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Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus

Titel: Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus

Hausarbeit , 2022 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Marvin Steiner (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Während der 12-jährigen Regierungszeit der Nationalsozialisten wurden über 260.000 Menschen mit Behinderung systematisch ermordet. Es ist gut dokumentiert, dass diese von langer Hand geplanten Morde zwar vertuscht wurden, dies aber keineswegs verhinderte, dass große Teile der Bevölkerung darüber Bescheid wussten. Um zu verstehen, wieso die NS-Euthanasie dennoch durchgesetzt werden konnte, soll in dieser Hausarbeit erläutert werden, wie Menschen mit Behinderung im Dritten Reich wahrgenommen wurden.

Der fehlende Protest gegen die Euthanasie hängt mit der totalitären Struktur des Naziregimes zusammen, aber die Euthanasie wäre nicht möglich gewesen ohne einen grundlegenden Rückhalt in der Bevölkerung, der sich auch in der Mitwirkung auf partikularer Ebene sowie in der ausschließlich freiwilligen Mitarbeit von Ärzten ausdrückte. Die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung kann nicht ohne den zeitlichen Kontext und die generelle Ideologie des Nationalsozialismus verstanden werden. Daher wird zunächst ein kurzer Abriss der Situation von Menschen mit Behinderung und des Diskurses über sie in der Weimarer Republik gemacht. Zweifellos stellt die NS-Zeit jedoch einen deutlichen Bruch dar.

Daher soll daraufhin beschrieben werden, wie der "Volkskörpers", ein zentraler Begriff in der Ideologie des Nationalsozialismus, als Idee imaginativ hergestellt wurde. Anschließend wird die Rolle der einzelnen Körper im "Volkskörper" nachvollzogen. Dabei zeigt sich eine Vorstellung, die Menschen mit Behinderung von vornherein ausschließt. Schließlich wird anhand von zwei Filmen exemplarisch das in der NS-Propaganda dargestellte Bild des "Erbkranken" als "leidende Existenz" oder "leere Hülse" nachvollzogen. Diese Bilder von einem Leben mit Behinderung werden dann mit der doppelten Argumentationsfigur der Euthanasiepropaganda – Mitleidstötung und Kosten-Nutzen-Abwägung – in Verbindung gebracht.

Ein weiteres Mittel der Propaganda, nämlich die Identifikation von Menschen mit Behinderung mit Tieren, wird daran anknüpfend erläutert. Abschließend soll noch einmal auf den "Volkskörper" rekurriert werden, um die These aufzustellen, dass die "Volkskörper"-Ideologie von Anfang an mit der "Reinigung" von Schwachen verbunden war. Daraus folgt, dass, wer sich als Teil des "Volkskörpers" verstand, mit hoher Wahrscheinlichkeit das von der Euthanasiepropaganda illustrierte Bild von Menschen mit Behinderung annahm.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rassenhygienischer Diskurs und gesellschaftliche Situation von Menschen mit Behinderung in der Weimarer Republik

3. Begriff und imaginative Herstellung des ‚Volkskörpers‘

4. Die Funktion des Einzelnen und der Idealkörper

5. Das Bild des ‚Erbkranken‘ in der nationalsozialistischen Propaganda: ‚leidende Existenz‘, ‚leere Hülse‘ und ‚Tier‘

6. Euthanasie ist die Herstellung des ‚Volkskörpers‘

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, wie Menschen mit Behinderung während der Zeit des Nationalsozialismus wahrgenommen wurden und welche propagandistischen Strategien dazu beitrugen, die NS-Euthanasie gesellschaftlich zu legitimieren.

  • Analyse des rassenhygienischen Diskurses in der Weimarer Republik
  • Untersuchung der ideologischen Konstruktion des ‚Volkskörpers‘
  • Die Rolle von Idealkörpern und die Abwertung nicht-idealer Körper
  • Propagandistische Darstellung von Behinderung (‚leidende Existenz‘, ‚leere Hülse‘, ‚Tier‘)
  • Die Funktion der Euthanasiepropaganda zur Erzeugung des ‚Volkskörpers‘

Auszug aus dem Buch

Das Bild des ‚Erbkranken‘ in der nationalsozialistischen Propaganda: ‚leidende Existenz‘, ‚leere Hülse‘ und ‚Tier‘

Es war von Beginn an ein elementarer Bestandteil der Euthanasiepropaganda, Sterbehilfe bzw. Mitleidstötung und die ‚Vernichtung lebensunwerten Lebens‘ aus ökonomischen Gründen miteinander zu verbinden. Für diesen gleichursprünglichen Legitimationsversuch wurde ein spezifisches negatives (nicht widerspruchsfreies) Bild des ‚Erbkranken‘ evoziert, das nun beschrieben werden soll.

Die Mitleidstötung wurde in dem Film Ich klage an (1941) beworben. Ich klage an war zunächst als der Auftakt einer groß angelegten Euthanasiepropagandakampagne geplant gewesen (Kuchler, 2006, S. 273). Dies schien den Nationalsozialisten notwendig, da es nicht genügend gesellschaftliche Akzeptanz für die ‚Endlösung der sozialen Frage‘ gab (Rost, 2001, S. 214). Diese Propagandakampagne wurde letztendlich wegen des Kriegs nicht weitergeführt (Rost, 2001, S. 219). Ursprünglich sollte Ich klage an ein offener Propagandafilm für die NS-Euthanasie werden, ein wichtiges Ereignis führte jedoch zu einer Modifizierung der Strategie: Im August 1941 hielt der Bischof von Galen eine öffentliche Predigt, in der er die Praxis der NS-Euthanasie aufs Schärfste verurteilte und als Mord bezeichnete (Klee, 1985, S. 193-198).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus und Klärung der Forschungsintention.

Rassenhygienischer Diskurs und gesellschaftliche Situation von Menschen mit Behinderung in der Weimarer Republik: Darstellung der ideologischen und institutionellen Vorläufer der NS-Euthanasie, die bereits in der Weimarer Zeit existierten.

Begriff und imaginative Herstellung des ‚Volkskörpers‘: Analyse des ‚Volkskörpers‘ als zentraler bioorganistischer Metapher und ihrer Rolle bei der totalitären Herrschaft.

Die Funktion des Einzelnen und der Idealkörper: Untersuchung der geschlechternormativen Körperpolitik und der Konstruktion des ‚tüchtigen Ariers‘ als Idealbild.

Das Bild des ‚Erbkranken‘ in der nationalsozialistischen Propaganda: ‚leidende Existenz‘, ‚leere Hülse‘ und ‚Tier‘: Analyse der Propagandafilme Ich klage an und Dasein ohne Leben sowie der Entmenschlichungsmetaphern.

Euthanasie ist die Herstellung des ‚Volkskörpers‘: Schlussfolgerung, dass Euthanasie kein isoliertes Projekt, sondern essenzieller Bestandteil der Herstellung des ‚Volkskörpers‘ war.

Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Rolle der NS-Propaganda bei der gesellschaftlichen Akzeptanz der Euthanasie.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Euthanasie, Volkskörper, Rassenhygiene, Propaganda, Menschen mit Behinderung, Ich klage an, Idealkörper, Entmenschlichung, Mitleidstötung, Sterilisation, Weimarer Republik, Sozialdarwinismus, Körperpolitik, Lebensunwertes Leben

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus und untersucht, wie propagandistische Strategien die Akzeptanz der NS-Euthanasie in der Bevölkerung fördern sollten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die rassenhygienische Ideologie, das Konzept des ‚Volkskörpers‘, die Konstruktion von Körperbildern sowie filmische Propaganda als Mittel zur Entmenschlichung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Menschen mit Behinderung im Dritten Reich diskursiv und medial als ‚Andere‘ markiert und systematisch von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit stützt sich auf eine diskursanalytische Untersuchung historischer Quellen, rassenhygienischer Schriften sowie eine filmpolitologische Analyse ausgewählter NS-Propagandafilme.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Kontinuitäten aus der Weimarer Republik, die Konstruktion des ‚Volkskörpers‘, die Idealisierung des ‚arischen Richtmanns‘ und die propagandistische Rhetorik des ‚Erbkranken‘.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Nationalsozialismus, Volkskörper, Rassenhygiene, Euthanasie, Propaganda und Entmenschlichung.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier eine so große Rolle?

Die Identifikation mit Tieren diente dazu, dem Menschen mit Behinderung die Antwortfähigkeit abzusprechen, was wiederum das Tötungsverbot aufzuheben erlaubte.

Welche Funktion erfüllte der Film "Ich klage an" innerhalb der Propaganda?

Der Film sollte die Mitleidstötung durch emotionalisierte Darstellung und die Berufung auf eine vermeintliche Autonomie der Betroffenen gesellschaftlich salonfähig machen.

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Details

Titel
Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus
Veranstaltung
Differenzkategorie Attraktivität
Note
1,0
Autor
Marvin Steiner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
18
Katalognummer
V1257640
ISBN (eBook)
9783346696991
ISBN (Buch)
9783346697004
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Euthanasie Behinderung Nationalsozialismus Wahrnehmung Differenz Differenzkategorie Adorno
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marvin Steiner (Autor:in), 2022, Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257640
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Leseprobe aus  18  Seiten
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