Diesem Essay liegt Platons "Theaitetos" zugrunde. Ziel ist es, den Selbstwiderspruch des Protagoras darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Selbstwiderspruch des Protagoras
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erkenntnistheoretische Auseinandersetzung zwischen Sokrates und Theaitetos in Platons gleichnamigem Dialog, wobei das Hauptaugenmerk auf der kritischen Prüfung der These liegt, dass Erkenntnis mit Wahrnehmung identisch sei, sowie auf der daraus resultierenden Widerlegung des protagoreischen Relativismus durch Sokrates.
- Analyse der Definition von Wissen als Wahrnehmung (aisthesis)
- Untersuchung der sokratischen Argumentationsstrategie und Begriffspräzisierung
- Kritische Beleuchtung der Gleichsetzung von Wahrnehmung und Sinnesempfindung
- Identifikation und Lösung des Selbstwiderspruchs im Satz des Protagoras
Auszug aus dem Buch
Der Selbstwiderspruch des Protagoras
Sokrates fragt den noch jugendlichen Theaitetos, ob er ihm wohl sagen könne, was Erkenntnis bzw. Wissen sei, und dieser antwortet schließlich, dass „der, welcher erkennt, doch immer wahrnehme, was er erkenne“ und Erkenntnis demzufolge wohl nichts anderes als Wahrnehmung (aisthesis) sei (vgl. 151e).
Das Anliegen des nun folgenden Dialogs liegt allem Anschein nach in der Widerlegung dieses Satzes. Doch unser Augenmerk sollte nicht nur hierauf gerichtet sein. Eine hervorzuhebende Leistung dieser Debatte liegt nämlich in der Präzisierung der Begriffe und damit in der Ausschaltung etwaiger Missverständnisse in ihren Interpretationen. Wenn Sokrates auch die Annahme des Theaitetos für widerlegt und am Ende des Dialogs gar die gesamte Erörterung für gescheitert erklärt, so heißt das unter Berücksichtigung dieser besonderen Leistung des Dialogs, dass der Gedankenaustausch tatsächlich nicht gescheitert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Selbstwiderspruch des Protagoras: Die Arbeit thematisiert die sokratische Widerlegung des protagoreischen Relativismus unter besonderer Berücksichtigung der erkenntnistheoretischen Umdeutung des Begriffs der Wahrnehmung im Dialog Theaitetos.
Schlüsselwörter
Platon, Theaitetos, Sokrates, Protagoras, Erkenntnistheorie, Wahrnehmung, aisthesis, Relativismus, Homo-Mensura-Satz, Selbswiderspruch, Ontologie, Sinnesempfindung, Vorstellung, Wissen, Reductio ad absurdum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophische Auseinandersetzung in Platons Dialog Theaitetos, in dem der Jugendliche Theaitetos und Sokrates den Begriff des Wissens diskutieren.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Definition von Erkenntnis als Wahrnehmung sowie die erkenntnistheoretischen und ontologischen Konsequenzen des Relativismus von Protagoras.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sokrates die These von der Wahrnehmung als Erkenntnis durch eine geschickte Umdeutung in eine ontologische Aussage überführt, um den Relativismus des "Menschen als Maß aller Dinge" zu widerlegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die den Argumentationsverlauf des sokratischen Dialogs dekonstruiert und die logischen Brüche bzw. Strategien herausarbeitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die sokratische Argumentation, die Unterscheidung zwischen Sinnesempfindung und Vorstellung sowie die finale reductio ad absurdum des Protagoras-Satzes.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind aisthesis (Wahrnehmung), Erkenntnis, subjektiver Relativismus, der Homo-Mensura-Satz und die ontologische Seinsauffassung.
Warum betont der Autor, dass der Dialog nicht gescheitert ist?
Obwohl Sokrates das Ende der Untersuchung als "ergebnislos" bezeichnet, liegt der Wert des Dialogs in der präzisen Begriffsklärung und dem intellektuellen Austausch selbst.
Wie unterscheidet Sokrates Sinnesempfindung von Vorstellung?
Sokrates argumentiert, dass eine Vorstellung bereits ein Urteil enthält und somit einen Wahrheitsanspruch erhebt, während die bloße Sinnesempfindung diesen Status bei weitem nicht immer besitzen kann.
Was ist die Konsequenz des Selbstwiderspruchs bei Protagoras?
Wenn alles wahr ist, weil es subjektiv so erscheint, dann ist auch die Behauptung, der Satz des Protagoras sei falsch, wahr. Dies führt zu einem logischen Widerspruch, der die Position des Protagoras untergräbt.
- Arbeit zitieren
- Eckhard Janiesch (Autor:in), 2014, Der "Theaitetos" von Platon. Der Selbstwiderspruch des Protagoras, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1256814