Das Alltagsleben und das Bürgertum zur Zeit der Französischen Revolution


Seminararbeit, 2001
11 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Allgemeines und Überblick über das Bürgertum

3. Die Bedeutung des Brotes und des Brotpreises

4. Zeitungen und Theater

5. Menschen- und Bürgerrechte

6. Arbeit und ihre Bedingungen

7. Kirche im Zeichen der Revolution

8. Die Eheleute im Jahr II der Revolution

9. Die Heilige Pike der Brüderlichkeit

10. Schlußbemerkung

11. Literaturverzeichnis

12. Erklärung nach §31 Absatz 5 RaPo

1. Einleitung

Nichts hat unser freiheitlich-demokratisches Grundverständnis so geprägt, wie die Französische Revolution. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß dem Bürgertum hier erstmals seine eigene Bedeutung und seine Macht bewußt wird, worauf sich der Bürger aus eigener Kraft selbst erhebt, um öffentlich gegen vorherrschende Mißstände zu rebellieren. Nun möchte ich einen Überblick darüber geben, welche Umstände, die damals unter den Bürgern herrschten, zu der legendären Reformation führten.

2. Allgemeines und Überblick über das Bürgertum

Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich ein Zitat aus der Schrift von Sieýes anführen, der versucht, den 3. Stand zu definieren:

Was ist der 3. Stand? – Alles.

Was ist er bisher in der staatlichen Ordnung gewesen? – Nichts.

Was will er? – Etwas darin werden.[1]

Doch was ist der 3. Stand für den heutigen Beobachter? – Nichts anderes als das gemeine Bürgertum. Er bestand aus: Bürgern, Großbürgern (dies waren Kaufleute, Manufakturbesitzer, Bankiers), dem Mittleren Bürgertum (dazu zählten Handwerker, Freie Bauern), den wohlhabenden Bauern und den Kleinbürgern und Bauern.

Das Bürgertum sah sich selbst als die Nation an sich. In der Tat hätte es theoretisch völlig autonom bestehen können. Es umfaßte alle Elemente, derer es zu dessen Bildung und Erhaltung bedurfte.

Der 3.Stand machte ca.98% der Gesamtbevölkerung aus. 80% davon arbeiteten als Tagelöhner oder waren Bauern mit geringem Besitz. Das gesamte Bürgertum verfügte über ca. 25% des Grundbesitzes.

Es war zwar persönlich frei, wurde aber mit ca. 90% der Steuern belastet und zahlte bis zu einem Drittel seines Einkommens an Steuern und Abgaben (z. B. Königssteuer, Kirchenzehnten). Des weiteren war es zu Frondiensten gegenüber seinen Grundherren verpflichtet. Zusätzlich litt es unter Adelsprivilegien (z. B. Jagdrecht).

Hier noch ein kleines Zitat darüber, wie das Bürgertum den Adel sah:

„Die Adelskaste ist wirklich ein besonderes Volk, ein falsches Volk, das aus Mangel an nützlichen Organen nicht für sich alleine leben kann und sich daher an eine echte Nation hängt wie Pflanzenauswüchse, die nur vom Saft der Pflanzen leben können, die sie aussaugen und austrocknen. Alle Zweige der ausübenden Gewalt sind in die Hände der Kaste gefallen, aus der sich bereits die Kirche, die Justiz und das Militär rekrutieren. Der Hof regiert, nicht der Monarch. Der Hof schafft und verteilt die stellen und was ist der Hof anderes als die Spitze der Aristokratie, die ganz Frankreich bedeckt!“[2]

Wegen Finanzschwierigkeiten des Königs wurde der 3. Stand mit einer Fülle neuer Steuern belastet. Dies führte zu einer starken Zunahme der Arbeitslosigkeit, was unter anderem zu dem starken Elend in den unteren Schichten führte. Das Staatsdefizit stieg jedoch immer weiter an. Die dadurch immer weiter steigenden Steuern und Abgaben führten zu Verbitterung seitens der Bauern, Arbeiter und der kleinen Handwerker, die ohnehin bereits am Existenzminimum lebten.

Sie forderten daher die gleiche Besteuerung aller Stände und die Abschaffung von Frondiensten und Abgaben. Hiermit hatte das Bürgertum ein politisches Selbstbewußtsein gebildet.

Der 3. Stand wollte in der Generalversammlung, in der er mit 600 ausgewählten Repräsentanten vertreten war, mit Zustimmung des französischen Volkes seine Forderungen durchsetzen. Im 3. Stand durfte jeder Mann, der über 25 Jahre alt, Franzose und in der Steuerrolle eingetragen war, wählen. Dieses Wahlrecht galt allerdings nur für Aktivbürger (Besitzbürger), nicht für die Passivbürger (Bürger mit niedrigem Einkommen oder Männer unter 25 Jahren bzw. Frauen). Dieses System ist für die damalig Zeit als relativ demokratisch anzusehen. Als weiteres Medium, seine politische Meinung auszudrücken, gab es die sog. „Cashiers de doléanas“. Das waren Beschwerdehefte der Bürger, in die bei Versammlungen die Beschwerden des Bürgertums eingeschrieben wurden.

Des weiteren gab es die allgemeine Wehrpflicht, von der allerdings verheiratete Männer ausgeschlossen waren.

3. Die Bedeutung des Brotes und des Brotpreises

Das Brot war damals der alles beherrschende Mittelpunkt am gedeckten Tisch. Es war die Ernährungsgrundlage aller Franzosen. Das Brot wurde vom Hausherrn geschnitten und mit dem Kreuzeszeichen versehen. Dies sollte die Haltbarkeit des Brotes steigern. Jeder Einwohner Frankreichs aß bis zu 500 Gramm Brot täglich. Brot war das „Brot des Lebens“ und wurde in manchen Gegenden den Toten als letzte Gabe und Zeichen der Wiederauferstehung in den Sarg gelegt.

Es gab viele verschiedene Brotsorten. Es gab das weiße, zarte Brot („pain des Gonesse“) für die Aristokraten und das mißratene Brot das aus Teigresten für die Armen gemacht wurde („pain balle“, „Pain d’alise“). Die Zeit der Mißernten 1788 und der darauffolgende strenge Winter 1788/89 hatte nicht nur zur Folge, daß der Brotpreis erhöht wurde und 1789 den Höchststand des Jahrhunderts erreichte, es herrschte bei den Bauern auch Futtermangel für das Vieh aus dem sich notwendige Notschlachtungen ergaben und der Boden ohne Düngung brach gelassen werden mußte.

[...]


[1] Ernst Schulin; Die Französische Revolution; München 1988; S. 55

[2] Ernst Schulin; Die Französische Revolution; München 1988; S. 55

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Alltagsleben und das Bürgertum zur Zeit der Französischen Revolution
Hochschule
Hochschule München
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
11
Katalognummer
V12564
ISBN (eBook)
9783638184182
ISBN (Buch)
9783640471973
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
französische Revolution Pike Bastille Sturm Bürgertum Klerus Adel Frohn Steuern König
Arbeit zitieren
Martina Köppl (Autor), 2001, Das Alltagsleben und das Bürgertum zur Zeit der Französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12564

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