Bei einem so komplexen Werk wie der "Archäologie des Wissens" halte ich es für sinnvoll, sich den Themen der "Archäologie des Wissens" über verschiedene Fluchtpunkte ausserhalb und innerhalb der Diskursanalyse zu nähern. Dies soll erstens über eine zeitlich-kontextuelle Einordnung seines Werkes beginnen. Vier unterschiedliche Strömungen werden
hier vorgestellt, von denen sich Foucault abgrenzt. Das Auswahlprinzip der Strömungen richtet sich an den in der AdW implizit oder explizit auftauchenden
Denkrichtungen. Zweitens werde ich Foucaults allgemeine Stossrichtung der Kritik in bezug auf die sich für objektiv erklärenden Wissenschaften im Allgemeinen und der Geschichtswissenschaft im Speziellen vorstellen. Innerhalb dieses Abschnittes über die Neustrukturierung von historischer Zeit füge ich noch einen kurzen Überblick über das diskursanalytische Schaffen Foucaults bis zur AdW an. Der dritte Teil bearbeitet die vier diskursiven Formationen einer Diskursformation und ihrem funktionalem Zusammenspiel. Hier beginnt die eigentliche Auseinandersetzung mit der AdW. Als Ausgangspunkt für den vierten Teil dient mir ein Zitat Foucaults aus der "Archäologie des Wissens" innerhalb dessen Foucault einen grösseren Rahmen für den Diskursbegriff aufmacht. Meiner Ansicht nach führt er eine
Systemdifferenzierung ein, die zwischen dem Nichtdiskursiven, dem Diskursiven und der diskursiven Praxis unterscheidet. Diese Systeme reproduzieren sich
gegenseitig. Sie lassen sich aber methodisch voneinander abgrenzen. Die Systemdifferenzierung erlaubt es mir, erstens die diskursiven Formationen in einen
grösseren Rahmen zu stellen und zweitens eine Diskursdefinition anzubieten. Der fünfte Teil beschäftigt sich mit der Neukonzeptuierung der historischen Aussage. Die Aussage ist nach Foucault die elementare Einheit des Diskurses. Der Begriff und die Bedingungen der Aussagenfunktion werden dort erläutert. Der sechste und letzte Teil skizziert den Begriff der Archäologie. Dies geschieht erstens über die Bestimmung des Verhältnisses der in dieser Arbeit auftauchenden Begriffe wie diskursive Formation, Systemdifferenzierung und historische Aussage. Zweitens werde ich die AdW innerhalb seines Gesamtwerkes durch einige Zitate des späten Foucaults positionieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thema und Grenzen der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Fluchtpunkte einer Analytik der Archäologie
2.1 Theoretische Strömungen innerhalb des französisch intellektuellen Diskurses Ende der 60er.
2.2 Kritiklinien des foucaultschen Denkens
2.2.1 Wissen ist immer diskursabhängiges Wissen
2.2.2 Globalgeschichte vs. Allgemeingeschichte
2.2.3 Überblick über die diskursanalytischen Arbeiten bis 1968
2.3 Diskursformation
2.3.1 Die Formation der Gegenstände
2.3.2 Die Formation der Äusserungsmodalitäten
2.3.3 Die Formation der Begriffe
2.3.4 Die Formation der Strategien
2.3.5 Zusammenspiel der Formationen
2.4 Architektur des Diskurses
2.5 Neukonzeptuierung der historischen Aussage
2.5.1 Worin unterscheidet sich die historische Aussage von anderen Ansätzen der Wahrheitsproduktion?
2.5.2 Wo findet sich die Aussage und welche Bedingungen ihrer Funktion unterliegen ihr?
2.6 Archäologie
2.6.1 Was ist Archäologie?
2.6.2 In welchem Verhältnis steht die Archäologie zu nachfolgenden Werken?
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich intensiv mit Michel Foucaults Werk „Archäologie des Wissens“ auseinander. Ziel ist es, die dort skizzierte archäologische Denkweise sowie die zentralen Begriffe wie Diskurs, Diskursformation und historische Aussage methodisch zu strukturieren und in den Kontext von Foucaults Gesamtwerk einzuordnen.
- Methodische Einordnung und Strukturierung der Archäologie des Wissens
- Kritische Auseinandersetzung mit Foucaults Diskursbegriff
- Analyse der vier diskursiven Formationen (Gegenstände, Äusserungsmodalitäten, Begriffe, Strategien)
- Untersuchung der historischen Aussage und ihrer Funktionsbedingungen
- Vergleich von Foucaults theoretischem Ansatz mit zeitgenössischen Strömungen wie Strukturalismus und Hermeneutik
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Die Formation der Gegenstände
Gegenstände bezeichnen Irritations- und Identifikationspunkte innerhalb von Diskursen und werden durch diese aufgenommen und verarbeitet. Zugleich werden diese Gegenstände im Diskurs hervorgebracht. Der Diskurs sucht sich selbst das, worüber er spricht. Foucault verweist auf die Psychologie des 19.Jhs.: Überraschend erscheinen neue Psychopathologien (sexuelle Verhaltensstörungen, Verletzungen des zentralen Nervensystems). Foucault geht es nun darum zu schauen, wo diese Gegenstände auftauchen und wie diese Gegenstände bestimmt und abgegrenzt werden. Diesen Fragen geht Foucault durch die Spezifizierung von drei Feldern nach:
1. Zunächst liegt es im Erkenntnisinteresse, die Oberflächen des Auftauchens heraus zu arbeiten. Es muss demnach gefiltert werden, in welchen sozialen Milieus Gegenstände auftauchen. Für den Gegenstand der Psychopathologie ist es wahrscheinlich, „dass sie durch die Familie, die umgebende soziale Gruppe, das Arbeitsmilieu, die Glaubensgemeinschaft bestimmt wurden.“ Diese Feststellung ist überraschend, da das erstmalige Auftauchen eines Gegenstandes wie Verhaltensstörungen eher in der Arzteschaft vermutet werden würde.
2. Das zweite Feld wird durch Instanzen der Abgrenzung bestimmt. Eine Instanz ist für Foucault z. B. die Medizin „als reglementierte Institution, als Gesamtheit der Individuen, die die Körperschaft der Ärzte ausmacht, als Wissen und Praxis, als von öffentlicher Meinung, Justiz und Administration anerkannte Zuständigkeit.“ Es käme nun bei der historischen Entwicklung der Psychopathologie darauf an, diese Instanzen der Abgrenzung zu benennen, denn die Medizin entscheidet nicht allein, was krank und was normal ist. Foucault führt hier fort, dass auch die Justiz, die kirchliche Autorität und auch die Kunst- und Literaturkritik in ihrer Art Wahnsinn zu beurteilen, massgeblich auf die Abgrenzung wirken und damit Arten von Instanzen bilden.
3. Spezifikationsmuster sind Beobachtungsraster, die den unterschiedlichen Instanzen innewohnen, „aufgrund deren man die verschiedenen Wahnsinnsarten als Gegenstände des psychiatrischen Diskurses scheidet, gegenüberstellt, annähert, neugruppiert, klassifiziert, die einen von den anderen ableitet.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Debatte um die Foucault-Interpretation ein und erläutert den Aufbau sowie die methodischen Grenzen dieser Arbeit.
2 Fluchtpunkte einer Analytik der Archäologie: Das Hauptkapitel analysiert die theoretischen Grundlagen der archäologischen Methode, die Diskursformationen, die Architektur des Diskurses und die historische Aussage.
3 Schluss: Dieses Kapitel resümiert die Schwierigkeiten der Rezeption Foucaults in den deutschen Sozialwissenschaften und plädiert für einen stärkeren Diskurs auf theoretischer Ebene.
Schlüsselwörter
Michel Foucault, Archäologie des Wissens, Diskurs, Diskursformation, historische Aussage, Episteme, Machtanalytik, Struktur, Gegenstandsbildung, Erkenntnistheorie, Wissenschaftskritik, Sozialwissenschaften, Positivitätsfeld
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Strukturierung von Michel Foucaults Werk „Archäologie des Wissens“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen der Diskursbegriff, die Formationen der Diskursanalyse sowie die Bedingungen historischer Aussagen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Foucaults archäologische Denkweise methodisch aufzuarbeiten und in seinen Gesamtkontext einzuordnen, um die Komplexität seiner Begriffe verständlicher zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine diskursanalytische Vorgehensweise, um Foucaults theoretische Konzepte in einen Werkkontext zu stellen und deren interne Logik freizulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit Diskursformationen (Gegenstände, Modalitäten, Begriffe, Strategien), die Architektur des Diskurses und die Neukonzeptuierung der historischen Aussage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Foucault, Archäologie des Wissens, Diskursformation, historische Aussage, Macht und Diskursanalyse.
Wie unterscheidet Foucault die archäologische Forschung von traditionellen Ansätzen?
Foucault verzichtet auf die Suche nach verborgenen Wahrheiten oder Kontinuitäten und fokussiert stattdessen auf die Regelhaftigkeiten und Existenzbedingungen von Aussagen im Positivitätsfeld.
Was ist unter der „Systemdifferenzierung“ bei Foucault zu verstehen?
Der Autor des E-Books nutzt diese Differenzierung, um zwischen dem nicht-diskursiven Bereich, dem diskursiven Bereich und der diskursiven Praxis als Vermittlungsinstanz zu unterscheiden.
- Quote paper
- Michael Matzky-Eilers (Author), 2002, Michel Foucault - Fluchtpunkte einer Analytik der Archäologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125848