Die Reaktion Italiens auf den Bruch des Locarno-Vertrages


Hausarbeit, 2002
19 Seiten, Note: sehr gut-gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
a) Inhalt und Forschungsstand
b) Die politische Situation im Jahre 1935 / 1936

II. Die außenpolitische Situation Deutschlands und Italiens
a) Deutschland und der Locarno-Vertrag
b) Italien und der Abessinienkrieg
c) Die Fühlungnahme des Deutschen Reiches mit Italien

III. Die Wiederbesetzung des Rheinlandes
a) Der Anlaß und die Vorbereitungen
b) Der Einmarsch

IV. Die Reaktion Italiens auf den Einmarsch
a) Verrat Deutschlands an Italien?
b) Mussolinis Verzögerungstaktik

IV. Fazit

V. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

a) Inhalt und Forschungsstand

Das Zitat Mussolinis “ Die Italiener würden am Fenster stehen und interessiert zusehen, falls Deutschland "irgend etwas" unternähme" zieht sich wie ein roter Faden durch das undurchschaubare und komplizierte Politikverhalten Italiens gegenüber Deutschland. Ein Kernsatz, der Mussolinis Verzögerungstaktik sowohl gegenüber dem Deutschen Reich als auch den Großmächten Frankreich und England unterstreicht. Dieses egoistische und egozentrische Spiel Mussolinis mit den Großmächten Europas sollte sich spätestens nach dem Einmarsch der Deutschen ins Rheinland für ihn lohnen.

Doch wieso trieb Italien dieses Spiel nach allen Richtungen? Inwiefern ging Hitler selbst auf die verschiedenen Versprechen und Nichtversprechen Mussolinis ein? Warum war Mussolini für seinen Einmarsch ins Rheinland so wichtig?

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich insbesondere mit der Reaktion Italiens auf den Bruch des Locarno-Vertrages. Dazu war es notwendig bis auf die Vertragsbestimmungen von Locarno im Jahre 1925 zurückzugreifen, um die außenpolitische Isolation Deutschlands darzustellen und die Gründe für Hitlers Revisionsschritt bezüglich der entmilitarisierten Rheinlandzone darzulegen.

Aufgrund des hier festgelegten Themas habe ich die innenpolitischen Ambitionen Hitlers, die kontroversen Beziehungen zwischen der deutschen Regierung, der französischen und der englischen Regierung, sowie deren Reaktionen auf die Wiederbesetzung der Rheinlandzone nur in Andeutungen behandeln können.

Zunächst beschäftige ich mich mit der außenpolitischen Situation in Europa in den Jahren 1935 und 1936, als Verständnis für die prekäre Ausgangslage, die ausschlaggebend für Hitlers gereiften Entschluß des Einmarsches ins Rheinland war.

Das zweite Kapitel hebt insbesondere die außenpolitische Lage Deutschlands und Italiens hervor, wobei ich thematisch zwischen den Bedeutungen des Kriegs in Abessinien sowohl für Italien als auch für Deutschland differenziere. Dabei versuche ich in diesem Kapitel auch die politischen Veränderungen zu umreißen, die zum Entschluß der Wiederbesetzung geführt haben. Mit einem chronologischem Überblick über die Durchführung der Wiederbesetzung, deren Anlaß und deren geheimen Vorbereitungen beende ich das dritte Kapitel.

Im letzten Kapitel habe ich mich besonders mit der Reaktion Italiens auf den Einmarsch auseinandergesetzt.

Zur Gliederung ist zu sagen, daß ich mich gerade im Hinblick auf die verworrenen Beziehungen und Ressentiments zwischen den europäischen Mächten um eine umfassende Darstellung der Situation in Europa bemüht habe, aber nicht jedem Kapitel einen ausreichenden Umfang geben konnte, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

Zum Forschungsstand ist zu sagen, daß es sich bei diesem speziellen Thema um ein sehr gut erforschtes Gebiet der Geschichte handelt, wobei auch das deutsch-italienische Verhältnis in besonderem Maße behandelt wird.

Die Quellen- und Literaturlage ist im großen und ganzen als sehr gut zu bezeichnen. Zahlreiche Veröffentlichungen zu den verschiedenen Aspekten meiner Arbeit stehen zur Verfügung, und auch ein Großteil ist in edierter Form zugänglich. Besonders erwähnen möchte ich hier den Autor Manfred Funke, der mir aufgrund der speziellen Auseinandersetzung mit dem deutsch-italienischen Verhältnis den Einstieg in dieses Thema erleichtert hat.

b) Die politische Situation im Jahre 1935 / 1936

Die deutsche Außenpolitik in der Anfangsphase des Dritten Reiches war eher auf traditionelle Revisionsforderungen ausgerichtet. Dies hatte jedoch eine nicht zu unterschätzende Funktion, da man erst mit der Wiedererlangung der vollen außenpolitischen Handlungsfähigkeit, d.h. die Abschüttelung der finanziellen und militärischen Restriktionen des Versailler Vertrages, der Aufbau einer schlagkräftigen Armee sowie die Rückgewinnung der nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete langfristig außenpolitische Ziele verwirklichen konnte.[1]

Durch die Erfolge in der ersten Hälfte des Jahres 1935 gestärkt, konnte die Außenpolitik des Reiches die europäische Politik stärker als vorher beeinflussen. Hitlers unmittelbares Ziel nach dem Wiederaufbau der Wehrmacht war die Remilitarisierung des Rheinlandes. Die noch zu erörternde internationale Konstellation war zu Beginn des Jahres 1936 besonders günstig. Auf die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrmacht antworteten Frankreich, Italien und Großbritannien mit einer am 14.April 1935 in Stresa formulierten Entschließung, „sich mit allen geeigneten Mitteln jeder einseitigen Aufkündigung von Verträgen zu widersetzen, die den europäischen Frieden gefährden könnte“.[2] Allerdings erwies sich Stresa nicht als das Bollwerk, das stark genug gewesen wäre, weitere deutsche Revisionsschritte zu verhindern, im

Gegenteil, sie war von Anfang an brüchig und fiel schon bald angesichts der divergierenden Interessen der Partner auseinander. Zum einen wurde Mussolinis Abessinienkrieg, der im Oktober 1935 begann, zu einer Klippe, an der die Solidarität der Stresa-Partner zerbrach, zum anderen scherte Großbritannien schon bald aus dieser Front, als es im Juni 1935 mit der deutschen Seite ein bilaterales Flottenabkommen abschloß.[3] Das Ausscheren Englands und der Abessinienkrieg führten zu nachhaltigen Verstimmungen zwischen London, Paris und Rom.

II. Die außenpolitische Situation Deutschlands und Italiens

a) Deutschland und der Locarno-Vertrag

In den Jahren 1925 / 26 wurde mit dem Abschluß der Locarno-Verträge und mit dem Beitritt Deutschlands zum Völkerbund der äußere Rahmen geschaffen, der dem deutschen Staat die Möglichkeit gab, als europäische Großmacht auf der internationalen Bühne zu agieren, und ihm die notwendige Handlungsfreiheit verlieh, sich um die Revision des Versailler Vertrages zu bemühen und seine Stellung als wichtige Handelsmacht wiederzuerlangen. Im Oktober 1925 begann in Locarno die deutsch-alliierte Konferenz über Sicherheitsfragen, die mit der Einigung auf ein Vertragspaket endete: In einem zwischen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Belgien geschlossenen Vertrag bestätigte Deutschland die im Versailler Vertrag festgelegten Grenzen mit Frankreich und Belgien sowie die Entmilitarisierung des Rheinlandes; das Deutsche Reich und seine beiden westlichen Nachbarn sicherten sich gegenseitig zu, keinen Krieg gegeneinander zu führen.[4] Großbritannien und Italien übernahmen die Verpflichtung, bei einer Vertragsverletzung der jeweils geschädigten Seite zu Hilfe zu kommen. Auch zwischen Deutschland und Polen bzw. Tschechoslowakei wurden Schiedsverträge geschlossen; da jedoch keine Garantie der bestehenden Grenzen im Osten durch dritte Mächte vereinbart wurde (also kein “Ost - Locarno” zustande kam), blieben diese Verträge relativ bedeutungslos.[5]

Auch Deutschland hatte von Locarno profitiert, da es für seine eigenen Leistungen eine britische und italienische Garantie gegen einen französischen oder belgischen Angriff eintauschte. Dies bedeutete praktisch, daß sich eine Besetzung des Rheinlandes, wie 1923, nicht wiederholen konnte, und daß die französische Deutschlandpolitik auf britische und italienische Wünsche Rücksicht nehmen mußte.[6]

Im übrigen schien die erste Phase der deutschen Wiederaufrüstung – die geplante Aufstellung von 21 Divisionen – einen Bruch der hinsichtlich des Rheinlands in Locarno eingegangenen Verpflichtungen gar nicht notwendig zu machen.[7] Andererseits mahnten politische Gründe zur Vorsicht. Bis zur Rückkehr des Saargebiets im März 1935 war Hitler nicht in der Lage, Teil V des Vertrages von Versailles offen zu verletzen, geschweige denn die das Rheinland betreffenden Klauseln des Vertrages von Locarno. Nachdem der Besitz des Saargebietes gesichert und am 16.03.1935 die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt worden war, hatte sich die Lage zwar geändert, und die Abschüttelung der Deutschland in Locarno auferlegten Beschränkungen schien für Hitler der nächste logische Schritt zu sein.[8] Aber angesichts der Empörung, die Deutschlands einseitiger Schritt zur "Wiederherstellung der Wehrhoheit” in Frankreich hervorgerufen hat, schien es angezeigt, sich wenigstens für einige Zeit besonders streng an die Bedingungen von Locarno zu halten. Die Demonstration von Stresa war jedenfalls nicht ohne Wirkung auf Hitler geblieben.

b) Italien und der Abessinienkrieg

Hitler hatte die Remilitarisierung des Rheinlandes offenbar vom Frühjahr 1935 ab als nächste Etappe fest im Auge gehabt.[9] Dieser Kampagne, die die Abkehr Deutschlands von Locarno vorbereiten sollte, kamen die Ereignisse in den folgenden Monaten in entschiedener Weise zu Hilfe: Die Abessinienkrise spitzte sich im Sommer 1935 zu und Mussolini erklärte am 02.10.1935 auf einer Massenkundgebung Abessinien den Krieg.[10]

[...]


[1] Hildebrand, Klaus, Deutsche Außenpolitik 1933 – 1945, Kalkül oder Dogma? , S. 33 - 35

[2] Michaelis, Herbert/ Schraepler, Ernst, Ursachen und Folgen, Vom deutschen Zusammenbruch 1918 bis zur staatlichen Neurordnung Deutschlands in der Gegenwart, Band X, Das Dritte Reich, S. 334

[3] Hildebrand, Klaus, ebenda, S. 43 – 45;

[4] Kolb, Eberhard, Die Weimarer Republik, S. 67; Heiber, Helmut, Die Republik von Weimar, S. 174 – 175;

Michalka, Wolfgang, Deutsche Außenpolitik 1920 – 1933, S. 316 - 317

[5] Longerich, Peter, Deutschland 1918 – 1933 Die Weimarer Republik, S. 234; Winkler, Heinrich August,

Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik, S. 469

[6] Kolb, Eberhard, ebenda, S. 49 – 50; Winkler, Heinrich August, ebenda, S. 435 – 436

[7] Herbst, Ludolf, Das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945; S. 137 – 139; Recker, Marie-Luise, Vom Revisionismus zur Großmachtstellung, Deutsche Außenpolitik 1933 bis 1939, S. 319

[8] Bloch, Charles, Das Dritte Reich und die Welt, S. 112 - 113

[9] Bloch, Charles, ebenda, S. 125 - 127

[10] Funke, Manfred, Sanktionen und Kanonen, S. 14; Kirkpatrick, Ivone, Mussolini, S. 293 - 295

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Reaktion Italiens auf den Bruch des Locarno-Vertrages
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Historisches Seminar)
Note
sehr gut-gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
19
Katalognummer
V12575
ISBN (eBook)
9783638184298
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reaktion, Italiens, Bruch, Locarno-Vertrages
Arbeit zitieren
Samira El Bouanani (Autor), 2002, Die Reaktion Italiens auf den Bruch des Locarno-Vertrages, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12575

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