„Wann ist ein Mann ein Mann?“, fragt Herbert Grönemeyer in seinem Hit „Männer“ aus dem Jahr 1984. Festlegungen darüber, wann ein Mann ist – und wann eine Frau eine Frau – sind Teil der Alltagsrealität und werden im Allgemeinen nicht in Frage gestellt.
Doch wie kommen diese Zuschreibungen zustande? Wie werden sie also konstruiert? Ist es möglich, sie zu dekonstruieren?
Im ersten Teil der Hausarbeit werden Prozesse der Konstruktion von Geschlechtern dargelegt. Dazu gehören die Zweigeschlechtlichkeit, die heterosexuelle Matrix und die diskursive Performativität.
Im zweiten Teil der Arbeit werden diese Begriffe wieder aufgegriffen zur Darstellung des Gegenteils der Konstruktion, der Dekonstruktion. Anhand aktueller Musikvideos soll beispielhaft dargelegt werden, welche Strategien der Dekonstruktion bestehender Geschlechterverhältnisse die MusikerInnen verfolgen. Dazu gehören Gender B(l)ending, Parodie und Imitation.
Die analysierten Videos stammen aus den Jahren 2000 bis 2006 von KünstlerInnen und Bands wie Pink, Le Tigre, Courtney Love, Madonna oder Garbage.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Konstruktion von Geschlechtern und Geschlechterverhältnissen
1.1 Zweigeschlechtlichkeit
1.2 Doing Gender: Herstellung von Geschlecht
1.2.1 Ethnomethodologischer Ansatz
1.2.2 Diskursive Performativität
1.2.3 Heterosexuelle Matrix
2. Dekonstruktion von Geschlechterverhältnissen in Musikvideos
2.1 Parodie
2.1.1 Pink: „Stupid Girls“ (2006)
2.2 Imitation männlicher Geschlechtsstereotype
2.2.1 Courtney Love: „Mono“ (2004)
2.3 Gender B(l)ending: Cross-Dressing
2.3.1 Le Tigre: „TKO“ (2004)
2.4 Gender B(l)ending: Androgynität
2.4.1 Garbage: „Androgyny“ (2001)
2.4.2 Peaches: „Downtown“ (2006)
2.5 Homo- und Bisexualität
2.5.1 Rosenstolz: „Liebe ist alles“ (2004)
2.5.2 k. d. lang: „Summerfling“ (2000)
2.5.3 Britney Spears feat. Madonna: „Me against the Music“ (2003)
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern aktuelle Musikvideos Strategien zur Dekonstruktion starrer Geschlechterverhältnisse nutzen und ob diese audiovisuellen Darstellungen das vorherrschende System der Zweigeschlechtlichkeit in Frage stellen können.
- Soziologische Grundlagen der Geschlechterkonstruktion (Doing Gender, Heterosexuelle Matrix)
- Analyse verschiedener Dekonstruktionsstrategien in Musikvideos (Parodie, Cross-Dressing, Imitation)
- Untersuchung der Darstellung von Homosexualität und Bisexualität
- Kritische Reflexion der Wirksamkeit dieser Dekonstruktionsversuche in den Massenmedien
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Pink: „Stupid Girls“ (2006)
Die amerikanische Sängerin und Songschreiberin Pink (geb. 1979 als Alecia Moore) parodiert in ihrem wenige Monate alten Video Frauen wie die Sängerin Jessica Simpson oder das „Porno Paparazzi Girl“ Paris Hilton: Pink wäscht leicht bekleidet und mit übertrieben sexualisierter Mimik und Gestik ein Auto, wie Jessica Simpson in einem ihrer Videos. In einer anderen Szene kauft „Pink“ in Stöckelschuhen, übertriebenem Make-Up und aufreizender, stilloser Kleidung einen Chihuahua – bekanntlich hat auch Paris Hilton einen solchen Hund. In dieser Aufmachung fährt sie Auto, gleichzeitig telefoniert sie und frischt ihr Make-Up auf – mit der Folge, dass sie Menschen umfährt. Ein weiterer Verweis auf Hilton sind Szenen, die Pink – wieder mit übertriebener Gestik und Mimik – in einem Privatporno zeigt. Eine Anspielung darauf, dass ein Exfreund von Hilton ein solches Video auf den Markt gebracht hat.
Des Weiteren parodiert Pink in mehreren Szenen den Schönheitswahn, zeigt aber auch gleichzeitig ihre eigenen Unsicherheiten bezüglich ihres Körpers (die ja aber aus dem Körperkult resultieren): Im Fitnessstudio beachtet der Trainer nur die Frau auf dem Laufband neben Pink, die eine größere Oberweite vorzuweisen hat. Pink wird erst bemerkt, als sie stolpert und dabei ihre Hose verliert und der Trainer und die andere Frau sie auslachen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hinführung zur Thematik der Geschlechterrollen und deren Konstruktion, illustriert am Beispiel alltagsrelevanter Missverständnisse.
1. Konstruktion von Geschlechtern und Geschlechterverhältnissen: Theoretische Herleitung, warum Zweigeschlechtlichkeit als gesellschaftliche Konstruktion und nicht als natürliche Gegebenheit betrachtet werden muss.
2. Dekonstruktion von Geschlechterverhältnissen in Musikvideos: Praktische Analyse von Musikvideos, die durch verschiedene Strategien wie Parodie oder Cross-Dressing versuchen, Geschlechterstereotype zu unterwandern.
Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass dekonstruktive Musikvideos in der Medienlandschaft eine seltene Ausnahme bleiben und oft auf ein Publikum mit spezifischem Vorwissen angewiesen sind.
Schlüsselwörter
Geschlechterverhältnisse, Dekonstruktion, Musikvideos, Doing Gender, Zweigeschlechtlichkeit, Heterosexuelle Matrix, Performativität, Parodie, Cross-Dressing, Androgynität, Homosexualität, Bisexualität, Geschlechterstereotype, Judith Butler, Körperkult.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Geschlechterrollen konstruiert werden und auf welche Weise Künstlerinnen in Musikvideos versuchen, diese Zuschreibungen durch dekonstruktive Strategien zu hinterfragen oder zu durchbrechen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen soziologische Theorien zur Geschlechterkonstruktion, die Analyse audiovisueller Medien sowie der Einfluss von Popkultur auf gesellschaftliche Normen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welche Strategien in aktuellen Musikvideos zur Dekonstruktion von Geschlechterverhältnissen genutzt werden und wie erfolgreich diese Ansätze bei der Infragestellung von Normen sind.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Es werden vor allem konstruktivistische Ansätze verwendet, insbesondere Judith Butlers Konzepte der diskursiven Performativität und der heterosexuellen Matrix sowie ethnomethodologische Ansätze zum "Doing Gender".
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Musikvideos verschiedener Künstlerinnen und unterteilt diese in Kategorien wie Parodie, Imitation männlicher Stereotype, Cross-Dressing, Androgynität sowie Homo- und Bisexualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Doing Gender, Dekonstruktion, Zweigeschlechtlichkeit, Heterosexuelle Matrix und die Analyse von Geschlechterstereotypen in den Massenmedien.
Warum spielt die Rolle der Rezipienten eine so große Rolle für die Autorin?
Die Autorin argumentiert, dass Dekonstruktion nur dann funktioniert, wenn das Publikum über ausreichend Vorwissen verfügt, um die subversiven Botschaften zu entschlüsseln, da diese sonst häufig ignoriert oder missverstanden werden.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des Einflusses von Musikvideos?
Das Fazit lautet, dass dekonstruktive Videos eine Ausnahme darstellen und die breite Mehrheit der Musikvideos eher bestehende, oft sexistische Geschlechterrollen zementiert, anstatt sie aufzubrechen.
- Arbeit zitieren
- Inga Beißwänger (Autor:in), 2006, Strategien der Dekonstruktion von Geschlechterverhältnissen in aktuellen Musikvideos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125800