Das Figuren- und Objekttheater lebt von dem Spiel mit den Figuren und Dingen, die auf der Bühne belebt werden und die Rolle des Schauspielers übernehmen. Doch warum ist eine Theaterform, in der sich der Schauspieler nicht einmal als Hauptdarsteller präsentieren kann, trotzdem sehenswert? Worin liegt das pädagogische Potential des Spiels mit einem vermenschlichten Objekt? Was genau ist Figuren- und Objekttheater und warum ist diese Form auch für Erwachsene interessant? Diese und weitere Fragen sollen in der folgenden Arbeit anhand von ausgewählten Texten diskutiert werden um einen Zugang zu dieser Theaterform zu schaffen und seine pädagogischen Potentiale zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Figurentheater- Das Spiel mit Masken, Puppen und Marionetten
2.1 Besonderheiten verschiedener Figurentheaterformen
2.2 Potential und Ziel des Figurentheaters
2.3 Figurentheater in der schulischen Realität
3. Objekttheater- Das Spiel mit den Dingen
3.1. Theoretische Grundlagen
3.1.1. Was ist Objekttheater?
3.1.2. Die Dinge in unserer Welt
3.1.3. Funktion der Dinge im Objekttheater
3.2 Praktische Arbeitsanweisungen
3.2.1. Phase 1: Die richtigen Dinge finden
3.2.2. Phase 2: Den Spiel-Raum gestalten
3.2.3. Phase 3: Mit den Dingen in Beziehung treten und improvisieren
3.2.4. Phase 4: Haltung während der ersten Spielsequenzen
3.3. Wirkungsfähigkeit des Objekttheaters
3.3.1 Das Potenzial der Objektivierungsstrategie
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das pädagogische Potenzial des Figuren- und Objekttheaters. Sie beleuchtet, wie die Belebung lebloser Dinge den darstellerischen Ausdruck erweitern kann und welche Herausforderungen sowie Chancen sich dabei für Spieler und Schultheater ergeben.
- Methodische Grundlagen des Figurentheaters
- Objekttheater als Form der leiblichen Darstellung
- Theoretische Hypothesen zum Verhältnis von Mensch und Ding
- Praktische Phasen der Arbeit an Objekttheaterprojekten
- Die pädagogische Bedeutung der Objektivierungsstrategie
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Was ist Objekttheater?
Enno Podehl beschreibt in seinem Text „Spiel mit den Dingen“ das Objekttheater als eine leibliche Form des Spiels und der Darstellung. „ Es lebt aus den prosaischen, handgreiflichen Erfahrungen mit der physischen Welt und stellt eher körperliche Geschicklichkeit und spontanes Improvisieren sowie Alltagsschläue in den Vordergrund als geschickten Sprachgestus und psychologisch-gedankliche Raffinesse“ (E. Podehl 2007, S. 9).
Die handgreiflichen Objekte aus unserer Welt, alltäglich auch `Dinge` genannt, erfüllen im Objekttheater eine essentielle Funktion. Das Spiel mit den Dingen ist das Zentrum dieser Theaterform. In der Geschichte des Theaters waren es vor allem die Traditionen des Vaudeville- Theaters, aber auch die Volkstheatertraditionen und Clownsnummern, die durch ein solches Spiel mit den Dingen die ersten Objekttheater-Sequenzen formten und somit eine veränderte Wahrnehmungshaltung gegenüber der dinglichen Welt herbeiführten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Figuren- und Objekttheaters ein und stellt die zentrale Frage nach dem pädagogischen Potenzial dieser Theaterform.
2. Figurentheater- Das Spiel mit Masken, Puppen und Marionetten: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Figurentheaterformen hinsichtlich ihrer Anforderungen und ihres Einsatzes im schulischen Kontext.
3. Objekttheater- Das Spiel mit den Dingen: Der Hauptteil widmet sich theoretischen Grundlagen sowie konkreten praktischen Schritten zur Entwicklung eines Objekttheaterprojekts und analysiert dessen Wirkungsfähigkeit.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung des spielerischen Umgangs mit Dingen für die Entwicklung neuer Ausdrucksformen und die persönliche Bereicherung des Spielers.
Schlüsselwörter
Figurentheater, Objekttheater, Schultheater, Spielpädagogik, Objektivierung, Maskenspiel, Marionettenspiel, Theaterpädagogik, Improvisation, Wahrnehmung, handlungsorientiertes Lernen, Dingbeziehung, künstlerische Ausdrucksformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theaterpädagogischen Potenzialen, die entstehen, wenn Objekte oder Figuren anstelle des Schauspielers in den Mittelpunkt des darstellerischen Geschehens rücken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Figuren- und Objekttheater, der theoretischen Reflexion des Verhältnisses zwischen Mensch und Ding sowie der praktischen Umsetzung im Rahmen von Schultheaterprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Zugang zum Figuren- und Objekttheater zu eröffnen und aufzuzeigen, wie diese Theaterformen durch die Vermenschlichung von Unbelebtem neue Ausdrucksmöglichkeiten und Lernprozesse ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse, bei der zentrale Fachtexte (u.a. von Leopold Klepacki, Enno Podehl und André Studt) herangezogen werden, um die theaterpädagogischen Potenziale theoretisch und methodisch zu fundieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Figurentheaterformen und einen umfangreichen Abschnitt zum Objekttheater, der von der Theorie der Dingwahrnehmung bis hin zu praktischen Phasen der Improvisation reicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Objekttheater, Figurentheater, theaterpädagogische Potenziale, Objektivierungsstrategie und handlungsorientiertes Lernen.
Warum wird im Objekttheater das "Suchen" durch das "Finden" ersetzt?
Das "Finden" impliziert eine Haltung der Absichtslosigkeit, die es dem Spieler ermöglicht, sich von den Eigenschaften eines Objekts überraschen zu lassen, anstatt ein Objekt nur zweckgebunden für eine vorab definierte Rolle zu suchen.
Was bedeutet die "Objektivierungsstrategie" in diesem Kontext?
Es ist ein theatral-performativer Vorgang, bei dem der Mensch sich zugunsten des belebten Objekts zurücknimmt und das Objekt als eigenständigen Bedeutungsträger ins Zentrum der Kommunikation rückt.
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- Dilek Pehlivan (Author), 2009, Figuren- und Objekttheater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125978