Gegenstand dieser Arbeit ist die Wortart Adverb und ihr Verhältnis zum Kasussystem in den indogermanischen Sprachen.
Allgemein lässt sich feststellen, dass die indogermanischen Sprachen im Laufe ihrer Entwicklung das morphologisch hochdifferenzierte Kasussystem der rekonstruierten Grundsprache in unterschiedlichem Maße vereinfacht haben. Parallel dazu fanden neue Adverbien Eingang in das Lexikon dieser Sprachen.
Da viele dieser Adverbien in den indogermanischen Sprachen auf erstarrte Kasusformen zurückgeführt werden können, stellt sich nun die Frage, wie sich die formalen und funktionalen Veränderungen des Kasussystems im Einzelnen auf die Wortart Adverb in diesen Sprachen ausgewirkt haben. Das heißt, ob es sich bei diesem Zusammenhang zwischen Kasus- und Adverbialsystem um ein isoliertes Phänomen im Kontext des oben skizzierten Sprachwandels handelt oder ob dieser nur Teil eines universellen systematischen Prozesses ist, anhand dessen sich zeigen lässt, dass das Adverb grundsätzlich in einem funktionalen und formalen Abhängigkeitsverhältnis zum Kasussystem steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Allgemeines zur Wortart Adverb
1.2. Zur Bestimmung der Wortart
1.3. Das Adverb in den Sprachen der Welt
1.4. Zur Entstehung von Adverbien
1.4.1. Adverbien aus Substantiven und Adjektiven
1.4.2. Adverbien aus Verben
1.5. Zur Entstehung von Adpositionen aus Adverbien
2. Die Situation im Urindogermanischen
2.1. Allgemeines zum Kasussystem
2.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus im Urindogermanischen
2.2.1. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs
2.2.2. Die Funktionen des Ablativs
2.2.3. Die Funktionen des Instrumentals
2.2.4. Die Funktionen des Lokativs
2.3. Weitere Funktionen
2.3.1. Der Akkusativ der Beziehung
2.3.2. Der Genitiv in seiner Funktion als Partitiv
2.3.3. Der Dativ in adverbialer Verwendung
2.4. Adverbien im Urindogermanischen
2.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen
2.4.2. Adverbbildung durch Suffigierung
2.4.3. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs
3. Zum Kasussystem und den Adverbien in ausgewählten idg. Tochtersprachen
3.1. Griechisch
3.1.1. Allgemeines zum Kasussystem
3.1.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus im Griechischen
3.1.2.1. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs
3.1.2.2. Die adverbialen Funktionen des Genitivs
3.1.2.3. Die adverbialen Funktionen des Dativs
3.1.3. Weitere Funktionen
3.1.3.1. Relevante Funktionen des Akkusativs
3.1.3.2. Der Genitiv in seiner Funktion als Partitiv
3.1.4. Das Adverb im Griechischen
3.1.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen
3.1.4.2. Ererbte Adverbien
3.1.4.3. Adverbbildung durch Suffigierung
3.1.4.4. Adverbien aus und in Komposita
3.1.4.5. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs
3.2. Altindisch
3.2.1. Allgemeines zum Kasussystem
3.2.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus
3.2.2.1. Die adverbiale Funktion des Nominativs
3.2.2.2. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs
3.2.2.3. Die Funktionen des Ablativs
3.2.2.4. Die Funktionen des Instrumentals
3.2.2.5. Die Funktionen des Lokativs
3.2.3. Weitere Funktionen
3.2.3.1. Der doppelte Akkusativ
3.2.3.2. Der Genitiv in seiner Funktion als Partitiv
3.2.4. Das Adverb im Altindischen
3.2.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen
3.2.4.2. Ererbte Adverbien
3.2.4.3. Adverbbildung durch Suffigierung
3.2.4.4. Ableitung von Adverbien mittels Akzentverschiebung
3.2.4.5. Adverbien aus und in Komposita
3.2.4.6. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs
3.3. Lateinisch
3.3.1. Allgemeines zum Kasussystem
3.3.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus im Lateinischen
3.3.2.1. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs
3.3.2.2. Die Funktionen des Ablativs
3.3.3. Weitere Funktionen
3.3.3.1. Relevante Funktionen des Akkusativs
3.3.3.2. Der Genitiv in seiner Funktion als Partitiv
3.3.3.3. Eine relevante Funktion des Dativs
3.3.4. Das Adverb im Lateinischen
3.3.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen
3.3.4.2. Ererbte Adverbien
3.3.4.3. Adverbbildung durch Suffigierung
3.3.4.4. Adverbien aus und in Komposita
3.3.4.5. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs
3.4. Hethitisch
3.4.1. Allgemeines zum Kasussystem
3.4.2. Die adverbialen Funktionen der Kasus im Hethitischen
3.4.2.1. Die adverbialen Funktionen des Akkusativs
3.4.2.2. Die Funktionen des Ablativs
3.4.2.3. Die Funktionen des Instrumentals
3.4.2.4. Die adverbialen Funktionen des Dativ-Lokativs
3.4.2.5. Die Funktion des endungslosen Lokativs im Althethitischen
3.4.2.6. Die Funktion des Direktivs
3.4.3. Weitere Funktionen
3.4.4. Das Adverb im Hethitischen
3.4.4.1. Adverbien aus erstarrten Kasusformen
3.4.4.2. Ererbte Adverbien
3.4.4.3. Adverbbildung durch Suffigierung
3.4.4.4. Adverbien in Komposita
3.4.4.5. Adverbien aus dem Akkusativ Singular Neutrum des Adjektivs
3.5. Zusammenfassung und Auswertung
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Kasussystem und der Wortart Adverb im Urindogermanischen sowie in ausgewählten Tochtersprachen (Griechisch, Altindisch, Latein und Hethitisch). Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie sich Adverbien aus Kasusformen durch Erstarrungsprozesse entwickelten und in welcher Beziehung sie zu den entsprechenden grammatikalischen Kasusfunktionen stehen.
- Rekonstruktion adverbialer Funktionen im Urindogermanischen.
- Analyse der Funktionsverschiebung und des Kasussynkretismus in den Tochtersprachen.
- Untersuchung von Erstarrungsprozessen (Isolierung) von Kasusformen zu Adverbien.
- Vergleich der morphologischen und syntaktischen Bildungsmittel für Adverbien.
- Rolle des Adverbs im Wandel vom synthetischen zum analytischen Sprachtyp.
Auszug aus dem Buch
1.1. Allgemeines zur Wortart Adverb
Der Begriff Adverb geht auf lat. adverbium „Beiwort, das zum Verb gehörige“ zurück, das seinerseits eine Lehnübersetzung des griechischen Begriffs Epirrhma „das Dazugesagte, das dem Verb Hinzugefügte“ darstellt.
Die Wortart Adverb dient dazu, Verben, Adjektive, Adverbiale oder Sätze semantisch zu modifizieren. Synchron werden Adverbien üblicherweise zusammen mit Präpositionen / Postpositionen und Konjunktionen zu den Partikeln gezählt, da sie wie diese nicht flektiert werden. Nur wenige Adverbien sind komparierbar. Wo dies möglich ist, werden häufig suppletive Formen gebraucht, wie beim deutschen Adverb bald mit dem Komparativ eher und dem Superlativ am ehesten.
Die Wortart selbst kann in sich weiter untergliedert werden. Je nach angelegtem Kriterium ergeben sich dabei Subtypen.
Eine Gliederung nach syntaktischen Kriterien liefert eine erste Unterteilung in freie Adverbien und Pronominaladverbien, die stellvertretend für Adpositionalobjekte oder Adverbiale stehen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Wortart Adverb, diskutiert Klassifizierungsprobleme und skizziert die Entstehung von Adverbien aus anderen Wortarten sowie Adpositionen.
2. Die Situation im Urindogermanischen: Untersucht die adverbialen Funktionen der Kasus (Ablativ, Instrumental, Lokativ) und die frühen Adverbien im rekonstruierten Grundsystem.
3. Zum Kasussystem und den Adverbien in ausgewählten idg. Tochtersprachen: Analysiert detailliert die Entwicklungen in Griechisch, Altindisch, Latein und Hethitisch hinsichtlich Kasusabbau und Adverbbildung.
4. Schlussbetrachtung: Führt die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle des Adverbs bei der Transformation vom synthetischen zum analytischen Sprachtyp.
Schlüsselwörter
Indogermanisch, Adverb, Kasussystem, Kasussynkretismus, Erstarrung, Sprachwandel, Adposition, Griechisch, Altindisch, Latein, Hethitisch, Morphologie, Syntax, Derivation, Komposition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Wortart Adverb in indogermanischen Sprachen, insbesondere den Übergang von Kasusformen zu erstarrten Adverbien.
Welche Sprachen werden in der Untersuchung thematisiert?
Neben dem rekonstruierten Urindogermanischen werden Griechisch, Altindisch, Latein und Hethitisch als repräsentative Tochtersprachen analysiert.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel zwischen dem Kasussystem und der Wortart Adverb und analysiert, wie sich adverbiale Funktionen im Laufe der Sprachentwicklung verlagert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine diachrone sprachwissenschaftliche Untersuchung, die auf einem Vergleich der morphologischen und syntaktischen Entwicklung der untersuchten Sprachen basiert.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Kasusfunktionen (Ablativ, Instrumental, Lokativ, Akkusativ) und die Mechanismen der Adverbbildung wie Suffigierung, Komposition und Erstarrung.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter der Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Indogermanistik, Adverbien, Kasussystem, Erstarrung (Isolierung) und Grammatikalisierung.
Warum spielt der Kasussynkretismus eine so wichtige Rolle im Griechischen?
Der Zusammenfall von Kasus im Griechischen führte dazu, dass adverbiale Funktionen oft nicht mehr durch einfache Kasusformen ausgedrückt werden konnten, was den Ausbau von Adverbien und Adpositionen forcierte.
Welche Sonderrolle nimmt das Hethitische ein?
Das Hethitische zeigt ein simpleres Kategoriensystem als andere indogermanische Sprachen, was Fragen zur Rekonstruktion des Urindogermanischen aufwirft.
Was bedeutet der Begriff "Erstarrung" in diesem Kontext?
Erstarrung bezeichnet einen diachronen Prozess, bei dem eine ehemals flektierte Kasusform ihre syntaktische Flexibilität verliert und zu einem festen Adverb wird.
Wie unterscheidet sich die Adverbbildung im Altindischen?
Das Altindische bewahrt das urindogermanische Kasussystem sehr gut, weshalb der reine Kasus dort noch häufiger adverbiale Funktionen direkt übernimmt als in den anderen untersuchten Sprachen.
- Arbeit zitieren
- Christian Voggenreiter (Autor:in), 2008, Adverbien im Indogermanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125766