Das Ziel dieser Arbeit ist eine linguistisch fundierte Auseinandersetzung mit dem Lexem "schrittweise" sowie ähnlich funktionierenden Wörtern auf "-weise" (z. B. stufenweise, teilweise, stellenweise oder zeitweise). In einem ersten Schritt werden sprachtheoretisch relevante Aspekte mit der Kernfragen "Was ist ein Adverb/Adjektiv und wo beginnt das eine und endet das andere" sowie die Zweifelsfallposition von u. a. "schrittweise" dargestellt (vgl. Kap. 2). Im Rahmen des darauffolgenden Kapitels wird sodann die eher normative Darstellung der Wörterbücher mit dem authentischen Sprachgebrauch mithilfe von Korpusuntersuchungen (deskriptive Perspektive) verglichen (vgl. Kap. 3).
Es ist herauszustellen, inwiefern sich die Verwendung von Wörtern auf "-weise" im Vergleich zwischen linguistischer Theorie und authentischer Praxis verhält. Für diese Untersuchung leitend werden drei Forschungsfragen formuliert:
Wie werden "schrittweise" und ähnliche Lexeme in Grammatiken respektive im Regelsystem der deutschen Sprache eingegliedert? Wie lässt sich der tatsächliche Sprachgebrauch dieser Wörter beschreiben? Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen lassen sich aus diesem (Miss-)Verhältnis ziehen?
Inhaltsverzeichnis
1. (*?) Eine schrittweise(-)Einleitung
2. Von der linguistischen Theorie…
2.1. Adjektiv oder Adverb – Prototypen
2.2 Adjektiv oder Adverb – Zweifelsfälle
2.3 Adjektiv und Adverb – Lösungsideen
3. …in die authentische Sprachpraxis
3.1 Das sagen die Wörterbücher
3.2 Das sagen die Korpora
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die linguistische Einordnung und den tatsächlichen Sprachgebrauch von Lexemen auf "-weise", insbesondere am Beispiel von "schrittweise", im Spannungsfeld zwischen Adverb und Adjektiv. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretischen Wortartendefinitionen und der authentischen Verwendung in Korpora sowie Wörterbüchern aufzuzeigen.
- Syntaktische und morphologische Analyse von "-weise"-Formen
- Grenzen der Wortartenkategorisierung von Adjektiv und Adverb
- Vergleich korpuslinguistischer Daten mit lexikographischen Aufnahmen
- Einfluss des Sprachgebrauchs (z. B. Corona-Diskurs) auf die Wortartentendenz
Auszug aus dem Buch
1. (*?) Eine schrittweise(-)Einleitung
Ganz zu Beginn und als einleitenden Aufhänger dieser Arbeit möchte ich zu einem kurzen Selbstexperiment einladen: Für einen Pressebericht im Corona-Diskurs des Jahres 2020 oder 2021 soll eine Überschrift formuliert werden. Zur Verfügung stehen die folgenden Lexeme, die im Hinblick auf die konventionellen syntaktischen Gesetzmäßigkeiten grammatisch korrekt und als Aussage (nicht als Frage) zusammengesetzt werden sollen: Öffnung | kommt | die | Corona-Beschränkungen | schrittweise | der. Als Redakteurin bzw. Redakteur, die/der mehrere Schreibtrainings genossen hat und sich eines feinen Sprachgefühls zu bedienen vermag, ist man sich sicherlich der verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten bewusst. Folglich scheinen drei potentielle Überschriften infrage zu kommen:
a) Die Öffnung der Corona-Beschränkungen kommt schrittweise
b) Die schrittweise Öffnung der Corona-Beschränkungen kommt
c) Schrittweise kommt die Öffnung der Corona-Beschränkungen
Die präferierte Titelauswahl ist zweifellos stark abhängig vom subjektiven Empfinden der Idiomatizität sowie der grammatischen Akzeptabilität und vermag insofern zwischen jeder bzw. jedem zu divergieren. Diesbezüglich wird ebenso die Wahrnehmung über die Grammatikalität der Überschrift dieses Kapitels (siehe oben) möglicherweise auseinanderklaffen: Für einige hat ‚schrittweise‘ vor dem Substantiv ‚Einleitung‘ nichts zu suchen (‚Eine schrittweise Einleitung‘), allenfalls würden andere eine Determinativkompositum (‚Eine schrittweise-Einleitung‘) mit ‚schrittweise‘ (in möglicher Kursivierung) als Bestimmungswort und ‚Einleitung‘ als Grundwort akzeptieren (quasi ‚die Einleitung zum Lexem schrittweise‘).
Zusammenfassung der Kapitel
1. (*?) Eine schrittweise(-)Einleitung: Dieses Kapitel führt mittels eines Selbstexperiments in die Problematik der Wortartenzuordnung ein und definiert das Ziel der Arbeit sowie die Forschungsfragen.
2. Von der linguistischen Theorie…: Hier wird die theoretische Basis zur Unterscheidung von Adjektiv und Adverb dargelegt und die Zweifelsfallproblematik von Lexemen wie "schrittweise" theoretisch erörtert.
3. …in die authentische Sprachpraxis: Dieses Kapitel prüft anhand von Wörterbuchdaten und umfangreichen Korpusanalysen, wie sich die untersuchten Wörter tatsächlich in der Sprache verhalten.
4. Fazit und Ausblick: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und hält fest, dass "schrittweise" primär zwar ein Adverb bleibt, jedoch eine zunehmende Tendenz zur Adjektivverwendung aufweist.
Schlüsselwörter
Sprachwissenschaft, Sprachwandel, Wortarten, Adjektiv, Adverb, schrittweise, Korpusanalyse, Wörterbuch, Grammatik, Prototypentheorie, Morphosyntax, Konversion, Sprachpraxis, Zweifelsfälle, Corona-Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Einordnung von Wörtern auf "-weise", insbesondere "schrittweise", die zwischen den Wortarten Adverb und Adjektiv schwanken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die morphologische Flektierfähigkeit, die syntaktische Verwendung, lexikographische Abgrenzungen und die diachrone Sprachveränderung dieser Lexeme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine linguistisch fundierte Auseinandersetzung mit dem "Adjektiv-Adverb-Verschwimmen" dieser Wörter unter Einbeziehung von Theorie und Praxis.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit deskriptiven Analysen von Wörterbüchern und quantitativen Untersuchungen in Sprachkorpora wie dem DWDS und der Sketch Engine.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst die theoretischen Prototypen von Adjektiven und Adverbien und stellt diese anschließend dem tatsächlichen Sprachgebrauch in digitalen Datenbanken gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprachwandel, Adjektiv, Adverb, Prototypentheorie, Korpusanalyse sowie spezifisch die Wortklasse der Adverbien auf "-weise".
Wie gehen Wörterbücher mit dem Wort "schrittweise" um?
Die Analyse zeigt, dass Wörterbücher hier sehr heterogen vorgehen; einige führen das Wort nur als Adverb, andere lassen eine doppelte Kategorisierung zu.
Welche Rolle spielt der "Corona-Diskurs" in dieser Arbeit?
Der Diskurs dient als Aufhänger für das Selbstexperiment und als aktuelles Beispiel für einen erhöhten attributiven Gebrauch des Lexems "schrittweise".
Bestätigt die Korpusanalyse eine Tendenz zur Adjektivierung?
Ja, die Daten zeigen, dass heute etwa ein Viertel der Belege attributiv und damit adjektivähnlich verwendet wird, was einen schleichenden Frequenzanstieg belegt.
Gibt es eine endgültige Kategorisierung für "schrittweise"?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass aufgrund der Ambivalenz eine Mehrfachkategorisierung sinnvoll wäre, die jedoch in der aktuellen Grammatikschreibung noch nicht einheitlich etabliert ist.
- Citation du texte
- Alexander Bernhagen (Auteur), 2021, Lexeme auf "-weise" im Adverb-Adjektiv-Kontinuum. Eine linguistische Studie zur Einordnung, Konvention und Verwendung "Schrittweiser Rückgang" und/oder "Schrittweise erfolgter Rückgang"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1259052