Suburbanisierung: Konzepte und Instrumente der Raum- und Umweltplanung zur Problemlösung


Seminararbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Suburbanisierung?

2. Prozesse der Suburbanisierung
2.1 Verlauf der Suburbanisierung in Ost- und Westdeutschland
2.2 Ursachen und Folgen der Suburbanisierung in Deutschland

3. Planungsverband - Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main

4. Aktuelle Tendenzen und Konsequenzen

5. Lösungsansätze der Raumplanung
5.1 „Harte“ und „Weiche“ Ansätze zur Problemlösung
5.2 Ökonomische Anreize

6. Ziele und Instrumente zur Steuerung der Suburbanisierung
6.1 Regionalplanung stärken
6.2 Verringerung von Flächenverbrauch und Versiegelung
6.3 Erleichterung und Verbilligung der Nachverdichtung und Baulückenschließung
6.4 Verbesserung des Wohnumfeldes
6.5 Flächenrecycling

7. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

1. Was ist Suburbanisierung?

In der heutigen Zeit benutzen viele den Begriff der Suburbanisierung um verschiedene Sachverhalte zu erklären, ohne das wirklich deutlich wird was Suburbanisierung überhaupt bedeutet, in welchem Zusammenhang dieser Prozess steht und welche Auswirkungen damit verbunden sind.

Auch in der Fachwelt gehen die Aussagen bezüglich der Suburbanisierung in den letzten Jahrzehnten auseinander. So beschreiben Friedrichs und Rohr 1975 diesen Prozess als Phase der Expansion einer Stadt in ihr jeweiliges Umland in hoch industrialisierten Ländern (Heineberg 2001, S. 40). Dem entgegen steht die Aussage, dass Suburbanisierung nicht allein als die Ausweitung einer Stadt in ihr Umland verstanden werden darf, sondern dass sich Kernstadt und Umland (Abb. 1) strukturell deutlich unterscheiden, aber eine funktionale Zusammengehörigkeit bezogen auf Kommunikation, Mobilität und Verkehr aufweisen (Gaebe 2004, S. 63).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gliederung der städtischen Räume in Kernstadt/Kernstädte und Umland

Quelle: Gaebe 2004, S. 62

Schon allein diese beiden Definitionen machen deutlich, dass die Suburbanisierung einen Prozess darstellt, der eine hohe Komplexität aufweist und der im Rahmen der Entwicklung einer größeren Region gesehen werden sollte.

In diesem Zusammenhang beschreibt W. Gaebe die Suburbanisierung als eine von vier Phasen in seinem Modell der Bevölkerungs- und Beschäftigungsentwicklung in Agglomerationsräumen (Abb.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Modell der Bevölkerungs- und Beschäftigungsentwicklung in Agglomerationsräumen

Quelle: Heineberg 2001, S. 53

Die Urbanisierung, als erste Phase des Modells, ist gekennzeichnet durch ein starkes Wachstum der Bevölkerung und der Beschäftigung in der Kernstadt aufgrund der wirtschaftlichen Konzentration während der Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts in Europa. Daran setzt als nächste Phase die Suburbanisierung an, in deren Verlauf sich eine relativ stärkere Bevölkerungs- und Beschäftigungszunahme im Umland als in der Kernstadt erkennen lässt. Gründe für die Bevölkerungsabnahme in der Kernstadt lagen vor allem im unzureichenden Wohnungsangebot sowie bei Mängeln in der Bausubstanz und der Wohnumwelt. Die Abnahme von Bevölkerung und Beschäftigung im gesamten Agglomerationsraum (Kernstadt + Umland) kennzeichnet die dritte Phase des Modells. Dieser auch als De- bzw. Desurbanisierung bezeichneter Prozess zeigt(e) sich speziell in Agglomerationsräumen mit einer industriellen Monostruktur. Nach Gaebe bildet die Reurbanisierung die vierte und letzte Phase des Modells, in der es auf Grund von Erhaltungs- und Erneuerungsinvestitionen wieder zu einer Zunahme von Bevölkerung und Beschäftigung in der Kernstadt kommt (Gaebe 1991, S. 24).

Obwohl dieses Modell für die Industrieländer zeitlich differenziert zu betrachten ist, die Phasen nicht unbedingt in der beschriebenen Reihenfolge ablaufen müssen und sich teilweise überschneiden, zeigt es doch deutlich, in welchem Zusammenhang die Suburbanisierung mit der Entwicklung eines Agglomerationsraumes steht.

„Zusammenfassend lässt sich die Suburbanisierung als interregionale Dekonzentration von Bevölkerung, Arbeitsplätzen und Infrastruktur in verdichteten Regionen (mit einer oder mehrerer Kernstädte) hoch industrialisierter Länder kennzeichnen“ (Heineberg 2001, S. 40).

2. Prozesse der Suburbanisierung

2.1 Verlauf der Suburbanisierung in Ost- und Westdeutschland

Die Suburbanisierung, die in den USA bereits in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zu erkennen war, begann auf Grund des zweiten Weltkrieges in Westeuropa erst in den 50er und 60er Jahren. Dabei muss für Deutschland natürlich eine klare Abgrenzung zwischen den alten Bundesländern und den neuen Bundesländern vorgenommen werden.

In den alten Bundesländern bildet die Wohnsuburbanisierung einen seit Jahrzehnten anhaltenden Prozess, der sich allerdings in seiner Ausprägung und Intensität seit den Anfängen stark verändert hat, aber seither zur Urbanisierung des Umlandes beiträgt (Brake/Dangschat/Herfert 2001, S. 43).

Zeitlich verzögert setzte in Westdeutschland zusätzlich die Suburbanisierung des Einzelhandels ein. Der damit verbundene Bau von Wohnfolgeeinrichtungen, zu denen neben dem Handel auch Freizeiteinrichtungen gehörten, führte schließlich auch zur Verlagerung von Arbeitsstätten und Beschäftigten in den suburbanen Raum (Burdack/Hesse 2006, S. 382). Somit konnte sich über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten allmählich ein sekundäres Versorgungsnetz des Einzelhandels entwickeln (Brake/Dangschat/Herfert 2001, S. 57).

Zusätzlich verlagerten auch die Unternehmen des produzierenden Gewerbes ihre Produktionsstätten immer häufiger ins Umland der Städte. Diese gewerbliche Suburbanisierung wird seit den 90er Jahren außerdem noch von der Suburbanisierung des Tertiären Sektors ergänzt, was zunehmend zur funktionalen Anreicherung des Umlandes führt und die Abkopplung des suburbanen Raumes von der Kernstadt voran treibt (Brake/Dangschat/Herfert 2001, S. 71).

In den neuen Bundesländern setzte die Suburbanisierung, auf Grund der sozialistischen Stadtentwicklung in der DDR mit dem Bau von Großwohngebieten, erst nach der politischen Wende 1989 ein (Brake/Dangschat/Herfert 2001, S. 43 f.). Die Suburbanisierung in Ostdeutschland wird deswegen auch als nachholende Suburbanisierung bezeichnet, was aber nicht bedeutet, dass dieser Prozess genau wie in Westdeutschland verlief (Herfert 1997, S. 270).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Suburbanisierung 1993-1998

Quelle: Institut für Länderkunde 2004, S. 125

Nach der Wiedervereinigung entstanden schnell Veränderungen im Nachfrageverhalten, die sich räumlich in einer enormen Suburbanisierung des Einzelhandels widerspiegelten. Die ungeklärten Eigentumsverhältnisse und die schlechte bauliche Substanz der ostdeutschen Städte begünstigten den Bau von Einkaufszentren auf der „Grünen Wiese“ und auch die zunehmende Individualmotorisierung vergrößerte die räumliche Nachfrageflexibilität (Brake/Dangschat/Herfert 2001, S. 62).

Im Gegensatz zu den alten Bundesländern stellte die Suburbanisierung des Einzelhandels im Osten Deutschlands keine Folgeerscheinung der Wohnsuburbanisierung dar, sondern ist vielmehr als eine Expansion westdeutscher Unternehmen zu verstehen, die verstärkt zwischen 1990-1993 neue Filialen errichteten.

Die Wohnsuburbanisierung in den neuen Bundesländern von 1993-1998 entspricht weitestgehend der klassischen Stadt-Umland Wanderung. Im Vergleich zur Wohnsub-urbanisierung in Westdeutschland sind einige Entwicklungsphasen kürzer bzw. intensiver und wieder andere werden übersprungen (Herfert 1997 S. 270).

Die Suburbanisierungsprozesse in Ost- und Westdeutschland verlaufen zusätzlich unter verschiedenen Rahmenbedingungen. Während in den alten Ländern ein inneres Wachstum durch Zuwanderung verzeichnet werden kann und ein gewisser Siedlungsdruck vorherrscht, leiden die neuen Bundesländer insgesamt gesehen unter einem Rückgang der Bevölkerung, was sich vor allem in dem Einwohnerrückgang der ostdeutschen Großstädte zeigt (Abb.4) (Herfert 1997, S. 269).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Bevölkerungsverlust ostdeutscher Großstädte am Beispiel von Halle

Quelle: Friedrich 1998, S. 110

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Suburbanisierung: Konzepte und Instrumente der Raum- und Umweltplanung zur Problemlösung
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Geowissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Raum- und Umweltplanung
Note
1,7
Autoren
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V125859
ISBN (eBook)
9783640313730
ISBN (Buch)
9783640317479
Dateigröße
3108 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suburbanisierung, Konzepte, Instrumente, Raum-, Umweltplanung, Problemlösung
Arbeit zitieren
Michael Wenzel (Autor)Bastian Siegmann (Autor), 2007, Suburbanisierung: Konzepte und Instrumente der Raum- und Umweltplanung zur Problemlösung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125859

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