Kooperation im Einkauf - Strategische Allianz oder unternehmerisches Risiko?


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2007
27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.2 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Die Einkaufskooperation: Ausgangslage und Klassifikation
2.1 Die Beschaffungsfunktion der Unternehmen
2.2 Formen der Einkaufskooperationen: Begriff und Tätigkeit
2.3 Die Notwendigkeit/ Chancen der Einkaufskooperationen
2.4 Die Risiken der Einkaufskooperationen

3. Theoretische Anknüpfspunkte der Effizienz der purchasing alliances
3.1 Organisationstheorie
3.2 Entscheidungstheorie
3.3 Netzwerktheorie

4. Chancen und Risiken der Einkaufskooperation: Fallbeispiel Automobilbranche
4.1 IT und Elektronik Einkauf: Purchasing alliance mit externen Dienstleistern
in der Automobilbranche
4.1.1 Chancen der Kooperation: Kurzlebige Produktzyklen und hohe Beschaffungskosten als Motivation für die Einkaufskooperation
4.1.2 Risiken der Kooperation: Bremsung des Wettbewerbes für private PKW
4.1.3 Fazit: Chancen und Risiken der Einkaufskooperation
4.2 Entwicklungsleistungen im Einkauf: Purchasing alliances als Einkaufsgesellschaft in der Automobilbranche
4.2.1 Chancen der Kooperation: Aneignung von Kernkompetenzen für die einzelnen Unternehmen
4.2.2 Risiken der Kooperation: Redistributivität der Entwicklungsleistungen
4.2.3 Fazit: Chancen und Risiken der Einkaufsgesellschaft

5. Fazit: Chancen und Risiken der Einkaufskooperationen
5.1 Ergebnisse der Arbeit
5.2 Forschungsbedarf

Literatur

1. Einleitung

Die Einkaufsfunktion der Unternehmen hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, da sie den Erfolg eines Unternehmens erheblich beeinflussen kann. Deshalb gelangen immer mehr Optimierungsinstrumente des Einkaufs in den Fokus der theoriegeleiteten und praxisbezogenen Diskussionen. Die Einkaufskooperationen der Unternehmen haben heute aufgrund ihrer Funktion der Kosteneinsparung bei Einkaufspreisen ein großes Einflusspotential zur Unterstützung der Wettbewerbsvorteile der Unternehmen. Empirische Studien belegen jedoch, dass die purchasing alliances zwar im Handel und im Handwerk lange Tradition besitzen, sich in der Industrie wegen wirtschaftlicher und rechtlicher Risiken sowie Koordinationsproblemen erst langsam durchsetzen. Folgen sind Diskussionen über die verschiedenen Formen der Einkaufskoordinationen sowie der Effizienz der einzelnen Formen. Gegenstand der Arbeit ist, die Chancen und Risiken der verschiedenen Formen der purchasing alliances systematisch zu erfassen. In ersten Teil wird eine begriffliche Übersicht über die verschiedenen Formen der Einkaufskoordination sowie speziell der Ursachen ihrer Effizienz untersucht. Im zweiten Teil wird anhand des Fallbeispiels der strategischen Beschaffung der Energineering Dienstleistungen der Automobilkonzerne diejenige Kooperationsform untersucht, die sich in der Praxis am besten bewährt hat.

1.2 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Die Beschaffung als Unternehmensaktivität hat in den letzten Jahren nicht nur eine zunehmende Bedeutung erhalten, auch ihre Aktivitäten haben sich grundlegend gewandelt. Die Beschaffung ist nicht mehr nur rein operative, unterstützende Tätigkeit, sondern stellt eine strategisch wichtige Aufgabe dar. Dieser Funktionswandel ist begleitet von verschiedenen Managemententscheidungen und neuen Kooperationsformen. Hierzu gehören solche Kooperationsarten wie die Gründung einer Einkaufsgesellschaft oder die Übertragung der Einkaufsrechte an andere Unternehmen. War es früher ausreichend, den Bedarf zu ermitteln und kostengünstig die Güter für die verschiedenen Abteilungen zu erwerben, ist der Beschaffungsprozess heute eingebunden in umfangreiche Netzwerke.

Da sich die Arbeit mit den Chancen und Risiken der Einkaufskooperation befasst, soll im Folgenden nicht nur eine Begriffdefinition und Klassifikationen der bestehenden Arten dieser Kooperationsarten vorgenommen werden. Ziel ist es vielmehr, die Effizienz und die Störvariablen zu ermitteln, um darauf aufbauend die in der Praxis bewährte Form der Kooperation mit externen Dienstleistern sowie die Form der Einkaufsgesellschaft am Beispiel der Automobilbranche darzustellen.

1.3 Aufbau der Arbeit

Zur Einordnung der Problemstellung wird im Kapital 2 zunächst die Ausgangslage der Unternehmen beschrieben und die verschiedenen Arten der Einkaufskooperationen entsprechend der Kategorie des Integrationsgrades klassifiziert.

Kapitel 2.1 beschäftigt sich mit der Beschaffungsfunktion der Unternehmen. Hierbei werden Kriterien zur Klassifikation der verschiedenen Formen der Einkaufskooperationen entwickelt. Im Kapitel 3 werden die verschiedenen Einkaufskooperationsarten hinsichtlich ihrer Chancen und Risiken für das Unternehmen untersucht. Theoretische Basis liefert dafür die Organisationstheorie, die Entscheidungstheorie sowie die Netzwerktheorie. Im Kapitel 4 (Fallbeispiel) wird untersucht, welche Kooperationsarten in der Industrie bereits erfolgreich eingesetzt werden.

2. Die Einkaufskooperation: Ausgangslage und Klassifikation

Der Begriff der Einkaufskooperation besagt schon, was eine Einkaufskooperation ist: ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen mit dem Zweck die Beschaffungsaktivitäten gemeinsam durchzuführen. Die Besonderheit besteht darin, dass durch diese Kooperation von Unternehmen, die auf dem Markt Konkurrenten sind, die Beschaffung zusammengelegt wird mit dem Ziel, günstige Einkaufskonditionen zu erlangen[1]: Obwohl in den letzten Jahren viele verschiedene Ansätze zur Etablierung der Einkaufskooperation in der Industrie entwickelt worden sind, können bis heute kaum Veränderungen im Beschaffungsprozess der Unternehmen beobachtet werden. Es müssen daher Faktoren existieren, die eine solche Etablierung der Einkaufskooperationen behindern. Die Beurteilung der Einkaufskooperationen ist ambivalent, einerseits birgt sie Chancen für das Unternehmen (Kostenaspekt), andererseits enthält sie auch Risiken, die sich aus der Kooperation ergeben[2]:

2.1 Die Beschaffungsfunktion der Unternehmen

Die Bedeutung der Beschaffung bzw. des Einkaufs ergibt sich für eine Unternehmen schon aus der funktionalen Notwendigkeit des Einkaufes: ohne Beschaffung keine Produktion, Vertrieb und Konsumption[3]: Die Beschaffung des Unternehmens hat auch wichtige Auswirkungen auf die Kosten, denn hohe Einkaufskosten steigern die Gesamtkosten für den Umsatz[4]:

Die Einkaufsaktivitäten der Unternehmen sind jedoch nicht nur durch die Marktpreise und das Angebot an Gütern und Dienstleistungen bestimmt, auch marktrechtliche Gegebenheiten wie eine hohe logistische Mobilität oder die damit sinkende Markttransparenz haben Auswirkungen auf die Beschaffungsaktivitäten der Unternehmen: „Nicht nur Knappheitserscheinungen, sondern auch andere marktrechtliche Gegebenheiten bewirken zunehmende Komplexität für Beschaffungsaktivitäten. Zu nennen sind vor allem die regionale Ausweitung der Beschaffungsmärkte, höhere logistische Mobilität und damit größere Marktdynamik und in der Folge eine sinkende Markttransparenz.“[5]:

Die Beschaffung als wichtige Funktion im Unternehmen umfasst also neben dem Ziel der Sicherstellung der Versorgung des Unternehmens mit Gütern und Dienstleistungen von geeigneter Qualität zum entsprechenden Zeitpunkt auch die Senkung der Beschaffungskosten bei gleichzeitiger Einhaltung der Qualitätsstandards. Dementsprechend lassen sich auch die Aufgaben der Beschaffung untergliedern: sie reichen vom strategischen Beschaffungsmanagement, das die langfristigen und geeigneten Beschaffungsziele formuliert bis zum operativen Einkauf, der die Beschaffungsstrategie in der geeigneten Kooperationsform umsetzt. Bei der Einkaufskooperation stehen somit Transaktionsprozesse im Vordergrund, bei denen die Unternehmen nicht wie auf dem sonst anonymen Nachfragemarkt ihre Produkte erwerben sondern hierbei ist die Konkurrenz bzw. der weitere Nachfrager bekannt: mit ihm wird situationsspezifisch verhandelt. Daher kommt diesen Transaktionsbeziehungen in den Kooperationen eine zentrale Bedeutung zu. Die Unternehmen sind dabei (wirtschaftlich und rechtlich) autonom, die Zusammenarbeit beschränkt sich auf den Einkauf.

2.2 Formen der Einkaufskooperationen: Begriff und Tätigkeit

Die Einkaufskooperation bedeutet die Zusammenarbeit von autonomen Unternehmen im Funktionsbereich des Einkaufs. Der Kooperationsbegriff besagt in diesem Zusammenhang, dass die Zusammenarbeit in anderer Art und Weise erfolgt als in anderen Formen der betrieblichen Organisation.

Die Kooperation kann sowohl von der Form des Marktes als auch von der Form einer Hierarchie abgegrenzt werden, sie nimmt eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Organisationsformen ein: „Unternehmenskooperation ist die freiwillige Zusammenarbeit von rechtlich und wirtschaftlich weitgehend selbstständigen Unternehmen in einzelnen oder mehreren betrieblichen Teilbereichen, um individuelle Ziele besser zu erreichen als in alternativen Organisationsformen.“[6]: Die Einkaufskooperation weißt eine spezifische Organisationsform auf: im Gegensatz zur Organisationsform des Marktes und der Hierarchie weißt sie sowohl marktwirtschaftliche Merkmale (z. B. Realisierung von Wettbewerbsvorteilen, ökonomische Aktivitäten, dezentrale Handlungs- und Entscheidungszentren) als auch hierarchische Elemente (z. B wechselseitige, stabile Beziehungen, Festsetzung der Instrumente durch die Unternehmen, strategische Führung durch die Unternehmen) auf[7]: Die Besonderheit der Kooperation im Gegensatz zum Markt oder der Hierarchie ergibt sich aus ihrer Koordination der Aktivitäten, denn die Kooperation beinhaltet sowohl Markt- als auch Hierarchieprinzipien: „Die Besonderheit von Kooperationen ergibt sich aus ihrem Steuerungsmechanismus, der die Vorteile von unternehmensintensiver Abwicklung von Transaktionen mit den Vorteilen von marktlicher Steuerung zu verbinden versucht.“[8]:

Diese Kooperationsstrukturen beinhalten dabei dann Vorteile, wenn ein störungsfreier Informationsfluss und ein unverzögerter Materialfluss zwischen den Unternehmen stattfinden sollen. Man unterscheidet dabei verschiedene Möglichkeiten der Kooperation; sie lassen sich zum einen nach ihrer Wertschöpfungsstufe aufteilen (vertikale Kooperation, diagonale Kooperation, horizontale Kooperation), zum anderen nach dem Grad der Intensität der Zusammenarbeit (bloßer Informationsaustausch bis zur Gründung gemeinschaftlicher Organisationen).

Einkaufskooperationen stellen Zusammenschlüsse auf der horizontalen Ebene dar. Ursache für die Unterschiede in der Organisation der Einkaufskoordination waren zum einen Veränderungen in den Beziehungen der Kooperationspartner und den jeweiligen Unternehmen. Vor allem aber auch Veränderungen in der Marktsituation haben dazu geführt, dass sich vor allem zwei unterschiedliche Kooperationsformen durchgesetzt haben: das marktbeziehungs- kooperativ bzw. die Einkaufsgesellschaft und das integrierte Kooperativ, die strategische Allianz. Beide Kooperationsformen sind somit Reaktionen auf veränderte Umweltbedingungen.

Bei der Übertragung der Einkaufskompetenz an einen Kooperationspartner schließen sich die Unternehmen bei ihrer Bedarfsplanung zusammen und das Unternehmen mit dem höheren Bedarf einer bestimmten Warengruppe erhält dann die Einkaufskompetenz für die gesamte Kooperation. Im Gegensatz zur Einkaufsgesellschaft ist diese Koordinationsform jedoch eingebettet in den Gesamtkomplex des Unternehmens. Die Mitglieder dieser Einkaufskooperation sind aufgrund geringer Informationen und Entscheidungsbefugnisse nicht in der Lage, die komplexen Markprozesse zu erfassen und in ihren Entscheidungen zu berücksichtigen[9]:

Eine weitere Einkaufskooperationsform besteht im Outsourcing des Einkaufs: Dabei wird eine Einkaufsgesellschaft gegründet, die die Planung und Durchführung des Einkaufs übernimmt. Bei dieser Einkaufsgesellschaft erhält das Kooperativ vom Management der Unternehmen nur noch allgemeine strategische Leitlinien, so dass es der Kooperation möglich ist, nach eigenem Ermessen konkrete und situative Ziele zu entwickeln: „Formalrechtlich werden strategische Allianzen überwiegend durch Kooperationsverträge begründet, die manchmal durch Kapitalbeteiligungen unterstützt werden. Mit dem eher geringen Institutionalisierungsgrad korrespondiert insgesamt eine hohe Flexibilität dieser Kooperationsform in der Ausgestaltung und Anpassung.“[10]:

Dies führt zu einer Lockerung der kooperativen Beziehungen zwischen der Einkaufsgesellschaft und den jeweiligen Betrieben, die Einkaufsgesellschaft operiert in vielen Bereichen mehr oder weniger selbstständig[11].

2.3 Die Notwendigkeit/ Chancen der Einkaufskooperationen

Bei der Darstellung der Chancen und Risiken der Einkaufskooperation wird aufgrund des Themas ausschließlich auf die Chancen und Risiken eingegangen, die sich aus der Unternehmenskooperation ergeben. Neben den äußeren, d. h. den Marktbedingungen, die für eine horizontale Koordination sprechen (Kostenaspekt, Marktmacht, Informationsvorteil) gibt es auch eine Reihe von innerbetrieblichen Faktoren, die sich aus der Organisation des Betriebes ergeben und für eine Einkaufskooperation sprechen.

Die Beschaffung ist neben der Produktion, dem Vertrieb oder dem Marketing ein Teilsystem der gesamten Betriebsorganisation. Die Aktivitäten der Beschaffung haben dabei Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen und der Beschaffungssektor besitzt kein eigenes Steuerungselement, er ist eingebunden in die gesamte Betriebsstruktur. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit zur horizontalen Kooperation mit anderen Unternehmen. Denn eine zentrale Reglementierung der internen und externen Beziehungen und die zentrale Koordination von Aktivitäten und die Erteilung von generellen Handlungsvorschriften kann nur in einem stabilen Markt mit geringen technologischen Wandel funktionieren: „Es leuchtet ein, dass im Falle der stabilen Umweltverhältnisse kaum ein Anlass für innovative, strategische Beschaffungsentscheidungen gegeben ist. ..dass die Bedeutung der strategischen Beschaffungspolitik in dem Maße wächst, wie das Unternehmen dynamischen Umweltverhältnissen ausgesetzt ist. Die Bewältigung von antizipierten Umweltveränderungen ist jedoch nicht mittels formalisierter Handlungsabläufe, mittels rigider Organisationsstrukturen möglich, sondern erfordert Spielräume für die Handlungsträger, die Platz für Kreativität, für selbstständiges Handeln lassen.“[12]. Die Kooperation bei der Beschaffung fördert daher auch die Innovationsprozesse in der vielfältigen Aufgabenstruktur des Einkaufes.

[...]


[1] Vgl. Fritzsche, 1991: 3.

[2] Vgl Arnold, 1982: 223.

[3] Vgl. Woratschek, 1992: 17.

[4] Vgl. Arnold, 1982: 25.

[5] Arnold, 1982: 28.

[6] Ebertz, 2006: 12

[7] Vgl. Boos, 1989: 4.

[8] Arnold, 1998: 5.

[9] Vgl. Boos, 1989: 10.

[10] Ebertz, 2006: 36.

[11] Vgl. Boos, 1989: 9.

[12] Arnold, 1982: 248.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Kooperation im Einkauf - Strategische Allianz oder unternehmerisches Risiko?
Autor
Jahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V126079
ISBN (eBook)
9783640328161
ISBN (Buch)
9783640328765
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kooperation, Einkauf, Strategische, Allianz, Risiko
Arbeit zitieren
Birgit Schröer (Autor), 2007, Kooperation im Einkauf - Strategische Allianz oder unternehmerisches Risiko?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126079

Kommentare

  • Gast am 5.1.2010

    Viele Rechtsschreibfehler und der Inhalt ist auch dürftig

Im eBook lesen
Titel: Kooperation im Einkauf - Strategische Allianz oder unternehmerisches Risiko?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden