Merkmale und Arten von Implikaturen


Hausarbeit, 2004

11 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Was sind Implikaturen?

2. Konventionale Implikaturen
2.1. Merkmale konventionaler Implikaturen

3. Nichtkonventionale Implikaturen

4. Nichtkonversationale Implikaturen

5. Konversationale Implikaturen
5.1. Merkmale konversationaler Implikaturen
5.2. Partikularisierte Implikaturen
5.3. Generalisierte Implikaturen

6. Fazit

Literatur

Einleitung

Die folgende Arbeit mit dem Titel „Merkmale und Arten von Implikaturen“ basiert auf einer Seminarsitzung vom 11.10.2003 im Seminar Ib, in dem wir uns mit Grices Theorie der Konversations-Implikaturen beschäftigt haben.

Im Laufe des Seminars haben wir uns zuerst mit sprechakttheoretischen Grundlagen auseinandergesetzt, um dann auf Grices Theorie der Konversations-Implikaturen zu kommen und an Hand dieser die Probleme indirekter Kommunikation zu erschließen.

Die Merkmale und Arten der einzelnen Implikaturen (konventionale sowie konversationale) sollen im Folgenden näher erläutert werden.

1. Was sind Implikaturen?

Implikaturen sind diejenigen Aspekte von Äußerungen, die, obwohl sie nicht explizit geäußert werden, dennoch mitverstanden werden. Wie z.B. bei der Äußerung des Satzes: „Du fährst also immer noch betrunken mit dem Auto!“, hier wird z.B. impliziert, dass der angesprochene einen Führerschein besitz, somit auch volljährig ist und diese (strafbare) Handlung schon mehrfach vollzogen hat, obwohl dies so nicht geäußert wird (vgl. Homberger, D., 2000).

Es handelt sich also bei Implikaturen um Bedeutungsaspekte, die nicht aus der semantischen Referenz oder den Wahrheitsbedingungen eines sprachlichen Ausdrucks allein, sondern nur mit Hilfe zusätzlicher Annahmen über den Zweck der Äußerung oder grundlegenden Prinzipien der Verwendung von Sprache erschlossen werden können (vgl. Schneider, 2001). Grices Theorie der Konversations-Implikaturen ist für das Erschließen dieser Bedeutungsaspekte ein hilfreiches Mittel.

Er unterteilt in seiner Theorie die Implikaturen in konventionale und konversationale Implikaturen und von dort ausgehend noch in weitere Unterarten, auf die im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch näher eingegangen werden soll.

In seiner Theorie der Konversations-Implikaturen gibt Grice fünf Merkmale an, an Hand derer man die verschiedenen Implikaturarten unterscheiden oder eine Bestimmung dieser vornehmem kann. Es sind das Merkmal der:

(1) Annullierbarkeit

(2) Nichtabtrennbarkeit

(3) Nichtkonventionalität

(4) Verbalisiertheit

(5) Unbestimmtheit

(vgl. Rolf, E., 1994)

2. Konventionale Implikaturen

Die konventionalen Implikaturen rühren von der wörtlichen Bedeutung des Gesagten her, gehören aber nicht zu dem, was mit der Äußerung gesagt werden soll (Kemmerling, 1991). Im Gegensatz zu den konversationalen Implikaturen leiten sie sich also nicht von den Konversationsmaximen ab, sondern beruhen auf bestimmten sprachlichen Konventionen, die dem Sprecher sowie dem Hörer bekannt sein müssen.

Sie sind Bestandteile der konventionalen Bedeutung lexikalischer Einheiten, wie z.B. du oder sie und werden diesen per Konvention zugeführt. So impliziert das du in dem Satz: „ Du bist der Professor! “ eine gewisse Vertrautheit, da Professoren normalerweise (per Konvention) mit sie angesprochen werden.

2.1. Merkmale konventionaler Implikaturen

Untersucht man konventionale Implikaturen hinsichtlich der oben angegeben Merkmale, so kann man feststellen, dass sie sich in drei der fünf Merkmale von den konversationalen Implikaturen unterscheiden.

Konventionale Implikaturen sind (a) nichtannullierbar, (b) abtrennbar und (c) hinsichtlich ihres Inhalts oder ihrer Bedeutung vergleichsweise bestimmt (vgl. Rolf, E., 1994).

Da aus der Falschheit des Implikats nicht auf die Falschheit des Gesagten geschlossen werden kann, das Gesagte also immer wahr und das Implizierte aber immer auch falsch sein kann, trifft das Merkmal der Verbalisiertheit sowohl auf die konventionalen, sowie auch auf die konversationalen Implikaturen zu (ebd.). Die Benutzung des Merkmals der Nichtkonventionalität zur Unterscheidung von den Konversationalen Implikaturen, währe tautologisch, da sie ja schon per Definition konventional sein müssen.

a) Konventionale Implikaturen sind nichtannullierbar, da sie auf Annahmen über den Kontext des Gesagten beruhen, die nicht aufhebbar sind. Die Äußerung des Satzes „ Horst hat endlich aufgehört Drogen zu nehmen !“ impliziert z.B., das Horst drogenabhängig war. Dieses Implikat ist nicht annullierbar, da man beispielsweise nicht sagen kann: „ Horst hat endlich aufgehört Drogen zu nehmen, aber eigentlich hat er nie welche genommen.“.

b) Die Abtrennbarkeit der konventionalen Implikaturen beruht darauf, dass sie nicht allein von dem semantischen Gehalt, sondern auch von der Art des Gesagten/der jeweiligen Ausdrücke abhängen (vgl. Rolf, E.,1994). So wird z.B. mit dem Satz „ Du bist der Professor.“ eine gewisse Vertrautheit impliziert, die wenn das du durch ein sie ersetzt wird verloren geht (abgetrennt wird) und dann durch das sie eine gewisse Distanziertheit impliziert wird.

c) Am oben genannten Beispielsatz wird auch die Bestimmtheit der konventionalen Implikaturen deutlich. Das verwendete du oder sie hat jeweils nur ein bestimmtes Implikat (du = Vertrautheit; sie = Distanziertheit).

3. Nichtkonventionale Implikaturen

Unter nichtkonventionalen Implikaturen versteht man jene Implikaturen, zu deren Erklärung die (zumal konventionale) Bedeutung einzelner ausdrücke nicht mehr ausreicht (vgl. Rolf, E.,1994). Sie sind also nicht mehr Teil der konventionalen Bedeutung eines Ausdrucks. Zu ihnen gehören sowohl konversationale sowie nichtkonversationale Implikaturen.

4. Nichtkonversationale Implikaturen

Bei den Nichtkonversationalen Implikaturen handelt es sich um Implikaturen, für deren Erschließung andere Maximen als die Konversationsmaximen gelten. Es können z. B. Maximen der Höflichkeit, der Moral oder einer Religion beim Erschließen der Bedeutung nichtkonversationaler Implikaturen eine Rolle spielen. So kann z.B. jemand, der bei einem feierlichen Anlass unfeierlich spricht damit vieles implikieren (vgl. Kemmerling, A., 1991).

Weiterhin ist bei den Nichtkonversationalen Implikaturen zu erwähnen, dass Grice sie in seiner Theorie nicht weiter berücksichtigt sondern nur erwähnt und es finden sich in seien Arbeiten auch keine Kriterien zur Unterscheidung zwischen Konversationsmaximen und den oben angegebenen, anderen Maximen (ebd.).

5. Konversationale Implikaturen

Die Konversationalen Implikaturen entstehen, im Gegensatz zu den Konventionalen Implikaturen, aus einer Verletzung einer der Konversationsmaxime heraus. Sie sind sehr stark von den jeweiligen Umständen der Äußerung sowie den beteiligten Personen (sowohl Sprecher, als auch Hörer) und deren Intentionen und gegenseitigen Annahmen abhängig(vgl. Schneider, 2001). Die Äußerung, die etwas sagt, das gerade nicht zur Situation passt, wird, so zu sagen, als Sprungbrett genutzt, um zu dem eigentlich Gemeinten zu kommen. Es wird das Relevante also nicht explizit gesagt, sondern im sprachlichen Ausdruck verschleiert (vgl. Linke, Nussbaumer, Portmann, 2001).

Es lassen sich zwei Arten von Konversationalen Implikaturen unterscheiden, einerseits die Partikularisierten Implikaturen und andererseits die Generalisierten Implikaturen. Auf diese beiden Arten soll weiter unten noch genauer eingegangen werden doch zunächst sollen erst einmal die Merkmale Konversationaler Implikaturen näher Beleuchtet werden.

5.1. Merkmale konversationaler Implikaturen

Auch für die konversationalen Implikaturen gelten die von Grice aufgestellten Merkmale, der (a)Annullierbarkeit, (b)Nichtabtrennbarkeit, (c)Unbestimmtheit, (d)Verbalisiertheit und der (e)Nichtkonventionalität, an Hand derer eine Unterscheidung Konversationaler Implikaturen von Konventionalen Implikaturen möglich ist. Auf die oben bereits erwähnten Merkmale der Verbalisiertheit, das auf beide Implikaturarten zutrifft, sowie das der Nichtkonventionalität, soll hier noch an Hand von Beispielen eingegangen werden.

a) Konnversationale Implikaturen sind im Gegensatz zu den Konventionalen Implikaturen annullierbar, wobei man noch eine explizite Annullierbarkeit und eine kontextuelle Annullierbarkeit unterscheiden kann. Angenommen, die Äußerung „Im letzten Jahr habe ich zwei Autos zu Schrott gefahren.“ impliziert, dass es meine eigenen waren, so kann dieses Implikat explizit annulliert werden, in dem man der Äußerung etwas anfügt, wie z.B.: „…, allerdings waren es nicht meine eigenen.“. Es gibt aber auch Situationen ,in denen das Implikat (das es meine eigenen Autos waren) nicht entsteht, da dies gewisse kontextuelle Merkmale nicht zulassen. Die wäre z.B. dann der Fall, wenn die oben genannte Äußerung im Rahmen eines Gesprächs darüber, wie peinlich/schlimm es ist, Dinge zu zerstören ,die einem nicht gehören, geäußert wird.

b) Das Merkmal der Nichtabtrennbarkeit besagt, dass die Implikatur aus der Bedeutung dessen, was gesagt wurde und nicht daraus, wie es gesagt wurde, entsteht. Das bedeutet, wenn S auf ein bestimmtes Ereignis, mit dessen Ausgang er nicht zufrieden ist, mit einer ironischen Äußerung wie z.B.: „Das ist ja hervorragend!“ reagiert, so impliziert er damit, dass er mit dem, was passiert ist nicht zufrieden ist. Das Implikat bliebe aber auch dann noch erhalten, wenn S sagen würde „ Das ist ja super, grandios, toll, Wahnsinn, …“. Es lässt sich das Gesagte also mit vielen verschieden Worten sagen, aber in allen Formulierungen liegt dasselbe Implikat vor, es lässt sich also nicht vom Gesagten abtrennen Ist dies der Fall, so ist es ein sicheres Indiz für das Vorliegen einer Konversationalen Implikatur, da diese nicht, wie die Konventionalen Implikaturen, von der konventionalen Bedeutung der einzelnen Ausdrücke abhängen (vgl. Kemmeling, A., 1991).

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Details

Titel
Merkmale und Arten von Implikaturen
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
11
Katalognummer
V126167
ISBN (eBook)
9783668800281
ISBN (Buch)
9783668800298
Sprache
Deutsch
Schlagworte
merkmale, arten, implikaturen
Arbeit zitieren
Sören Meyer (Autor), 2004, Merkmale und Arten von Implikaturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126167

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