Betrachtet man eine Sprache, wird man merken, dass nicht jedem Wort nur eine einzige Bedeutung anhaftet. Einige Worte haben mehrere Bedeutungen, die in ihrer Aussage sehr variieren können. Somit kann es in einer Sprache nicht nur ein korrektes Verständnis geben, sondern Feinheiten, mit denen man Aussagen differenzieren und zu etwas ganz Individuellem gestalten kann. Diese Mehrfachbedeutung einzelner Worte kann zwar zu Verwechslungen führen, doch ist sie Sprechern der gleichen Muttersprache oft nicht einmal wirklich bewusst. Wie ändert sich dieses Verständnis jedoch, wenn man eine zweite Sprache hinzufügt? Fremdsprachenlernende stehen nicht selten vor der Frage, was eine Aussage zu bedeuten hat, wenn sie einem bestimmten Wort nur die eine seiner vielfältigen Bedeutungen zuordnen können. Dadurch entsteht eine gewisse Schwierigkeit beim Vergleich zweier Sprachen. Mehrdeutige Begrifflichkeiten werden in keiner Sprache zu 100% mit der anderen verwendeten Sprache übereinstimmen. Man muss die spezifische Mehrfachbedeutung der Worte einer Sprache zu erkennen und anzuwenden lernen. Beim Blick in ein zweisprachiges Wörterbuch wird einem dieser Schritt ganz besonders bewusst. Daher möchte diese Hausarbeit dem Phänomen der Polysemie in einem zweisprachigen Wörterbuch genauer auf den Grund gehen. Was ist eigentlich Polysemie, und wie erkennt man sie zwischen zwei Sprachen? Wo liegen die Gefahren bei der Verwendung von Polysemie?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Polysemie – was ist das?
1.1 Versuch einer Definition
1.2 Entstehung der Polysemie
2 Die Erfassung der Polysemie in einem Wörterbuch
2.1 Polysemie erfassen
2.2 Die Problematik der Indexierung
2.3 Die Problematik der Übersetzung
3 Daum/Schenk und Leyn im Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Polysemie im Kontext zweisprachiger Wörterbücher, um die Herausforderungen bei der Identifikation und Übersetzung mehrdeutiger Begriffe für Fremdsprachenlernende aufzuzeigen.
- Definition und etymologische Grundlagen der Polysemie
- Abgrenzung der Polysemie von Homonymie und Paronymie
- Methoden der Erfassung und Indexierung von Mehrdeutigkeit in Wörterbüchern
- Problematik bei der Übersetzung polysemer Begriffe zwischen Russisch und Deutsch
- Vergleichende Analyse der Wörterbücher Daum/Schenk und Leyn
Auszug aus dem Buch
Die Problematik der Indexierung
Die Schwierigkeit, Polysemie von Homonymie zu trennen, macht sich auch in der Indexierung der einzelnen Lemmata bemerkbar. Es gibt Zweifelsfälle, bei denen man nicht konkret sagen kann, ob verschiedene Lemmata benötigt werden oder nicht.
Darüber hinaus gibt es auch das Problem der Verständlichkeit in einem zweisprachigen Wörterbuch. Der Wörterbuchnutzer, der ein Wort nachschlagen möchte, darf nicht zu sehr verwirrt werden, da sonst der Sinn des Wörterbuches als Nachschlagewerk in Gefahr gerät. Für ihn wäre es generell immer einfacher, wenn auch Polyseme unter mehreren Lemmata aufgeführt würden, was jedoch aus verschiedenen Gründen wie z.B. dem Umfang des Wörterbuches oder der Vielfalt einer Sprache nicht umsetzbar ist. Oftmals können Bedeutungen verschwimmen oder sollten besser unter einem anderen Lemma aufgeführt werden. Das würde die Suche zu kompliziert gestalten und auch keinen sinnvollen Nutzen mehr haben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen bei der Arbeit mit mehrdeutigen Wörtern in einer Fremdsprache und führt in die zentrale Fragestellung ein, wie zweisprachige Wörterbücher das Phänomen der Polysemie abbilden.
1 Polysemie – was ist das?: Dieses Kapitel definiert Polysemie, erläutert deren etymologischen Ursprung und grenzt das Konzept von sprachlichen Phänomenen wie Homonymie und Paronymie ab.
2 Die Erfassung der Polysemie in einem Wörterbuch: Der Hauptteil analysiert die praktischen Schwierigkeiten bei der lexikografischen Erfassung von Polysemie, insbesondere im Hinblick auf Indexierungsmethoden und die spezifischen Herausforderungen bei der Übersetzung zwischen zwei Sprachen.
3 Daum/Schenk und Leyn im Vergleich: Dieser Abschnitt bietet einen direkten Vergleich zweier ausgewählter Wörterbücher und bewertet deren unterschiedliche Ansätze bei der Darstellung polysemer und homonymer Begriffe anhand konkreter Beispiele.
Schlüsselwörter
Polysemie, Homonymie, Zweisprachiges Wörterbuch, Lexikografie, Semantik, Übersetzung, Indexierung, Etymologie, Sprachwissenschaft, Russisch, Deutsch, Wortbedeutung, Mehrdeutigkeit, Fremdsprachenlernen, Linguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Mehrdeutigkeit von Wörtern (Polysemie) und untersucht, wie zweisprachige Wörterbücher diese Phänomene dokumentieren und für Lernende aufbereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Abgrenzung von Polysemie und Homonymie, der methodischen Darstellung in Wörterbüchern sowie den daraus resultierenden Übersetzungsproblemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Polysemie in einem zweisprachigen Wörterbuch erkannt wird und welche Gefahren eine unzureichende Darstellung für das Verständnis beim Spracherwerb birgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse von Wörterbuchartikeln angewandt, wobei theoretische linguistische Grundlagen auf praktische Beispiele aus dem Russischen und Deutschen angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Unterscheidung zwischen Polysemie und Homonymie, der Problematik der Indexierung von Lemmata und der Analyse von Übersetzungsschwierigkeiten in ausgewählten Wörterbuchbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Polysemie, Homonymie, Lexikografie, Wörterbucharbeit und sprachliche Mehrdeutigkeit geprägt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Daum/Schenk im Vergleich zu Leyn?
Während Daum/Schenk primär als deskriptives Schülerwörterbuch fungiert, bietet Leyn detailliertere Kontextualisierungen, setzt dabei aber ein höheres Verständnis der russischen Sprache voraus.
Welche Rolle spielt die Etymologie bei der Unterscheidung von Polysemie und Homonymie?
Polyseme haben eine gemeinsame etymologische Wurzel, während Homonyme rein zufällig die gleiche Lautform oder Schreibweise besitzen, ohne semantisch miteinander verwandt zu sein.
Warum ist das Beispiel des Wortes „mir“ in der Arbeit so relevant?
Das Wort „mir“ dient als zentrales Fallbeispiel, da es sowohl polyseme (Welt/Erde) als auch homonyme (Frieden) Aspekte vereint und somit die Grenzen der beiden Konzepte verdeutlicht.
- Quote paper
- BA Jenny Schulz (Author), 2007, Polysemie im zweisprachigen Wörterbuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126152