Im Jahr 1198 rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug auf, mit dem Ziel die Rückeroberung des Heiligen Landes. Dieses Ziel wurde nicht erreicht, stattdessen endete der Zug in der christlichen Stadt Konstantinopel und wurde von einem christlichen Kreuzzugsherrn erobert und geplündert. Dabei wurden wertvolle, jahrhundertealte Kunstgüter zerstört und bedeutsame Reliquien geraubt. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage: Wie nahmen die Zeitgenossen die Eroberung und die Plünderung Konstantinopels wahr und wie rechtfertigten sie den Reliquienraub?
In der Arbeit wird zunächst das Thema eingeführt und der Forschungsstand dargelegt. Anschließend werden die Quellen und die Quellenlage aufgeführt. Im weiteren Verlauf wird zu Beginn der erste Angriff und anschließend die Eroberung Konstantinopels und dessen Wertung dargestellt. Darauf aufbauend werden die Wahrnehmungen und Rechtfertigungen der Plünderungen und des Reliquienraubs diskutiert. Zum Schluss werden in einem Fazit die Ergebnisse zusammengetragen.
Für die Untersuchung der Fragestellung werden zeitgenössische Primärquellen herangezogen, analysiert und diskutiert. Darunter der Chronist Geoffroy de Villehardouin, ein westlicher, hochrangiger Kreuzfahrer, der die Entscheidungen
und Ereignisse aus erster Hand mitbekommen hat. Ebenfalls als Ergänzung zum Werk von Villehardouin, aber aus der Sicht eines einfachen Ritters wird die Chronik von Robert de Clari untersucht. Aus Sicht der Byzantiner, der Verliererperspektive, wird das Werk von Niketas Choniates untersucht. Er war ein hochrangiger byzantinischer Beamte, der die Ereignisse vom Vierten Kreuzzug selbst erlebt hat. Die Chronik von Novogrod, ebenfalls eine zeitgenössische
Quelle aus byzantinischer Sicht, dokumentiert von den Auseinandersetzungen innerhalb der Stadt. Ferner wird das Werk von Gunter von Pairis analysiert. Er berichtet vom Abt Martin von Pairis, ein Kreuzzugsteilnehmer, der sich an den Plünderungen beteiligte.
Der Vierte Kreuzzug ist ein viel diskutiertes Thema und stellt hier eine breite Literaturbasis bereit. Aufgrund des begrenzten Rahmens werden in der vorliegenden Arbeit einzelne Werke betrachtet, weshalb eine differenzierte Betrachtung nur bedingt erfolgen kann. Hierfür werden unter anderem Thomas Madden (2013), Michael Jucker (2011), Peter Noble (2002) und David M. Perry (2015) untersucht.
Inhaltsverzeichnis
- I. EINLEITUNG
- II. QUELLEN UND QUELLENLAGE
- III. DARSTELLUNG UND WERTUNG DER EROBERUNG KONSTANTINOPELS
- IV. WAHRNEHMUNG UND RECHTFERTIGUNG DER PLÜNDERUNGEN UND DES RELIQUIENRAUBS
- V. FAZIT
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Wahrnehmung und Rechtfertigung der Eroberung und Plünderung Konstantinopels im Vierten Kreuzzug. Sie analysiert die zeitgenössischen Perspektiven auf die Ereignisse und die Gründe, die zur Rechtfertigung des Reliquienraubs herangezogen wurden. Die Arbeit beleuchtet die Bedeutung dieser Ereignisse für die Beziehungen zwischen Ost und West, insbesondere die Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche.
- Die Darstellung des Vierten Kreuzzugs und seiner Folgen aus verschiedenen Perspektiven.
- Die Rolle der zeitgenössischen Quellen und ihre Bedeutung für die Rekonstruktion der Ereignisse.
- Die Rechtfertigung der Plünderungen und des Reliquienraubs im Kontext der damaligen Zeit.
- Die Auswirkungen des Vierten Kreuzzugs auf das Verhältnis zwischen dem christlichen Westen und dem Byzantinischen Reich.
- Die langfristigen Folgen der Eroberung Konstantinopels für die Geschichte des christlichen Europas.
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel I: Die Einleitung stellt das Thema der Arbeit vor, erläutert die Forschungsfrage und skizziert den Aufbau der Arbeit.
- Kapitel II: Dieses Kapitel analysiert die verfügbaren Quellen und stellt die wichtigsten Quellen für die Untersuchung der Ereignisse des Vierten Kreuzzugs vor. Die Analyse umfasst sowohl westliche als auch byzantinische Quellen.
- Kapitel III: Kapitel III beschreibt den ersten Angriff auf Konstantinopel sowie die anschließende Eroberung der Stadt und bewertet die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven.
- Kapitel IV: Dieses Kapitel widmet sich der Frage, wie die zeitgenössischen Akteure die Plünderungen und den Reliquienraub wahrnahmen und rechtfertigten. Es analysiert die verschiedenen Argumentationslinien und die ideologischen Hintergründe der Rechtfertigung.
Schlüsselwörter
Vierte Kreuzzug, Konstantinopel, Eroberung, Plünderung, Reliquienraub, Quellenkritik, Wahrnehmung, Rechtfertigung, Byzantinisches Reich, Katholische Kirche, Orthodoxe Kirche, Geoffroy de Villehardouin, Robert de Clari, Niketas Choniates, Chronik von Novogrod, Gunther von Pairis.
Häufig gestellte Fragen
Was war das Ziel des Vierten Kreuzzugs?
Ursprünglich rief Papst Innozenz III. zur Rückeroberung des Heiligen Landes auf. Der Kreuzzug endete jedoch mit der Eroberung der christlichen Stadt Konstantinopel.
Warum wurde Konstantinopel geplündert?
Nach der Eroberung durch die Kreuzfahrer kam es zu massiven Plünderungen, bei denen Kunstgüter zerstört und wertvolle Reliquien geraubt wurden, oft aus Gier oder zur Finanzierung des Zuges.
Wie wurde der Reliquienraub gerechtfertigt?
Die Arbeit untersucht zeitgenössische Argumentationslinien, die den Raub oft als religiöse Notwendigkeit oder Strafe für die Byzantiner darstellten.
Welche Quellen werden in der Arbeit analysiert?
Es werden westliche Berichte (z. B. Geoffroy de Villehardouin, Robert de Clari) sowie byzantinische Perspektiven (z. B. Niketas Choniates) und die Chronik von Novogrod herangezogen.
Welche Folgen hatte der Vierte Kreuzzug für die Kirche?
Die Ereignisse vertieften den Riss zwischen der katholischen Westkirche und der orthodoxen Ostkirche nachhaltig und schädigten die Beziehungen für Jahrhunderte.
- Citation du texte
- Natalie Krutsch (Auteur), 2022, Darstellung und Wahrnehmung der mit dem Vierten Kreuzzug verbundenen Kriegshandlungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257692