Die Hausarbeit basiert auf einen Text von Sigmund Freud und dem Film Vertigo von Alfred Hitchcock. Die Themen Trauer und Melancholie sind dabei zentrale Aspekte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Traueranalyse
2.1 Analyse der Trauer nach Sigmund Freud
2.2 Trauerarbeit
3. Melancholie
3.1 Melancholie nach Sigmund Freud
3.2 Klagen werden Anklagen - Melancholiearbeit
4. „Vertigo - Aus dem Reich der Toten“ von Alfred Hitchcock
4.1 Inhaltszusammenfassung des Films „Vertigo - Aus dem Reich der Toten“ von Alfred Hitchcock
4.2 Filmanalyse im Hinblick auf die Aspekte der Trauer- bzw. Melancholiearbeit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die psychologischen Mechanismen von Trauer und Melancholie auf Basis der Theorie von Sigmund Freud und überträgt diese Erkenntnisse auf das Verhalten des Protagonisten im Film „Vertigo“ von Alfred Hitchcock.
- Differenzierung zwischen Trauerprozessen und depressiver Melancholie.
- Analyse der libidinösen Bindung und des Identitätsverlusts nach Objektverlust.
- Untersuchung der narzisstischen Identifizierung und der Unfähigkeit zur Realitätsprüfung.
- Filmanalytische Betrachtung von Symbolik, Farbdramaturgie und psychologischer Charakterisierung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Melancholie nach Sigmund Freud
Nach Sigmund Freud ist die Melancholie „[...] eine tief schmerzliche Verstimmung, eine Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, durch den Verlust der Liebesfähigkeit, durch die Hemmung jeder Leistung und die Herabsetzung des Selbstwertgefühls, die sich in Selbstvorwürfen und Selbstbeschimpfungen äußert und bis zur wahrhaften Erwartung von Strafe steigert“ ( Freud, 1917, 429). Wie ich bereits erwähnt habe, sah Freud damals das als Melancholie an, was man heute als Depression bezeichnen würde. Es fällt auf, dass nach den Definitionen von Trauer und Melancholie beide gleiche Züge aufweisen. Der einzige Unterschied ist, dass die Trauer nach Freud keine Störung des Selbstwertgefühls mit sich zieht. Trotzdem ist es so, dass man bei der Trauer keinen Arzt konsultiert, weil dieser Gemütszustand in der Gesellschaft als „normal“ anerkannt wird.
Die Melancholie wird nach Freud ebenfalls als „[...] Reaktion auf den Verlust eines geliebten Objekts [...] (gesehen)“ (1917, 430). Dies muss aber nicht unbedingt der Tod sein. Diese Form von Verlust tritt zum Beispiel auch nach einer gescheiterten Beziehung auf; also wenn man zum Beispiel verlassen, enttäuscht oder betrogen wird. Die Ursachen der Melancholie gehen also über den Verlust durch den Tod hinaus. Sie umfassen auch Situationen wie Kränkung, Zurücksetzung und Enttäuschung. Der Melancholiker nimmt diesen Rückschlag allerdings nicht bewusst wahr. Es entsteht eine Leere, die er nicht begreifen kann. Dadurch, dass er nicht genau weiß, was er an dieser geliebten Person verloren hat, kann er den Schmerz nicht richtig verarbeiten. Der Melancholiker verliert sozusagen ein Stück von sich selbst. Denn diese Person war vorher ein Teil von ihm. So kommt es dazu, dass er den Schmerz auf sich selbst überträgt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die psychologische Fragestellung ein, wie Menschen einen Verlust verarbeiten, und definiert den theoretischen Rahmen sowie die Anwendung auf den Film „Vertigo“.
2. Traueranalyse: Dieses Kapitel erläutert nach Sigmund Freud den Trauerprozess als Reaktion auf Objektverlust und beschreibt die vier Stadien der Trauerarbeit nach Verena Kast.
3. Melancholie: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Melancholie als krankhafte Verstimmung beleuchtet, insbesondere die narzisstische Identifizierung und die Umwandlung von Objekt- in Ichverlust.
4. „Vertigo - Aus dem Reich der Toten“ von Alfred Hitchcock: Das Kapitel verknüpft die Handlung des Films mit den theoretischen Begriffen und analysiert visuelle Stilmittel im Hinblick auf den psychischen Zustand der Hauptfigur Scottie.
5. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass der Protagonist Scottie klassische Symptome einer melancholischen Verstimmung zeigt, die aus einer nicht bewältigten Trauerarbeit resultiert.
Schlüsselwörter
Trauer, Melancholie, Sigmund Freud, Objektverlust, Libido, Narzissmus, Filmanalyse, Alfred Hitchcock, Vertigo, Scottie Ferguson, Identifizierung, Depression, Trauerarbeit, Psychologie, Traumsequenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede und Zusammenhänge zwischen Trauer und Melancholie anhand von psychoanalytischen Theorien und wendet diese auf den Spielfilm „Vertigo“ von Alfred Hitchcock an.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind der menschliche Umgang mit Verlust, die Konzepte der Libidobindung und Narzissmus sowie die bildsprachliche Darstellung psychischer Zustände im Medium Film.
Was ist die primäre Forschungsfrage oder das Ziel?
Das Ziel ist es, das Verhalten des Protagonisten „Scottie“ im Film als melancholischen Prozess zu identifizieren und die Merkmale eines Melancholikers gemäß Freuds Definition aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine literaturgestützte Theorieanalyse durchgeführt, die anschließend durch eine filmanalytische Untersuchung – unter Berücksichtigung von Inszenierung, Farbe und Kameraeinstellungen – praktisch angewandt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Trauer und Melancholie nach Freud und Kast sowie eine detaillierte Filmanalyse von Hitchcocks „Vertigo“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Trauerarbeit, Melancholie, libidinöse Objektbesetzung, Narzissmus, Akrophobie und Identitätsverlust.
Warum spielt das Thema der „narzisstischen Identifizierung“ für Scottie eine so große Rolle?
Weil Scottie in der von ihm geliebten Frau ein Idealbild sieht, das er selbst verkörpern möchte. Durch den Verlust verschmilzt dieses Idealbild mit seinem Ich, was zu einer tiefen, selbstzerstörerischen Melancholie führt.
Wie zeigt der Film die psychische Entwicklung von Scottie visuell?
Der Film nutzt Farben (insbesondere das leuchtende Rot vs. graue Töne) und spezifische Kameratechniken wie den Zoom, um Scotties Höhenangst und seinen traumatischen Zustand physisch erfahrbar zu machen.
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- Josephine Königshausen (Author), 2007, Trauer und Melancholie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125679