Präsuppositionen


Hausarbeit, 2004

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Präsuppositionen?

3. Semantische Präsuppositionen

4. Pragmatische Präsuppositionen

5. Präsuppositionsauslöser/-Typen

6. Problematische Eigenschaften der Präsuppositionen

7. Darstellung präsuppositionaler Phänomene anhand von Beispielen aus transkribierten Gesprächen
7.1. Beispiel 1
7.2. Beispiel 2
7.3. Beispiel 3

8. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Die folgende Arbeit, mit dem Titel „Präsuppositionen“, beschäftigt sich mit dem sprachlichen Phänomen der Präsupposition.

Hierbei werden im ersten Teil der Arbeit die Merkmale und Arten von Präsuppositionen, anhand von verschieden Beispielsätzen, vorgestellt. Auf die Entwicklung des Präsuppositionsbegriffs, sowie den geschichtlichen Hintergrund der Präsuppositionsforschung, soll hier nicht weiter eingegangen werden.

Im zweiten Teil der Arbeit sollen dann verschiede Arten von Präsuppositionen, anhand von Beispielen aus transkribierten Gesprächen, in der „normalen“, alltäglichen Kommunikation, dargestellt werden.

2. Was sind Präsuppositionen?

Präsupposition bedeutet, wörtlich übersetzt, Voraussetzung, wenn also ein Sprecher eine Äußerung, wie z. B. (a)„Hubert hat aufgehört zu rauchen.“, macht. Er setzt mit dieser Äußerung etwas voraus, nämlich:

- dass Hubert geraucht hat und dass „Hubert“ jemanden bezeichnet (der sowohl Sprecher, als auch Hörer unter diesem Namen bekannt ist).

Es handelt sich bei Präsuppositionen also um Voraussetzungen, die von Sprecher und Hörer gleichermaßen als wahr oder erfüllt betrachtet werden müssen, damit die Äußerung im jeweiligen Kontext als sinnvoll angesehen werden kann.

Dabei sind Präsuppositionen unabhängig vom jeweiligen Satzmodus der Äußerung (z. B. Frage, Verneinung oder assertive Äußerung) (vgl. Schneider 2001).

Häufig werden Präsuppositionen von bestimmten Wörtern oder grammatischen Merkmalen, innerhalb der Äußerung, ausgelöst.

Das wohl wichtigste Merkmal der Präsuppositionen ist die Konstanz unter Negation, was bedeutet, dass die Präsupposition immer erhalten bleibt, auch wenn die Aussage falsch ist oder negiert wird. Für (a) würde dies bedeuten, dass die Präsupposition „Hubert hat geraucht“ auch erhalten bleibt, wenn er gar nicht damit aufgehört hat. Auch wenn man (b) „Hubert hat nicht aufgehört zu rauchen.“ äußern würde, nicht verloren ginge.

„Kurz gesagt verändert die Negation also die Folgerungen aus einem Satz, lässt die Präsuppositionen aber unberührt (Levinson 1983)“.

Die Präsuppositionen lassen sich in zwei Gruppen einteilen, zum einen in semantische Präsuppositionen und zum anderen in pragmatische Präsuppositionen.

3. Semantische Präsuppositionen

Hierbei handelt es sich um Voraussetzungen, die einem Satz aufgrund seiner sprachlichen Form zukommen und unabhängig vom jeweiligen Kontext der Äußerung sind. Sie sind direkt an den materiell gegeben Text (z. B. bestimmte Konstruktionen oder Wortbedeutungen) gebunden (vgl. Linke 2001).

Man kann auch hier noch zwei Untergruppen, zum einen die referentiellen, zum anderen die semantischen Präsuppositionen, unterscheiden.

(1) Referentielle Präsupposition (Existenzpräsupposition):

Wird zum Beispiel der Satz „Der Bundeskanzler von Österreich ist krank.“ geäußert, so setzt der Sprecher und auch der Hörer, voraus, dass es einen Bundeskanzler von Österreich gibt. Die Präsupposition, dass Österreich einen Bundeskanzler hat wird hier durch die Verwendung des referierenden bzw. bezeichnenden Ausdrucks „der Bundeskanzler von Österreich“ ausgelöst. Diese bleibt auch bei Negation, wie oben beschreiben, erhalten.

(2) Semantische Präsupposition:

Die Präsupposition ist hier, wie schon oben angesprochen, an bestimmte sprachliche Ausdrücke oder einzelne Wörter, bzw. deren Bedeutung gebunden.

Mit dem Satz: „Karl-Heinz hat es endlich geschafft, eine Lehrstelle zu bekommen.“ wird hier einerseits präsupponiert, dass Karl-Heinz eine Lehrstelle hat, andererseits aber auch, dass er sich darum bemüht hat, eine Lehrstelle zu bekommen. Dies ist möglich, da die Bedeutung von es schaffen, etwas zu tun auch immer ein sich bemühen mit einschließt (vgl. Linke 2001).

Beide, sowohl referentielle, als auch semantische Präsupposition haben gemeinsam, dass mit ihnen gewisse Sachverhalte mitbehauptet oder als gegeben dargestellt werden können, die so nicht explizit geäußert werden (vgl. Linke 2001). Diese so mitgeäußerten Sachverhalte bleiben auch bei Negation erhalten.

Wenn zum Beispiel gesagt wird:

(a) „DerBundeskanzler von Österreich ist gar nicht krank.“

oder

(b) „Karl-Heinz hat es nicht geschafft, eine Lehrstelle zu bekommen.“

so präsupponiert (a) immer noch, dass es einen Bundeskanzler von Österreich gibt und (b), dass Karl-Heinz sich um eine Lehrstelle bemüht hat.

Eine Definition der semantischen Präsupposition, die auf Sätze und deren Wahrheitsbedingungen bezogen ist, könnte also wie folgt lauten:

Semantische Präsupposition:

Ein Satz p präsupponiert (semantisch/referentiell) einen anderen Satz q genau dann, wenn gilt:

(i) in allen Situationen, in denen p wahr ist, ist auch q wahr
(ii) in allen Situationen, in denen p falsch ist, ist q wahr.

(vgl. Meibauer 2001)

Ein grundlegendes Problem der semantischen Präsuppositionsdefinition spricht Levinson in seinem Buch (Levinson 1983) an. Die Probleme dieser Definition entstehen daraus, dass sich die Semantik mit „der Spezifizierung unveränderlicher, stabiler Bedeutungen befasst, die sich mit Ausdrücken verknüpfen lassen (Levinson 1983, S.223)“ und Präsuppositionen keineswegs unveränderlich oder stabil sind und folglich auch nicht in solche Semantiktheorie passen können (ebd.).

4. Pragmatische Präsuppositionen

Bei pragmatischen Präsuppositionen handelt es sich um Präsuppositionen bzw. Voraussetzungen, die ein Satz nur bei seiner Äußerung in bestimmten Kontexten hat. Die Präsuppositionen ergeben sich also erst aus dem jeweiligen Gebrauch sprachlicher Ausdrücke, weshalb man sie auch als gebrauchsgebunden bezeichnen könnte (vgl. Linke 2001).

Es handelt sich hierbei also um sprachlich nicht explizit formulierte Voraussetzungen bzw. Wissensbestände, die vom Rezipienten der Äußerung problemlos mitverstanden werden können. Sollte der Rezipient jedoch Verständnisprobleme haben, so können diese jeweiligen Präsuppositionen auch jederzeit explizit geäußert werden (vgl. Linke 2001).

Ein gemeinsames Hintergrund- oder Weltwissen von Sprecher und Hörer ist also für eine Definition der pragmatischen Präsupposition von großer Bedeutung.

Eine darauf basierende Definition lautet wie folgt:

Pragmatische Präsupposition:

Ein Sprecher präsupponiert mit seiner Äußerung eine Proposition p, wenn er davon ausgeht, dass diese den Gesprächspartnern wechselseitig bekannt ist oder als gegeben akzeptiert wird (Meibauer 2001).

Eine Abgrenzung der pragmatischen Präsuppositionen gegenüber den semantischen Präsuppositionen ist über deren Kontextabhängigkeit möglich. Wird z. B., vor dem Kontext eines Treffens der deutschen Fußball-Nationalspieler, folgender Satz geäußert:

„ Der Flankengott aus dem Kohlenpott hat Derwall verteidigt.“

Geäußert, so präsupponiert dieser semantisch:

(a) Es gibt einen Kohlenpott.

(b) Es gibt einen Flankengott aus dem Kohlenpott.

Und pragmatisch (da dies nur aus dem Kontext deutlich wird und auch vom gemeinsamen Weltwissen von Spreche und Hörer abhängig ist)

(c) Der Flankengott ist Fußball-Nationalspieler.

(vgl. Grewendorf 1987).

Die Erschließung der pragmatischen Präsuppositionen scheint also über eine Art textueller Leerstellen (ähnlich wie Ellipsen auf formal-syntaktischer Ebene) ausgelöst (vgl. Linke 2001).

Eine Abgrenzung der pragmatischen Präsuppositionen gegenüber semantischen Implikationen ist mittels des S-Familien-Tests möglich.

Der S-Familien-Test besteht aus: positivem und negativem Deklarativsatz, Entscheidungsfragesatz und Konditionalsatz.

Er beruht darauf, dass der Inhalt eines jeweils geäußerten Satzes bestimmte Voraussetzungen macht.

Bei der Umformung in die einzelnen Sätze des S-Familien-Tests bleiben diese, bei den semantischen Implikationen, jedoch nur beim positiven Deklarativsatz erhalten.

Im Gegensatz zu den semantischen Implikationen bleiben diese Voraussetzungen bei den pragmatischen Präsuppositionen auch nach der Umformung in die Sätze des S-Familien-Tests erhalten. Ein anschauliches Beispiel hierfür gibt Meibauer in seinem Buch (Meibauer 2001):

Zwischen den Sätzen (d) und (e) liegt die Beziehung einer semantischen Implikation vor:

(d) Nastasja küsst Arno.

(e) Nastasja berührt Arno.

Die entsprechende S-Familie lautet:

(f) Nastasja küsst Arno nicht.

(g) Küsst Nastasja Arno?

(h) Wenn Nastasja Arno küsst, laust mich der Affe.

(e) folgt nun aber keineswegs aus (f), (g) und (h), was deutlich macht, dass semantische Implikationen und pragmatische Präsuppositionen etwas unterschiedliches sind (vgl. Meibauer 2001).

Alle den S-Familien-Test bestehenden Propositionen können also im Sinne der oben genannten pragmatischen Präsuppositionsdefinition zum gemeinsamen Hintergrund- bzw. Weltwissen von Sprecher und Hörer gerechnet werden (vgl. Meibauer 2001).

5. Präsuppositionsauslöser/-Typen

Die linguistische Forschung hat mittlerweile eine Vielzahl an sprachlichen Phänomenen herausgearbeitet, die mit Präsuppositionen in Verbindung stehen.

Das bedeutet, es wurde nach bestimmten sprachlichen Formen oder Strukturen gesucht, mit denen stets in systematischer Weise Präsuppositionen verbunden sind (vgl. Grewendorf 1987).

Bei der Aufzählung der verschiedenen Auslöser von Präsuppositionen, halte ich mich, in dieser Arbeit, an die im Seminar besprochenen, sowie, die bei Grewendorf (Grewendorf 1987) und Meibauer (Meibauer 2001) aufgelisteten Präsuppositionsauslöser/-Typen.

a) Kennzeichnungen

Der Kronprinz von Großbritannien hat [ keine ] [1] Segelohren.

>>[2] Es gibt einen Kronprinzen von Großbritannien.

Die jeweilige Präsupposition wird hier durch die Verwendung kennzeichnender Ausdrücke, wie z. B. Eigennamen ausgelöst. Da sie immer mit etwas Verbunden ist, das sowohl Sprecher, als auch Adressat einer Äußerung, als existent ansehen, wird dieser Präsuppositionstyp auch als Existenzpräsupposition bezeichnet.

b) Faktive Verben

Anna bedauert, [ nicht ] alleine in den Urlaub gefahren zu sein.

>> Anna ist alleine in den Urlaub gefahren.

Das hier entscheidende, präsuppositionsauslösende Element ist das Verb bedauern. Es gehört zu einer ganzen Gruppe von Verben, die faktive Verben genannt werden. Hierzu gehören z. B.: bedauern, erkennen, bereuen, leid tun, stolz sein, ... .

Man kann den faktiven Verben noch die nicht-faktiven Verben gegenüberstellen, die ebenfalls Präsuppositionen auslösen, wie z. B. im folgenden Satz:

Knut gibt [ nicht ] vor, dass er der Chef der ganzen Firma ist.

>> Knut ist nicht der Chef der ganzen Firma.

Der Unterschied der nich-faktiven Verben (zu denen z. B. vorgeben, träumen, vorschweben, sich vorstellen, ... gehören), zu den faktiven, liegt darin, dass die im dass-Satz geäußerte Proposition nicht wahr ist (vgl. Meibauer 2001).

c) Implikative (lexikalische) Verben

Heinz vergaß [ nicht ] seine Frau vom Bahnhof abzuholen.

>> Heinz wollte (oder sollte) seine Frau vom Bahnhof abholen.

Die Präsupposition wird hier von der von der lexikalischen Bedeutung bestimmter Verben (z. B.: schaffen, vergessen, aufhören, anfangen, ...) erzeugt.

So setzt, wie oben bereits erwähnt, es schaffen, etwas zu tun, auch immer ein sich bemüht haben voraus. Als lexikalisch sind diese Präsuppositionsauslöser zu bezeichnen, da sie von der jeweiligen lexikalischen Bedeutung der einzelnen, jeweils verwendeten ausdrücke herrühren (vgl. Meibauer 2001).

d) Verben der Zustandsveränderung

Klara begann [ nicht ] eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin.

>> Klara hat noch keine Berufsausbildung.

Das Verb beginnen ist hier der Auslöser der Präsupposition, denn die Tatsache, das mit etwas begonnen wird, setzt auch voraus, dass man damit vorher noch nicht angefangen hat und so der jeweilige Zustand geändert wird. Diese Gruppe von Präsuppositionsauslösern, zu der Verben, wie: beginnen, innehalten, aufgeben, verlassen, wegnehmen, ... gehören, könnte man sicher auch als eine Untergruppe der implikativen Verben bezeichnen.

[...]


[1] In den eckigen Klammern [...] steht jeweils die Negation der Äußerung.

[2] >> = präsupponiert

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Präsuppositionen
Hochschule
Universität Hamburg
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V126166
ISBN (eBook)
9783640315208
ISBN (Buch)
9783640318551
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Präsuppositionen
Arbeit zitieren
Sören Meyer (Autor), 2004, Präsuppositionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126166

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