In dieser Arbeit sollen die verschiedenen Komikformen in Wolframs von Eschenbach Parzival und Willehalm analysiert, und ihre Funktionen untersucht
werden. Um den Begriff "Komik" für diese Arbeit definieren zu können,
werden zunächst die wichtigsten Komiktheorien vorgestellt. Da der Witz sich
in vielen Punkten von der Komik unterscheidet, wird er in einem eigenen Kapitel
definiert. Danach folgt ein kurzer Überblick über Lachkultur und populäre Komikmotive
des Mittelalters. Die Interpretation der Komik in Wolframs beiden Werken unterteilt
sich in Witze, Parodie, Erotik und Gewaltkomik und komische Figuren. Am Ende jeden
Kapitels folgt eine kurze Zusammenfassung und ein Vergleich der Werke
miteinander.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Komik
2.1 Lachen und Komik
2.2 Komiktheorien
2.2.1 Die Inkongruenztheorie
2.2.2 Die Aufwanddifferenz
2.3 Komikformen
2.3.1 Parodie
2.3.2 Satire
2.3.3 Ironie
2.3.4 Groteske und Gewalt
2.4 Zusammenfassung und Diskussion
3 Witz
3.1 Über den Witz
3.2 Witztechniken und -arten
3.3 Wirkung des Witzes
4 Komik und Lachen im Mittelalter
4.1 Lachkultur des Mittelalters
4.2 Worüber lachte man?
5 Witze bei Wolfram
5.1 Harmlose Witze
5.1.1 Im Willehalm
5.1.2 Im Parzival
5.2 Tendenziöse Witze
5.2.1 Im Willehalm
5.2.2 Im Parzival
5.3 Zusammenfassung und Vergleich
6 Parodie, Ironie und Seitenhiebe
6.1 Im Willehalm
6.2 Im Parzival
6.3 Zusammenfassung und Vergleich
7 Erotik, Groteske und Gewalt
7.1 Im Willehalm
7.2 Im Parzival
7.3 Zusammenfassung und Vergleich
8 Komische Figuren
8.1 Der junge Parzival
8.2 Rennewart
8.3 Der Erzähler
8.4 Nebenfiguren im Parzival
8.4.1 Feirefiz
8.4.2 Cundrie
9 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Magisterarbeit analysiert die Komik in Wolframs von Eschenbach Werken "Parzival" und "Willehalm", um die Funktionen des Komischen unter Anwendung moderner Komiktheorien zu untersuchen und gleichzeitig zeitspezifische mittelalterliche Kontexte zu berücksichtigen.
- Systematische Analyse von Komiktheorien und Abgrenzung zum Witz.
- Untersuchung von spezifischen Komikformen: Parodie, Ironie, Erotik, Groteske und Gewalt.
- Rekonstruktion des mittelalterlichen Kontexts von Lachen und Komik.
- Vergleichende Interpretation der komischen Elemente und Figuren in Parzival und Willehalm.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Inkongruenztheorie
Die Inkongruenztheorie erklärt die Komik aus bestimmten Gegensätzen, die plötzlich miteinander in Verbindung treten. Die ältesten Vertreter dieser Theorie sind Aristoteles und Cicero. Aristoteles betont dabei vor allem den Gegensatz einer in der Komödie aufgeführten Handlung zu den geltenden Normen. Diese Handlung, beziehungsweise das Lächerliche und Falsche oder Hässliche an ihr, darf aber „keinen Schmerz auslösen, also keine affektive Wirkung wie bei der Tragödie hervorrufen.“25 Danach entstanden lange Zeit keine neuen Komiktheorien. Erst im 17. Jahrhundert begann, vor allem in der Philosophie, eine neue Phase der Beschäftigung mit dem Phänomen des Komischen. Diese bis heute andauernde Frage nach dem Ursprung der Komik, ihrer Form und Funktion, brachte Unmengen von Theorien und Erklärungsversuchen hervor, von denen hier nur einige der wichtigsten kurz vorgestellt werden.
Als „pure Notwehr“ bezeichnet Marquard26 seinen Versuch, die Komik aus dem Gegensatz zwischen dem Nichtigen und dem Geltenden zu erklären: „Komisch ist und zum Lachen bringt, was im offiziell Geltenden das Nichtige und im offiziell Nichtigen das Geltende sichtbar werden läßt.“27 Indem die üblichen Verhältnisse für kurze Zeit, plötzlich und überraschend, umgekehrt werden, zeige sich, „daß das Geltende nicht unbedingt das Geltende [...] daß das Nichtige nicht unbedingt das Nichtige ist“.28 Wenn man in der Lage ist, diesen Widerspruch, mit dem man nicht fertig wird, komisch zu nehmen, kann man auf ihn mit einer „Aktion statt der Aktion“, mit Lachen, reagieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Rezeptionsgeschichte der Komik bei Wolfram von Eschenbach ein und stellt den methodischen Ansatz sowie die Zielsetzung dar.
2 Komik: Theoretische Grundlagen werden durch die Abgrenzung von Lachen und Komik sowie die Vorstellung wichtiger Komiktheorien und Komikformen gelegt.
3 Witz: Dieses Kapitel definiert den Witz als eine von der Komik abgrenzbare Form der Inszenierung, erläutert dessen Techniken und soziale Wirkung.
4 Komik und Lachen im Mittelalter: Es erfolgt eine historische Einordnung der Lachkultur und der zeitgenössischen Vorbehalte gegenüber dem Komischen.
5 Witze bei Wolfram: Analyse der harmlosen und tendenziösen Witze in den Werken von Wolfram mit einer anschließenden vergleichenden Diskussion.
6 Parodie, Ironie und Seitenhiebe: Untersuchung der literarischen Anspielungen und der parodistischen Verfahren in Parzival und Willehalm.
7 Erotik, Groteske und Gewalt: Analyse der körperbezogenen Komik, ihrer grotesken Ausgestaltung und der Funktion von Gewalt in den beiden Epen.
8 Komische Figuren: Charakterisierung der komischen Rollen und Figuren, unterteilt in Haupt- und Nebenfiguren sowie deren Funktion.
9 Schluss: Abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der Komik bei Wolfram.
Schlüsselwörter
Wolfram von Eschenbach, Parzival, Willehalm, Komiktheorien, Mittelalterliche Literatur, Humor, Witz, Parodie, Groteske, Gewaltkomik, Lachen, Literaturwissenschaft, Intertextualität, Mittelalterliche Lachkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Komik in den Werken "Parzival" und "Willehalm" von Wolfram von Eschenbach und untersucht deren Funktion und Ausprägung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Definition von Komik, die Abgrenzung zum Witz, die mittelalterliche Lachkultur sowie die Anwendung dieser Kategorien auf spezifische Textstellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Phänomen der Komik bei Wolfram mittels moderner Theorien zu erfassen und die zeitgebundene Funktion der komischen Szenen für das mittelalterliche Publikum zu rekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse unter Einbeziehung philosophischer und literaturwissenschaftlicher Komiktheorien, etwa von Freud, Plessner und Marquard.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist strukturiert nach Komikformen wie Witzen, Parodie, Ironie sowie grotesker und erotischer Komik, wobei stets ein Vergleich zwischen Parzival und Willehalm gezogen wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Inkongruenztheorie, Aufwanddifferenz, Lachgemeinschaft, Intertextualität und groteske Körperkomik.
Warum ist das Verständnis von "Lachgemeinschaften" wichtig?
Das Konzept hilft zu erklären, dass Lachen im Mittelalter ein soziales Phänomen war, das Gruppennormen stärkte oder ausgrenzend wirken konnte.
Was ist die Besonderheit der "Küchenhumor"-Szenen?
Diese Szenen nutzen groteske körperliche Herabsetzungen und Vergleiche mit Alltäglichem, um Gewalt erträglich zu machen oder soziale Normverstöße zu sanktionieren.
Warum wird die Kastration Clinschors als komisches Element gewertet?
Die Kastration dient als groteskes Motiv, über das gelacht wird, um Hemmungsaufwand abzubauen und den Betroffenen zur Schwankfigur herabzustufen.
Welche Rolle spielt der Erzähler?
Der Erzähler tritt oft als komische Figur auf, die durch direkte Anrede des Publikums und Selbstironie eine Distanz zur erhabenen höfischen Welt schafft.
- Citation du texte
- Daniela Rabe (Auteur), 2007, Komik in Wolframs von Eschenbach "Parzival und Willehalm", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125970