Das Comedy-Format: Die Sitcom


Hausarbeit, 2009

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Comedy Boom

2. Sitcoms
2.1 Was macht eine Sitcom aus?
2.2 Struktureller Aufbau der Sitcom
2.3 Figuren und Themen der Sitcom
2.4 Strategien der Sitcom
2.4.1 Teil der Strategie: das Dosenlachen

3. Resüme

Literaturverzeichnis

1. Comedy Boom

Seit den 90er Jahren lässt sich ein sprunghafter Anstieg von Comedy-Formaten in der Fernsehlandschaft beobachten. So beschäftigen sich auch Gerlinde Schumacher und Daniela Hammer mit den Ergebnissen einer vom ZDF in Auftrag gegebenen qualitativen Medienforschungsstudie. Angefangen mit der Sketch- bzw. Stand-Up-Comedien-Show „RTL Samstag Nacht“ (1993),[1] gibt es nun ein breites Angebot an Comedy-Formaten. Überwiegend sind es Privatsender, die ihr Programm immer mehr mit Humorsendungen ausfüllen.[2] Mit „Comedy Central“ gibt es seit Anfang 2007 sogar einen Sender, der sich ausschließlich auf die Sparte des Humors konzentriert. Doch was macht eine Sitcom aus? Dieser Fragestellung möchte ich im Rahmen meiner Hausarbeit etwas näher kommen.

2. Sitcoms

Besonders erfolgreich im Genre der Humorsendungen können „Sitcoms“ sein. Sie können langfristig hohe Einschaltquoten erzielen. Bei erfolgreichen Sitcoms lassen sich Episoden bzw. gesamte Staffeln zudem sehr häufig wiederholen. Das Münchner Forschungsinstitut „iconkids & youth, international research GmbH“, welches vom ZDF mit der qualitativen Untersuchung von Comedy-Formaten betraut worden ist, belegte einer gut produzierten bzw. erfolgreichen Sitcom ein rentables Geschäft, mit hohen Werbeeinnahmen und zunehemenden Absatz von Merchindisingartikeln zur jeweiligen Sitcom, bei vergleichsweise niedrigen Produktionskosten.[3]

Der Humor zeigt also Wirkung, im finanziellen Sinne, auf Seiten der Fernsehanstalten bzw. Werbeindustrie, sowie im menschlichen Gehirn, auf Seiten des Rezipienten.[4] Nach Philip Bethge kann der Zuschauer durch den Humor bzw. durch sein lachen über den Witz in der Sitcom , zur Entspannung und Ausschüttung von Glückshormonen gelangen.5 Daher entstehe auch eine Art von Sucht bei erfolgreichen Sitcoms und die daran hängende Werbeindustrie macht sich diesen Suchtfaktor zu nutzen.6

Nahezu in jedem Programm der Sender der deutschen Fernsehlandschaft findet sich ein Comedy-Format wieder. Vor allem sind es die Privatsender wie RTL oder ProSieben, die ihr Programmangebot auf Sitcoms ausgeweitet haben, um den Audience Flow, sprich der Bindung der Zuschauer an das Fernsehen, zu verstärken. Die 30-minütigen Sitcoms werden dann in der Regel als „Doppelpack“ en bloc ausgestrahlt. Ausstrahlungszeitpunkt ist häufig der spätere Nachmittag, im täglichen oder wöchentlich Rhythmus.7

2.1 Was macht eine Sitcom aus?

Wesentlich für die Sitcom sind die differenzierten Charaktere und deren Alltag. Das Stammpersonal verändert sich wenn überhaupt nur geringfügig. Auch das erleichtert den Zugang für den Zuschauer zur regelmäßigen Teilnahme an der Sitcom. Zumal die Weiterentwicklung der Charaktere in einer Episode nur geringfügig ist kann der Zuschauer immer wieder mit der gleichen Erwartungshaltung an die, in Serie ausgestrahlten, Episoden der Sitcom herangehen.8

Der Zuschauer stellt Beziehungen zu Protagonisten und einigen Nebenrollen her. Durch Einzigartigkeit, Humor, Infantilität und Vertrautheit der Charaktere kann der Zuschauer mit ihnen leben, mitfühlen, sich mit ihnen identifizieren.9 Über die Dauer von 30 Minuten nimmt der Fernsehzuschauer Anteil am Leben der Darsteller, deren Schicksalsschlägen und anderer zwischenmenschlicher Alltags-Situationen. Er taucht ab in eine nicht existierende Welt, der von Autoren, Regisseuren und Schauspielern erzeugten künstlichen Realität.

Dies ist teilweise sogar vergleichbar mit Direktübertragungen, wie sie der Fußball-Fan von Live-Berichterstattungen seines Clubs am TV-Gerät kennt, wo fern-sehen noch konzentriert auf ein Ereignis stattfindet und nicht zum Tagesbegleitmedium degradiert wird.10

2.2 Struktureller Aufbau der Sitcom

Wie in nahezu jedem Drehbuch, besteht auch das Drehbuch einer Sitcom aus drei Akten. Zunächst wäre da der in die Situation einführende Anfang, welcher das Interesse am weiteren Geschehen wecken bzw. zur weiteren Rezeption animieren soll und einen stimulierenden Spannungsbogen einleitet. Im anschließenden Mittelteil baut sich der Spannungsbogen weiter auf. Es kommt zu zahlreichen „kurios“ zu bewältigenden Konfliktsituationen, um daraufhin im Schlussteil den Haupt-Konflikt aufzulösen und in den für die Sitcom typischen Ausgangspunkt des „Status-Quo“ zurückzukommen.11 Charaktere werden wieder in Ausgangsposition versetzt, um in der nächsten Woche bzw. am nächsten Tag die neue Episode mit ihren neuen drei Akten starten zu können.12

In der gerade kurz geschilderten Struktur des Drehbuchs findet sich in der Regel das Stammpersonal wieder. Es kann aber auch zu diversen Subplots kommen, die den Basisplot begleiten. Auch diese Nebenplots sollten sinngemäß aus Anfang, Mitte, Ende bestehen und sich in das Aggregat der Gesamthandlung einfügen.13

Neben der Werbewirksamkeit der Episoden in Doppelblockausstrahlung, wird auch während des Höhepunktes des zweiten Aktes ein Werbeblock geschaltet, zu jenem Zeitpunkt, in dem der Konflikt noch nicht aufgelöst ist, aber kurz davor steht auf noch unerklärliche Weise aufgelöst zu werden, sodass die Neugier soweit ausreichend ist und der Zuschauer die Werbung in Kauf nehmen kann.14

2.3 Figuren und Themen der Sitcom

„...character, not situation, makes the best comedy.“, so die Feststellungen Pinfolds' und Crowthers'.15 So ist auch das Stammpersonal der Sitcom als ein „stabiles Figureninventar“ zu bezeichnen.16 Jene Charaktere machen den wahren Kern und Erfolg einer Sitcom aus.17 Der Zuschauer soll über die Persönlichkeiten Zugang zur Serie finden. Ähnlich wie in Kinderserien, sind die Figuren minimalistisch ausgeformt. Ihre Simplizität und das Ausstrahlen von Vertrautheit und Gelassenheit sollen dem Zuschauer auf den ersten Blick sympathisch erscheinen, daher sind auch die Beziehungen innerhalb der kontinuierlichen Figurenkonstellationen in der Regel leicht zu durchschauen.19

Auch dadurch, dass die Charaktere zwar in sich rund sind, also authentisch wirken, sind sie naturgemäß nicht perfekt. Die Akteure stehen sich häufig selbst im Weg, schaffen es aber dennoch Konflikte zu lösen, um dann wieder in ihre Ausgangsstellung zu Beginn der Episode zurückzukehren, damit die nächste Episode mit eben jenen unveränderten Charakteren erneut starten kann. Die Vorhersehbarkeit der Handlungsintentionen der Figuren und die dadurch auch vorhersehbaren Wiederherstellung von kurzfristig zerstörter Harmonie im zwischenmenschlichen Bereich, sowie das ineinander greifen und „funktionieren“ der Interaktionspartner in der Serie machen einen Reiz aus, immer wieder als Zuschauer Teil der Familie, des Freundeskreises und des Ganzen für 30 Minuten zu werden, auf die der Fernsehzuschauer sich einfach ver-/ und einlassen kann.20

[...]


[1] Vgl. Gerlinde Schuhmacher/Daniela Hammer: Humorsendungen im Fernsehen. Angebot, Nutzung; Anforderungen. In: Media Perspektiven 12/2000,
URL: http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/12-2000_Schumacher.pdf .(05.02.2009) [S. 562].

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Vgl. Philip Bethge: Die Macht der Pointe. In: Der Spiegel (2009), Nr.8, S. 128-131.

5 Ebd., S. 129.

6 Vgl. Sascha Badanjak: Sitcoms, Soaps und Drama. Zur Publikumsbindung von Fernsehserien
In: Medienheft Dossier 23 vom 15. Juni 2005.
URL: http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d23_BadanjakSascha.pdf) (05.02.2009).[S. 18f].

7 Vgl. Schuhmacher/Hammer: Humorsendungen im Fernsehen, S. 3.

8 Vgl. Karin de Miguel Wessendorf: Die Funktion des Dosenlachens in US-Amerikanischen Sitcoms
In: Magisterarbeit, Universität zu Köln, SoSe2004, S. 3-4.

9 Vgl. Badanjak.: Sitcoms, Soaps und Drama Series, S. 17.

10 Ebd., S. 18.

11 Vgl. Daniela Holzer: Die deutsche Sitcom. Bergisch Gladbach. 1999, S. 20f.

12 Ebd., S. 23.

13 Ebd., S. 22f.

14 Ebd., S. 21.

15 Vgl. Bruce Crowther/Mike Pinfold: Bring me laughter: four decades of TV comedy. London. 1987,
S. 120. In: D. Holzer.: Deutsche Sitcom, S. 36.

16 Vgl. Alexander Brock: Comedy-Formate und die Kunst der Medienreflexion. In: (Hrsg.): Friedrich W. Block/Helga Kotthoff. Bd. 3. Komik-Medien-Gender. Ergebnisse des Kasseler Komik-Kolloquiums. Bielefeld 2006, S. 99.

17 Vgl. Holzer, Deutsche Sitcom, S. 23.

19 Ebd., S. 23-25.

20 Ebd., S. 24-27.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Das Comedy-Format: Die Sitcom
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft)
Veranstaltung
Übung: Fernsehen
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
10
Katalognummer
V126196
ISBN (eBook)
9783640325160
ISBN (Buch)
9783640325986
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Comedy-Sitcom_ Struktur / Aufbau / Funktion / Rezipient / Stimulus / Auflösung / Verhalten / Dosenlachen Literaturverzeichnis bestehend aus 10 aktuellen Quellen.
Schlagworte
Sitcom, Comedy, Dosenlachen, Fernsehen, Ablachen, Lachen
Arbeit zitieren
Tim-Andre Elstner (Autor), 2009, Das Comedy-Format: Die Sitcom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126196

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