In dieser Arbeit werden die zwei grossen Jugendorganisationen, die Hitler-Jugend (HJ) und die Freie Deutsche Jugend (FDJ), vorgestellt. Beide waren in Deutschland entstanden, die HJ agierte von 1926 bis 1945 und die FDJ von 1946 bis 1990. Als Staatsjugend unterstützten die HJ als auch die FDJ ihre politischen Führungen massgeblich, in dem sie die Jugend nach den Vorstellungen und dem Nutzen der Partei ausbildeten. Der historische und ideologische Kontext der beiden Jugendverbände unterschied sich aber grundlegend.
Die Hitler-Jugend war, wie es der Name schon sagt, die Jugendorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, an derer Spitze Adolf Hitler stand. Das Regime verlangte von der heranwachsenden Generation eine vollumfängliche Anpassung an das nationalsozialistische Ideal und bildete diese sogar militärisch aus, um viele für „Führer, Volk und Vaterland“ in den Krieg zu schicken.
Die jungen Menschen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die mehrheitlich die dunkelsten Jahre in der Geschichte Deutschlands miterlebt haben, traten unmittelbar nach Kriegsende den Jugendausschüssen und dann der Einheitsorganisation der Freien Deutschen Jugend bei, um mitzuhelfen, eine antifaschistische, demokratische und sozialistische Republik aufzubauen. Doch die FDJ entwickelte sich bald in eine Richtung, die erschreckende Ähnlichkeiten mit der HJ aufwies.
Ziel dieser Hauptseminararbeit ist es herauszufinden, inwiefern sich der Charakter und die Struktur der HJ in der FDJ wiederholte.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE HITLER-JUGEND
2.1 Die NSDAP
2.2 Entstehung der HJ
2.3 Totalitätsanspruch der HJ
2.4 Mitgliedschaft in der HJ
2.5 Jugend als Reserve der Partei
2.6 Weltanschauung und Erziehungsziele der HJ
2.7 Die Schulung der HJ
2.8 Die Militarisierung in der HJ
2.9 Das Ende der HJ
3 DIE FREIE DEUTSCHE JUGEND
3.1 Die SED
3.2 Entstehung der FDJ
3.3 Totalitätsanspruch von SED und FDJ
3.4 Mitgliedschaft in der FDJ
3.5 Die Jugend als Reserve der Partei
3.6 Weltanschauung und Erziehungsziele der FDJ
3.7 Die Schulung der Jugend
3.8 Die Militarisierung in der FDJ
3.9 Das Ende der FDJ
4 FAZIT
4.1 Vergleich
4.2 Anmerkungen zur Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die zwei bedeutenden deutschen Jugendorganisationen, die Hitler-Jugend (HJ) und die Freie Deutsche Jugend (FDJ), hinsichtlich ihrer Struktur, ihrer ideologischen Ausrichtung und ihrer Rolle als staatsgestützte Instrumente zur Disziplinierung der heranwachsenden Generation. Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, inwiefern sich Charakter und Struktur der HJ in der FDJ wiederholten und wie beide Organisationen durch ihre Bindung an die jeweilige Staatsmacht ihre Ziele verfolgten.
- Historischer Kontext und Entstehung der Jugendorganisationen unter NSDAP und SED.
- Methoden der ideologischen Beeinflussung und politischen Indoktrination.
- Die Rolle der Jugendverbände als Kaderreserve und militärisches Ausbildungsinstrument.
- Analyse der Verbindlichkeit der Mitgliedschaft und Sanktionierung von Abweichlern.
- Vergleichende Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten und strukturellen Unterschieden.
Auszug aus dem Buch
2.8 Die Militarisierung in der HJ
Adolf Hitler war der Überzeugung: „Eine grosse Idee kann nur dann zum Ziele geführt werden, wenn eine fest gefügte und straffe, mit konsequenter Härte durchgeführte Organisation der Weltanschauung Gestalt gibt.“53 In der Tat war die Struktur der HJ, ihre Befehlsbereiche, Dienstwege und Kompetenzen bis ins Letzte bürokratisch geregelt, hierarchisch und nach militärischem Vorbild aufgebaut. Körperliches und mentales Training, Schulung der Selbstdisziplin und Körperbeherrschung, Appelle, Reinlichkeit, Uniform und Marschieren gehörten zum normalen Umgang in der Jugendorganisation.54 Doch ist die Anlehnung an eine militärische Schulung nicht als Rekrutierung im eigentlichen Sinne zu verstehen. Ernsthaft wurden die Jungen erst nach Einführung der Wehrpflicht (31.03.1935) vormilitärisch ausgebildet.55 Spätestens ab 1935 – Jahre vor Kriegsbeginn – war die Vorbereitung der Jugend auf den bevorstehenden Kampfeinsatz nicht mehr zu übersehen. Es galt, mit den Worten von Helmut Stellrecht, dem damaligen Chef des Amtes für Körperliche Schulung, ausgedrückt: „[...] der Jugend [...] Härte zu geben, sie härter zu machen, als der Kampf sein wird [...].“56 Es wurde zur zentralen Aufgabe der HJ, die Jugend ideologisch und militärisch so zu bilden, damit sie später problemlos in die Armee übertreten konnte.57
Die HJ gab den jungen Männer ihre „Prägung“, aber es war die Armee, welche, laut Oberbefehlshaber Vietinghoff, die „Jugenderziehung“ abschloss.58 Eines der eindrücklichsten Zitate zur Rolle der HJ entstammt ebenfalls von dem 1935 erschienenen Buch Stellrechts. Darin fordert er die Hitlerjugend auf: „[...] jedem jungen Menschen ins Herz hineinhämmern, wofür er zu kämpfen hat. Sie [die HJ] muss ihm schon zeigen, dass er ein Volk hat, dass er einen Staat, ein Vaterland, einen Führer hat für die gekämpft werden muss; sie muss ihm Glaube und Willen geben, da er für das Blut kämpft, für die Erhaltung der Rasse, für das, was der Nationalsozialismus als Idee erhoben hat.“59
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Stellt die Forschungsarbeit vor, definiert die behandelten Jugendorganisationen HJ und FDJ und erläutert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Seminararbeit.
2 DIE HITLER-JUGEND: Analysiert den Aufstieg, die Strukturen, den totalitären Anspruch sowie die militärische Instrumentalisierung der HJ innerhalb des Nationalsozialismus.
3 DIE FREIE DEUTSCHE JUGEND: Untersucht die Entstehung der FDJ in der DDR, ihre Abhängigkeit von der SED sowie ihre Rolle als staatskonforme Massenorganisation.
4 FAZIT: Zieht einen vergleichenden Schluss zwischen den beiden Organisationen, wobei Gemeinsamkeiten in der Struktur und Unterschiede in den Weltanschauungen hervorgehoben werden.
5 ANHANG: Enthält das Quellenverzeichnis sowie ein detailliertes Abkürzungs- und Stichwortverzeichnis zur Arbeit.
Schlüsselwörter
Hitler-Jugend, Freie Deutsche Jugend, NSDAP, SED, Indoktrination, Totalitarismus, Jugendorganisation, Militarisierung, Staatsmacht, Kaderreserve, DDR, Nationalsozialismus, Erziehung, Weltanschauung, Wehrpflicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die historischen Strukturen und Rollen der beiden großen deutschen Jugendorganisationen Hitler-Jugend (HJ) und Freie Deutsche Jugend (FDJ) in ihren jeweiligen politischen Systemen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Entstehung der Verbände, ihr totalitärer Anspruch, die Verbindlichkeit der Mitgliedschaft, ihre Rolle als politische Kaderreserven und die militärische Ausbildung der Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, herauszufinden, inwiefern sich der Charakter und die Struktur der HJ in der FDJ widerspiegelten und ob beide Organisationen ähnliche Mechanismen zur Bindung an die Staatsmacht nutzten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende historische Seminararbeit, die auf einer Auswertung von Fachliteratur, Quellenberichten und Zeitzeugnissen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zuerst wird die HJ chronologisch und thematisch analysiert, anschließend folgt eine parallele Analyse der FDJ, um eine direkte Vergleichbarkeit der Aspekte zu ermöglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Jugendorganisationen, Totalitarismus, Staatsjugend, politische Indoktrination, SED, NSDAP und Militarisierung.
Warum war die militärische Ausbildung für beide Verbände zentral?
Sowohl das NS-Regime als auch die SED-Führung betrachteten die Jugend als wichtige „Blutsreserve“ oder „Nachwuchsreserve“, die im Ernstfall zur Verteidigung des Staates und der Ideologie bereitstehen musste.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Ähnlichkeit beider Verbände?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass trotz unterschiedlicher Weltanschauungen die strukturellen Methoden und der Nutzen für die jeweilige staatstragende Partei erschreckende Ähnlichkeiten aufwiesen.
- Quote paper
- Charlotte Peter (Author), 2008, Die Hitler-Jugend und die Freie Deutsche Jugend – zwei deutsche Staatsjugendorganisationen im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126060