Bei der Betrachtung der Probleme von Großstädten in Entwicklungsländern bietet es sich an, den Fokus auf die so genannten Megacities zu richten, da diese Probleme, ungeachtet welcher Natur, in diesen Ballungsräumen am deutlichsten zu Tage treten und so im Hinblick auf den unverhältnismäßig starken Bevölkerungszuwachs, der für Großstädte in Entwicklungsländern obligat ist, durchaus auch auf die Städte mit unter 10 Millionen Einwohnern übertragbar ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Probleme der Megacities
3. Problemlösungsansätze anhand ausgewählter Beispiele
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sozialen Herausforderungen von Megacities in Entwicklungsländern, die durch ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum und eine rasante Urbanisierung geprägt sind, und analysiert kritisch verschiedene stadtplanerische Lösungsansätze.
- Ursachen und Dynamik der Binnenmigration in Megacities
- Soziale Segregation und die Entstehung von Marginalsiedlungen (Slums/Squatter)
- Struktur und Bedeutung des informellen Sektors
- Kritische Evaluation stadtplanerischer Interventionen (Brasilien, Indien, Indonesien)
- Globalisierung und deren Einfluss auf die Stadtentwicklung
Auszug aus dem Buch
2. Probleme der Megacities
Megacities sehen sich – gerade durch den unkontrolliert rasanten Anstieg der Einwohnerzahlen – mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Zwar beschränken sich diese Probleme keineswegs nur auf Großstädte in Entwicklungsländern, treten hier aber dennoch mit vermehrter Intensität auf. So ist an erster Stelle der Mangel an Wohnraum und die damit verbundene infrastrukturelle Überforderung zu nennen. Da Megacities in der Dritten Welt nicht wie beispielsweise London oder andere Großstädte in Industrieländern natürlich gewachsen sind oder sich ausbreiten konnten, ist der angesprochene Wohnraummangel zum Teil ganz profan durch einen Platzmangel begründet. Zum anderen sind Megacities dadurch auch nicht in der Lage, ausreichend Erwerbsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten anzubieten. Gerade deshalb sind besonders hier extreme Vermögens- und Einkommensgefälle innerhalb der Bevölkerung auf engstem Raum zu beobachten. Ergebnis dessen ist wiederum eine starke Segregation der Bevölkerungsschichten in Großstädten – es findet eine Entmischung statt. So sind die so genannten ‚gated communities’ ein Symptom dieser Entwicklung – vermögende Stadtbewohner ziehen sich zum Schutz in meist abgezäunte und von Sicherheitsdiensten überwachte Wohngebiete zurück; die Mittelschicht verschwindet immer mehr aus dem sozialen Gefüge der Großstädte.
Letztendlich bildet die überproportional vertretene Unterschicht der Großstadtbevölkerung einen informellen Sektor heraus. Eine knappe und präzise Definition für den Terminus ‚informeller Sektor’ findet man bei Bronger (1997b): „Informeller Sektor (ist ein) alternativer Beschäftigungssektor der marginalisierten Bevölkerungsteile vornehmlich in den Entwicklungsländern. Im Unterschied zur Schattenwirtschaft in den Industrieländern, deren Einkommen Neben- und Zuerwerb sind, gilt der informelle Sektor als Überlebensökonomie – im Unterschied zum formellen Sektor ohne soziale Sicherheit und gewerkschaftliche Organisationen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Einführung in die Thematik der Megacities, Definition der Kriterien sowie Darstellung der Ursachen für das rasante Städtewachstum.
2. Probleme der Megacities: Analyse der sozialen Folgen wie Wohnungsnot, Segregation, Armutsentwicklung und der Bedeutung des informellen Sektors.
3. Problemlösungsansätze anhand ausgewählter Beispiele: Kritische Untersuchung städtebaulicher und politischer Gegenmaßnahmen in Brasilien, Indien und Indonesien sowie ein abschließendes Fazit.
Schlüsselwörter
Megacities, Entwicklungsländer, Binnenmigration, Wohnraummangel, Segregation, Gated Communities, Informeller Sektor, Marginalsiedlungen, Slums, Squattersiedlungen, Urbanisierung, Stadtplanung, Soziale Disparitäten, Globalisierung, Bevölkerungszuwachs
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den sozialen Problemen, die durch das explosive Städtewachstum in Megacities der Entwicklungsländer entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das rasante Bevölkerungswachstum, die räumliche Segregation, die informelle Ökonomie und die Versuche der Stadtverwaltung, diese Prozesse zu steuern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die komplexen Herausforderungen in Megacities aufzuzeigen und existierende Lösungsansätze im Hinblick auf ihre Wirksamkeit kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen Essay, der auf einer Literaturanalyse zu soziologischen und stadtgeographischen Studien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Problemdimensionen (Wohnraum, Armut, Segregation) erörtert und anschließend Fallbeispiele aus Brasilien, Indien und Indonesien diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Megacities, Marginalsiedlungen, informeller Sektor und Urbanisierung in Entwicklungsländern definieren.
Wie unterscheidet sich der informelle Sektor von der Schattenwirtschaft in Industrieländern?
In Entwicklungsländern dient der informelle Sektor als reine Überlebensökonomie ohne soziale Absicherung, während Schattenwirtschaft in Industrieländern oft nur einen Nebenverdienst darstellt.
Was bewirkte das „1-3-6-Gesetz“ in Jakarta?
Es verpflichtete Bauunternehmen, im Verhältnis zu einer Luxuswohnung auch Wohnungen für die Mittel- und Unterschicht zu bauen, um soziale Disparitäten abzumildern.
Warum wird die Vorgehensweise in Mumbai als „slum-clearance“ kritisch gesehen?
Weil die Vertreibung ohne soziale Perspektive oder Entschädigung lediglich zur Entstehung neuer Slums an anderen Orten führt, statt das Problem nachhaltig zu lösen.
- Quote paper
- André Briol (Author), 2008, Soziale Probleme von Großstädten in Entwicklungsländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125870