Feudalismus ist ein Begriff, der in der geschichtlichen, wirtschaftlichen und soziologischen Forschung für kontroverse Meinungen sorgte. Daraus resultierte eine lang andauernde Diskussionsreihe. Das Hauptproblem bestand darin, dass es keine klare, eindeutige Definition des Begriffs und des Wesens des Feudalismus gab. Feudalismus wurde oftmals unter den engen Begriff des Lehnswesens gefasst. In der deutschen Mittelalterforschung befasste man sich mit dem „Lehnswesen“ als rechtliches und politisches Phänomen. Das Interesse entstand während der Erforschung der Teilung des deutschen Reiches. Man führte die Zersplitterung auf ein dezentralisiertes Gesellschafts- und Herrschaftssystem zurück, was zur Tiefenforschung des Mittelalters, unter besonderer Berücksichtigung der sozialen und politischen Situation führte.
Drei wesentliche Feudalismuskonzeptionen werden von Otto Hintze, Max Weber und den Marxisten-Leninisten vorgelegt. Die verschiedenen Auffassungen unterscheiden sich vor allem in der Betrachtungsweise des Feudalismus-Begriffs bzw. in der unterschiedlichen Vorgehensweise der jeweiligen Feudalismuskonzeptionen. Fundierte Analysen dieser Konzepte von Historikern, deren Arbeits- und Denkweise durch derzeitige Strömungen in der Wissenschaftswelt beeinflusst wurde, bildeten die vier wichtigsten Schulen der bürgerlichen Geschichtsschreibung. Sie geben die verschiedenen Rezeptionen von Feudalismus wieder. Die politisch-typologische, die sozialgeschichtliche, die formaljuristische und die west-deutsche „Gegenwartsschule“. In meiner Darstellung möchte ich weniger auf die einzelnen Schulen eingehen, viel mehr möchte ich die drei wesentlichen Feudalismuskonzeptionen vorstellen. Otto Hintze soll hier als Vertreter der politisch-typologischen Schule bzw. der sozio-historischen Rezeption fungieren. Max Weber repräsentiert eine konkrete Auffassung von Feudalismus als Herrschaftsform. Des weiteren werde ich kurz die Gedanken Karl Marx´ vorstellen, der die historisch-materialistische Betrachtungsweise vertritt. Schließlich werde ich zum Abschnitt: „Feudalismusdiskussion in der DDR“ überleiten. (Kuchenbuch: 199)
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Feudalismuskonzeptionen und Rezeptionen
1.1. Die Feudalismuskonzeption bei Otto Hintze - die sozio-historische Rezeption
1.2. Die Feudalismuskonzeption von Max Weber - Feudalismus als Herrschaftsform
1.3. Die Feudalismusrezeption von Karl Marx - Feudalismus aus historisch- materialistischer Sicht
2. Feudalismus-Diskussion in der DDR
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Feudalismus als universalhistorisches Phänomen, indem sie drei grundlegende Konzeptionen von Otto Hintze, Max Weber und Karl Marx gegenüberstellt und die Feudalismus-Diskussion innerhalb der DDR-Geschichtswissenschaft analysiert.
- Vergleich der Feudalismus-Ansätze von Hintze, Weber und Marx
- Analyse des Feudalismus als Herrschaftsform und sozio-ökonomisches System
- Untersuchung der DDR-Geschichtsschreibung zum Feudalismus
- Diskussion der universalhistorischen Anwendbarkeit des Feudalismus-Begriffs
Auszug aus dem Buch
1.2. Die Feudalismuskonzeption von Max Weber – Feudalismus als Herrschaftsform
Ich möchte jetzt auf eine ähnliche, im wesentlichen jedoch andere Betrachtungsweise von Feudalismus kommen. Für Max Weber stellt sich Feudalismus sehr konkret als eine Form von Herrschaft dar.
„,Herrschaft’ soll, definitionsgemäß [...] die Chance heißen, für spezifische (oder: für alle) Befehle bei einer angebbaren Gruppe von Menschen Gehorsam zu finden. Nicht also jede Art von Chance, ,Macht’ und ,Einfluss’ auf andere Menschen auszuüben. [...] Ein bestimmtes Minimum an Gehorchen wollen, also: Interesse [...] am Gehorchen, gehört zu jedem echten Herrschaftsverhältnis.“ (Weber 1980: 122).
Neben affektuellem und materiellen Interesse bildet der „Legitimitätsglaube“ eine wesentliche Grundlage der Herrschaft zwischen Herrscher und Beherrschten (Verwaltungsstab). Weber hat drei „Idealtypen“ von Herrschaft gebildet, die sich in ihrer „Legitimitätsgeltung“ voneinander unterscheiden. In diesem Zusammenhang taucht der „Idealtypus“ oder „reine“ Typus von Herrschaft auf. Die Methode der Typenbildung spielt bei M.Weber eine wichtige Rolle, insbesondere da er sich als Soziologe versteht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die begriffliche Problematik des Feudalismus ein und stellt die drei zentralen Konzeptionen von Hintze, Weber und Marx vor.
1. Feudalismuskonzeptionen und Rezeptionen: Dieses Kapitel erläutert detailliert die theoretischen Ansätze von Otto Hintze, Max Weber und Karl Marx zur Definition und historischen Einordnung des Feudalismus.
1.1. Die Feudalismuskonzeption bei Otto Hintze - die sozio-historische Rezeption: Hintze betrachtet Feudalismus als ein System, das durch militärische, ökonomisch-soziale und politische Faktoren geprägt ist, und wendet die Methode der Typenbildung an.
1.2. Die Feudalismuskonzeption von Max Weber - Feudalismus als Herrschaftsform: Weber analysiert den Feudalismus als eine Form der traditionalen Herrschaft, wobei die Struktur der Lehensbeziehungen im Zentrum seiner Betrachtung steht.
1.3. Die Feudalismusrezeption von Karl Marx - Feudalismus aus historisch- materialistischer Sicht: Marx begreift den Feudalismus als eine spezifische Produktionsweise und Vorstufe des Kapitalismus, analysiert durch den historischen Materialismus.
2. Feudalismus-Diskussion in der DDR: Dieses Kapitel beleuchtet den Verlauf und die Schwerpunkte der Feudalismus-Debatte in der DDR-Geschichtswissenschaft von den 1950er bis zu den 1980er Jahren.
Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass das Feudalismus-Phänomen aufgrund unterschiedlicher Forscher-Perspektiven schwer abschließend zu definieren ist.
Schlüsselwörter
Feudalismus, Herrschaftsform, historischer Materialismus, Lehnswesen, Otto Hintze, Max Weber, Karl Marx, DDR-Geschichtswissenschaft, Produktionsverhältnisse, Idealtypus, Sozialökonomie, Universalhistorie, Mittelalterforschung, Lehensbeziehung, Standesgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Feudalismusbegriff durch die Gegenüberstellung klassischer theoretischer Konzeptionen und beleuchtet dessen wissenschaftliche Debatte in der ehemaligen DDR.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Definition von Feudalismus als sozio-historisches System (Hintze), als Herrschaftsform (Weber) und als ökonomische Produktionsweise (Marx).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das komplexe Phänomen Feudalismus in seiner universalhistorischen Dimension besser zu verstehen, indem die unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven und ihre methodischen Grundlagen dargelegt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-vergleichende und analytische Methode verwendet, die die theoretischen Konzepte der genannten Autoren sowie die historische Entwicklung der DDR-Debatte aufarbeitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung der Feudalismuskonzeptionen von Hintze, Weber und Marx sowie eine historische Analyse der Feudalismus-Diskussion in der DDR.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Feudalismus, Herrschaftsform, historischer Materialismus, Lehnswesen, Idealtypus und DDR-Geschichtswissenschaft charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Webers Konzept von dem Hintzes?
Während Hintze eine sozio-historische Typenbildung durch anschauliche Abstraktion betreibt, um Universalhistorie zu untersuchen, hebt Weber mit seinem Idealtypus die Einzigartigkeit des okzidentalen Feudalismus als Herrschaftsform hervor.
Warum war die Feudalismus-Diskussion in der DDR so bedeutsam?
Sie diente der Identitätsfindung und der historischen Einordnung der DDR-Geschichte innerhalb der marxistisch-leninistischen Geschichtstheorie und versuchte die Periodisierung des Feudalismus zu klären.
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- Natsuho Hayauchi (Author), 1998, Feudalismus als universalhistorisches Phänomen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12602