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Das Spiel der Kinder in den Ghettos und Lagern in der Zeit des Nationalsozialismus

Title: Das Spiel der Kinder in den Ghettos und Lagern in der Zeit des Nationalsozialismus

Term Paper , 2008 , 20 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Linda Neundorf (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
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„Schon die Vorstellung, daß Kinder im Vernichtungslager gespielt haben, stellt die Rationalität des menschlichen Geistes und sein Vorstellungsvermögen auf die härteste Probe.“ (Eisen 1993, 103). Das habe auch ich gedacht, als ich im letzten Semester, in der Vorbereitung auf ein Referat für das Seminar „Das Spiel in der Pädagogik“, auf den geschichtlichen Abriss von Spiel und Erziehung in Heimlichs „Einführung in die Spielpädagogik“ (2001) gestoßen bin. Dort geht der Autor auf drei Seiten auf das Thema „Spiel und Erziehung im Nationalsozialismus“ ein. Hier beschreibt er dies nicht nur im Hinblick auf deutsche Kinder, sondern betrachtet auch die Kinder in den Ghettos und Lagern . Beeindruckt von diesem Sachverhalt, verwendete ich einen gewählten Ausschnitt des Artikels schon im Seminar für die Gruppenarbeit. Aber die Fragen, die ich mir in diesem Zusammenhang weiterhin stellte, waren noch nicht beantwortet.
Ich suchte Antworten zu den Fragestellungen, wie und was die eingesperrten Kinder in der Zeit des Nationalsozialismus in den Ghettos und Lagern genau spielten. Wie könnten diese Spiele im Hinblick auf ihre Realität und Situation gedeutet werden und durch Spieltheorien erklärt werden?

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Historische Hintergründe

2. Das Leben und das kindliche Spiel in den Ghettos

2.1 Der Hunger und Nahrungsmittelmangel

2.2 Der allgegenwärtige Tod

2.3 Die Zwangsarbeit

2.4 Die Spielsachen

2.5 Kinderaktionen und Deportationen

2.6 Das Leben mit den „Bewachern“

3. Das Leben und das kindliche Spiel in den Lagern

3.1 Der Hunger und Nahrungsmittelmangel

3.2 Der allgegenwärtige Tod

3.3 Das Leben mit dem Ungeziefer

3.4 Die Spielsachen

3.5 Die anderen Zeitvertreibe

4. Spieltheoretische und andere Deutungsversuche

4.1 Spiel als Spiegel der Gesellschaft

4.2 Spiel als Probe des Ernstfalls

4.3 Spiel als kurze Atempause bzw. Erholung

4.4 Spiel als Zeichen des Überlebenswillens

4.5 Spiel als Täuschung und Protest

5. Fazit und Diskussion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das kindliche Spielverhalten während der Zeit des Nationalsozialismus in Ghettos und Lagern. Das primäre Ziel ist es, die Funktionen dieses Spiels in einer lebensbedrohlichen Extremsituation zu analysieren und mittels pädagogischer Spieltheorien zu deuten.

  • Historische Rahmenbedingungen der Judenverfolgung im Nationalsozialismus.
  • Alltagssituationen in Ghettos und Lagern und deren Einfluss auf kindliche Spielformen.
  • Anpassungsstrategien, Bewältigung von Hunger und Tod durch spielerische Aktivitäten.
  • Theoretische Deutungsversuche: Spiel als Spiegel der Gesellschaft, Probe des Ernstfalls, Erholung und Protest.
  • Die Rolle der Phantasie und Kreativität als Ausdruck von Überlebenswillen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Hunger und Nahrungsmittelmangel

Die Nahrungsmittelzuteillungen für die „Häftlinge“ in den Lagern wurden von den Machthabern aufs Genauste geregelt, aber selten wirklich eingehalten. So wurden zum Beispiel in Theresienstadt ab 1942 „Brotkategorien“ für die Insassen und deren Funktion eingeführt.

„Nun bekamen Arbeiter (N) 375 g, Schwerarbeiter (S) 500 g, Nichtarbeiter (K) 333 g, die gleiche Menge empfingen Kurzarbeiter (L).“ (Adler 1955, 350). Diese Rationen mussten hier erst für zwei und dann für drei Tage ausreichen. Aber „Die Laibe erreichten nie ganz das vorgeschriebene Gewicht, angeblich durch Verdunstung.“ (Adler 1955, 351).

Die SS und die Lagerverwaltungen verwendeten die Rationierung von Brot auch als ein Sanktionsmittel. So berichtet Eisen (1993) von einem Vorfall im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Hier hatte ein Insasse vergeblich versucht ein Brief aus dem Lager zu schmuggeln. Nach Entdeckung dieser „Straftat“ strich der Lagerkommandant die Brotrationen für die nächsten drei Tage. Ein kleiner Junge versuchte diese Zeit folgendermaßen durch ein Spiel zu überbrücken:

„Ich überlegte mir, wie ich die nächsten Tage überstehen könnte. Was konnte ich machen, um nicht ständig ans Essen zu denken? Da fiel mir ein, daß es in meiner Baracke einen Kameraden gab, der ein Schachspiel hatte. Ich ging zu ihm und fragte ihn, ob er es mir verkaufen wolle. […] Ich konnte ihn dazu überreden, mir sein Schachspiel für zwei Brotrationen zu verkaufen, was bedeutete, daß ich FÜNF TAGE LANG [Hervorhebungen nicht durch d.V.] kein Brot bekommen würde. Ich hatte es mir gut überlegt. Ich nahm das Spiel mit in meine Koje, und während der nächsten drei Tage tat ich nichts anderes, als mit meinem Freund Walter zu spielen. Wir konzentrierten uns so stark auf das Spiel, daß wir unseren Hunger völlig vergaßen, und so gingen die Tage rasch vorüber.“ (zit.n. Eisen 1993, 145)

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der kindlichen Spiele in nationalsozialistischen Ghettos und Lagern sowie Klärung der Forschungsinteressen.

1. Historische Hintergründe: Darstellung der judenfeindlichen Gesetze und der schrittweisen Ausgrenzung und Inhaftierung der jüdischen Bevölkerung.

2. Das Leben und das kindliche Spiel in den Ghettos: Analyse der Lebensbedingungen in den Ghettos und die Adaption dieser Realität durch Kinder in ihren Spielen.

3. Das Leben und das kindliche Spiel in den Lagern: Untersuchung der spezifischen, noch extremeren Bedingungen in den Lagern und die Auswirkungen auf das Spielverhalten.

4. Spieltheoretische und andere Deutungsversuche: Anwendung pädagogischer Theorien zur Einordnung und Interpretation der kindlichen Aktivitäten als Bewältigungs- und Ausdrucksformen.

5. Fazit und Diskussion: Zusammenfassende Betrachtung der Schwierigkeiten bei der theoretischen Fundierung und Reflektion über die Rolle des Spiels in der Holocaust-Forschung.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Holocaust, Ghettos, Konzentrationslager, Spielpädagogik, Kindheit, Überlebenswille, Anpassung, Verfolgung, Spieltheorie, Zwangsarbeit, Deportation, Bewältigungsstrategien, Kinderaktionen, Widerstand.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Analyse des kindlichen Spiels in einer historischen Ausnahmesituation: den Ghettos und Lagern unter der Herrschaft des Nationalsozialismus.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?

Im Zentrum stehen die Lebensbedingungen (Hunger, Tod, Angst, Zwangsarbeit) und deren Widerspiegelung in den Spielen der Kinder, sowie die theoretische Deutung dieser Spiele.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es zu ergründen, wie eingesperrte Kinder in der NS-Zeit spielten, wie diese Spiele vor dem Hintergrund ihrer Realität gedeutet werden können und ob klassische Spieltheorien diese Phänomene erklären können.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, insbesondere unter Heranziehung von Studien zu Kindern im Holocaust, und ordnet die empirischen Befunde pädagogisch-theoretischen Erklärungsmodellen zu.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in die differenzierte Betrachtung von Spielformen in Ghettos einerseits und Lagern andererseits, ergänzt durch eine theoretische Analyse der Funktionen des Spiels.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Spielpädagogik, Holocaust, Überlebensstrategien, Kindheitsgeschichte sowie theoretische Konzepte wie die Erholungstheorie oder Einübungstheorie.

Welche Funktion hat das Spiel laut der Autorin in den Lagern?

Das Spiel diente den Kindern vor allem als Bewältigungsstrategie, um dem Hunger zu entfliehen, kurzzeitig der grausamen Realität zu entkommen oder den eigenen Willen zum Überleben auszudrücken.

Wie reagierten Kinder in den Ghettos auf das Verbot von Schulen?

Sie organisierten informelle „Spielgruppen“, in denen sie trotz Verboten von ihren Lehrern weiter unterrichtet wurden, wobei das Spiel als Fassade diente, um bei Kontrollen durch die SS nicht aufzufallen.

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Details

Title
Das Spiel der Kinder in den Ghettos und Lagern in der Zeit des Nationalsozialismus
College
University of Bamberg
Course
Das Spiel in der Pädagogik
Grade
2,0
Author
Linda Neundorf (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V126199
ISBN (eBook)
9783640325191
ISBN (Book)
9783640325993
Language
German
Tags
Spiel Kinder Ghettos Lagern Zeit Nationalsozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Linda Neundorf (Author), 2008, Das Spiel der Kinder in den Ghettos und Lagern in der Zeit des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126199
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