Gewaltprävention und aktive Medienpädagogik

Saubere Handys – Erfolgreiche Präventionsarbeit im Rahmen eines Schulmedienprojektes gegen Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys


Projektarbeit, 2009
19 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

1. Einleitung

Der allgemeine Ruf nach Medienerziehung in Schulen, der Erziehung zu einem verantwortlichem Umgang mit Neuen Medien, wird in der heutigen Zeit immer lauter. Nicht erst nach den Amokläufen an Schulen und dem Auftreten des Phänomens der „Gewaltvideos auf Schülerhandys“ wird im schulischen Bereich von vielen Pädagogen nach Möglichkeiten gesucht, diesem Trend der „Medienverwahrlosung“ (vgl. PFEIFFER, 2003) zu begegnen und wirksam entgegenzutreten.

Auch an der Alfred-Teves-Schule, einer Grund- und Hauptschule in Niedersachsen, wurden im Jahr 2005 Gewaltvideos auf Schülerhandys entdeckt (vgl. GIFHORNER RUNDSCHAU, 2005, ALLERZEITUNG, 2005). Die erfolgreiche Intervention durch eine Lehrkraft und die darauf folgende unterrichtspraktische Arbeit mit Schülern stellt den Startpunkt einer bis dato einmaligen Bearbeitung des Phänomens der Gewaltvideos auf Schülerhandys dar, die bundesweit für Aufsehen und Anerkennung gesorgt hat. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die schon vorhandenen Fähigkeiten der Schüler gelegt, welche die Grundlage für den Erfolg der unterrichtlichen Maßnahme bilden.

Die Schulwebseiten unter der Domain www.alfred-teves-schule.de stellen dabei ein geeignetes Medium, um die erfolgreiche Arbeit öffentlich zu machen. Im Rahmen der Dokumentation findet sich neben den Projektarbeitsergebnissen auch eine umfassende Bereitstellung von Presse-, TV-, und Audiodateien.

In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie medienpädagogische Arbeit im schulischen Rahmen vor dem Hintergrund der Gewaltprävention durch die Arbeit mit Neuen Medien praktisch umgesetzt werden kann. Das erfolgreich durchgeführte und vielfach prämierte Projekt „Saubere Handys“ soll vor diesem Hintergrund dokumentiert werden.

Folgende Projektpartner haben die Projektarbeit „Saubere Handys“ gestützt und maßgeblich gefördert:

1. Landeskriminalamt Niedersachsen | Zentralstelle Polizeiliche Prävention und Jugendsachen | www.lka.niedersachsen.de
2. Redaktion Gifhorner Rundschau | www.newsclick.de
3. Redaktion Allerzeitung | www.aller-zeitung.de |
4. Handysektor | www.handysektor.de
5. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest | www.mpfs.de
6. Vodafone Deutschland GmbH | www.vodafone.de
7. Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien | www.bundespruefstelle.de
8. Verlag Pro-Schule | Redaktion Schulleitung intern – Managementbrief für Grund- und Hauptschulleiter | www.schule-management.de

2. Hintergrund – Initialzündung Schulhofprügelei

Auslöser für den Weg an die Öffentlichkeit und die damit verbundenen Projektidee „Saubere Handys“ war eine verabredete Prügelei unter 2 Schülern der 7ten Jahrgänge im November 2005. Während der Pausenaufsicht trennte eine Lehrkraft die Streithähne und war darüber schockiert, dass etwa 7 Schüler um die Kontrahenten herumstanden und die Prügelei filmten bzw. die beiden Prügelnden anheizten, um möglichst gute Aufnahmen zu erhalten.

In Absprache händigten die beteiligten Handyfilmer der Lehrkraft die Telefone aus, mit denen gefilmt wurde. Vorrangig sollte es dabei um die Löschung der gerade zuvor angefertigten Aufnahmen gehen, um eine weiteren Verbreitung bzw. Verwendung der angefertigten Videoaufnahmen zu verhindern. Gemeinsam bearbeiteten die Schüler mit der Lehrkraft die Speicher der Telefone. Bei der gemeinsamen Analyse, kamen dann Gewaltvideos der härtesten Machart ans Licht. Bei lebendigem Leib wurde auf einem Film einem Soldaten der Kopf mit einem Kampfmesser vom Rumpf getrennt. Auf einem weiteren Film wurde ein um Hilfe flehendes junges Mädchen per Kopfschuss vor laufender Kamera hingerichtet. Weitere Videos zeigten zusätzlich, zu anderen Zeitpunkten gefilmte Prügeleien. Überraschend auch das Video eines, vermutlich, älteren Geschwisterkindes, dass 2 Jungen im Grundschulalter als Schläger vorstellt und dann dahingehend animiert, sich zu schlagen. Weitergehend fanden sich Denunzierungen von Passanten und Obdachlosen auf den Handys. Die Schüler selbst sahen den Besitz bzw. das Anfertigen und Multiplizieren dieser Aufnahmen als „normal“ und zeitgemäß an.

3. Maßnahmen

Im Anschluss an die in Kapitel 2 gewonnenen Erkenntnisse wurden die betroffenen Klassenlehrerinnen, die Eltern und die Schulleitung informiert. In Absprache mit Landesschulbehörde, Staatsanwaltschaft, Polizei und örtlicher Presse wurde das weitere Vorgehen geplant. Die Schulleitung unterstützte den Vorschlag, die recherchierten Sachverhalte im Rahmen mehrerer Informationsveranstaltungen und auf den Schulwebseiten der Alfred-Teves-Schule öffentlich zu machen. Gemäß der Vorgabe, dass im Rahmen wirksamen gewaltpräventiven Arbeitens eine schnelle und unmittelbare Reaktion erfolgen muss, wurde auf einen aufklärenden und mediengestützten „Frontalangriff“ gesetzt.

Unterstützung durch die beteiligten Schüler war im Hinblick auf die technischen Möglichkeiten von Mobiltelefonen wichtig und von Begin an geplant.

Sehr hilfreich war diesbezüglich die im Vorjahr verfasste Konzeption für die Beantragung einer Förderung im Rahmen der N-21 Förderung „Schulen ans Netz“. In diesem Zuge wurde unsere Schule mit Multimediarechnern, Laptops und Beamern ausgestattet, welche den materiell notwendigen Rahmen für die weiterführende Bearbeitung darstellten (vgl. Kapitel 3).

Tabelle 1: Auflistung der an die Schulhofprügelei folgenden Bearbeitungsschritte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiterführend wurden die weitere präventive Begleitung des Themas „Gewaltvideos auf Schülerhandys“ auf verschiedene Bereiche des Schullebens ausgeweitet. Schrittweise wurde in 8 Schritten gearbeitet. Dieses methodische Vorgehen wurde bundesweit veröffentlicht und damit allen Schulen zugänglich gemacht (vgl. SCHLAMP 2006).

Abbildung 1: Gesamtkonzept „Saubere Handys“ (aus SCHLAMP 2006).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Schritt: Eine Projektgruppe zur Gewaltprävention gründen
2. Schritt: Die Lehrer informieren
3. Schritt: Auf die Verantwortung der Eltern bauen
4. Schritt: Eine Handy-Ordnung beschließen
5. Schritt: Gewaltprävention in den Stundenplan integrieren
6. Schritt: Schüler als Experten einbeziehen
7. Schritt: Medienkompetenz stärken
8. Schritt: Weiträumig vernetzen (aus: SCHLAMP 2006)

4. Praxisarbeit Schülerprojekt „Saubere Handys“

Um auch langfristig Erfolge im Rahmen der Zielsetzung Gewaltprävention zu erreichen, wurden die Schüler sofort in die Bearbeitung mit einbezogen. Die Medien AG, welche aus der seit 2001 bestehenden Homepage AG hervorging, wurde gegründet. Die Projektgruppe „Saubere Handys“ war in diesem Punkt eine Gruppe von Schülern, die an der schuleigenen Medien AG mitarbeiteten und das Thema „Mobiltelefon und Gewaltvideos“ fokussierten.

Inhaltsbereiche der Medien AG finden sich in der nachfolgenden Abbildung wieder.

Abbildung 2: Schematische Darstellung der medienpädagogischen Arbeitsinhalte der Medien AG der Alfred-Teves-Schule. Ausgehend vom Engagement im Projekt „Saubere Handys“ wurden zusätzliche medienpädagogische Arbeitsbereiche entwickelt. Die Inhalts- und Arbeitsbereiche der Schüler überschneiden sich teilweise, da die Inhalte temporär mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung bearbeitet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Gewaltprävention und aktive Medienpädagogik
Untertitel
Saubere Handys – Erfolgreiche Präventionsarbeit im Rahmen eines Schulmedienprojektes gegen Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys
Note
1.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V125772
ISBN (eBook)
9783640324798
ISBN (Buch)
9783640325825
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
medienpädagogik, medienerziehung, gewaltprävention, saubere handys, alfred-teves-schule, mobiltelfone im unterricht, sinnvoller handyeinsatz, gewaltvideos, handyvideos, handyprojekte
Arbeit zitieren
Diplomsportlehrer Marcus Lüpke (Autor), 2009, Gewaltprävention und aktive Medienpädagogik , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125772

Kommentare

  • Marcus Lüpke am 13.7.2009

    Löschung der Schulwebseiten.

    Da die Schulwebseiten unter der Domain www.alfred-teves-schule.de im März 2009 auf Aktivität der Schulleitung hin gelöscht wurden, finden sich Pressearchiv und Dokumenationsmaterialien zum Projekt auf der Webseite der leitenden Lehrkraft unter www.marcus-luepke.de.

    Viel Spaß und Feedback erwünscht ;-)

  • Marcus Lüpke am 13.7.2009

    Löschung der Schulwebseiten.

    Da die Schulwebseiten unter der Domain www.alfred-teves-schule.de im März 2009 auf Aktivität der Schulleitung hin gelöscht wurden, finden sich Pressearchiv und Dokumenationsmaterialien zum Projekt auf der Webseite der leitenden Lehrkraft unter www.marcus-luepke.de.

    Viel Spaß und Feedback erwünscht ;-)

  • Marcus Lüpke am 13.7.2009

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Titel: Gewaltprävention und aktive Medienpädagogik


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