In der Hausarbeit wird die Darstellung des Leichnams in verschiedenen Werken der Kinder- und Jugendliteratur herausgearbeitet. Darunter werden Werke analysiert wie beispielsweise Donna Freitas' "Wieviel Leben passt in eine Tüte?" (2020).
Es soll die Annahme untersucht werden, ob der Leichnam durch den Wandel hin zur Bereitschaft „Tod und Sterben“ direkter zu thematisieren, gleichsam bestimmter beschrieben wird, um zur Auseinandersetzung damit beizutragen.
Die gewählten Kinder- und Jugendbücher beschäftigen sich vordergründig mit der Todesthematik, werden aber in der Arbeit auf die Textstellen, welche den Leichnam erwähnen, reduziert und anschließend auf ihre Bestimmtheit und das für die Leser*innen entstehende Gesamtbild hin untersucht. Um das Wesen des Leichnams einordnen zu können, werden als Erstes theoretische Grundlagen dargestellt und anschließend zusammengeführt. Die Analyse der ausgewählten Werke der Kinder- und Jugendliteratur erfolgt über die Methode der Wirkungsästhetik von Wolfgang Iser. Die Darstellung der Herangehensweise dieser leserorientierten Methode wird den Einzelanalysen und der zusammenführen-den Auswertung vorangestellt. Abschließend folgt das Fazit, welches die formulierte Annahme aufgreift, die Ergebnisse zusammen-führt und eine Herangehensweise an die Thematik für Lehrer*innen des Faches Deutsch vorschlägt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffserklärung des Leichnams
2.2 Der Umgang mit dem Leichnam in der Gesellschaft
2.3 Die kindliche Entwicklung eines Todeskonzepts
2.4 Der Leichnam in der Literatur
3 Zusammenführung
4 Methodische Herangehensweise
5 Einzelanalysen
5.1 Virenzo und ich (Mireille Geus)
5.2 Das Schloss der Frösche (Jostein Gaarder)
5.3 Fee - Schwestern bleiben wir immer (Monika Feth)
5.4 Wenn ich bleibe (Gayle Forman)
5.5 Das Jahr ohne Pit: Ein Tagebuch (Maja Gerber-Hess)
5.6 Wie viel Leben passt in eine Tüte? (Donna Freitas)
5.7 Und was ist mit mir? (Monika Feth)
5.8 Francis oder Das Tränen-Tattoo (Garret Freymann-Weyr)
5.9 Glück ist eine Gleichung mit 7 (Holly Goldberg Sloan)
5.10 Nach dem Regen scheint die Sonne (Sven Gerhardt)
6 Auswertung der Einzelanalysen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Leichnams in ausgewählten Werken der Kinder- und Jugendliteratur. Ziel ist es, zu analysieren, wie der tote Körper thematisiert wird und welche Wirkung diese Beschreibungen auf die kindliche oder jugendliche Leserschaft haben, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung eines realistischen Todeskonzepts.
- Die gesellschaftliche und kulturelle Wahrnehmung des toten Körpers.
- Die Entwicklung des kindlichen Todesverständnisses.
- Die literarische Inszenierung des Todesmotivs in der aktuellen Jugendliteratur.
- Die Anwendung der wirkungsästhetischen Methode nach Wolfgang Iser zur Textanalyse.
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffserklärung des Leichnams
Die Leiche oder der Leichnam bezeichnet einen „leblos gewordene[n] Körper“ (Wuermeling 2020, S. 148). Dabei ist der Ausdruck Leiche dem Menschen und die Bezeichnung Kadaver dem Tier vorbehalten. Die menschliche Leiche kann herkömmlich auch als entseelter Leib bezeichnet werden (vgl. ebd.). Um den Tod festzustellen, können sichere Todeszeichen wie Totenflecken, Totenstarre, gegebenenfalls Verwesung und der Hirntod untersucht werden. Letzteres ist jedoch strittig, da diesbezüglich die Frage geklärt werden müsste, ob der vital konservierte Leichnam nach der Feststellung des Hirntodes bereits ein Leichnam ist oder nicht. Rechtlich wird er als Leiche betrachtet (vgl. ebd.). Bevor die Todesstarre eintritt, werden der Leiche Augen geschlossen und der Unterkiefer hochgebunden. Dadurch wird ein erschreckendes Bild des Leichnams vermieden und das „Wunschbild vom Toten“ als einem Schlafenden (Wuermeling 2020, S. 151) wird aufrechterhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Todes und den Umgang mit dem Leichnam in der Kinder- und Jugendliteratur ein und definiert die forschungsleitende Annahme.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Begriffe des Leichnams, die gesellschaftliche Wahrnehmung, die psychologische kindliche Entwicklung des Todeskonzepts und die literarische Einordnung.
3 Zusammenführung: Das Kapitel fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen, der zeigt, dass der Umgang mit dem Leichnam nach wie vor ein schwieriges und oft vermiedenes Tabuthema ist.
4 Methodische Herangehensweise: Hier wird die wirkungsästhetische Methode nach Wolfgang Iser vorgestellt, die zur Analyse der ausgewählten Werke dient.
5 Einzelanalysen: In diesem Hauptteil werden zehn verschiedene Kinder- und Jugendbücher hinsichtlich der Darstellung des toten Körpers detailliert untersucht.
6 Auswertung der Einzelanalysen: Das Kapitel vergleicht die Ergebnisse der Einzelanalysen und zeigt auf, dass der tote Körper in den Werken selten explizit im Vordergrund steht.
7 Fazit: Das Fazit resümiert die Analyseergebnisse und bestätigt, dass der Leichnam meist nur indirekt oder euphemistisch beschrieben wird.
Schlüsselwörter
Todeskonzept, Leichnam, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Wirkungsästhetik, Wolfgang Iser, Tod, Sterben, Euphemismus, Unbestimmtheitsstelle, Rezeptionsästhetik, Todesdarstellung, Kindliche Entwicklung, Literaturdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung des toten Körpers (Leichnam) in zeitgenössischen Werken der Kinder- und Jugendliteratur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Umgang mit dem Tod in der Gesellschaft, die kindliche psychologische Entwicklung eines Todesbegriffs sowie die ästhetische Wirkung literarischer Texte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob und wie der Leichnam in Kinderbüchern beschrieben wird und welche Rolle diese Beschreibungen für das Verständnis des Todes durch die jungen Leser spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die wirkungsästhetische Analysemethode nach Wolfgang Iser, um zu untersuchen, wie Leser durch Textstellen (Leerstelle, Unbestimmtheitsstelle) zur eigenen Bedeutungskonstruktion angeregt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zehn spezifische Kinder- und Jugendromane, wie beispielsweise "Virenzo und ich" oder "Wenn ich bleibe", auf ihre explizite oder implizite Beschreibung des Leichnams hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Todeskonzept, Leichnam, Kinder- und Jugendliteratur, Wirkungsästhetik und Euphemisierung.
Warum wird der Leichnam in den Büchern oft nur vage beschrieben?
Die Analyse zeigt, dass Autoren oft euphemistische Begriffe nutzen (z.B. "schlafen"), um die Konfrontation mit der harten Realität des Todes zu mildern und die Leserschaft nicht zu überfordern.
Welche Rolle spielt der Begriff "Unbestimmtheitsstelle" bei der Analyse?
Unbestimmtheitsstellen erlauben es dem Leser, die vagen Beschreibungen des toten Körpers durch eigene Vorstellungen oder Erfahrungen zu ergänzen, was den Leseakt aktiv gestaltet.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für die pädagogische Praxis?
Die Autorin schlägt vor, dass Lehrkräfte diese literarischen Werke nutzen können, um mit Kindern und Jugendlichen behutsam über den Tod zu sprechen und ein realistisches Todeskonzept zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Die Darstellung des Leichnams in der Kinder- und Jugendliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1256973