Mündliches Argumentieren im Schulunterricht


Hausarbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Amtliche Regelungen

3 Mündliches Argumentieren im Unterricht
3.1 Argumentieren in Schulbüchern
3.2 Formen des mündlichen Argumentierens
3.3 Argumentieren als Rollenspiel
3.4 Häufiges Schülerverhalten

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Forschungsliteratur

6 Anhang: Beispiele für Argumentationstechniken

Mündliches Argumentieren im Schulunterricht

1 Einleitung

In fast allen Bereichen unserer Gesellschaft wird argumentiert: In der Politik, im Beruf, in der Wissenschaft, im Privaten.1 „Ohne die ausreichende Fähigkeit zur Argumentation, die ein ausgewogenes Verhältnis darstellt zwischen Selbst-behauptung und Kompromissfähigkeit, bzw. der Bereitschaft, sich durch die Kraft des besseren Arguments überzeugen zu lassen, ist in der demokratischen Gesellschaftsform kein selbstbestimmtes Lebenskonzept denkbar.“2 Da diese Fähigkeit nicht angeboren ist, muss sie vermittelt und geübt werden,3 wozu naturgemäß der Deutschunterricht in der Schule am besten geeignet ist. Im Folgenden wird für das Bundesland Niedersachsen untersucht, inwiefern das Argumentieren in den Regelungen zum Deutschunterricht aufgeführt ist und wie es in der Schule stattfinden könnte. Anschließend wird im Anhang mit Hilfe einer konstruierten, vereinfachten, mündlichen Argumentationssituation ein Ein-blick in die Vielfalt der Argumentationstechniken gegeben.

2 Amtliche Regelungen

Die Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulabschluss und den Hautschulabschluss beinhalten die beiden Kompetenzbereiche Sprechen und Zuhören und Sprache und Sprachgebrauch untersuchen.4 In ihnen werden

grundlegende Sprachkompetenzen aufgeführt,5 die für eine gelungene Kom-munikation notwendig und somit für das Argumentieren eine wesentliche Voraussetzung sind. Das Argumentieren selbst wird auch erwähnt, wobei die Gestaltung freier Redesituationen nur von den Standards für den Mittleren Schulabschluss verlangt wird.6 Die Kerncurricula Niedersachsens hingegen stellen die Argumentationskompetenz besonders heraus.7 Hauptschüler8 sollen nach dem achten Schuljahrgang Argumente kennen, diese nach dem neunten selbstständig anwenden können und nach dem zehnten imstande sein, ergebnisorientiert zu argumentieren.9 Realschüler sollen Argumente bereits nach dem sechsten Schuljahrgang kennen, nach dem achten selbst argumen-tieren können und nach dem zehnten in der Lage sein, eine komplette Argumentation selbstständig zu bestreiten.10

3 Mündliches Argumentieren im Unterricht

3.1 Argumentieren in Schulbüchern

Argumentieren wird in den meisten Schulfächern als Methode genutzt; im Fach Deutsch ist es aber auch verstärkt Lehrinhalt.11 Im Jahr 2005 wurde für aktuelle Schulbücher herausgefunden, dass Argumentieren nicht als zentrales Thema,

sondern nur als nebenbei erwerbbare Kompetenz behandelt wird.12 Es lediglich als Verfahrenstechnik anzusehen führt jedoch zu einer „unsachgemäßen Reduktion des Gegenstandes Argumentieren“13. Denn für ein Argument ist nicht nur entscheidend, mit Hilfe eines bestimmten Vorgangs von einer Prämisse zu einer Konklusion zu gelangen. Zum Überzeugen anderer ist ausschlaggebend, wie, in wessen Gegenwart und in welcher Situation die Schlussfolgerung gezo-gen wird.14 Dieser differenzierte Akt des Schlussfolgerns ist eben nicht formaler Natur und leicht zu erlernen. Es bedarf einer intensiveren Widmung, die die Argumentation nicht als Arbeitstechnik, sondern als zu erlernenden Gegenstand begreift. Einen Mangel, den Lehrer mangels verbreiteter Lehrbücher derzeit meistens selbst erkennen und entsprechend reagieren müssen.

3.2 Formen des mündlichen Argumentierens

In Bezug auf mündliches Argumentieren sind Schüler stark durch das Fern-sehen geprägt:

- pointierte Podiumtalks zur Unterhaltung durch Selbstdarstellung
- Talkrunden zur Information und Meinungsbildung
- parlamentarische Debatten zwecks öffentlicher Parteipositionierung
- konsensorientierte Wissenschaftsdiskurse auf der Suche nach Wahrheit

Deshalb ist es notwendig, diese Argumentationsformen voneinander abzugren-zen, die Unterschiedlichkeit ihrer Gesetzmäßigkeiten und Ziele zu verdeutlichen sowie zu klären, was Argumentationen im Wesentlichen ausmacht (Gesprächs-regeln und Kommunikationsmuster, Sachkenntnis über das Gesprächsthema, Sprachwissen über Argumentation, Argumentationsmuster, Topoi, Grenzen der

Argumentation, unzulässige Argumentationsweisen, Scheinschlüsse und das Wissen, wie man mit alldem umgeht)15. Das Argumentieren selbst wird am besten durch sein Praktizieren erlernt,16 wobei zu vermitteln ist, dass das Ziel in der Argumentation liegt und nicht darin, ein Ergebnis zu formulieren oder alle zu überzeugen.

Um das im Unterricht zu üben, erfreut sich das Jugend debattiert -Projekt großer Beliebtheit,17 bei dem durch konträre Teilnehmergruppen eine Argumen-tation jedoch auf eigene Positionsbehauptung und das Überzeugen der Gegen-gruppe reduziert wird: Zwei Teilnehmer, die etwas verändern möchten, haben jeweils zwei Minuten Zeit, ein Thema aus ihrer Sicht vorzustellen. Danach stel-len zwei weitere Teilnehmer auch in jeweils zwei Minuten eine Gegenposition zum gleichen Thema auf. Alle vier Personen hatten Zeit sich auf die Debatte vorzubereiten. Anschließend erfolgt unter ihnen eine zwölfminütige Aussprache. An diese schließt sich für jeden Teilnehmer eine einminütige Schlusserklärung an. Einen Gesprächsleiter gibt es nicht.18

Damit die Diskussion nicht ins Stocken gerät, sollte immer der letzte Redner verpflichtet sein, die Übung durch geschickte Fragen oder Kommentare fortzusetzen. Ohne die Lehrperson als Regulativ, die zugunsten des Argumen-tationsvorgangs auch die Korrektur sprachlich-grammatischer Fehler unterlas-sen sollte,19 ist es wichtig, dass die Schüler die elementaren Gesprächsregeln bereits verinnerlich haben. Ist das noch nicht bei allen geschehen, ergibt sich

dadurch andererseits die Möglichkeit, die Sinnlosigkeit von Fehlverhalten für Überzeugungsversuche zu verdeutlichen. Ein sich komplett zurückhaltender Lehrer ist allerdings nicht sinnvoll. Er sollte Schüleräußerungen metasprachlich kommentieren, um den Kindern „den jeweiligen argumentativen Status ihrer Tuns“ bewusst zu machen. Für eine spätere Analyse und aufgrund der gerin-gen Merkfähigkeit in Bezug auf das gesprochene Wort, ist das Anfertigen und Auswerten von Aufnahmen indiziert.

[...]


1 Vergleiche Elke Grundler und Rüdiger Vogt: Einleitung. In: Argumentieren in Schule und Hochschule. Interdisziplinäre Studien. Herausgegeben von Elke Grundler und Rüdiger Vogt. Tübingen: Stauffenburg Verlag Brigitte Narr GmbH (=Stauffenburg Linguistik Band 42) 2006. Seiten 7 bis 9. Seite 7.

2 Siehe ebenda.

3 Vergleiche Gaby Debye-Göckler: Debattieren. In: Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. Herausgegeben von Marita Pabst-Weinschenk. München: Ernst Rein-hardt, GmbH & Co KG, Verlag 2004. Seiten 133 bis 143. Seite 138.

4 Vergleiche Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Hauptschulabschluss. Beschluss vom 15.10.2004. Herausgegeben vom Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. München: Wolters Kluwer Deutschland GmbH 2005. Seiten 8 bis 10. Beschlüsse der Kul-tusministerkonferenz. Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulabschluss. Beschluss vom 4.12.2003. Herausgegeben vom Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. München: Wolters Kluwer Deutschland GmbH 2004. Seiten 8 bis 9.

5 Vergleiche Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Hauptschulabschluss. Seiten 10 bis 11. Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Bil-dungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulabschluss. Seiten 10 und 15 bis 16.

6 Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mitt-leren Schulabschluss. Seite 10.

7 Vergleiche Kerncurriculum für die Hauptschule. Schuljahrgänge 5 - 10. Deutsch. Herausge-geben vom Niedersächsischen Kultusministerium. Hannover: Niedersächsisches Kultusmi-nisterium 2006. Seite 7. Kerncurriculum für die Realschule. Schuljahrgänge 5 - 10. Deutsch. Herausgegeben vom Niedersächsischen Kultusministerium. Hannover: Niedersächsisches Kultusministerium 2006. Seite 7.

8 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird ausschließlich die männliche Form benutzt; da-bei können sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint sein.

9 Vergleiche Kerncurriculum für die Hauptschule. Seiten 15, 17, 18, 24, 27 und 29.

10 Vergleiche Kerncurriculum für die Realschule. Seiten 12, 13, 15, 16, 17, 22, 25, 27 und 48.

11 Vergleiche Elke Grundler: Zur Rolle des Engagements in Schülerdiskussionen. In: Argumen-tieren in Schule und Hochschule. Interdisziplinäre Studien. Herausgegeben von Elke Grund-ler und Rüdiger Vogt. Tübingen: Stauffenburg Verlag Brigitte Narr GmbH (=Stauffenburg Lin-guistik Band 42) 2006. Seiten 77 bis 95. Seite 77.

12 Vergleiche Iris Winkler: Argumentierendes Schreiben im Deutschunterricht im Spiegel von Aufgaben für Lern- und Leistungssituationen. In: Argumentieren in Schule und Hochschule. Interdisziplinäre Studien. Herausgegeben von Elke Grundler und Rüdiger Vogt. Tübingen: Stauffenburg Verlag Brigitte Narr GmbH (=Stauffenburg Linguistik Band 42) 2006. Seiten 157 bis 166. Seiten 158 bis 162.

13 Siehe ebenda. Seite 159.

14 Vergleiche Stephen Edelston Toulmin: The uses of argument. Reprint 1988. Cambridge: Cambridge University Press 1988. Seiten 36 bis 38.

15 Vergleiche Carmen Spiegel: Argumentieren lernen im Unterricht – ein funktional-didaktischer Ansatz. In: Argumentieren in Schule und Hochschule. Interdisziplinäre Studien. Herausgege-ben von Elke Grundler und Rüdiger Vogt. Tübingen: Stauffenburg Verlag Brigitte Narr GmbH (=Stauffenburg Linguistik Band 42) 2006. Seiten 63 bis 76. Seite 73.

16 Vergleiche Geert-Lueke Lueken: Fördert Formale Logik argumentative Kompetenz? Über Sinn und Unsinn von Logik-Kursen. In: Argumentieren in Schule und Hochschule. Interdiszi-plinäre Studien. Herausgegeben von Elke Grundler und Rüdiger Vogt. Tübingen: Stauffen-burg Verlag Brigitte Narr GmbH (=Stauffenburg Linguistik Band 42) 2006. Seiten 97 bis 105. Seite 104

17 Vergleiche Gaby Debye-Göckler. Seite 138.

18 Vergleiche ebenda. Seite 139.

19 Vergleiche Thomas Kopfermann: Rhetorik – ein Spiel? Praktische Rhetorik in der Lehreraus-bildung und -fortbildung. In: Rhetorik in der Schule. Herausgegeben von Andrea Merger. Tü-bingen: Max Niemeyer Verlag GmbH (Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch. Band 17. Her-ausgegeben von Joachim Dyck, Walter Jens und Gert Ueding) 1998. Seiten 54 bis 71. Seite 66.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Mündliches Argumentieren im Schulunterricht
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V126124
ISBN (eBook)
9783640315079
ISBN (Buch)
9783640318490
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mündlich, Argument, Argumentieren, Diskutieren, argumentiert, Debatte, Debattieren, debattiert, Diskussion, diskutiert, Schule, Unterricht, Jugend, Jugendliche, Schüler, Schülerin, Kerncurriculum, Kerncurricula, Curriculum, Curricula, Niedersachsen, Nds, Bildungsstandard, Hauptschule, Realschule, Mittlerer, Schulabschluss, Kommunikation, Reden, Methode, selbstständig, selbständig
Arbeit zitieren
Jens Hofmann (Autor), 2009, Mündliches Argumentieren im Schulunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126124

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mündliches Argumentieren im Schulunterricht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden