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Die ökonomische Begründung von Migration

Title: Die ökonomische Begründung von Migration

Seminar Paper , 2002 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Joachim Mathe (Author)

Business economics - Economic Policy
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Summary Excerpt Details

Ökonomisch motivierte Migrationsströme gibt es nicht erst seit der Neuzeit, vielmehr sind sie
wohl so alt wie die Menschheit selber. Man betrachte nur nomadisierende Jäger und Sammler
oder aber die Wanderung ganzer Stämme auf der Suche nach neuen und ergiebigeren Weidegebieten.
In der Vergangenheit haben internationale Wanderungen von Arbeitskräften schon immer eine
bedeutende Rolle für die soziale und ökonomische Entwicklung vieler Staaten gespielt. Doch mit
dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa und mit dem dadurch geschaffenen Ost-West-
Migrationspotential hat die Migrationstheorie einen enormen Aufschwung erfahren. Die Integration
der mittel- und osteuropäischen Staaten in die Europäische Union (EU) ist die größte Aufgabe,
die die Gemeinschaft seit ihrer Gründung zu bewältigen hat. Bereits 1994 haben Polen und
Ungarn Anträge auf den Beitritt in die EU gestellt. Inzwischen haben acht weitere mittel- und osteuropäische
Länder die EU-Mitgliedschaft beantragt: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien,
Slowakei, Slowenien und Tschechien. Verhandlungen finden zunächst aber erst mit fünf
Staaten statt, nämlich mit Estland, Polen, Slowenien, Tschechien und Ungarn.
Die wirtschaftliche Integration dieser Länder in die EU wirft für beide Seiten eine Reihe von Fragen
auf. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Migration von Ost nach West bei Arbeitnehmerfreizügigkeit.
„Warum wandern Menschen?“ wird damit im Rahmen der EU-Osterweiterung zu
einer zentralen Fragestellung. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Migration als Folge der
Arbeitnehmerfreizügigkeit auf ökonomische Weise zu begründen.
Die Antwort auf die Beurteilung von Migrationsursachen kann nicht mit den gleichen Methoden
erfolgen, wie dies bei der Schätzung der Wanderungspotentiale erfolgt. Migrationsursachen sind
bislang vor allem in theoretischen Modellen erforscht worden. Auf der empirischen Basis sind
Migrationsmotive jedoch weitestgehend unerforscht. Man kann daher durchaus von einem Black
Hole sprechen. Dies ist zum einen zurückzuführen auf die schwache Qualität von Zeitreihenbeobachtungen
und zum anderen auf den Mangel an qualitativem mikroökonomischem Datenmate rial.
Die zeitgenössischen Wanderungsströme sind durch eine Kombination verschiedener Ursachen
gekennzeichnet. Einzelne Motive können nur im theoretischen Modell isoliert werden. In der Realität
wird selten eine Ursache allein die Migrationsentscheidung bestimmen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

1.1 Zur Migrationstheorie

1.2 Begriff und Abgrenzung von Migration

1.3 Aufbau der Arbeit

2 Ursachen aus makrotheoretischer Sicht

2.1 Reine Außenhandelstheorie

2.1.1 Substitutives Verhältnis von Güter- und Faktorbewegungen

2.1.2 Theorie der komparativen Kosten: Ricardo-Modell

2.1.3 Faktorproportionentheorie: Heckscher-Ohlin-Modell

2.2 Erweiterung der Außenhandelstheorie

2.3 Moderne Außenwirtschaftstheorie

2.3.1 Monopolistic Competition-Modelle

2.3.2 Specific Factor-Modelle

2.3.3 Simultane Arbeits- und Kapitalwanderung

2.3.4 Folgerungen

2.4 Einkommensunterschiede

2.4.1 Determinante für Migrationsentscheidungen

2.4.2 Gegenwärtiges Einkommensgefälle

2.4.3 Relative Ausstattung mit Faktor Arbeit

2.4.4 Ausstattung mit Humankapital

2.5 Migrationsnachfrage

2.6 Migrationstypologien

3 Die Migrationsentscheidung aus mikrotheoretischer Sicht

3.1 Klassische Migrationstheorie

3.1.1 Gravitationsmodelle

3.1.2 Push-Pull-Modelle

3.2 Human-Kapital-Modelle

3.2.1 Nutzenkalkül des Human-Kapital-Modells

3.2.2 Elemente des Nutzenkalküls

3.2.3 Altersstruktur der Einwanderer

3.2.4 Investitionskalkül für das individuelle Humankapital

3.2.5 Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit

3.3 Moderne ökonomische Migrationstheorie

3.3.1 Modernisierungs- versus Dependenztheorien

3.3.2 Migranten-Netzwerke und Wanderungssysteme

3.3.3 Risikostreuungsstrategie

3.3.4 Kohorteneffekt

3.4 Transaktions- und soziale Anpassungskosten

3.5 Analyse der Immobilität

3.5.1 Aspekt der relativen Verelendung

3.5.2 Optionswert der Migration

4 Ausblick

5 Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, internationale Migrationsbewegungen, insbesondere im Kontext der EU-Osterweiterung, aus einer ökonomischen Perspektive zu begründen und die zugrunde liegenden Entscheidungskalküle der Individuen zu analysieren.

  • Analyse der makrotheoretischen Migrationsursachen
  • Untersuchung mikrotheoretischer Entscheidungsmodelle der Migration
  • Bewertung von Humankapitalansätzen als Investitionsentscheidung
  • Diskussion von Migranten-Netzwerken und sozioökonomischen Anpassungskosten
  • Analyse der Gründe für internationale Immobilität

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Push-Pull-Modelle

Aufbauend auf dem ökonomischen Rationalismus, der davon ausgeht, dass Migranten bestrebt sind, ihre ökonomische Situation zu verbessern, teilt das Push-Pull-Modell die Ursachen für Migration in zwei Bereiche auf:

1. Faktoren für Vertreibung ⇨ Push-Faktoren

2. Faktoren für Anziehung ⇐ Pull-Faktoren

Als erstes schrieb diesen Gedanken Everett S. Lee in seinem Beitrag „Theory of Migration“ von 1966 nieder. Dieser besteht zum einen in dem Versuch einer Verdeutlichung der theoretischen Grundlagen des Push-Pull-Modells und zum anderen in einigen über Ravenstein hinausgehenden Ergebnissen, zu denen er auf dieser Basis gelangt. Das Entscheidungskalkül, auf dem dieses Modell beruht, wird auch bei ihm nicht näher konkretisiert (vgl. Huess 1987: 21). Wie Ravenstein beginnt auch er direkt bei den Daten des Kalküls:

Demzufolge existieren in jeder Region verschiedene Faktoren (+), die ihren Bewohnern den Aufenthalt angenehm machen und sie für Fremde attraktiv erscheinen lassen. Daneben gibt es solche, denen man indifferent gegenüber steht (o) und andere, die abstoßen (-). Nur eine Teilmenge dieser Faktoren betrifft jedoch alle gleichermaßen. Andere Faktoren können sich als (+), (o) oder (-) für verschiedene Individuen darstellen (Personal factors).

Eine Person wird dabei emigrieren, wenn ein Vergleich beider Regionen ergibt, dass die Zielregion insgesamt eine attraktivere Faktorkonstellation aufweist. Die anziehenden, wanderungsauslösenden Anreize zugunsten des Auslands müssen umso größer sein, je stärker die individuellen wanderungshemmenden sozialen Bindungen an die Heimatregion sind. In Aufnahme- wie Ursprungsländern spielt dabei eine Vielzahl von Faktoren - sozioökonomische, politische, ökologische und kulturelle - eine Rolle (Braun/Topan 1998: 14). Dabei wird vorausgesetzt, dass keine unüberwindlichen Hindernisse existieren (Intervening Obstacles) (vgl. Huess 1987: 22f).

Push-Faktoren, die Menschen dazu bewegen, ihre Heimat zu verlassen, sind Bedingungen im Herkunftsland, die als unerträglich empfunden werden. Pull-Faktoren existieren dagegen in den Zielländern, wenn sie etwas anbieten – Arbeit, Wohlstand, Freiheitsrechte oder Abwesenheit von sozialem und politischem Zwang – was auf mögliche Migranten anziehend wirkt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Diese Einleitung skizziert die historische und aktuelle Relevanz von Migrationsströmen, insbesondere im Kontext der EU-Osterweiterung, und definiert den methodischen Fokus der Arbeit.

2 Ursachen aus makrotheoretischer Sicht: Dieses Kapitel betrachtet Migration durch die Linse der Außenhandelstheorie und analysiert, wie Lohnunterschiede und Faktorausstattungen grenzüberschreitende Mobilität beeinflussen.

3 Die Migrationsentscheidung aus mikrotheoretischer Sicht: Hier stehen die individuellen Entscheidungsmodelle im Mittelpunkt, wobei insbesondere das Humankapital-Kalkül und die Faktoren der Entscheidung unter Unsicherheit untersucht werden.

4 Ausblick: Der Ausblick identifiziert die Notwendigkeit, künftig stärker interdisziplinäre und verhaltensorientierte Ansätze in die ökonomische Migrationsforschung zu integrieren.

5 Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass trotz ökonomischer Anreize eine hohe internationale Immobilität besteht und Migration im europäischen Kontext zukünftig eher als notwendige Ergänzung des Arbeitsmarktes gesehen werden muss.

Schlüsselwörter

Migration, EU-Osterweiterung, Humankapital, Außenhandelstheorie, Push-Faktoren, Pull-Faktoren, Migrationsentscheidung, Arbeitskräftemobilität, Lohngefälle, Migranten-Netzwerke, Transaktionskosten, Immobilität, Risikostreuung, Arbeitnehmerfreizügigkeit, ökonomische Migrationstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ökonomischen Beweggründe und theoretischen Grundlagen für internationale Migration, mit einem besonderen Fokus auf die Auswirkungen der EU-Osterweiterung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die makroökonomischen Ursachen von Wanderungen, die mikroökonomische Migrationsentscheidung aus Investitionssicht sowie die Rolle von sozialen Netzwerken und Hemmnissen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Migration als Folge der Arbeitnehmerfreizügigkeit im europäischen Integrationsprozess auf eine fundierte ökonomische Weise zu begründen und theoretisch einzuordnen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt einen modelltheoretischen Ansatz, der verschiedene ökonomische Theorien – von der traditionellen Außenhandelstheorie bis hin zu modernen Humankapital- und Migrationsmodellen – zusammenführt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine makrotheoretische Analyse der Lohn- und Faktordifferenzen sowie eine mikrotheoretische Betrachtung, die rationale Nutzen- und Investitionskalküle von Individuen in den Fokus rückt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Humankapital, Push- und Pull-Faktoren, Migrationsentscheidung, Lohngefälle und ökonomische Integration charakterisiert.

Warum wandern trotz großer Lohnunterschiede nur wenige Menschen?

Die Arbeit führt dies auf die Relevanz standortspezifischer Immobilitätsvorteile zurück; die Kosten des Verlassens des vertrauten sozialen und kulturellen Umfelds übersteigen oft die potenziellen ökonomischen Gewinne.

Welche Rolle spielt der sogenannte "Optionswert" der Migration?

Der Optionswert beschreibt, dass es für potenzielle Migranten rational sein kann, die Entscheidung zur Wanderung hinauszuzögern, um in dieser Wartezeit Informationen zu gewinnen und das Risiko einer Fehlentscheidung zu minimieren.

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Details

Title
Die ökonomische Begründung von Migration
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt  (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpolitik)
Course
Seminar: EU-Osterweiterung
Grade
1,3
Author
Joachim Mathe (Author)
Publication Year
2002
Pages
21
Catalog Number
V12611
ISBN (eBook)
9783638184526
Language
German
Tags
Begründung Migration Wanderung Außenhandel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Joachim Mathe (Author), 2002, Die ökonomische Begründung von Migration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12611
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