Die Optimalitätstheorie (OT) ist ein Anfang der neunziger Jahre von Alan Prince, Paul
Smolensky, John McCarthy und anderen ursprünglich für die Phonologie entwickeltes
Modell. Es beschreibt, wie Entscheidungsprozesse in Systemen ablaufen, die miteinander
unvereinbare, aber nach Wichtigkeit geordnete Anforderungen enthalten (vgl. Müller 2000).
Die OT steht in enger Verbindung zur Generativen Grammatik Chomskys und teilt mit ihr das
Bemühen, Prinzipien der Universalgrammatik aufzudecken und die Ergebnisse mit einem
hohen Maß an formaler Präzision zu erfassen (Kager 1999). 1997 übertrugen Jane Grimshaw
und Paul Pesetsky dieses System erstmals auf die Syntax. Die OT - Syntax zeigt allgemeine
Regularitäten in der Sprache auf, die jedoch keine absoluten Gesetze, sondern lediglich
Tendenzen darstellen. Die Formulierung von solchen Tendenzregeln geschieht in der OT in
Form von allgemeinen Aussagen oder Forderungen, die constraints oder Beschränkungen
genannt werden. Sie sind für alle Sprachen dieselben (= Universalität) und sind verletzbar,
worin der Hauptunterschied zu den Ansätzen Chomskys zu sehen ist. Die Beschränkungen
stehen in einem Hierarchieverhältnis, das einzelsprachlich organisiert ist, und werden jeweils
unterschiedlich gewichtet (= Ranking). Was grammatisch ist oder nicht, wird aus der Menge
aller möglichen Kandidaten (= Kandidatenmenge), die der Generator auf Basis eines Inputs
erzeugt, durch die Hierarchie der Beschränkungen determiniert. Derjenige Kandidat, der im
Vergleich zu den anderen die relativ gesehen wenigsten Verletzungen in Bezug auf die
dominanteste (am höchsten gerankte) Beschränkung zeigt, ist der einzig grammatische und
gewinnt als optimaler Kandidat den Wettbewerb (vgl. Businger 2007).
Inhaltsverzeichnis
1. Vorüberlegungen
1.1 Grundannahmen der Optimalitätstheorie (OT)
1.2 Grundannahmen des Minimalistischen Programms (MP)
2. Die W – Bewegung in der OT
2.1 Grundannahmen nach Jane Grimshaw (1997)
2.2 W – Bewegung anhand eines Beispiels
2.3 Echo - Fragen
2.4 W-Wörter in Basisposition/ W-in-situ
2.5 W-Subjekte als Ausnahme
2.6 Mehrfachfragen
3. W – Bewegung im MP
3.1 W – in situ im MP
3.2 Optionalität von W - Bewegung
4. Unterschiede zwischen OT und MP
5. Kritik
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Erklärungsansätze der Optimalitätstheorie (OT) und des Minimalistischen Programms (MP) in Bezug auf die W-Bewegung in der Syntax. Ziel ist es, die unterschiedlichen theoretischen Mechanismen, wie die Merkmalüberprüfung im MP oder die Beschränkungshierarchien in der OT, auf ihre Leistungsfähigkeit bei der Analyse von W-Fragen in verschiedenen Sprachen zu prüfen.
- Grundlagen der Optimalitätstheorie und des Minimalistischen Programms
- Mechanismen der W-Bewegung und deren theoretische Modellierung
- Vergleich der Sprachdaten von W-Fragen (z. B. Englisch, Koreanisch, Romanische Sprachen)
- Analyse von Spezialfällen wie W-Subjekten und Mehrfachfragen
- Kritische Würdigung beider Ansätze hinsichtlich empirischer Evidenz und theoretischer Konsistenz
Auszug aus dem Buch
2.2 W – Bewegung anhand eines Beispiels
(1) What will they read? Was werden sie lesen?
(2) *They will read what? *Sie werden was lesen?
In dem Interrogativsatz (1) finden aufgrund der Beschränkungen folgende Bewegungen statt:
- OP-SPEC verlangt, dass der W-Operator in einer Spezifizierer-Position steht.
- Es wird also eine zusätzliche erweiterte Projektion benötigt (CP).
- OB-HD wird verletzt, da die CP keinen Kopf hat. Bewegung in Form von Subjekt-Auxiliar-Inversion wird ausgelöst. Das Auxiliar will wird in die C° - Position bewegt, um die OB-HD - Beschränkung zu erfüllen
- da diese Bewegungen stattfinden, somit die STAY-Beschränkung verletzten, muss diese also im Verhältnis zu OP-SPEC und OB-HD entsprechend niedriger gerankt sein, bzw. von diesen dominiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorüberlegungen: Einführung in die theoretischen Grundlagen der Optimalitätstheorie und des Minimalistischen Programms als Basis für die weitere syntaktische Untersuchung.
2. Die W – Bewegung in der OT: Detaillierte Analyse der W-Bewegung unter Anwendung optimalitätstheoretischer Beschränkungen und Ranking-Hierarchien.
3. W – Bewegung im MP: Untersuchung der W-Bewegung im Rahmen des Minimalistischen Programms, fokussiert auf merkmalsgetriebene Operationen.
4. Unterschiede zwischen OT und MP: Gegenüberstellung der beiden Ansätze zur Verdeutlichung ihrer unterschiedlichen Herangehensweisen an ökonomische Prinzipien und syntaktische Flexion.
5. Kritik: Kritische Reflexion der theoretischen Annahmen beider Modelle unter Berücksichtigung empirischer Lücken und offener Fragen.
Schlüsselwörter
W-Bewegung, Optimalitätstheorie, Minimalistisches Programm, Syntax, Beschränkungen, Ranking, Feature-Matching, Interrogativsatz, Universalgrammatik, Sprachvergleich, Subjekt-Auxiliar-Inversion, Operator, Basisposition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der syntaktischen Analyse der W-Bewegung und vergleicht dazu zwei einflussreiche linguistische Theorien: die Optimalitätstheorie und das Minimalistische Programm.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Modellierung von Fragesätzen, die Rolle syntaktischer Beschränkungen bzw. Merkmale sowie die Erklärung sprachlicher Variationen bei der W-Bewegung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der theoretische Vergleich beider Ansätze, um aufzuzeigen, wie sie jeweils die Bewegung von W-Elementen in verschiedenen Sprachen und Kontexten erklären und welche Vor- oder Nachteile sie bieten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine komparative theoretische Analyse durchgeführt, die primär auf der Anwendung bestehender syntaktischer Modelle (Grimshaw, Adger, Chomsky) auf spezifische Datensätze von Fragesätzen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der OT- und MP-Modelle sowie die Anwendung dieser Theorien auf Phänomene wie Echo-Fragen, W-in-situ, W-Subjekte und Mehrfachfragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie W-Bewegung, Beschränkungen (Constraints), Merkmalsüberprüfung, Optimalität und ökonomische Prinzipien der Syntax.
Wie erklärt die Optimalitätstheorie das Fehlen von Bewegung in manchen Sprachen?
Die OT erklärt dies durch ein sogenanntes re-ranking, bei dem die STAY-Beschränkung (die Bewegung verbietet) höher gerankt wird als die Beschränkungen, die eine Bewegung eigentlich fordern würden.
Was ist das Hauptproblem bei W-Subjekten in der Analyse von Grimshaw?
Grimshaw muss erklären, warum W-Subjekte die Bedingungen für einen Fragesatz erfüllen, ohne bewegt zu werden, was eine präzise Formulierung der OP-SPEC-Beschränkung erfordert.
Warum wird die Subjekt-Auxiliar-Inversion im Minimalistischen Programm kritisch hinterfragt?
Die Kritik besteht darin, dass das MP die Inversion oft nicht direkt mit der W-Bewegung verknüpft und offenlässt, warum das Auxiliar in bestimmten Kontexten zwingend bewegt werden muss.
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- Dana Knochenwefel (Author), 2009, W-Bewegung - Optimalitätstheorie und Minimalistisches Programm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126093