„Der Panther“ von Rainer Maria Rilke. Eine Interpretation


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehungsgeschichte des Werkes

3 Das Dinggedicht

4 Analyse
4.1 Thematik des Werkes
4.2 Die Symbolik des Panthers
4.3 Aufbau des Gedichts
4.4 Gedichtanalyse
4.5 Zeit und Raum

5 Interpretation

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Hauptgegenstand dieser Hausarbeit soll der berühmte “Panther” aus dem Pariser Jardin des Plantes darstellen. Dieses absolute Meisterstück der dichterischen Einfühlung ist in den Neuen Gedichten von Rainer Maria Rilke vorzufinden. Rilke löst in den Neuen Gedichten“in einer sehr eigenen Weise das Problem des Verhältnisses zwischen Innen und Außen”[1] und übt damit eine unglaubliche Faszination aus.

Das Werk passt in den zeitlichen Rahmen der Wiener Moderne um 1900 und schließlich ist auch Erich Maria Rilke ein bekannter Autor der Klassischen Moderne.

Da das Werk zur Gattung der Dinggedichte zählt, wird diese Form der Dichtung, neben dem Verhältnis Rilkes zu Auguste Rodin hier ein wenig näher erläutert.

Weiterhin findet natürlich eine umfangreiche Analyse und Interpretation des lyrischen Werkes statt. Angesichts der Verständnisschwierigkeiten, die R.M.Rilke als moderner Autor liefert, soll hier auch die sprachliche Form und deren Bedeutung, anhand dieses Werkes näher untersucht werden.

2 Entstehungsgeschichte des Werkes

Es besteht die Annahme das “Der Panther” am 5./6. 11.1902 in Paris entstand. Er zählt zum Gedichtzyklus der Neuen Gedichte, welche von 1903 bis 1907 in Paris und Meudon verfasst wurden und stellt dort das früheste Werk der 37 Gedichte dar. Mitte Dezember 1907 ließ R.M.R. im Insel-Verlag den Lyrikband erscheinen, doch der Titel des Buches rührt nicht von Rilke selbst, sondern von seinem Verleger Anton Kippenberg. Laut Briefäußerungen hat Rilke die Zusammenstellung seiner Gedichte selbst vorgenommen, somit stellt dieser Lyrikband ein Werk mit innerer Ordnung dar. “Zwar war diese Lyrik ursprünglich als eine Reihe einzelner und völlig selbstständiger Gedichte entstanden, doch hat sich durch die vom Dichter unternommene Zusammenstellung ein zusammenhängendes Gefüge gebildet, das dem Band einen in sich geschlossenen Charakter verleiht.”[2]

1902/03 hielt sich Rilke in Paris auf, um eine Monographie über Auguste Rodin zu verfassen, später fungierte er auch als sein Sekretär. Er wurde zu einem großen Bewunderer Rodins und seiner Arbeit, dieser nahm eine lehrende Vorbildfunktion für ihn ein. Der Kontakt zu ihm bewirkte, dass “Rilke eine entscheidende Distanz zu sich selbst gewann und sein Schaffen in völlig neuem Licht sah. [...] Des öfteren betonte Rilke, Rodin habe ihn ‘sehen’, das heißt auf andere, objektivere Weise wahrnehmen gelehrt.”[3]

“Der Panther” zählt neben dem “Abendmahl” sogar zu Rilkes Lieblingsgedichten[4], er stellt das Ergebnis einer strengen und guten Schulung dar. Es sei keineswegs eine spontane

Schöpfung gewesen, wie sie ihm bisher eigen war, sondern “Arbeit”, gleich der eines Malers oder Bildhauers, “unerbittlich begreifend und nachbildend.”[5]

“Kurz nachdem Rodin den jungen Rilke kenngelernt hatte, gab er ihm den Rat, in den Pariser Zoo zu gehen, um erst einmal richtig sehen zu lernen.” Folglich verbrachte der

tierliebe Dichter in den nächsten Jahren viel Zeit im Jardin des Plantes. “Eines der ersten Resultate dieses Anschauungsunterrichts ist ein Gedicht, das im September 1903 in der Prager kulturellen Monatsschrift Deutsche Arbeit gedruckt wird: Der Panther.”[6]

Ein weiterer Entstehungsgrund dieses Werkes, war eine kleine antike Tigerfigur, von der Rodin einen Gipsabdruck besaß, an ihr fand Rilke den “Ausdruck des schleichenden Schreitens bis zum Höchsten gesteigert, das gewaltige Niederschlagen der breiten Tatzen und zugleich diese Vorsicht, in die alle Kraft eingehüllt ist.”[7]

Dieses Werk zählt zu Rilkes mittlerer Schaffensperiode und “während alle übrigen Gedichte der Jahre 1902 und 1903 stilistisch noch der Phase vor dem Rodin-Erlebnis zuzuordnen sind,

kann der Panther als Rilkes erster Versuch gelten, mit den Mitteln des Dichters ein ‘Ding’ zu ‘machen’.”[8]

3 Das Dinggedicht

Rilke wurde von Auguste Rodin und seiner Kunst angeregt Dinggedichte zu schreiben, dies wären beispielsweise neben dem “Panther” - “Das Karusell”, “Der Ball”oder “Die Gazelle”. Rilkes Neue Gedichte, “bedeuten den Versuch uneingeschränkter voller Dingdichtung.”[9]

Das Dinggedicht ist ein Gedichttyp, welcher seit Mitte des 19 Jahrhunderts bis in’s 20 Jahrhundert sehr ausgeprägt ist. Im Zentrum eines Dinggedichts steht ein Ding, ein Gegenstand, ein Objekt oder auch ein Lebewesen, sowie seine Wahrnehmung, Erfahrung, Deutung und Wertung, doch das beschriebene Subjekt wird distanziert oder objektiviert erfasst. Solche “Dinge” sind meist Gebrauchsgegenstände des Alltags oder Kunstwerke. “Insofern ist das Dinggedicht als Kunstwerk selbst ein Ding, das in einem komplexen Bezugsverhältnis zu dem Ding steht, das es darstellt.”[10] Es wird dabei vor allem das Innere und das Wesen des Gegenstandes zum Ausdruck gebracht, dass Ich des Gedichts tritt hierbei in den Hintergrund, während gleichzeitig versucht wird eine Sache symbolisch auszudeuten.

4 Analyse

4.1 Thematik des Werkes

“Der Panther” wird häufig als eine symbolische Darstellung menschlicher Existenz gelesen. Stellt er nun den Gefangenen oder das symbolhafte vitale Leben dar? Rilke führt hier nicht bloß eine Beschreibung des Tieres durch, sondern er bringt dessen Befindlichkeit als gefangenes Wesen zum Ausdruck. In diesem Werk manifestiert sich eine besondere Dimension des Sehens und das Motiv der Isolation. Das vorliegende Gedicht verschönt nicht die Gefangenschaft des Tieres, sondern vermittelt einen sinnlich-subjektiven Eindruck, die Gefühle des Panthers werden aus der Sicht des Beobachters vor dem Käfig dargestellt.

Rilke “ist der erste deutschsprachige Lyriker, der dem Blick der Tiere mehr als nur flüchtige Aufmerksamkeit schenkt. Beinahe alle seine Tiere sind Augentiere. [...] Oft sind diese Tiere, zumal in den Neuen Gedichten, in eine zwar menschennahe, aber eingezäunte Umgebung versetzt.”[11] Doch trotz dessen, verlieren sie nichts von ihrer Fremdartigkeit, sie besitzen etwas “in sich Ruhendes.” Für Rilke beglaubigen die Tiere “seine Vorstellung von den Dingen; sie sind für ihn ausgezeichnete Dinge (auch wenn er sie nicht so nennt).”[12]

“So schildert Rilkes Gedicht nicht nur einen Panther, sondern das gefährdete und gefangene Tier schlechthin und somit auch eine Phase in der Geschichte des Zoologischen Gartens, ja der Beziehung des Menschen zum Tier.”[13]

4.2 Die Symbolik des Panthers

Der Panther gilt als Symbol der heidnischen Kulte, für die der Dionysoskult der repräsentativste war. Er gehört somit nicht nur zum Gefolge des Rauschgottes Dionysos, sondern auch zu der Liebesgöttin Aphrodite und der Zauberin Kirke. Laut Elementen der antiken Zeugnisse, lechzt er nach Wein und benötigt Menschenkot um sich vor einer Vergiftung mit Eisenhut zu schützen.[14]

In der Romantik, stellt er ein positives Symboltier dar, welches dass Leben oder auch das Lebendig-Fruchtbare überhaupt verkörpert. Außerdem ist er laut dem Physiologusbericht ein Christussymbol. Dieser besagt, dass der Panther nach der Sättigung drei Tage in seiner Höhle schläft, am dritten Tag erwacht, anschließend einen triumphierenden Schrei ausstößt und damit einen auffallenden Wohlgeruch verbreitet. Dies deutet auf Christi Tod und Auferstehung hin, folglich ist der Panther auch ein Symboltier Christi.[15]

4.3 Aufbau des Gedichts

“Der Panther” besteht aus drei scheinbar kühlen, knappen und makellosen Strophen mit jeweils vier Versen und ist den Sonetten der Neuen Gedichte strukturell verwandt. Nach den ersten beiden Quartetten erscheint hier ein starker Einschnitt, genau wie bei dem Sonett. Die dritte Strophe wird deutlich abgesetzt und man kann den Vierzeiler als ein zusammengezogenes Sextett ansehen.

“Dem Gedicht scheint eine Prosaskizze vorausgegangen zu sein, was ein seltenes Phänomen für die Arbeitsweise Rilkes darstellte. Elemente der Skizze finden sich in dem Gedicht, doch der Sprung zum Gedicht kündigt Meisterschaft an.”[16]

Es herrscht eine alternierende Silbenanzahl pro Vers (10 und 11 Silben), die Ausnahme bildet lediglich der letzte Vers, welcher bloß 8 Silben besitzt. Das Reimschema beim “Panther” bildet in allen Strophen der Kreuzreim, weiterhin findet eine vielfache Wiederholung von Klangelementen statt und es ist ein fünfhebiger Jambus vorzufinden.

Zur inneren Gliederung lässt sich sagen, dass das Gedicht ein geometrisches Bewegungsmuster besitzt, es wird darin eine Kreisbewegung wahrgenommen. Sie “kann als paradigmatische Verkörperung jener ‘geschlossenen’ Bewegung gelten, die Rilke in den Rodin-Texten als Kennzeichen des ‘Dinges’ hervorgehoben hat. Sie verbindet Bewegung innerhalb des ‘Dinges’ mit der Ruhe des ‘Dings’ nach außen hin, weil die Bewegung in sich selbst zurückkehrt und sich auf diese Weise selbst aufhebt.”[17]

4.4 Gedichtanalyse

Die erste Strophe beginnt mit dem “Blick” des Panthers, diese Augen-Metapher lässt sich auch in anderen Werken der Neuen Gedichte vorfinden, sie bezeichnet die Beziehung zur

Außenwelt. Weiterhin wird die unüberwindbare Grenze durch die Stäbe des Käfigs markiert: “Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe/ und hinter tausend Stäben keine Welt.” Durch diese Wort- und Lautwiederholung (vor allem Ü- und Ä-Laute), wie bei “Stäbe” wird die scheinbar gleichförmige Art der Wahrnehmung und die innere trostlose Situation des Panthers verdeutlicht. Der erste Vierzeiler beschreibt somit den müden Blick, dass Tier kann keinen Kontakt mit der Welt herstellen: “hinter tausend Stäben keine Welt.” Das sprachliche Bild in form einer Hyperbel bei “tausend Stäbe” ist sehr auffällig, ein Käfig hat üblicherweise bloß einige “Stäbe”, doch an dieser Stelle sind es “tausend”, was eine Dramatisierung der gefangenen Situation des Panthers bewirkt und die Monotonie aufzeigt, in welche er gefallen ist.

In der zweiten Strophe wird die Bewegungsform des Panthers beschrieben: “Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte”, hier ist vor allem der Gegensatz der Adjektive “weich” und “stark” auffällig. Er dreht sich im “allerkleinsten Kreise,” dies ist sehr untypisch für gefangene Raubtiere, normalerweise bewegen sie sich direkt am Rande des Gitters entlang. Es ist wie ein “Tanz von Kraft um eine Mitte,” dass Adjektiv vom vorhergehenden Vers “geschmeidig,” zeigt uns die grazile Form der Bewegung, welche an einen “Tanz” erinnert, was durch den aufgeführten “Wie-Vergleich” deutlich wird, trotz und wegen seiner inneren “Kraft” und “starker Schritte.”

[...]


[1] Wolfgang Müller: Rainer Maria Rilkes “Neue Gedichte”. Vielfältigkeit eines Gedichttypus.

Meisenheim am Glan: Hain 1971. S. 13.

[2] Brigitte L. Bradley: R. M. Rilkes Neue Gedichte. Ihr zyklisches Gefüge. Bern und München:

Francke 1967. S. 5.

[3] Ebd., S.7-8.

[2] Ralph Freedman: Rainer Maria Rilke. Der junge Dichter 1875 bis 1906. Frankfurt am Main und Leipzig:

Insel 2001. S. 329.

[5] Horst Nalewski: Rainer Maria Rilke. Werke. Leipzig: Insel 1978. S. 31.

[6] Wolfgang Leppmann: Rilke. Sein Leben, seine Welt, sein Werk. 2. Auflage. Bern und München:

Scherz 1993. S. 257.

[7] Manfred Engel, Ulrich Fülleborn: Rainer Maria Rilke. GEDICHTE 1895 bis 1910. Band 1. Frankfurt am

Main und Leipzig: Insel. 1996. S. 933-943.

[8] Michael Kahl: Lebensphilosophie und Ästhetik. Zu Rilkes Werk 1902-1910. Freiburg im Breisgau: Rombach

1999. S. 93.

[9] Klaus Weimar: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. 3. Auflage. Berlin [u.a.]: de Gruyter 1997.

S. 268.

[10] Uwe Spörl: Basislexikon Literaturwissenschaft. 2. Auflage. Paderborn [u.a.]: Schöningh 2006. S. 179.

[11] Hans Richard Brittnacher: Poetik der Krise. Rilkes Rettung der Dinge in den “Weltinnenraum”.

Würzburg: Könighausen & Neumann 2000. S. 125.

[12] Ebd., S.127.

[13] Wolfgang Leppmann: Rilke. Sein Leben, seine Welt, sein Werk. 2. Auflage. Bern und München:

Scherz 1993. S. 259.

[14] Hans Biedermann: Knaurs Lexikon der Symbole. München: Droemer Knaur 1989. S. 321.

[15] Gerd-Heinz Mohr: Lexikon der Symbole. Bilder und Zeichen der christlichen Kunst. 6. Auflage.

Freiburg im Breisgau [u.a.]: Herder 1991. S. 248.

[16] Horst Nalewski: Rainer Maria Rilke. Werke. Leipzig: Insel 1978. S. 31.

[17] Wolfgang Müller: Rainer Maria Rilkes “Neue Gedichte”. Vielfältigkeit eines Gedichttypus. Meisenheim am

Glan: Hain 1971. S. 94-95.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
„Der Panther“ von Rainer Maria Rilke. Eine Interpretation
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Hofmannsthal und die Wiener Moderne
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V126096
ISBN (eBook)
9783640314874
ISBN (Buch)
9783640318346
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Panther“, Rilke, Interpretation
Arbeit zitieren
Rebecca Tille (Autor), 2007, „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke. Eine Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126096

Kommentare

  • Johanna Brockelt am 4.5.2010

    Für eine Hausarbeit - besser: für eine Germanistik-Hausarbeit ZU viele Fehler, egal ob auf Kommasetzung, Ausdruck oder Rechschreibung bezogen!
    Inhaltlich auch eher mau....ich persönlich finde, dass Geld war es leider nicht wert...sorry

  • Johanna Brockelt am 4.5.2010

    "dass" ohne zweites s natürlich :-)

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