In der Geschichtsdidaktik nimmt das Thema Gedenkstättenbesuch eine besondere Rolle ein, da Besuche in Konzentrationslagern/Gedenkstätten zum festen Bestandteil im Geschichtsunterricht gehören. Dieser Unterrichtsentwurf spezialisiert sich auf einen Besuch in der Gedenkstätte Ravensbrück.
Zwischen 1933 und 1945 wurden schätzungsweise zwischen fünf und sechs Millionen Juden Opfer des NS-Regimes. Die Judenverfolgung begann 1933 und wurde anfangs nur gegen die in Deutschland lebenden Juden durchgeführt. Die regelrechte Massenvernichtung fand während des zweiten Weltkriegs in Europa statt. Die Ermordung von zweieinhalb Millionen Juden, hauptsächlich Frauen und Kinder, innerhalb von 250 Tagen im Jahr 1942 stellt den Höhepunkt des Holocaust dar. Ziel der Nationalsozialisten war die Auslöschung der Existenz der Juden. Die Zerstörung ganzer Gemeinden reichte ihnen nicht aus. Für sie war es allein ein Verbrechen ein Jude zu sein. Dafür gab es nur eine einzige Strafe – der Tod, egal ob Männer, Frauen, Kinder, Behinderte oder Schwache.
In der Gedenkstätte Ravensbrück waren von 1939 bis 1945 über 140000 Frauen, Kinder und Männer inhaftiert. Das Konzentrationslager Ravensbrück war zu seiner Zeit das größte Frauen-Konzentrationslager des NS-Regimes. Diese Frauen wurden deportiert und unterteilt in Jüdinnen, Sinti und Roma, „Asoziale“ und Zeugen Jehovas. Allen wurde ihre gesellschaftliche Identität genommen. Sie wurden geschlagen, gefoltert und schlussendlich ermordet. Die Befreiung des Konzentrationslagers im Jahr 1945 haben 10000 nicht überlebt. Ihr Leben wurde in Ravensbrück beendet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine und spezielle Lern- und Lehrbedingungen
3. Planung einer Unterrichtssequenz
3.1 Curriculare Einordnung
3.2 Sequenzplanung
3.3 Didaktisches Konzept
3.4 Bedeutung der Stunde in der Unterrichtssequenz
4. Sachanalyse und Lerngegenstand
4.1 Die Ideologie des Nationalsozialismus
4.2 Antisemitismus des Nationalsozialismus
4.3 Die Gedenkstätte Ravensbrück
5. Tabellarischer Stundenverlaufsplan
6. Zielformulierung für die Exkursion
7. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit konzipiert eine Exkursion zur Gedenkstätte Ravensbrück für eine 10. Klasse, um den Schülern eine historische Realbegegnung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus zu ermöglichen und ihr theoretisches Wissen aus dem Unterricht zu vertiefen sowie emotional greifbar zu machen.
- Grundlagen der NS-Ideologie und des Antisemitismus.
- Planung und didaktische Einordnung von außerschulischen Lernorten.
- Strukturierung einer Unterrichtssequenz mit Vor- und Nachbereitung.
- Historische Aufarbeitung der Gedenkstätte Ravensbrück als ehemaliges Frauen-KZ.
- Methodik des forschend-entdeckenden Lernens vor Ort.
Auszug aus dem Buch
4.3 Die Gedenkstätte Ravensbrück
Die Schutzstaffel (SS) ließ ab 1933 im preußischen Dorf Ravensbrück das größte Frauen-Konzentrationslager in Deutschland errichten. Im April 1941 wurde zusätzlich ein Männerlager errichtet und im Juni 1942 das „Jugendschutzlager Uckermark“ für junge Frauen und Mädchen in unmittelbarer Nachbarschaft angegliedert. Bis 1945 wurde das Konzentrationslager ständig erweitert. Innerhalb der Mauern entstanden Produktionsstätten für traditionelle Frauenarbeiten wie Flechten, Weben und Schneidern. Die Firma Siemens & Halske errichtete über 20 Werkhallen neben dem Gelände in denen die Häftlinge Zwangsarbeiten verrichten mussten.
Die 120000 Insassen in Ravensbrück stammten aus 30 Nationen unter ihnen Jüdinnen und Juden als auch Sinti und Roma. In der Zeit von 1939 bis 1945 wurden 10000 Häftlinge ermordet, starben an Hunger und Krankheiten oder durch medizinische Experimente. Etwa 1900 Insassen wurden auf Grund der Aktion „14 f13“ ermordet, da sie als behindert beziehungsweise nicht arbeitsfähig abgestempelt wurden. Ab 1941 fungierte Ravensbrück nur noch als Hinrichtungseinrichtung. Mit Schusswaffen wurden wahllos zahlreiche Frauen zur Strecke gebracht. Die Schutzstaffel baute Anfang 1945 eine Gaskammer neben dem Krematorium in einer Baracke ein. Im Zeitraum von Januar bis April 1945 wurden dort 5000 bis 6000 Menschen vergast. Die rote Armee befreite das Lager am 30. April 1945 mit den 2000 zurückgelassenen Erkrankten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die historische Relevanz und das Ausmaß der NS-Verbrechen in Ravensbrück sowie die geschichtsdidaktische Bedeutung von Gedenkstättenbesuchen.
2. Allgemeine und spezielle Lern- und Lehrbedingungen: Analysiert die Rahmenbedingungen der geplanten Exkursion unter Berücksichtigung von Pandemieauflagen, Klassenzusammensetzung und organisatorischen Aspekten.
3. Planung einer Unterrichtssequenz: Umfasst die curriculare Einordnung, eine detaillierte Sequenzplanung, das didaktische Konzept sowie die Bedeutung des Besuchs für den Lernfortschritt.
4. Sachanalyse und Lerngegenstand: Bietet eine fachwissenschaftliche Analyse der NS-Ideologie, des Antisemitismus und der spezifischen Geschichte des Frauen-KZ Ravensbrück.
5. Tabellarischer Stundenverlaufsplan: Detaillierte zeitliche und inhaltliche Auflistung des Exkursionstages inklusive Vor- und Nachbereitungsphasen.
6. Zielformulierung für die Exkursion: Definiert die angestrebten Lernziele für die Schüler hinsichtlich Wissensvertiefung und Empathieförderung.
7. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur und Online-Ressourcen zur theoretischen Fundierung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Gedenkstätte Ravensbrück, Exkursion, Geschichtsdidaktik, Unterrichtsplanung, Holocaust, Antisemitismus, Konzentrationslager, außerschulischer Lernort, NS-Regime, Zeitzeugenbegriff, Handlungsorientierung, Lernen vor Ort, Opferbiografien, historische Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt ein detailliertes pädagogisches Konzept für einen unterrichtsbegleitenden Besuch der Gedenkstätte Ravensbrück mit einer 10. Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Kerninhalte umfassen die NS-Ideologie, die historischen Abläufe im Konzentrationslager Ravensbrück sowie die methodische Gestaltung außerschulischen Lernens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Schülern historische Sachverhalte erlebbar zu vermitteln und ihre Kompetenz zur kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Konzeption stützt sich auf geschichtsdidaktische Prinzipien wie das forschend-entdeckende Lernen und den Planungsdreischnitt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse der NS-Ideologie, eine detaillierte Sequenzplanung und einen tabellarischen Ablaufplan für den Exkursionstag.
Welche Schlagwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Gedenkstättenpädagogik, NS-Geschichte, Handlungsorientierung und Kompetenzentwicklung beschreiben.
Welche Rolle spielt der Film "Schindlers Liste" in der Vorbereitung?
Der Film wird genutzt, um das Interesse der Schüler zu wecken und sie emotional auf die Thematik und den anstehenden Besuch einzustimmen.
Warum betont die Autorin die Bedeutung des forschend-entdeckenden Lernens?
Dieser Ansatz soll die Schüler in die Rolle von Historikern versetzen, damit sie historische Prozesse aktiv nachvollziehen anstatt sie passiv zu konsumieren.
Wie geht die Lehrkraft mit möglichen emotionalen Belastungen der Schüler um?
Die Lehrkraft ist dazu angehalten, Rückzugsmöglichkeiten einzuplanen und auf unkontrollierte Gefühlsäußerungen bei der Auseinandersetzung mit den Lagergräueln vorbereitet zu sein.
- Arbeit zitieren
- Johanna Rothe (Autor:in), 2021, Konzeption einer Exkursion zur Gedenkstätte Ravensbrück (10. Klasse Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257887