitätsanalyse.

Wie unterscheidet der Autor zwischen manifester und latenter Nekrophilie?

Während manifeste Nekrophilie reale sexuelle Handlungen an Leichen beinhaltet, bezieht sich latente Nekrophilie auf erotische Phantasien oder symbolische Handlungen, die einen Bezug zum Tod aufweisen.

Warum spielt der Begriff der "Totenruhe" in dieser Analyse eine Rolle?

Die Totenruhe wird als rechtlich und moralisch verankertes Tabu interpretiert, das die gesellschaftliche Abgrenzung gegenüber dem Tod legitimiert und nekrophile Handlungen kriminalisiert.

Welche Rolle spielt Erich Fromms "Anatomie der menschlichen Destruktivität" für die Argumentation?

Fromm liefert den Ansatz, Nekrophilie als Leidenschaft für das Unlebendige zu interpretieren, was als systemische Kritik an modernen Industriegesellschaften dient.

Ist Nekrophilie nach der Ansicht des Autors ein rein individuelles Problem?

Nein, der Autor plädiert dafür, Nekrophilie als gesellschaftlich konstruiertes Phänomen zu begreifen, das eng mit kulturellen Ressentiments und sozialen Dynamiken verknüpft ist.

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Details

Title
Abriss einer Soziologie der Nekrophilie
College
University of Frankfurt (Main)
Course
Soziologie der Sexualität
Grade
1,7
Author
Sebastian Theodor Schmitz (Author)
Publication Year
2009
Pages
13
Catalog Number
V125626
ISBN (eBook)
9783640311392
ISBN (Book)
9783640310272
Language
German
Tags
Abriss Soziologie Nekrophilie Soziologie Sexualität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Theodor Schmitz (Author), 2009, Abriss einer Soziologie der Nekrophilie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125626
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