Das Beispiel der protestantischen Ethik im Rahmen der Kontexteffektanalyse


Seminararbeit, 2007
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALT

1 EINLEITUNG

2 DIE PRO TESTANTISCHE
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.1.1 Eine Studie Martin Offenbachers
2.1.2 Eine Studie Walter Sombarts
2.2 Grundgedanke der protestantischen Ethik
2.2.1 Calvinistische Elemente
2.2.2 Die Prädestinationslehre
2.2.3 Innerweltliche Askese

3 INDUSTRIALISIERUNG /
3.1 Erste Betrachtungen
3.1.1 Kapitalismus und Industrialisierung: Kurze Definitionen
3.1.2 Sozialhistorischer Kontext

4 KONTEXTEFFEKTANALYSE
4.1 Wirkungsweise als Kontexteffekt
4.1.1 Individuelle Wirkungsweise (Mikro-Ebene)
4.1.2 Verbindende Mikrotheorie
4.1.3 Individuelle Handlungen (Mikro-Ebene)

5 AGGREGATION
5.1 Einfluss der protestantischen Ethik
5.1.1 Kollektive Handlungsfolge (Makro-Ebene)
5.1.2 Rückschluss auf Martin Offenbachers Studie

6 MIKRO-MAKRO-MODELL (GRAFISCH)
6.1 „Colemai'sche Badewaiie"

7 ZUSAMMENFASSUN
7.1 Kritik an Max Weber
7.1.1 Protestantische Ethik auf dem Prüfstand
7.1.2 Praktischer Nutzen der protestantischen Ethik in der Kontextanalyse

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

Diese Seminararbeit soll, mit Rückschluss auf die Aufsatzsammlung Max Webers „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus", den Einfluss und die Wirkungsweise von Kontexteffekten untersuchen.

Zu Beginn werden grundlegende Definitionen und Annahmen getroffen, um mit Verweis auf den geschichtlichen Rahmen der Analyse Max Webers, die mit der Thematik verbundenen Fragestellungen in Bezug auf Kontexteffekte, zu beantworten.

Einige dieser Fragen lauten: „Wie effektvoll wirken Kontexteffekte in diesem Beispiel der protestantischen Ethik?" oder „Welche Interdependenz besteht zwischen den Merkmalen des Kapitalismus und den Eigenschaften der protestantischen Ethik?". Obwohl in dem Hauptteil dieser Seminararbeit nicht alle möglichen Fragestellungen beantwortet werden können, werden dem Leser die grundlegenden Eigenschaften und Modelle dieser Thematik präsentiert.

Anschliel3end werden einige der präsentierten Ergebnisse auf eine Studie Martin Offenbachers zurückgeführt. Mit einem praxisnahen Beispiel aus dieser Studie soll die Anwendbarkeit Max Webers „Protestantismusthese" anhand der Studie geprüft werden, mit welcher Max Webers Überlegung einst begonnen hatte.

Im letzten Teil treffen Kritiken eines bekannten Soziologen und von einem akademischen Theologen, aber auch von Max Weber selbst, mit der Zusammenfassung seiner Arbeit zusammen. Abschliel3end soll gedeutet werden, wie viel aus dem Beispiel der protestantischen Ethik in die Moderne übernommen werden kann und wie bedeutend diese Forschung Max Webers für das soziologische Feld der Kontexteffektanalyse ist.

2 DIE PROTESTANTISCHE ETHIK

2.1 Geschichtlicher Hintergrund

Dieser Abschnitt soll die Anfänge Max Webers Gedankengänge über die protestantische Ethik kurz erläutern. Es ist wichtig, die Aktualität dieser Thematik zu der damaligen Zeit zu kennen, um später auf die genauen Eigenschaften der protestantischen Ethik als Kontexteffekt zu sprechen zu kommen. Die westliche Welt zu Max Webers Zeit befindet sich im Umbruch. Industrialisierung und Kapitalismus verändern die Lebensweisen der Menschen. Max Weber selbst bezeichnet den Kapitalismus als „[...] schicksalvollste Macht unsres modernen Lebens" (Weber 1920: 4). So verwundert es nicht, dass zu dieser Zeit viele Studien über das Phänomen des Kapitalismus und die daraus resultierenden Folgen auf das alltägliche Leben angefertigt werden.

2.1.1 Eine Studie Martin Offenbachers

Martin Offenbacher war ein Schüler Max Webers und arbeitete an einer Arbeit mit dem Titel „Konfession und soziale Schichtung — Eine Studie über die wirtschaftliche Lage der Katholiken und Protestanten in Baden". Die genauen statistischen Auflistungen Offenbachers sind in Kapitel 5.1.2 aufgeführt. Zusammenfassend lässt sich über das Ergebnis der Studie sagen, dass die Protestanten im direkten Vergleich zu den Katholiken über mehr Einkommen und Bildung verfügten (Vgl. Offenbacher 1900). Dies wurde daran deutlich, dass mehr Protestanten als Katholiken in höheren Positionen arbeiteten. Die Mehrheit der Protestanten versuchte sich in kaufmännischer Tätigkeit oder sogar in führenden Positionen der heranwachsenden Großindustrie, während die Katholiken überwiegend in handwerklichen Berufssparten zu finden waren. Offenbachers Studie zeigt ein eindeutiges soziales Ungleichgewicht zwischen den Konfessionen auf. Hier setzt Max Webers Analyse der protestantischen Ethik an, um die Ursachen für die offenbar bestehende Differenz zu finden. Eine wesentliche Frage dabei lautet, ob der Protestantismus zu einer Verbreitung des Unternehmertums führte oder umgekehrt?

2.1.2 Eine Studie Werner Sombarts

Der Volkswirt und Soziologe Werner Sombart fasste zu Lebzeiten Max Webers in seinem Werk „Der moderne Kapitalismus, verstehende Nationalökonomie" Erklärungen wirtschaftlicher Zusammenhänge und soziologisch-historische Grundlagen zusammen. Sombart zeigt, dass sich im Kapitalismus Grundzüge des Calvinismus wiederfinden. Auch Max Weber hat sich seit Anbeginn seiner wissenschaftlichen Karriere mit den Grundfragen des Kapitalismus auseinandergesetzt (Vgl. Kaesler 2003) und greift die Resultate der Studien Offenbachers und Sombarts mit seiner eigenen Untersuchung der protestantischen Ethik neu auf.

2.2 Grundgedanke der protestantischen Ethik

Der Kerngedanke in Max Webers Schrift „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" geht von einem Zusammenhang zwischen dem Beginn der Industrialisierung, als auch dem Kapitalismus und der protestantischen Ethik aus. Was genau ist aber mit dem Begriff „protestantische Ethik" gemeint? Ethik ist definiert als „die Wissenschaft von den sittl. Werten, Handlungen und Gesinnungen [...J" (Hrsg. Bertelsmann Lexikon-Redaktion 1966: 485). Wenn wir von „protestantischer Ethik" sprechen, meinen wir also eine verinnerlichte Einstellung der Protestanten zum eigenen Leben und zur Umwelt, welche diese, durch ihre von eben dieser Einstellung geprägten Handlungen, beeinflussen. Wie genau sich diese Ethik zusammensetzt, klären kurz die folgenden Abschnitte.

2.2.1 Calvinistische Elemente

Es ist bereits gesagt worden, dass Werner Sombart calvinistische Elemente im Wesen des zu dieser Zeit vorherrschenden Kapitalismus vermutet. Daher ein kurzer Abriss zur Thematik des Calvinismus. Der Calvinismus beschreibt eine besonders streng organisierte und in Form der biblisch überlieferten Gebote an Gottes Willen ausgerichtete Lebensführung. Begründer und somit passiver Namensgeber ist Johannes Calvin, ein französisch-schweizerischer Reformator aus dem 15. Jahrhundert. Okonomisch ausgedrückt geht es um eine „nützliche" Lebensführung im Einklang mit der christlichen Gottheit. Zeitvergeudung, beispielsweise in Form von unnötig vielen Arbeitspausen, aber auch übermäßigen Luxus in Form von Besitz lehnt der Calvinismus ab.

2.2.2 Die Prädestinationslehre

Die Prädestinationslehre (lat.: Vorherbestimmung) ist ein Bestandteil des Calvinismus. Sie besagt, dass Gott in seiner Allmacht bereits vorherbestimmt hat, wer im irdischen Sein zu Ruhm gelangen kann und wer nicht (Vgl. Hrsg. Bertelsmann Lexikon-Redaktion 1966). Diese „Entscheidung" Gottes lässt sich durch den Menschen nicht beeinflussen. Wenn das eigene Schicksal schon vorherbestimmt sein soll, wirft das die Frage auf, wieso man dann etwas an seinem Leben verändern sollte, indem man zum Beispiel mehr oder weniger arbeitet? Die Prädestinationslehre alleine ist daher noch keine Begründung für die Differenz zwischen Protestanten und Katholiken. Der Unterschied in der Lebensführung wird erst verstandlich, wenn man sich mit der „innerweltlichen Askese" auseinandersetzt, wie es im folgenden Abschnitt der Fall ist.

2.2.3 Innerweltliche Askese

Im vorangegangenen Abschnitt ist gezeigt worden, dass es durch die Prädestinationslehre alleine nicht möglich sein soll, sein eigenes Lebensgeschick zu beeinflussen. Die innerweltliche Askese ist kein weiteres Element, welches auf die Individuen einwirkt, sie ist vielmehr der Prozess der Gedankenbildung und den daraus resultierenden Handlungen, ausgelöst durch die Prädestinationslehre. Wenn man von innerweltlicher Askese (griechisch: Übung) spricht, ist die „strenge Enthaltsamkeit, körperliche und geistige Selbstüberwindung" (Hrsg. Bertelsmann Lexikon-Redaktion 1966: 108). gemeint. Die Annahme der Protestanten, sie könnten ein von Gott bevorzugtes Wesen sein, bewirkt nach Max Weber, dass die Menschen nach den Symbolen suchen, durch welche sie als auserwählt gekennzeichnet sind (Vgl. Jehle 2000: 3). Es handelt sich hierbei um den Versuch der Selbstbeantwortung einer Frage, auf die es keine direkte Antwort gibt. Solche Symbole sind weltlicher Erfolg und ein frommes Leben. Eigenschaften, die bereits vermuten lassen, dass sie die Lebensweise der Menschen beeinflussen, weshalb Max Weber diese Eigenschaften als eine mögliche Ursache für die Wesenszüge des Kapitalismus auffasst. Wie genau das geschieht, wird in Kapitel 4 erläutert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Beispiel der protestantischen Ethik im Rahmen der Kontexteffektanalyse
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V126026
ISBN (eBook)
9783640314485
ISBN (Buch)
9783640318001
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beispiel, Ethik, Rahmen, Kontexteffektanalyse
Arbeit zitieren
Dennis Klinkhammer (Autor), 2007, Das Beispiel der protestantischen Ethik im Rahmen der Kontexteffektanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126026

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