Beinahe jeder Mensch ist heutzutage durch verschiedenste Filme, Serien oder andere Medien wenigstens einmal in seinem Leben mit den Geschichten von Superhelden in Kontakt gekommen. Doch wo liegt der Ursprung der Konzeption dieser Superhelden? Ist sie eine Erfindung der modernen Welt und der Regisseure oder stammt sie aus älteren, literarischen Werken und hat demnach ihre Vorbilder in vergangenen Zeiten?
Schaut man sich die Verfilmung des Comics Thor aus dem Jahr 2011 an, so scheint es zunächst abwegig, die Figur des Thors in diesem Film aus dem 21. Jahrhundert mit einem Bild abzugleichen, das aus dem Mittelalter stammt und eigentlich, so meint man, veraltet und nicht mehr aktuell erscheint. Aus diesem Grund werden wir uns in dieser Arbeit mit dem Vergleich des Protagonisten Thors und einem Protagonisten aus der älteren Literatur beschäftigen.
Hierfür soll beispielhaft der Held des ersten Artusromans von Hartmann von Aue namens Erec herangezogen werden. Zunächst soll eine Definition eines mittelalterlichen Ritters gefunden werden. Diese beinhaltet die Ideale und die Prinzipien, nach denen er handelt und agiert. Anschließend werden die beiden Protagonisten mit diesem Ritterbild und deren Handlungen miteinander verglichen. Dabei soll herausgearbeitet werden, inwiefern man in Bezug auf die Entwicklung Thors von einem „Coming-of-the-age” sprechen kann, welches seinen Weg vom unreifen, impulsiven Jungen zum verantwortungsvollen, erwachsenen Herrscher beschreibt. So sollte am Ende dieser Arbeit die Frage beantwortet sein, inwiefern Thor mit einem mittelalterlichen Ritter zu vergleichen ist und welche Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede dabei festgestellt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erklärung und Definition "Thor"
3. Die Konzeption des mittelalterlichen Ritters
4. Wie wird der Weg im Erec dargestellt?
4.1 Der Weg in die Schuld (erster Kursus)
4.2 Der Weg aus der Schuld (zweiter Kursus)
4.3 Die Beziehung zu Enite und die Frage nach ihrer Mitschuld
5. Wie wird das Ritterbild aus dem Mittelalter in Thor aufgegriffen?
5.1 Die Beziehung von Thor zu Jane
6. Gegenüberstellung der Handlungen im „Thor“ und im „Erec“
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, das moderne Bild des Superhelden Thor mit dem klassischen Ideal des mittelalterlichen Ritters anhand von Hartmann von Aues Erec zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Entwicklung zu identifizieren.
- Analyse des ritterlich-höfischen Tugendsystems
- Untersuchung der Entwicklungswege (Coming-of-age) beider Protagonisten
- Vergleichende Betrachtung der Frauenfiguren Enite und Jane
- Gegenüberstellung von Schuld, Bewährung und ritterlichem Verhalten
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Beinahe jeder Mensch ist heutzutage durch verschiedenste Filme, Serien oder andere Medien wenigstens einmal in seinem Leben mit den Geschichten von Superhelden in Kontakt gekommen. Doch wo liegt der Ursprung der Konzeption dieser Superhelden? Ist sie eine Erfindung der modernen Welt und der Regisseure oder stammt sie aus älteren, literarischen Werken und hat demnach ihre Vorbilder in vergangenen Zeiten?
Schaut man sich die Verfilmung des Comics Thor aus dem Jahr 2011 an, so scheint es zunächst abwegig die Figur des Thors in diesem Film aus dem 21. Jahrhundert, mit einem Bild abzugleichen, das aus dem Mittelalter stammt und eigentlich, so meint man, veraltet und nicht mehr aktuell erscheint.
Aus diesem Grund werden wir in dieser Arbeit mit dem Vergleich des Protagonisten Thors und einem Protagonisten aus der älteren Literatur beschäftigen. Hierfür soll beispielhaft der Held des ersten Artusromans von Hartmann von Aue namens Erec herangezogen werden. Zunächst soll eine Definition eines mittelalterlichen Ritters gefunden werden. Diese beinhaltet die Ideale und die Prinzipien, nach denen er handelt und agiert. Anschließend werden die beiden Protagonisten mit diesem Ritterbild und deren Handlungen miteinander verglichen. Dabei soll herausgearbeitet, inwiefern man in Bezug auf die Entwicklung Thors von einem „Coming-of-the-age“ sprechen kann, welches seinen Weg vom unreifen, impulsiven Jungen zum verantwortungsvollen, erwachsenen Herrscher beschreibt. So sollte am Ende dieser Arbeit die Frage beantwortet sein, inwiefern Thor mit einem mittelalterlichen Ritter zu vergleichen ist und welche Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede dabei festgestellt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach der Vergleichbarkeit des modernen Helden Thor mit dem mittelalterlichen Ritterideal aus Erec vor.
2. Erklärung und Definition "Thor": Gibt einen Überblick über die mythologische Herkunft der Figur Thor.
3. Die Konzeption des mittelalterlichen Ritters: Definiert die ritterlich-höfischen Tugenden wie Mâze, Milte und Triuwe.
4. Wie wird der Weg im Erec dargestellt?: Analysiert die Schuldproblematik und den Weg Erecs durch verschiedene Episoden.
5. Wie wird das Ritterbild aus dem Mittelalter in Thor aufgegriffen?: Untersucht die Übertragbarkeit der Tugenden auf Thors Verhalten im Film.
6. Gegenüberstellung der Handlungen im „Thor“ und im „Erec“: Vergleicht die Entwicklungszyklen der beiden Protagonisten.
7. Fazit: Fasst zusammen, dass moderne Superhelden durchaus als moderne ritterliche Figuren verstanden werden können.
Schlüsselwörter
Thor, Erec, Rittertum, höfische Tugenden, Artusroman, Superheld, Mittelalter, Coming-of-age, Minne, Schuld, Bewährung, Hartmann von Aue, Heldenhaftigkeit, Ritterbild, Literaturvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob der moderne Film-Superheld Thor Merkmale aufweist, die ihn mit einem mittelalterlichen Ritter, speziell der Figur Erec, vergleichbar machen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen das höfische Tugendsystem, die moralische Entwicklung der Protagonisten sowie die Bedeutung von ritterlichen Werten und persönlichem Fehlverhalten.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, die Entwicklungsprozesse (Coming-of-age) beider Figuren zu vergleichen und zu prüfen, ob Thor als moderne Repräsentation eines Ritters verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt zugrunde?
Die Arbeit nutzt den Vergleich literaturwissenschaftlicher Theorien zum Ritterbild (höfische Tugenden) mit der filmischen Darstellung und Erzählstruktur des Films Thor.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die ritterlichen Tugenden im Mittelalter, die Handlungsabläufe der Erec-Triaden und prüft diese Modelle anschließend kritisch auf die Figur des Film-Thors.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind ritterlich-höfische Tugenden (Triuwe, Mâze), Schuld, Bewährung (Aventure) und die Übertragbarkeit mittelalterlicher Heldenkonzepte auf moderne Medien.
Wie definiert die Autorin bzw. der Autor das ritterliche Leitideal?
Das Idealbild wird über Tugenden definiert, die sowohl inneres Verhalten (Gesinnung) als auch äußeres Handeln im Dienste von Gott, Herrn und Schwachen regeln.
Welche besondere Rolle spielt die Frau (Enite/Jane) bei der Ritterprüfung?
Sowohl Enite als auch Jane fungieren als Ansporn oder Korrektiv; ihr Verhalten und die Beziehung zu ihnen spiegeln den Status und die innere Reife der männlichen Protagonisten wider.
Wird die Schuldfrage bei Erec und Thor unterschiedlich bewertet?
Beide zeigen ein Versagen gegenüber gesellschaftlichen Normen, wobei die Analyse zeigt, dass der Weg zur Erkenntnis beider durch schmerzhafte Erfahrungen und externe Bewährungsprozesse erfolgt.
Gibt es einen gemeinsamen Nenner im Fazit?
Ja, der Vergleich zeigt, dass das Bedürfnis nach heldenhaften Vorbildern und einem festen Tugendsystem universell ist und in beiden Epochen durch die Heldenreise abgebildet wird.
- Quote paper
- Michelle Pohlmann (Author), 2021, Das Ritterbild im Film "Thor". Ist die Figur mit einem mittelalterlichen Ritter (aus dem Erec) zu vergleichen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257162