In dieser Fallstudie der Familienbildung wird dargestellt, wie man anhand einer qualitativen Sozialforschung in einem Sozialraum die Teilhabe an Bildungsangeboten für einkommensschwache Eltern ermöglichen kann. Gesetzlich besteht ein Anspruch für sozial schwache Familien, der im Sozialgesetzbuch VIII (Kinder- und Jugendhilfe) festgeschrieben ist.
Ausgewählte Methoden zeigen, wie man das Angebot der Familienbildung in diesem Sozialraum ermöglichen kann. Die Methodik soll auch beschreiben, welche Einflüsse bzw. Ursachen dafür verantwortlich sind, dass einige Familien und ihren Voraussetzungen an den Angeboten wie z.B. Bildungsprogramme, Workshop-Konzepte und Bildungsmaterialien nicht teilhaben/-nehmen können. Für die Sozialforschung in einem Sozialraum wie in diesem Beispiel ist eine präzise Fragestellung für das zu erforschende Thema von großer Bedeutung. Diese Frage soll die Grundlage für das erfasste Problem darstellen und zur Lösung bzw. Theoriebildung beitragen. Für eine qualitative Forschung wird mittels eines qualitativen Forschungsdesigns ein Leitfaden erstellt, der alle relevanten Ansichten mit der dargestellten Literatur für das Forschungsvorhaben zusammenführt.
Inhaltsverzeichnis
Darstellung des Falls
1 Einleitung
2 Formulierung der Fragestellung und des Erkenntnisinteresses
3 Methodologische Positionierung
4 Bestimmung des Forschungsfeldes
5 Das Sampling
6 Erhebungsverfahren
6.1 Erhebungsverfahren im südlichen Raum von Beispielhausen
6.2 Erhebungsverfahren im nördlichen Raum von Beispielhausen
7 Auswertungsverfahren und Transkription
7.1 Transkription
7.2 Auswertungsverfahren
8 Grundlagentheoretische Einbettung der Forschung
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, mittels qualitativer Sozialforschung die Gründe für die geringe Teilnahme einkommensschwacher Eltern an Familienbildungsangeboten in einem spezifischen Sozialraum zu identifizieren, um darauf basierend Inklusionsmaßnahmen zu entwickeln.
- Analyse von Inklusionsbarrieren in der Familienbildung
- Vergleichende Untersuchung zweier räumlicher Sozialbereiche
- Methoden der qualitativen Sozialforschung (narrative und problemzentrierte Interviews)
- Dokumentarische Methode zur Interpretation von Sinnstrukturen
- Evaluierung von Ansätzen zur Förderung der Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
Erhebungsverfahren im nördlichen Raum von Beispielhausen
Im nördlichen Raum des Ortes befinden sich die einkommensschwachen Eltern. Für diesen Sozialraum bietet sich als Erhebung von Gründen der Nichtteilnahme das Problemzentrierte Interview an. Der Begriff des problemzentrierten Interviews wurde von Andreas Witzel eingeführt.
Die Problemstellung hat der Interviewer in dieser Interview-Variante bereits analysiert (Feldforschung) und bestimmte Betrachtungsweisen in einem Interviewleitfaden zusammengestellt. Der Interviewer lässt den Befragten relativ frei zu Wort kommen und stellt somit eine gewisse Offenheit im Gespräch dar (vgl. Mayring 2002, S. 67). Die Adressaten aus diesem Sozialraum benötigen Vertrauen, um sich dem Befrager zu öffnen. Der Interviewer sollte in seiner Handlung eine realistische Vorstellung und ein theoretisch-wissenschaftliches Vorverständnis in seiner Erhebung mitbringen.
Der Forscher/Interviewer hat bereits Vorstellungen durch Erfahren oder Literatur im Bereich der Sozialraumorientierung (Sozialraumanalyse). Qualitatives Forschen bedeutet auch, wenn sich der Forscher von seinem Vorwissen freimacht und offen (ohne Ergebnisse oder Vermutungen) in das soziale Feld geht. Selbstverständlich ist es für eine objektive Erhebung wichtig, dass der Adressat offen und frei antworten kann. Nur wenn der/die Befragte sich gleichbehandelt fühlt, können eindeutige Rückschlüsse zum Problem erkennbar gemacht werden. Das problemzentrierte Interview hat keinen rein erforschenden Sinn, da die Perspektiven der Problemanalyse in die Leitfadenerstellung aufgenommen werden (vgl. Grünberg 2014, S. 40-41). Ein wichtiger Punkt ist die teilweise Standardisierung durch den Leitfaden, wodurch die Interviews leichter verglichen werden können (Mayring 2002, S. 70). Die Interviews sind durch den Leitfaden strukturiert und behalten dennoch den Charakter offener, vertrauensvoller Gespräche (Mayring, 2002, S. 72). Gerade in diesen Sozialräumen, wie im nördlichen Bereich, spielt die Offenheit in der Erhebung gegenüber den Familien für eine konkrete Problemanalyse eine wichtige Rolle. Ist der Interviewer in seinen Fragen unauthentisch oder nicht offen genug, kann die Problemanalyse in eine falsche Richtung gehen und die Auswertung ergibt nicht das gewünschte Ergebnis, das heißt, dass eine Inklusion der Eltern folglich scheitert.
Zusammenfassung der Kapitel
Darstellung des Falls: Es wird die Problemstellung der geringen Teilnahme einkommensschwacher Familien an Bildungsangeboten in einem geteilten Sozialraum geschildert.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung von Familienbildung als soziale Dienstleistung ein und legitimiert die Wahl der qualitativen Sozialforschung zur Untersuchung der Inklusion.
2 Formulierung der Fragestellung und des Erkenntnisinteresses: Hier wird die zentrale Forschungsfrage nach notwendigen Maßnahmen zur Steigerung der Teilnahme von einkommensschwachen Eltern an Familienbildung formuliert.
3 Methodologische Positionierung: Das Kapitel begründet die Notwendigkeit eines qualitativen Vorgehens und betont die Bedeutung von Inklusion bei der Auswahl der Untersuchungsmethoden.
4 Bestimmung des Forschungsfeldes: Es erfolgt eine theoretische Eingrenzung des Untersuchungsgebiets, wobei die Sozialraumorientierung als Konzept zur Vermeidung von Ausgrenzung herangezogen wird.
5 Das Sampling: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl der Stichprobe, um für die Forschungsfrage relevante Informationen aus der Grundgesamtheit zu gewinnen.
6 Erhebungsverfahren: Es werden narrative und problemzentrierte Interviews als Instrumente vorgestellt, um tiefere Einblicke in die Lebenswelten der Familien zu erhalten.
7 Auswertungsverfahren und Transkription: Die dokumentarische Methode wird als zentrales Analysewerkzeug beschrieben, um kollektive Sinnstrukturen der Zielgruppen freizulegen.
8 Grundlagentheoretische Einbettung der Forschung: Hier werden externe Forschungsprojekte und Leitfäden, etwa zur Inklusion von Menschen mit Behinderung, als Vergleichsbasis hinzugezogen.
9 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass durch eine fundierte qualitative Sozialforschung Effektivität und Inklusion von Familienbildungsangeboten nachhaltig gesteigert werden können.
Schlüsselwörter
Familienbildung, qualitative Sozialforschung, Sozialraumorientierung, Inklusion, Problemzentriertes Interview, Narratives Interview, Sozialschwache Familien, Dokumentarische Methode, Sinnstruktur, Bildungsangebote, Teilhabe, Feldforschung, Ausgrenzung, Armutsprävention, Familienhilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gründe für die ungleiche Inanspruchnahme von Familienbildungsangeboten durch einkommensschwache Familien im Vergleich zu finanziell besser gestellten Familien in einem definierten Sozialraum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind Familienbildung, Inklusion im Sozialraum, qualitative Sozialforschung, sowie die Anwendung von Interviewmethoden zur Bedarfsanalyse.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Methoden und Maßnahmen zu identifizieren, die einkommensschwache Eltern dazu befähigen und motivieren, an notwendigen Familienbildungsangeboten teilzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es kommt die qualitative Sozialforschung zum Einsatz, insbesondere mit narrativen und problemzentrierten Interviews sowie der dokumentarischen Methode zur Datenauswertung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Forschungsdesign, die Bestimmung des Feldes, die Sampling-Strategie, die Erhebungsverfahren sowie die theoretische Fundierung über andere Inklusionsprojekte erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind Familienbildung, Inklusion, Sozialraumorientierung, qualitative Indikatoren und eine teilnehmerorientierte Bedarfsanalyse.
Warum wird zwischen dem nördlichen und südlichen Stadtbereich unterschieden?
Die Unterscheidung ist für die Forschung essenziell, da die Teilnahmequoten an Bildungsangeboten zwischen den beiden Regionen stark variieren, was vermutlich mit dem unterschiedlichen sozioökonomischen Status der ansässigen Familien korreliert.
Welche Rolle spielt die "dokumentarische Methode" bei der Auswertung?
Sie dient dazu, über den wörtlichen Inhalt hinaus die dahinterliegenden kollektiven Sinnstrukturen und Orientierungen der Adressaten zu rekonstruieren, um zu verstehen, wie die Familien ihre Lebenssituation wahrnehmen.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2021, Die geringe Teilnahme an Familienbildung. Eine Fallstudie mit qualitativen Forschungsmethoden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257027