Die Umsetzung von Social Entrepreneurship Education in Unternehmen. Inwiefern werden Aspekte davon im digitalen Auftritt des Unternehmens HEYHO! umgesetzt?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2022

30 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise

2. Entrepreneurship Education und Social Entrepreneurship
2.1 Begriffsannäherung Entrepreneurship
2.2 Begriffsannäherung Social Entrepreneurship
2.3 Begriffsannäherung Entrepreneurship Education
2.4 Begriffsannäherung Kompetenzmodell Social Entrepreneurship

3. Heyho! – die soziale Müslirösterei
3.1 Gründungsprozess und Biographie der Gründer
3.2 Leitbild
3.3 Produkte

4. Analyse der Umsetzung der Kompetenzen der Social Entrepreneurships Education in dem Unternehmen Heyho!
4.1 Analyse des Leitbilds
4.2 Analyse von Social Media
4.3 Analyse Blogeinträge und Zeitungsartikel

5. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kompetenzmodell des unternehmerischen Denkens und Handelns (vgl. Mandl & Hense 2004, S.9

Abbildung 2: Erziehung zu unternehmerischen Denken und Handeln an den Schulen in Europa. Eurydice-Bericht. (vgl. Europäische Kommission/EACEA/Eurydice 2016, S. 6)

Abbildung 3: Einstellungskriterium (Bildschirmkopie, HEYHO! 2022, Activism)

Abbildung 4: Grundsätze (Bildschirmkopie, HEYHO! 2022, Activism.)

Abbildung 5: Facebookbanner (Bildschirmkopie, HEYHO! 2022, Facebook)

Abbildung 6: Mitarbeiter Daniel (Bildschirmkopie, HEYHO! 2021, Facebook)

Abbildung 7: Wohnungslosigkeit (Bildschirmkopie, HEYHO! 2022, Facebook)

Abbildung 8: Gründer Stefan (Bildschirmkopie, HEYHO! 2021, Facebook)

Abbildung 9: SEND (Bildschirmkopie, HEYHO! 2021, Instagram )..

Abbildung 10: Grund der Gründung (Bildschirmkopie, HEYHO! 2021, Instagram)

Abbildung 11: Team (Bildschirmkopie, HEYHO! 2021, Instagram)..

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: EntreComp conceptual model (EU-Kommission 2016, S. 14)

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

In der heutigen Zeit stehen Unternehmungsgründer vor der Frage: Welches Ziel und welchen Mehrwert möchte ich mit meiner Idee schaffen? Laut Faltin (2018, S. 5 ff.) wird den Start-up Unternehmen eine wichtige Rolle hinsichtlich Innovationen zugeschrieben. Diese Innovationen umfassen nicht nur ökonomische Probleme, sondern auch ökologische und soziale Angelegenheiten. Diesem Innovationsgedanken wird der Ansatz des Entrepreneurship zugeschrieben. Entrepreneurship zeichnet sich durch Alleinstellungsmerkmale aus und unterscheidet sich hier wesentlich vom Begriff der Selbstständigkeit. Entrepreneurship lässt sich zudem in weitere Unterkategorien gliedern. Eine für diese Ausarbeitung wichtige Unterkategorie stellt das Social Entrepreneurship dar. Repp (2013, S. 17) beschreibt Social Entrepreneurship als ein innovativer und lösungsorientierter Gedankengang der gleichzeitig den unternehmerischen Umgang mit gesellschaftlichen Problemen umfasst.

Der deutsche Arbeitsmarkt hat mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Laut Hipp (2016) herrscht in Deutschland in der aktuellen Arbeitswelt eine Diskriminierungsneigung. Manche Personengruppen erleben einen Nachteil auf dem Arbeitsmarkt aufgrund demografischer oder sozialer Aspekte. Arbeitgeber:innen bevorzugen Personen, die ähnlich sind und somit eine ähnliche Biographie aufweisen. So kommt es heute sehr schnell zu einer Benachteiligung von bestimmter Personengruppen. Gleichzeitig werden Einstellungsentscheidungen oftmals durch Vorurteile und Stereotype gelenkt. Mitglieder von Gruppen mit einem niedrigeren sozialen Status werden von Arbeitgeber:innen oftmals als weniger kompetent angesehen. Um mögliche Stereotype und Vorurteilen entgegenzuwirken setzen sich sozial geprägte Unternehmen oftmals für die Reduzierung dieser Stereotypen ein. Die Arbeitsmarktchancen in Deutschland können somit als ungleich verteilt angesehen werden. Die Wahrscheinlichkeit einen Job zu finden mit einer psychischen Erkrankung oder einem vorangegangenen Gefängnisaufenthalt variiert stark (Hipp 2016). Um diesem gesellschaftlichen Problem entgegenzuwirken verfolgen Social Start-ups beziehungsweise Social Entrepreneure oftmals die Problemlösungsfindung von gesellschaftlichen Problemen. Social Entrepreneure benötigen für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Vision und Ideen umfangreiche Kenntnisse und Kompetenzen. Auch die Gründer des Unternehmen HEYHO! – die soziale Müslirösterei verfolgen die Lösungsfindung von gesellschaftlichen Problemen. Zum einen setzten sie auf Nachhaltigkeit und somit auf vegane Bio-Produkte. Zum anderen beschäftigt sich das Ziel dieser Unternehmung mit dem gesellschaftlichen Problem, der Ausgrenzung von Personengruppen auf dem ersten Arbeitsmarkt (HEYHO! 2022, Activism). Doch lassen sich die Kompetenzen, die Social Entrepreneure für eine erfolgreiche Unternehmensgründung mitbringen müssen, auch in ihren Social-Media Auftritten wiederfinden? Inwiefern wird eine Umsetzung der geforderten Kompetenzen sichtbar? Aus diesem Anlass entstand die folgende Forschungsfrage: Inwiefern werden Aspekte des Kompetenzmodells von Social Entrepreneurship Education in dem digitalen Auftritt des Unternehmens Heyho! umgesetzt?

1.2 Vorgehensweise

In dieser Hausarbeit erfolgt eine genauere Auseinandersetzung mit dem Kompetenzmodell der Social Entrepreneurship Education und der Umsetzung im Unternehmen HEYHO! – die soziale Müslirösterei. Zu Beginn widmet sich das Kapitel 2 allgemein der Entrepreneurship Education und der Social Entrepreneurship Education. In Kapitel 2.1 erfolgt eine Begriffsannäherung an den allgemeinen Begriff Entrepreneurship. Hier wird insbesondere ein Grundstein für das Verständnis von Entrepreneurship gebildet. Auch die Merkmale von Entrepreneure werden besonders charakterisiert und verdeutlicht. Kapitel 2.2 beschreibt den Begriff Social Entrepreneurship und geht dabei auf die Abgrenzung von Social Entrepereneurship zum Entrepreneurship ein. Veränderte Rahmenbedingungen und Anforderungen an die Entrepreneure werden thematisiert. Es erfolgt zudem eine besondere Hervorhebung von gesellschaftlichen Problemen in der Gesellschaft und auf dem heutigen Arbeitsmarkt. Auch mögliche Probleme und Schwierigkeiten bei der Gründung eines Sozialunternehmen finden hier Aufmerksamkeit. Kapitel 2.3 beschäftigt sich mit der Begriffsklärung von Social Entrepreneurship Education. Social Entrepreneurship Education setzt auf die Herausbildung von Kompetenzen. Die Bedeutsamkeit von Social Entrepreneurship Education an Schulen und in der Bildung wird hier thematisiert. Zu guter Letzt beschäftigt sich Kapitel 2.4 mit den Kompetenzmodellen von Social Entrepreneurship Education und thematisiert Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen, die für die Gründung eines Sozialunternehmens benötigt werden. Hierfür erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Kompetenzmodell Kompetenzmodell des unternehmerischen Denkens und Handelns sowie die Kompetenzbereiche der Europäischen Kommission. Das Kapitel 3 beschreibt das Unternehmen HEYHO! – die soziale Müslirösterei genauer. Hierfür geht Kapitel 3.1 auf die Gründung des Unternehmens ein. Kapitel 3.2 beschäftigt sich mit dem Unternehmensleitbild und der Idee der Unternehmung und Kapitel 3.3 beinhaltet Informationen über die Produktpalette des Unternehmens. Anschließend erfolgt in Kapitel 4 die Analyse, inwiefern Ansätze des Social Entrepeneurship Education Kompetenzmodell in dem Unternehmen HEYO! Aufzufinden ist. Hierfür wird in Kapitel 4.1 das Leitbild hinsichtlich dieser Aspekte untersucht. Kapitel 4.2 untersucht die Social-Media-Kanäle von HEYHO! und Kapitel 4.3 die Blogeinträge sowie Artikel. In Kapitel 5 folgt ein Fazit über die in dieser Ausarbeitung herausgefundenen Erkenntnisse.

2. Entrepreneurship Education und Social Entrepreneurship

2.1 Begriffsannäherung Entrepreneurship

Laut Faltin (2018, S. 5) stellt Entrepreneurship eine Chance für die heutige Gesellschaft dar. Start-up-Unternehmungen wird hierbei die Rolle der Problemlösung und Innovatoren zugesprochen. Hierbei ist nicht nur die Rede von ökonomischen Innovationen, sondern auch von ökologischen und sozialen Innovationen. Nicht nur die Kultur der Unternehmensgründungen, sondern präsente und gelebte Kultur in allen Bereichen eines Unternehmens setzten enorme Potenziale frei. Demnach hat das Entrepreneurship die Möglichkeit, problemlösende Beiträge zu erbringen (Faltin 2018, S. 5 ff.). Innovationen werden nach Fritsche (2019, S. 7) als Einführung neuer Produkte, die Nutzung neuer Produktionsverfahren, die Erschließung neuer Bezugsquellen oder als die Erschließung neuer Absatzmärkte angesehen (Fritsche 2019, S. 7).

Besonders erwähnenswert ist die Begriffsdefinition nach Faltin (2018, S. 10) von Entrepreneurship. Er beschreibt Entrepreneurship als eine Innovation mit Alleinstellungsmerkmal, was vom französischem Wort entreprendre abstammt und etwas unternehmen bzw. in die eigenen Hände nehmen bedeutet. Auch Schumpeter stellt den Unterschied zwischen Unternehmer als Wirte und Unternehmer als Innovatoren dar. Wirte sind etablierte Firmen die ihre Positionen am Markt verteidigen vor den Innovatoren als Angreifer (Faltin 2018, S. 11).

Fritsche und Wyrwich (2021, S. 2) verstehen unter Entrepreneurship alle Formen von Unternehmertum, die wirtschaftliche Entwicklungen beinhalten. Da Entrepreneurship oft mit jungen und neuen Unternehmungen in Verbindung gebracht wird, stehen zeitgleich die Unternehmungsgründungen im Blickfeld von Entrepreneurship. Zudem weisen Entrepreneure Merkmale wie Wachheit, Kreativität, Initiative, Einführung neuer Ideen, Streben nach Selbstverwirklichung, Risikobereitschaft und eigenverantwortliches Handeln auf (Fritsche & Wyrwich 2021, S. 8). Ein Unternehmen und das Mitwirken in einem Unternehmen scheinen für viele Menschen auf dem ersten Blick unerreichbar und unnahbar. Etwas zu unternehmen hingegen ist für viele Menschen ansprechender und zugänglicher. Aus diesem Grund stellt das Entrepreneurship für Faltin eine Chance für mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit dar (Faltin 2018, S. 5 ff.).

Entrepreneurship handelt von dem Prozess der Entstehung einer Idee und wie diese Idee umgesetzt wird (Lindner 2018, S. 409). Es erfolgt oftmals eine Einteilung nach dem Motiv der Idee sowie der Unternehmensgründung. Entrepreneurship zielt hauptsächlich auf Innovationen und Erneuerungen ab. Hierbei stellt das Social Entrepreneurship eine Unterkategorie dar (Fritsche 2019, S. 10). Im folgenden Kapitel 2.2 erfolgt eine nähere Betrachtung des Begriffs Social Entrepreneurship.

2.2 Begriffsannäherung Social Entrepreneurship

Schwarz (2014, S. 45) stellt heraus, dass Social Entrepreneurship seit Mitte der 90er-Jahre ein beobachtbares Phänomen darstellt. Die Forschung beschäftigt sich seither mit den Besonderheiten und der Ausbildung von Social Entrepreneuren. Die veränderten Rahmenbedingungen von Social Entrepreneurship erfordern gleichzeitig andere Unternehmensführungsstrategien und besagen, dass es sich hierbei um ein Spezialgebiet der Gründerforschung handelt (Schwarz 2014, S. 45 ff.).

Social Entrepreneurship fokussiert sich neben ökonomischen Zielen auch auf gesellschaftliche Probleme und deren Lösungsfindung (Fritsche & Wyrwich 2021, S. 12). Social Entrepreneure haben nach Hackenberg und Empter (2011, S. 11) die Mission, Lösungen für soziale und ökologische Probleme, die die Gesellschaft betreffen, zu finden. Ihre Innovationen sollen der Gesellschaft einen sozialen Mehrwert schaffen und einen Unterschied bewirken. Erwähnenswert ist, dass sie nicht auf ihren eigenen Gewinn oder finanziellen Vorteil aus sind, sondern den gesellschaftlichen Nutzen anstreben (Hackenberg & Empter 2011, S. 11). Besonders die gesellschaftliche Ausgrenzung von bestimmten Personengruppen rückt in den Fokus von Social Entrepreneurship. Projekte und Unternehmen, dessen Zielsetzung in der gesellschaftlichen Teilhabe von benachteiligten Personengruppen besteht, sind oftmals Social Entrepreneure. Heute noch stellt Arbeit und Arbeitslosigkeit in Deutschland einen zentralen Aspekt dar. Sogenannte Integrationsfirmen verringern durch die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen für sozial benachteiligte Personen die Arbeitslosigkeit (Schwarz 2014, S. 57 f.). Ein wichtiger Bereich in der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit stellt die Vermittlung der Arbeitslosen dar. Besonders die Integration von spezifischen Zielgruppen stellt oftmals ein Problem dar, denn die Integration von bestimmten Gruppen zeichnet sich als besonders schwierig aus (Schwarz 2014, S. 113 f.).

Social Entrepreneurship und auch Social Business lassen sich nach Beckmann (2011, S. 69) von Begriffen wie For-Profit Business oder dem Business Entrepreneur abgrenzen. Ebenso stellen sie eine Form von sozialer Dienstleistung dar, die sich ebenfalls von Non-Profit-Organisationen und Non-Governmental-Organizations darin unterscheiden, dass sie die Dienstleistungen unternehmerisch angehen. Dennoch sind soziale Unternehmen und gewinnorientierte Unternehmen keine sich ausschließenden Ziele (Beckmann 2011, S. 82 ff.). Soziale Innovationen stehen immer in einem Zusammenhang mit der Problemlösungsfindung gesellschaftlicher Probleme. Es können neue Handlungsfelder aufgedeckt werden oder bekannte Felder überarbeitet werden. Ein sehr bekanntes Beispiel eines Social Entrepreneurs stellt nach Grichnik et. al (2017, S. 431) Muhammad Yunus dar, der für sein Werk einen Friedensnobelpreis erhalten hat. Yunus gründete die Grameen Bank, die mit Mikrokrediten die Armut von Bangladesch bekämpfen sollte. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Unternehmen die Lebenswelt verändern können und dass ihr unternehmerisches Handeln nicht in einem Konflikt mit der Problemlösung von sozialen Missständen steht (Grichnik et. al 2017, S. 431 f.).

Die Gründung eines Sozialen Unternehmens setzt die Entrepreneure laut dem Deutschen Social Entrepreneurship Monitor (2019, S. 20) vor Herausforderungen. Die Wahl der richtigen Rechtsform der Unternehmung ist schwer zu finden. Laut es Monitors einigten sich rund 24,5 % der Social Entrepreneur auf die Rechtsform eines eingetragenen Vereins. 22,2 % wählten die gGmbH, 7,1 % die gUG, 1,9 % die Genossenschaft und rund 1,4 % eine Stiftung. Die Studie des Deutschen Social Entrepreneurship Monitor stellt ebenfalls hervor, dass rund 65,1 % der Befragten Entrepreneure sowohl eine gesellschaftliche Wirkung als auch eine finanzielle Rendite als wichtig erachten. 87,7 % der Befragten Entrepereneure halten die Wirkungsziele ihrer Organisation fest. Rund die Hälfte der Befragten gibt an, diese Wirkungsziele im Unternehmensleitbild festzuhalten. Deutlich wird zudem, dass nur 11,8 % kein Startkapital mit einbringen. Diejenigen die kein Startkapital einbringen weisen verhältnismäßig häufig die Rechtsform eines eingetragenen Vereins auf. (Deutscher Social Entrepreneurship Monitor 2019, S. 39 ff.).

Oldenburg (2011, S. 124) verdeutlicht, dass Social Entrepreneure in Bereichen arbeiten, in denen Gewinne nicht leicht möglich sind und Marktmechanismen erst konstruiert werden müssen. Somit stellt sich die Frage, womit die Social Entrepreneure ihr Unternehmenswachstum messen können. Anstelle des Shareholder Value tritt hier die gesellschaftliche Wertschöpfung. Kuhlemann (2011, S. 256 ff.) spricht die Finanzierungsinstrumente von Social Entrepreneure an. Häufig stoßen Social Entrepreneure bei institutionellen Geldgebern wie Banken auf Verständnislosigkeit. Das angestrebte Geschäftsmodell lässt bei den Banken Unsicherheiten aufkommen. Aus diesem Grund ist eine besonders hohe Transparenz seitens der Investoren und der Social Entrepreneur notwendig. Auch Rückschläge und Verzögerungen müssen bei der Gründung eines Sozialunternehmens immer miteingeplant werden. Zusammenfassend lässt sich laut Achleitner, Spiess-Kanfl und Volk (2011, S. 269) festhalten, dass für Social Entrepreneur grundsätzlich die gleichen Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, aber die nicht vorhandene finanzielle Rendite und Unsicherheiten lassen dies nur eingeschränkt zu.

Außerdem lässt sich sagen, dass Social Entrepreneurship innovative Problemlösungen für gesellschaftliche und soziale Probleme entwickelt und einführt (Schwarz 2014, S. 89). Das Social Entrepreneur-Konzept weist eine hohe Attraktivität auf, da Gründer einen qualitativen Mehrwert durch das Engagement sehen. Außerdem stellt das Social Entrepreneurship-Konzept eine hohe Attraktivität für junge Menschen dar (Beckmann 2011, S. 100 ff.). Das nachfolgende Kapitel 2.3 beschäftigt sich mit dem Begriff der Entrepreneurship Education.

2.3 Begriffsannäherung Entrepreneurship Education

Unter Entrepreneurship Education versteht Lindner (2018, S. 409) die Kompetenzen für die Entwicklung von Ideen und die Umsetzung dieser Ideen. Dabei unterscheidet er in drei Intentionen der Entrepreneurship Education: education for, trough and about entrepreneurship. Education for entrepreneurship steht für die Umsetzung einer Idee bis zur tatsächlichen Gründung eines Unternehmens. Education trough entrepreneurship beinhaltet die Stärkung der eigenen Fähigkeiten und Gedanken. Education about entrepreneurship zeigt, dass die Lernaktivitäten darauf abzielen, ein Verständnis für ein Unternehmen zu entwickeln (Lindner 2018, S. 412). Wichtig ist hier die allgemeine Gründungsforschung in Form von Entrepreneurship Education und der Social Entrepreneurship Education. Schwarz (2014, S. 229) verdeutlicht, dass Entrepreneurship Education auf die Förderung und Entwicklung von Persönlichkeiten und deren beruflichen Handlungskompetenzen abzielt. Die Forschung in diesem Gebiet fokussiert sich auf die Gewinnorientierung und die Bildungsmaßnahmen verfolgen die Gründung und Führung eines Businessunternehmens (Schwarz 2014, S. 229 ff.).

Social Entrepreneurship Education hingegen fokussiert die Lösung gesellschaftlicher Probleme. Bildungsmaßnahmen setzen hier auf das soziale Engagement von Menschen an. Somit steht nicht die Gewinnmaximierung vom Vordergrund, sondern die Förderung von sozialunternehmerischem Denken. Besonders die Förderung der Gesellschaftskompetenz sowie der sozialunternehmerischen Kompetenz stehen im Mittelpunkt. Die Gesellschaftskompetenz besagt, dass Menschen sich an der Zivilgesellschaft beteiligen und sich und ihre Werte einbringen. Weiterhin beschäftigen sie sich mit aktuellen Ereignissen und reflektieren diese kritisch. Die sozialunternehmerische Kompetenz beinhaltet die Fähigkeit, Ideen zur Problemlösung von gesellschaftlichen Themen umzusetzen. Demgegenüber werden Menschen aber nicht mit diesen Kompetenzen sowie Überzeugungen geboren. Social Entrepreneurship Education fundiert auf der Annahme, dass die Handlungskompetenz von Gründer:innen erlernbar sei (Schwarz 2014, S. 229 ff.).

Die Europäische Kommission (2016, S. 9) verdeutlich, dass die Entrepreneurship Education im Allgemeinen ein wichtiger Bestandteil an den Schulen in Europa sein muss. Die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln steht hier im Vordergrund. Junge Menschen bieten ein enormes Potenzial, ein eigenes gewerblich oder soziales Unternehmen zu gründen und Innovationen voranzutreiben. Somit zielt die Erziehung zu unternehmerischem Denken auf die Entwicklung von Kompetenzen, Kenntnisse und Einstellung der jungen Menschen ab. Auf Grundlage der Empfehlung des Europäischen Parlaments aus dem 2006 werden unternehmerische Kompetenzen als eine von acht Schlüsselkompetenz für Schüler:innen angesehen (EU-Kommission 2016, S. 9 ff.).

Dennoch finden in mehr als der Hälfte der europäischen Länder kaum oder keine Unterrichtsmethoden für die Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen Raum (EU-Kommission 2016, S. 13 ff.). Auch in Deutschland fehlt es an einer Definition, die Unternehmertum als Schlüsselkompetenz definiert. Folglich fehlt es hier auch an einer nationalen Strategie zur Stärkung der Unternehmerkultur. Um eine solche Strategie zu etablieren bedarf es einer ausgewogenen Aus- und Fortbildung von Lehrkräften. Einen ersten Schritt in diese Richtung stellen Kooperationen von Schulen und Unternehmen dar. Hierdurch erfolgt ein praxisorientierter Einblick in die Arbeitswelt. Die curricularen Vorgaben der Länder richten sich immer stärker auf Entrepreneurship Education aus, indem sie die Vermittlung von unternehmerischem Denken aufgreifen. Auch das Aufzeigen von Wegen in die Selbstständigkeit und die Vermittlung von berufsrelevanten Qualifikationen sind hier Bestandteil (Hüchtermann & Röhl 2020, S. 162 f.). Ebbers (2019, S. 209) erwähnt zudem, dass extra-curriculare Angebote wie Schülerfirmen diese Lücken im Deutschen System in Angriff nehmen. Durch solche Schülerfirmen kann außerdem ein Beitrag zur beruflichen Orientierung der Schüler:innen geschaffen werden und Schüler:innen entdecken ihre beruflichen Vorstellungen und Ausrichtungen. Die Ausrichtung des Social Entrepreneurships etabliert sich zunehmend an deutschen Schulen. Es wird hervorgehoben, dass sich die Schulen dem Thema Entrepreneurship wesentlich mehr öffnen, wenn sich dies mit dem Erwerb von sozialen Kompetenzen vereinbaren lässt. Ebenso lässt sich festhalten, dass Frauen sich vermehrt mit dem Thema Unternehmensgründung befassen, wenn diese einen sozialen Bezug hat (Ebbers 2019, S. 209 f.).

2.4 Begriffsannäherung Kompetenzmodell Social Entrepreneurship

In der aktuellen Forschung erfolgt immer wieder eine Diskussion über wichtige Kompetenzen bzw. Schlüsselqualifikationen, die Entrepreneure haben sollten. Lindner (2018, S. 410) spricht hierbei auch von Schlüsselqualifikationen. Schlüsselqualifikationen werden beschrieben als Fähigkeiten, Handlungen situationsgerecht zu entwickeln. Die Europäische Kommission bestimmt die Entrepreneurship-Kompetenzen als einer der wichtigen Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen. Demnach stellen Entrepreneurship-Kompetenzen die Fähigkeit, Ideen in die Tat umzusetzen, dar. Entrepreneure sollen innovativ, kreativ und risikofreudig sein (Linder 2018, S. 411). In der aktuellen Forschung gibt es derzeit verschiedene Kompetenzmodelle für Entrepreneurship. Mandl und Hense (2004, S. 5 ff.) sprechen von einem Kompetenzmodell des unternehmerischen Denkens. Hierfür unterscheiden sie in eine deskriptive und in eine normative Sichtweise des unternehmerischen Denkens. Die deskriptive Sichtweise die Art des Denkens, die Unternehmer gegenüber anderen Beschäftigten abzeichnet. Selbstständige Menschen weisen ein erhöhtes Leistungsmotiv, eine höhere Risikobereitschaft, eine starke Problemlöseorientierung, Durchsetzungsbereitschaft und den Willen der Eigenständigkeit, auf. Die normative Sichtweise befasst sich mit unternehmerischem Denken als Forderung an Institutionen. Arbeitnehmer haben den Anspruch sich innerhalb des Unternehmens so zu verhalten, wie es ein Unternehmer macht (Mandl & Hense 2004, S. 6 f.). Daraus resultierend ergibt sich folgendes Kompetenzmodell:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kompetenzmodell des unternehmerischen Denkens und Handelns (vgl. Mandl & Hense 2004, S. 9)

Mandl und Hense (2004, S. 6 f.) unterteilen das unternehmerische Denken und Handeln in vier Kompetenzbereiche. Der kognitive Kompetenzbereich umfasst die Problemlösefähigkeit, die Kreativität, Lernfähigkeit und Fachkompetenz von Entrepreneuren. Die motivationsbezogene Kompetenz umfasst die erbrachte Eigeninitiative, das zielorientierte Handeln, die Risikobereitschaft sowie die Stressbewältigung. Die sozialen Kompetenzen umfassen die Führungs- und Durchsetzungsfähigkeit sowie die Verantwortungsbereitschaft. Die organisationalen Kompetenzen zielen auf die Arbeits-, Zeit- und Budgetplanung sowie die Projektsteuerung ab.

Die Europäische Kommission befasst sich aktuell mit der EntreComp Studie (2016, S. 10), die Entrepreneurship als eine Kompetenz definiert. Unter Entrepreneurship wird die Ergreifung von Chancen und Ideen verstanden. Die geschaffene Chance bzw. Idee wird in einen Wert für die Gesellschaft umgewandelt. Der angesprochene Wert kann von sozialer, finanzieller oder auch kultureller Art sein. Entrepreneurship dient als Kompetenz für verschiedene Lebensbereiche. Die persönliche Entwicklung sowie der aktive Beitrag zur sozialen Entwicklung stehen hier im Vordergrund. Das Kompetenzmodell von EntreComp setzt sich aus zwei Dimensionen zusammen. Hierzu zählt zum einen die Dimension der drei Kompetenzbereiche und zum anderen die Dimension der 15 Kompetenzen, die zusammen die Bausteine des Entrepreneurships als Kompetenz bilden. Die Kompetenzbereiche gliedern sich in die Bausteine Ideen und Chancen, Ressourcen und Into Action. Ressourcen befassen sich personell mit der Selbsterkenntnis und Selbstwirksamkeit, der Motivation und Ausdauer von Entrepreneuren. In materieller Hinsicht beschäftigen sich die Ressourcen mit Produktionsmitteln und den nötigen finanziellen Mitteln. Den dritten Bereich der Ressourcen stellen immaterielle Ressourcen in Form von spezifischen Kenntnissen, Fertigkeiten und Einstellungen dar. Die drei Kompetenzbereiche, aber auch die angesprochenen 15 Kompetenzen sind eng miteinander verbunden. Laut EntreComp-Studie besagt, dass unternehmerische Kompetenzen aus den 15 Bausteinen bestehen.

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Details

Titel
Die Umsetzung von Social Entrepreneurship Education in Unternehmen. Inwiefern werden Aspekte davon im digitalen Auftritt des Unternehmens HEYHO! umgesetzt?
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Strukturelle Aspekte sowie Personal- und Unterrichtsentwicklung in berufs- und wirtschaftspädagogischen Handlungsfeldern
Note
2,3
Jahr
2022
Seiten
30
Katalognummer
V1257474
ISBN (Buch)
9783346697363
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umsetzung, social, entrepreneurship, education, unternehmen, inwiefern, aspekte, auftritt, unternehmens, heyho
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Die Umsetzung von Social Entrepreneurship Education in Unternehmen. Inwiefern werden Aspekte davon im digitalen Auftritt des Unternehmens HEYHO! umgesetzt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257474

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