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“Wendeverliererinnen” im Systemumbruch. Eine Analyse des Umgangs der Zeitschrift “Für Dich” mit strukturellen Problemen von Frauen von 1989 bis 1991

Titel: “Wendeverliererinnen” im Systemumbruch. Eine Analyse des Umgangs der Zeitschrift “Für Dich” mit strukturellen Problemen von Frauen von 1989 bis 1991

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2022 , 26 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Paul Hempfling (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit bestimmten strukturellen Problemlagen der Wendegesellschaft von 1989-1991 von welchen besonders Frauen betroffen waren. Die Untersuchung stellt sich vor dem Hintergrund der Wende und der Folgen dieser für ostdeutsche Frauen die folgende Frage: Wie werden die Probleme der “Wendeverliererinnen” in der illustrierten Zeitschrift “Für Dich” aufgegriffen und dargestellt und in welcher Form werden die Leser*innen in der Zeitschrift adressiert? Die Untersuchung greift dabei auf die historisch-kritische Methode sowie Ideen der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zurück und untersucht anhand dieser die Jahrgänge 1989, 1990 und 1991 der Zeitschrift “Für Dich”.

Bei der Untersuchung soll auf vier Tendenzen der Nachwendezeit im Bezug auf Frauen eingegangen werden, welche Ursula Rabe-Kleberg in ihrem Beitrag “Wird die Frauenfrage zur Privatsache? Geschlechterpolitik in den neuen Bundesländern” beschreibt. So soll untersucht werden, ob und wie die “Für Dich” folgende Tendenzen in der Nachwendezeit aufgreift: Frauen werden zunehmend von bestimmten Arten der Arbeit ferngehalten, genauer gesagt von bezahlter Arbeit überhaupt (sie werden erwerbslos) und von gut oder besser bezahlter Arbeit im Besonderen (sie verlieren ihre Positionen oder diese werden abgewertet). Zudem wird Erwerbsarbeit stärker als bisher hierarchisch differenziert, Leitungspositionen werden durchweg an Männer vergeben (vertikale Segregation).

Die Vereinbarkeit verschiedener Typen von Arbeit (Erwerbsarbeit und Hausarbeit) wird durch Entzug der Infrastruktur außerdem erschwert bis unmöglich. Abgesehen davon dethematisieren Arbeitszeitregime und Mobilitätserwartungen andere Formen von Arbeit, das sogenannte Normalarbeitsverhältnis basiert auf der Zuarbeit einer nicht- oder teilzeiterwerbstätigen Ehefrau. Zusätzlich werden noch zwei weitere Themenbereiche in der Untersuchung behandelt: Wie geht die “Für Dich” allgemein auf die Geschehnisse in der Wendezeit ein? Und welche frauenspezifischen Kritiken / Forderungen werden in der “Für Dich” in der Wendezeit adressiert?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frauen- und Familienpolitik in der DDR

2.1 Maßnahmen zur Integration von Frauen in die Erwerbsarbeit

2.2 Gleichberechtigung?

3. Transformation und Systemwechsel mit der “Wende”

3.1 Arbeitslosigkeit

3.2 Neue Strukturen

4. Materialuntersuchung

4.1 Erkenntnisse

4.2 Jobverlust und Erwerbslosigkeit

4.3 Allgemein

4.4 Kritik

4.5 Wechsel im Rollenverständnis von Frauen

4.6 Wegfall von sozialen Institutionen / Vereinbarkeit von Familie und Beruf

4.7 Vertikale und horizontale Segregation

5. Schlussbetrachtung / Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die DDR-Frauenzeitschrift „Für Dich“ die spezifischen Probleme und die prekäre Lage ostdeutscher Frauen, sogenannter „Wendeverliererinnen“, während der Transformationsphase von 1989 bis 1991 thematisierte und welche Rolle sie bei der Adressierung dieser Herausforderungen einnahm.

  • Transformation der Arbeitsmarktstrukturen und ihre geschlechtsspezifischen Folgen.
  • Wegfall sozialer Infrastrukturen wie Kinderbetreuung und deren Auswirkung auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • Mediale Repräsentation von Arbeitslosigkeit und Rollenbildern für Frauen in der Wendezeit.
  • Analyse der redaktionellen Strategien von „Für Dich“ zur Einordnung politischer Veränderungen für die ostdeutsche Leserschaft.
  • Kritische Aufarbeitung des Einflusses der SED-nahen Vergangenheit auf die Berichterstattung in der Umbruchphase.

Auszug aus dem Buch

3.2 Neue Strukturen:

Die im vorherigen Abschnitt dargestellte Problematik der überproportionalen Betroffenheit von Frauen durch Arbeitslosigkeit stellte eine der konkretesten Problemlagen in der Wendezeit dar. Auslöser für die beschriebenen Prozesse waren zum einen die neue Konkurrenzsituation der Betriebe, zum anderen waren die Bürger*innen der DDR und insbesondere die ostdeutschen Frauen mit der Wende jedoch mit einem vollkommen neuen politischen System konfrontiert, welches die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen in seinen institutionellen-, organisatorischen und moralischen Strukturen verinnerlicht hatte. So fanden ostdeutsche Frauen nach der Wende familien- und frauenpolitische Regelungen vor, welche sich an der patriarchal strukturierten, arbeitsteiligen Kleinfamilie orientierten. Dies führte dazu, dass die neuen Ordnungsmuster mit seinen Optionen und sozialen Infrastrukturen, welche ausgerichtet waren, auf die Lebenszusammenhänge von westdeutschen Frauen nicht konfliktlos auf die Problemlagen ostdeutscher Frauen übertragen werden konnten. Teils gingen sie an gesamten Bevölkerungsgruppen Ostdeutschlands vorbei.

Alleinerziehende bspw. fanden sich in diesem System kaum wieder, da sie in der BRD nur einen kleinen Teil der Gesellschaft ausmachten, ganz anders in den neuen Bundesländern. Dies führte dazu, dass viele ostdeutsche Frauen die sozialstaatlichen Offerten der BRD nicht nutzten oder schlicht ignorierten. Besonders deutlich wird die arbeitsteilige, an der Kleinfamilie orientierte Ausrichtung der BRD-Sozial- und Familienpolitik an dem Wegfall von Infrastrukturen, welche Frauen die Vereinbarkeit von Familie- und Beruf ermöglichten. Schließungen von Kinderkrippen, Kindergärten und Horten wurden unter Rückbezug auf das „Normalverhältnis“ der westdeutschen Geschlechterverhältnisse als wenig problematisch wahrgenommen. Das „Normalverhältnis“ zwischen Männern und Frauen in der BRD sah vor, dass die Frau sich um den Haushalt und die Kinder kümmerte und höchstens zuarbeitend in Teilzeit einem Beruf nachging. Bildlich gesprochen bestehen auch nach der Wende noch „Mauern im Kopf“, welche über die Gestaltung des Geschlechterverhältnisses und somit über die Stellung von Frauen in der neuen Gesellschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die biographische Zäsur der Wende 1989/90 und die daraus resultierende schwierige ökonomische Lage für DDR-Frauen ein.

2. Frauen- und Familienpolitik in der DDR: Dieses Kapitel analysiert die staatliche Gleichstellungs- und Familienpolitik der DDR, die maßgeblich auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt ausgerichtet war.

3. Transformation und Systemwechsel mit der “Wende”: Es wird der Prozess des Systemwechsels beleuchtet, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der für Frauen existenzbedrohenden Arbeitslosigkeit liegt.

4. Materialuntersuchung: Dieser Teil bildet das Herzstück der Arbeit, in dem die Zeitschrift „Für Dich“ anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse hinsichtlich frauenspezifischer Themen in der Wendezeit untersucht wird.

5. Schlussbetrachtung / Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie „Für Dich“ trotz ambivalenter Berichterstattung eine wichtige Rolle als Stimme und Informationsquelle für die ostdeutsche Frau einnahm.

Schlüsselwörter

Wende, Wendeverliererinnen, Für Dich, DDR, Transformation, Frauenzeitschrift, Arbeitslosigkeit, Gleichstellung, Systemwechsel, Familienpolitik, Vereinbarkeit, Geschlechterverhältnis, Ostdeutsche Frauen, Inhaltsanalyse, Erwerbsbiografien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die mediale Darstellung und den Umgang der auflagenstarken DDR-Frauenzeitschrift „Für Dich“ mit den Problemen ostdeutscher Frauen während des Systemwechsels 1989 bis 1991.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zentrale Themen sind die Auswirkungen der Transformation auf den Arbeitsmarkt, der Wegfall von Kinderbetreuungseinrichtungen und die Veränderung weiblicher Rollenbilder.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die „Für Dich“ die spezifischen Problemlagen der sogenannten „Wendeverliererinnen“ aufgegriffen hat und ob sie ihre Leserinnen in dieser Umbruchszeit unterstützen konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf die historisch-kritische Methode sowie auf Ansätze der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die DDR-Frauenpolitik und die Krisenerfahrungen nach der Wende (Arbeitslosigkeit, Segregation) theoretisch erörtert und anschließend die Zeitschrift „Für Dich“ anhand spezifischer Kategorien empirisch ausgewertet.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wende, Transformationsprozess, Geschlechterrolle, Arbeitsmarkt und DDR-Frauengeschichte charakterisieren.

Wie ging die Redaktion von „Für Dich“ mit der politischen Wende um?

Die Redaktion änderte ihre Linie mit dem Wegfall des politischen Drucks schlagartig und begann, offen und kritisch über die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in der Wendegesellschaft zu berichten.

Welche Rolle spielte das „Normalverhältnis“ der BRD in der Arbeit?

Das „Normalverhältnis“ dient als Erklärungsmodell für den Wegfall sozialer Infrastrukturen, da westdeutsche Vorstellungen von Hausfrau und Kleinfamilie die DDR-Strukturen ablösten und Frauen benachteiligten.

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Details

Titel
“Wendeverliererinnen” im Systemumbruch. Eine Analyse des Umgangs der Zeitschrift “Für Dich” mit strukturellen Problemen von Frauen von 1989 bis 1991
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Geschichte)
Veranstaltung
Vertiefungsmodul Moderne: Propagierte Frauen(leit)bilder und feministische Debatten in DDR-Frauenzeitschriften und der ostdeutschen Frauenbewegungspresse (1949-2000)
Note
1,3
Autor
Paul Hempfling (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
26
Katalognummer
V1256803
ISBN (PDF)
9783346696182
ISBN (Buch)
9783346696199
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenbilder feministische Debatte Wende Systemumbruch Frauenzeitschriften DDR Wendeprobleme
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Paul Hempfling (Autor:in), 2022, “Wendeverliererinnen” im Systemumbruch. Eine Analyse des Umgangs der Zeitschrift “Für Dich” mit strukturellen Problemen von Frauen von 1989 bis 1991, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1256803
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Leseprobe aus  26  Seiten
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