In dieser Arbeit geht es darum, die kognitiven Aspekte der Wortschatzerweiterung und der mit ihr verbundenen Strategien zu untersuchen. Dabei wird bei den Lernenden Deutsch als L1 (Muttersprache) und Spanisch als L2 (Zielsprache) angenommen. Die Strategien bzw. konkreten Übungen, die hier betrachtet werden sollen, können sowohl im fachdidaktischen Zusammenhang als auch für ein individuelles Training hilfreich sein. Im Folgenden werden zunächst die physiologischen Grundlagen der Sprachverarbeitung und der Wissensorganisation im menschlichen Gehirn beschrieben, um mögliche Wirkungsweisen kognitiver Lernstrategien verstehen zu können. Anschließend werden drei Spanischlehrwerke für Anfänger in Teilen auf verwendete Strategien zur Wortschatzerweiterung untersucht, welche dann auf ihre Funktionsweise und Effizienz hin betrachtet und bewertet werden sollen. Am Ende stehen ergänzende Ideen und Anregungen, wie die Erweiterung des Wortschatzes in der L2 über bestimmte Lernstrategien erleichtert werden könnte.
Die verwendete Literatur gehört überwiegend dem Bereich der Sprachdidaktik an und dringt meist nicht in die Kognitionswissenschaft ein. Ziel dieser Arbeit ist es somit, praxisbezogene didaktisch-methodische Ansätze mit den theoretischen Grundlagen der Kognitiven Linguistik zu verbinden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Repräsentation von Wissen im Gehirn
1.1. Physiologische Grundlagen der Sprachverarbeitung
1.2. Was bedeutet „lernen“ beim L2-Erwerb?
1.3. Lernstrategien
2. Techniken der Wortschatzerweiterung in Spanischlehrwerken
2.1. Rápido
2.2. Gente 1
2.3. Español 2000
2.4. Zusammenfassung
3. Kritik und Vorschläge weiterer Strategien
3.1. Die keyword-Methode
3.2. Zuordnungsübungen
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kognitiven Aspekte der Wortschatzerweiterung beim Fremdsprachenerwerb, wobei Deutsch als Muttersprache und Spanisch als Zielsprache angenommen werden, um praxisbezogene didaktische Ansätze mit theoretischen Grundlagen der Kognitiven Linguistik zu verknüpfen.
- Kognitive Grundlagen der Sprachverarbeitung und Wissensorganisation.
- Analyse der Wortschatzarbeit in drei ausgewählten Spanischlehrwerken.
- Evaluation von Strategien wie der keyword-Methode und Zuordnungsübungen.
- Untersuchung des aktiven versus passiven Wortschatzaufbaus.
- Entwicklung didaktischer Empfehlungen zur Wortschatzkonsolidierung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die keyword-Methode
„Rehearsal will remain necessary for the many words that L2 learners do not see or hear frequently enough through regular reading and listening,”51 bemerkt Jan H. Hulstijn und schlägt für eben diese selten auftretenden Wörter, die sich gewissermaßen nicht von selbst lernen, die keyword-Methode vor. Hierbei geht es darum, die Vokabel mit einem Schlüsselwort, das „akustisch und/oder orthographisch ähnlich“52 sein sollte, in einem Kontext möglichst eng zu verbinden, also im umgangssprachlichen Sinne eine Art Eselsbrücke zu bauen. Dabei kann es besonders hilfreich sein, sich den Kontext zu verbildlichen, denn wenn dieser möglichst skurril ausgewählt ist, wird dem Lerner dieses Bild leicht einfallen, wenn ihm die Vokabel begegnet oder er sie in einem Sprech- oder Schreibakt benötigt.53
Ein Beispiel: Angenommen ein Spanischlerner kann sich die Vokabel „rostro“ nicht merken. Dann könnte das akustisch und orthographisch ähnliche Schlüsselwort „rostrot“ sein und der kontextstiftende Satz wie folgt lauten: „Als der Elefant sie sah, wurde ihr Gesicht rostrot.“ Der Entschlüsselungsvorgang kann in zwei Richtungen stattfinden. Wenn der Lerner das Zielwort zum Konzept „Gesicht“ sucht, wird er sich des Bildes erinnern, darüber des Schlüsselwortes und von diesem kann er die Gestalt des Zielwortes wieder ableiten. In der Gegenrichtung, also wenn der Lernende das Wort „rostro“ liest oder hört, kann er ebenso über Schlüsselwort und Bild das Konzept abrufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Repräsentation von Wissen im Gehirn: Dieses Kapitel erläutert die physiologischen und kognitiven Voraussetzungen des Sprachenlernens, einschließlich der Unterscheidung zwischen deklarativem und prozeduralem Wissen.
2. Techniken der Wortschatzerweiterung in Spanischlehrwerken: Hier werden die Lehrwerke Rápido, Gente 1 und Español 2000 hinsichtlich ihrer didaktischen Methoden zur Wortschatzvermittlung analysiert und kritisch bewertet.
3. Kritik und Vorschläge weiterer Strategien: Das abschließende Kapitel stellt ergänzende Lerntechniken wie die keyword-Methode und verschiedene Zuordnungsübungen vor, um das selbstständige Lernen zu unterstützen.
Schlüsselwörter
Wortschatzerweiterung, kognitive Lernstrategien, Spanischlehrwerke, Fremdsprachenerwerb, keyword-Methode, mentale Repräsentation, lexikalisches Wissen, Wissensorganisation, didaktisch-methodische Ansätze, Sprachdidaktik, Zuordnungsübungen, L2-Erwerb, Sprachverarbeitung, kognitive Linguistik, Wortschatzkonsolidierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie kognitive Lernstrategien genutzt werden können, um den Aufbau und die Konsolidierung eines spanischen Wortschatzes bei deutschsprachigen Lernern effektiver zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert auf die kognitiven Grundlagen der Wissensspeicherung, die Analyse aktueller Lehrwerkdidaktik sowie praktische Memoriertechniken wie die keyword-Methode.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die theoretischen Erkenntnisse der Kognitiven Linguistik mit praxisorientierten didaktischen Ansätzen zu verbinden, um Wortschatzübungen effizienter zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fachdidaktische Analyse von Lehrwerken (Stichproben aus den letzten Lektionen) und stützt sich dabei auf Theorien der Kognitionswissenschaft und des L2-Erwerbs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die neurologischen Grundlagen der Sprache und bilinguale Modelle diskutiert, gefolgt von einer Untersuchung der Vokabelübungen in den Lehrwerken Rápido, Gente 1 und Español 2000.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Wortschatzerweiterung, kognitive Strategien, lexikalisches Wissen, Sprachdidaktik und die keyword-Methode.
Wie unterscheidet sich das Wortassoziationsmodell vom Konzeptmediationsmodell?
Das Wortassoziationsmodell beschreibt eine direkte, aber hierarchische Verbindung über die L1, während das Konzeptmediationsmodell eine gleichberechtigte, indirekte Verknüpfung beider Sprachen über ein gemeinsames Konzept postuliert.
Warum sind Zuordnungsübungen aus kognitiver Sicht vorteilhaft?
Sie ermöglichen es, Vokabeln nicht isoliert, sondern in paradigmatischen Relationen zu lernen, was die kognitive Vernetzung stärkt und das Memorieren durch taxonomisches Denken erleichtert.
Welche Schwächen weisen die untersuchten Spanischlehrwerke auf?
Die Analyse zeigt, dass explizite Wortschatzarbeit zugunsten der Grammatik vermittlung oft zu kurz kommt und häufige Strategien für selbstständiges Lernen wie semantische Vernetzung unterrepräsentiert sind.
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- Susanne Ziese (Author), 2008, Kognitive Lernstrategien im Fremdsprachenunterricht , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125632