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„Masochismus im Der grüne Heinrich“

Eine psychoanalytische Interpretation der Figur Heinrich in Gottfried Kellers Werk

Titel: „Masochismus im Der grüne Heinrich“

Seminararbeit , 2009 , 16 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Jessica Lammer (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„The masochist projects his superego and arranges for the environment to ´punish´ him […]”
Masochismus – insbesondere der gesellschaftliche Masochismus ist in literarischen Werken so allgegenwärtig wie er auch versteckt wüten kann. Mit Erika Kohut beispielsweise – auch Die Klavierspielerin (1983) genannt – hat Elfride Jelinek eine Charakterfigur geschaffen die offensichtlich ihre Umwelt dazu nötigt sie zu bestrafen. Die junge Frau, ausgebildete Klavierprofessorin, gescheitere Pianistin, lebt allein mit ihrer Mutter. Nach dem Tod ihres Vaters, scheint diese die Rolle des Ehemanns übernommen zu haben um sich der Mutter zu unterwerfen. Zwischen beiden besteht seit jeher eine Art Hassliebe. Die Mutter kontrolliert Erika aufs genaueste; lässt ihrer Tochter keine Freiräume. Die Zeit am Wiener Konservatorium, wo Erika arbeitet, ist die einzige Möglichkeit ohne Mutter zu sein. Und wie das genannte Zitat über den Masochisten bereits ausdrückt, projeziert auch Erika, aufgrund der familiären Konstellation, die kontrollierende Instanz auf ihre Mutter:
„Doch das Kind will sie immer, und sie will immer wissen, wo man das Kind notfalls erreichen kann, wenn der Mama der Herzinfarkt droht“ Die Mutter macht Erika zu ihrem „Besitz“ dass „möglichst unbeweglich an einem Ort zu fixieren“ ist – und Erika lässt dies zu, indem sie bei ihr wohnt und gar mit ihr im Ehebett nächtigt. Erika liebt sie auf eine ganz eigene Art, indem sie sich unterwirft und Hass provoziert. An einer Stelle, als Erika mal wieder zu spät nach Hause kommt, da sie verbotener Weise Kleider kauft, bricht ein Streit aus.
„Du Luder, du Luder, brüllt Erika, wütend die ihr übergeordnete Instanz an und verkrallt sich in ihrer Mutter dunkelblond gefärbten Haaren, die an den Wurzeln grau nachstoßen.[...] Sie reißt wütend daran. Die Mutter heult.“

Diese Szene zeigt, dass die gegenseitige körperliche Gewalt nicht ausgeschlossen wird. Das Verhältnis basiert somit auf einem sadomasochistischen Verhältnis.
Eine Liebesbeziehung ist für Erika unvorstellbar. Um sich einem Mann zu unterwerfen? Wenn baut auch diese Beziehung auf Hass, Macht und Manipulation auf. Der Klavierschüler Walter Klemmer der sich in sie verliebt, muss sich an Regeln halten, um Erikas Partner zu werden. Nach dem ersten Treffen zu Hause zieht sie Knebel, Handschellen und anderes Folterhandwerk heraus. An anderer Stelle legt Erika einer Nebenbuhlerin „die sich duch innige Anbiederungsversuche an Walter Klemmer, der [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Der grüne Heinrich“ und seine Entwicklung zur masochistischen Persönlichkeit

2.1. Kindheit und Jugend bei Heinrich

2.2 Masochistische Charaktereigenschaften nach Theodor Reik bei Heinrich

3. Schluss

4. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Figur des Heinrich aus Gottfried Kellers Roman „Der grüne Heinrich“ unter Anwendung psychoanalytischer Theorien zum „gesellschaftlichen Masochismus“ zu untersuchen, um zu belegen, dass der Roman nicht als Entwicklungsroman, sondern als Scheiternsprozess zu lesen ist.

  • Psychoanalytische Interpretation der Figur Heinrich
  • Analyse des gesellschaftlichen Masochismus nach Theodor Reik
  • Einfluss der familiären Konstellation und Kindheit auf die Persönlichkeitsentwicklung
  • Zusammenhang zwischen Vaterverlust, Identitätskrise und masochistischem Verhalten
  • Untersuchung von Macht, Manipulation und Selbstbestrafung in zwischenmenschlichen Beziehungen

Auszug aus dem Buch

2.2 Masochistische Charaktereigenschaften nach Theodor Reik bei Heinrich

In diesem Abschnitt konzentriere ich mich ausschließlich auf Heinrichs Charakterstellung im Jugend- und Erwachsenenalter. Die folgenden Betrachtungen geschehen unter Berücksichtigung der Masochismustheorien nach Theodor Reik. Wie Reik, werde auch ich mich mit Masochimus in der desexualisierten Betrachung beschäftigen. Masochismus in der Form einer Lebenshaltung, indem der Betroffenen, in unserem Fall Heinrich, Lust daran empfindet, eigenes Leid zu spüren oder um die eigene Ohnmacht in der Realität zu genießen. Reik führt hierzu drei Arten an: moralischer, femininer und erogener Masochismus. Diese gilt es nun in Heinrichs Persönlichkeit zu erörtern.

Der moralische Masochismus bezieht sich auf die unbewusst gewählte leidliche soziale Stellung des Betroffenen. Da dieser durch die fehlende elterliche Über-Ich Instanz, orientierungslos scheint, stellt der Betroffende sich selbst unter den Druck einer moralisch streng richtenden Instanz. Ihre Existenz ist tendenziell geprägt durch Schicksalsschläge, die mit den unbewusst selbst kreiirten moralischen Lebensmodell konform gehen. Die falsche Berufswahl oder aber das Eingehen einer unglücklichen Ehe können solche folglichen Handlungen sein, die das selbstgeschaffene moralische Korsett des Betroffenen hervorruft. Hintergrund ist die Lust zur Selbstbestrafung, so dass die jeweilige Lebenssituation niemals als schlecht, sondern als sehnsuchtsvoll erwünscht empfunden wird. Wie in Abschnitt 2.1 auch Heinrichs Beispiel zeigt, liegen die Ursprünge in der frühen Kindheit und Jugend, die durch Schicksalsschläge (in Heinrichs Fall: der Vaterverlust) oder Liebesentzug gezeichnet sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des gesellschaftlichen Masochismus ein, illustriert diesen an Elfriede Jelineks „Die Klavierspielerin“ und stellt die Forschungsfrage nach der masochistischen Veranlagung der Figur Heinrich in Gottfried Kellers Werk.

2. „Der grüne Heinrich“ und seine Entwicklung zur masochistischen Persönlichkeit: Dieses Kapitel hinterfragt die Gattungsbezeichnung des Entwicklungsromans für Kellers Werk und untersucht stattdessen die Entstehung einer Persönlichkeitskrise bei Heinrich durch Kindheitseinflüsse und Vaterverlust.

2.1. Kindheit und Jugend bei Heinrich: Hier wird der Vaterverlust als einschneidendes Moment analysiert, das zu einer fehlerhaften Identitätsbildung, mangelnden Leitbildern und einem lebenslangen Bedürfnis nach Bestrafung führt.

2.2 Masochistische Charaktereigenschaften nach Theodor Reik bei Heinrich: Dieser Abschnitt wendet die Theorien von Theodor Reik zu moralischem, feminine und erogenem Masochismus auf Heinrichs Handeln und seine zwischenmenschlichen Beziehungen an.

3. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Roman den Prozess des Scheiterns beschreibt, in dem Heinrich das masochistische Verhalten zur Lebenshaltung macht.

4. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche für die Arbeit herangezogenen Quellen und Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Gottfried Keller, Der grüne Heinrich, gesellschaftlicher Masochismus, psychoanalytische Interpretation, Theodor Reik, Identitätsentwicklung, Vaterverlust, moralischer Masochismus, femininer Masochismus, Scheitern, Selbstbestrafung, Macht, Manipulation, Phantasie, Romananalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Figur des Heinrich aus Gottfried Kellers Roman „Der grüne Heinrich“ mittels psychoanalytischer Ansätze, um eine masochistische Veranlagung aufzuzeigen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Im Zentrum stehen die Konzepte des gesellschaftlichen Masochismus, die Identitätsentwicklung eines Individuums nach traumatischen Kindheitserfahrungen sowie die Darstellung von Scheitern in der Literatur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern ist Heinrich als Masochist einzustufen und stützt das Werk damit eher die These eines Scheiternsprozesses statt eines klassischen Entwicklungsromans?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine werkimmanente, psychoanalytische Betrachtung vorgenommen, die durch die Anwendung der Masochismustheorien von Theodor Reik ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kindheit und Jugend Heinrichs sowie die Anwendung von Reiks Kategorien (moralischer, femininer, erogener Masochismus) auf Heinrichs Charakter und seine Liebesbeziehungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie gesellschaftlicher Masochismus, Identitätskrise, Vaterverlust, Selbstbestrafung und Scheiternsprozess charakterisiert.

Welchen Einfluss hatte der Vaterverlust auf Heinrichs Entwicklung?

Der frühe Vaterverlust verhinderte die Ausformung eines gesunden Über-Ichs, was laut Autorin zu einem lebenslangen Bedürfnis nach einer urteilenden, strafenden Instanz und damit zu masochistischen Verhaltensweisen führte.

Warum wird die Liebesbeziehung zu Judith als masochistisch gewertet?

Heinrich sucht die Nähe zu Judith, da sie durch ihren mütterlichen Charakter die ersehnte Beachtung schenkt, meidet jedoch gleichzeitig den sexuellen Kontakt, um das masochistische Verhältnis durch Sehnsucht und Selbstbestrafung aufrechtzuerhalten.

Was bedeutet der „demonstrative Zug“ bei Heinrich?

Der „demonstrative Zug“ bezeichnet Heinrichs unbewusste Tendenz, sein Scheitern und sein Leiden öffentlich zur Schau zu stellen, um Beachtung und Mitleid von seiner Umwelt zu erzwingen.

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Details

Titel
„Masochismus im Der grüne Heinrich“
Untertitel
Eine psychoanalytische Interpretation der Figur Heinrich in Gottfried Kellers Werk
Hochschule
Universität Mannheim  (Philosophische Fakultät, Lehrstuhl Neuere Germanistik II)
Veranstaltung
Dreiecksbeziehungen in der Literatur
Note
1,7
Autor
Jessica Lammer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V125763
ISBN (eBook)
9783640313242
ISBN (Buch)
9783640317073
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich“ Eine Interpretation Figur Heinrich Gottfried Kellers Werk
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jessica Lammer (Autor:in), 2009, „Masochismus im Der grüne Heinrich“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125763
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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