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Die Rolle des Sprechens in der Märendichtung. Sprachmacht und Sprachohnmacht der strickerschen Märenfiguren

Title: Die Rolle des Sprechens in der Märendichtung. Sprachmacht und Sprachohnmacht der strickerschen Märenfiguren

Term Paper (Advanced seminar) , 2018 , 19 Pages , Grade: 6 (sehr gut - Schweiz)

Autor:in: Giulia Rossi (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Das Sprechen in mittelalterlichen Kurzerzählungen nicht nur der Gattungseinteilung dienlich ist, sondern durch seine Lebensnähe
auch literarische Kompositionen und Konstellationen den Zuhörern begreiflich macht und zu einer "kulturelle[n] Verständigung" führt, scheint einem literaturwissenschaftlichen Konsens nahezukommen. Welche besondere Rolle das Sprechen der Figuren in der Märendichtung spielen kann, wird in dieser Arbeit anhand eines theoretischen Überblicks der mediävistischen Forschungsmeinungen umrissen. Anschließend dient die Bearbeitung der vier Stricker-Mären "Die eingemauerte Frau", "Der begrabene Ehemann", "Das heiße Eisen" sowie "Die drei Wünsche" dazu, deren immanente sprachliche Funktionen zu untersuchen und die zuvor erarbeiteten theoretischen Aussagen gegebenenfalls zu ergänzen. Hierbei wird der These nachgegangen, dass in einigen Mären des Strickers deutlich wird, dass die weibliche Sprachgewandtheit ein entscheidendes, aber auch problematisches, da gegen sich selbst kehrendes Machtinstrument darstellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Überblick

2.1 Funktion der Figurenrede in Mären

2.2 Geschlechtsspezifische Sprachverwendung

3. Analyse des Sprachgebrauchs in ausgewählten Mären des Strickers

3.1 Die eingemauerte Frau (von einem übelen wîbe)

3.2 Der begrabene Ehemann (diz maere ist wie ein wîp iren man lebendic begruop iesan)

3.3 Das heisse Eisen (von dem heizen îsen)

3.4 Die drei Wünsche (ein maere von drîen wünschen)

4. Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion der Figurenrede in ausgewählten Mären des Strickers, um zu ergründen, ob weibliche Sprachgewandtheit als ein wirkmächtiges, jedoch potenziell selbstschädigendes Instrument in mittelalterlichen Kurzerzählungen fungiert.

  • Analyse der rhetorischen Funktionen von Figurenrede in mittelalterlichen Mären.
  • Untersuchung geschlechtsspezifischer Sprachverwendung und ihrer Machteffekte.
  • Detaillierte Interpretation der Kommunikation in den Mären "Die eingemauerte Frau", "Der begrabene Ehemann", "Das heisse Eisen" und "Die drei Wünsche".
  • Deutung der Rolle von Sprachmacht und rhetorischer Inszenierung für das Schicksal der Figuren.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die eingemauerte Frau (von einem übelen wîbe)

In diesem schwankhaften Ehestandsmäre weiss ein Ritter mit seiner frisch Angetrauten und deren Aufsässigkeit sowie mündlicher Überlegenheit nicht anders umzugehen, als sie nach nicht erfolgreicher Gewaltanwendung schlussendlich einzumauern. Nach einer religiösen Bekehrung wird sie aus ihrem Gefängnis entlassen, zur Bekehrung von ungefügigen Frauen durch Predigten berufen und als Heilige verehrt. Die für den Mann problematische und für die Frau später verhängnisvolle rhetorische Dominanz ihrerseits wird bereits in den ersten Versen, in denen all sein Flehen und Bitten nichts an ihrem Ungehorsam ändert, thematisiert: dô dröuwete er ir sêre;/ dô dröuwete si im noch mêre (V. 9-10). Auf sein – augenscheinlich mündliches – Drohen reagiert sie mit noch heftigeren Drohungen. Der Ritter wiederum antwortet auf die sprachliche Überlegenheit der Frau mit physischer Gewalt: er sluoc ir einen vûstslac (V. 11). Mit körperlicher Macht versucht der Mann, seine Frau zum Schweigen zu bringen, folglich ihre orale Macht zu bändigen. Dies schlägt fehl, da sie in dem darauffolgenden Disput erneut die Oberhand gewinnt durch zwei geschickte Argumente: Einerseits könne er ihr noch so viel Schläge verpassen, ihre wahre (eben mündliche) Macht, die sich in ihrem Innern (drîn sîten) befindet, könne dadurch nicht besiegt werden (V. 24-29). Somit hebt sie selbst die Kraft der Rhetorik über den des Körpers. Andererseits verweist sie mit ebendieser Rhetorik auf das mittelalterliche Motiv der Minne als einigendes Moment, das die Partner zu einem Wesen fusioniert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Märendichtung ein und stellt die These auf, dass die weibliche Sprachgewandtheit als probates, aber problematisches Machtinstrument in den Texten des Strickers fungiert.

2. Theoretischer Überblick: Hier werden die Funktionen der Figurenrede als zentrales Handlungsinstrument in Kurzerzählungen beleuchtet sowie geschlechtsspezifische Aspekte der Sprachverwendung diskutiert.

3. Analyse des Sprachgebrauchs in ausgewählten Mären des Strickers: Dieser Abschnitt untersucht exemplarisch vier Texte des Strickers und analysiert, wie Kommunikation, Streitgespräche und rhetorisches Geschick das Machtgefüge zwischen den Ehepartnern beeinflussen.

3.1 Die eingemauerte Frau (von einem übelen wîbe): Die Analyse zeigt, wie eine Ehefrau durch rhetorische Überlegenheit zunächst Macht ausübt, was ihre Einmauerung zur Folge hat, bevor sie später durch Predigten einen Heiligenstatus erlangt.

3.2 Der begrabene Ehemann (diz maere ist wie ein wîp iren man lebendic begruop iesan): In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie die Frau durch eine geschickte Ausnutzung der Liebesbeteuerungen und Eide ihres Gatten diesen rhetorisch manipuliert, bis er sich letztlich selbst durch sein (Nicht-)Handeln entmachtet.

3.3 Das heisse Eisen (von dem heizen îsen): Das Kapitel untersucht, wie Sprachretardierung und voreilige Versprechungen in einer Treueprobe die Ehefrau selbst belasten und ihre eigene Manipulation gegen sie kehren.

3.4 Die drei Wünsche (ein maere von drîen wünschen): Es wird verdeutlicht, wie unbedachtes Sprechen zu sozialen Konflikten führt und das Ehepaar schlussendlich durch spöttische Ausgrenzung in Verderben stürzt.

4. Schlussfolgerung: Das Fazit bestätigt, dass die Sprachgewalt in den untersuchten Mären keinesfalls exklusiv weiblich ist, sondern bei Unvermögen sowohl Mann als auch Frau ins Unglück stürzen kann.

Schlüsselwörter

Stricker, Mären, Literatur des Mittelalters, Figurenrede, Sprachmacht, Geschlechterbeziehungen, Rhetorik, Kommunikation, Ehestandsmären, Sprachhandlung, Machtgefälle, Minne, Sprachgewandtheit, Kurzerzählungen, Textanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der gesprochenen Sprache (Figurenrede) in vier ausgewählten Mären des mittelalterlichen Dichters "der Stricker", wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Dynamik zwischen den Geschlechtern liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Rolle der Rhetorik als Handlungsinstrument, das Spannungsfeld zwischen traditionellen Geschlechterrollen im Mittelalter und die Macht der Sprache, die sowohl als Mittel zur Dominanz als auch als Ursache für den Untergang einer Figur dienen kann.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu prüfen, inwieweit die These zutrifft, dass weibliche Sprachgewandtheit in den Mären des Strickers ein entscheidendes Machtinstrument darstellt, welches jedoch zugleich destruktive Züge trägt und gegen die Sprecherin selbst zurückfallen kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Textanalyse, um die Funktionen von Dialogen und Redeszenen im Kontext mediävistischer Forschungsdiskussionen zu explorieren und durch die Auslegung primärer Textstellen die rhetorischen Strukturen herauszuarbeiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Überblick über die Funktion der Figurenrede und eine anschließende detaillierte Analyse der vier Mären "Die eingemauerte Frau", "Der begrabene Ehemann", "Das heisse Eisen" und "Die drei Wünsche".

Wodurch zeichnen sich die gewählten Schlüsselwörter aus?

Die Schlüsselwörter spiegeln die wissenschaftliche Einordnung in die Mediävistik, die spezifische Gattung der Mären und die zentralen linguistisch-thematischen Schwerpunkte der Arbeit wie "Sprachmacht" und "Geschlechterbeziehungen" wider.

Wie manifestiert sich die "Sprachmacht" in der Märe "Die eingemauerte Frau"?

In dieser Märe fungiert Sprache zunächst als Mittel der Frau, sich gegen ihren Mann durchzusetzen, führt jedoch zu einer heftigen, körperlichen Reaktion des Ritters. Später wird die Rede der Frau zu einer verselbstständigten, heiligen Kraft, die den Mann weitgehend entmachtet.

Warum spielt die Präposition "wider" in der Analyse der Ehestandsmären eine wichtige Rolle?

Die Untersuchung der Präposition "wider" ist deshalb zentral, weil sie zwischen einer neutralen Richtung ("zu") und einer expliziten feindlichen Konnotation ("gegen") unterscheiden lässt, was maßgeblich für die Interpretation des eskalierenden Eheverhältnisses in den untersuchten Mären ist.

Welche Rolle spielt die Rhetorik in "Der begrabene Ehemann"?

Die Rhetorik dient der Ehefrau als Werkzeug, um ihren Gatten durch dessen eigene Eide und Liebesworte sukzessive in einen Zustand zu zwingen, in dem er seine soziale und physische Handlungsmacht vollständig verliert und schließlich "lebendig begraben" wird.

Was ist das schlussendliche Ergebnis bezüglich der Sprachgewandtheit der Frau?

Die Schlussfolgerung besagt, dass Sprachgewandtheit in den Werken des Strickers keinem Geschlecht allein vorbehalten ist; sie ist ein zweischneidiges Schwert, das bei klugem Einsatz Macht verleiht, bei sprachlichem Unvermögen jedoch beide Eheleute ins Verderben stürzen kann.

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Details

Title
Die Rolle des Sprechens in der Märendichtung. Sprachmacht und Sprachohnmacht der strickerschen Märenfiguren
College
University of Zurich  (Deutsches Seminar)
Course
Innovation und Tradition in den Werken des Strickers
Grade
6 (sehr gut - Schweiz)
Author
Giulia Rossi (Author)
Publication Year
2018
Pages
19
Catalog Number
V1257339
ISBN (PDF)
9783346702937
ISBN (Book)
9783346702944
Language
German
Tags
Stricker Märe Figur Sprache Mediävistik Rede Geschlecht Fra Mann Ehe Streit Wünsche Dichtung Macht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Giulia Rossi (Author), 2018, Die Rolle des Sprechens in der Märendichtung. Sprachmacht und Sprachohnmacht der strickerschen Märenfiguren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257339
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