Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, inwiefern sich Louise Labé in die petrarkistische Dichtungstradition einschreibt und wo/in welchen Punkten sie darüber hinausgeht. Diese Problematik ist immer wieder Gegenstand von Literaturforschungen, wenn auch von Arbeit zu Arbeit verschiedene Dichterinnen im Fokus stehen. In meiner Hausarbeit möchte ich jedoch meinen Fokus auf Sonett II von Louise Labé legen, da eine größere Analyse, wie bei Schulze-Witzenrath, den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Deshalb sind die Publikationen „Die Originalität der Louise Labé” von Elisabeth Schulze-Witzenrath wie auch “Zu Rilkes Nachdichtung der Sonette von Louise Labé. Erleben vor Anschaulichkeit” (o.A.) von Monika Fahrenbach die wichtigsten bibliographischen Referenzen für die vorliegende Arbeit.
Die Sonette 90 sowie 188 von Petrarca entstammen aus “Canzoniere” von Petrarca, F., Gabor, G., & Dreyer, E. und Labés Sonett II aus “Sonette und Elegien” von Louise Labé und Monika Fahrenbach-Wachendorf. Meiner Problematik werde ich mithilfe eines Vergleichs des Sonetts II von Louise Labé mit ausgewählten Gedichten Francesco Petrarcas nachgehen. Hierfür analysiere und interpretiere ich zunächst jeweils Sonett 90 und Sonett 188 von Petrarca sowie Sonett 2 von Louise Labé nach ihrer Thematik, ihrer Sonettform sowie ihren Stilmitteln. Anschließend vergleiche ich Louise Labés Gedicht mit den Gedichten Petrarcas nach den bereits genannten Punkten. Im Schlussteil fasse ich dann die wichtigsten Punkte meiner Arbeit zusammen. Hierbei steht die Auswertung dieses Vergleiches exemplarisch für den Petrarkismus von Louise Labé.
Im 16. Jahrhundert verbreitete sich in Europa eine Liebesdichtung in der Nachfolge des italienischen Dichters und Geschichtsschreibers Francesco Petrarcas (1304-1374), die sich durch gezierte, schablonenhafte Liebeslyrik auszeichnet: Der Petrarkismus. Insbesondere Petrarcas Gedichtzyklus Canzoniere wird hierfür modellbildend. Die petrarkistische Liebesdichtung war jedoch bis zur Renaissance einseitig männlich ausgerichtet. Frauen, die über Liebeswerbung und Liebesklage dichteten, waren nicht akzeptiert. Aus diesem Grund entstand der weibliche Petrarkismus mit einigen Besonderheiten. Eine typische Vertreterin dessen ist Louise Labé.
Inhaltsverzeichnis
Exposé
1 Einleitung
2 Analysen der einzelnen Gedichte nach jeweiligen Gesichtspunkten
2.1 Analyse des Sonetts 90 von Petrarca
2.1.1 Thematik
2.1.2 Sonettform
2.1.3 Stilmittel
3. Analyse der Sonette
3.1 Analyse des Sonetts 188 von Petrarca
3.1.1 Thematik
3.1.2 Sonettform
3.1.3 Stilmittel
3.2 Analyse des Sonetts II von Louise Labé
3.2.1 Thematik
3.2.2 Sonettform
3.2.3 Stilmittel
4 Vergleich der Sonette
4.1 Thematik
4.2 Sonettform
4.3 Stilmittel
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich die Dichterin Louise Labé in die traditionelle petrarkistische Dichtungstradition einreiht und an welchen Punkten sie diese übersteigt. Dabei wird insbesondere das Sonett II von Labé mit den Sonetten 90 und 188 von Francesco Petrarca verglichen, um Unterschiede in der Darstellung von Liebe, Schmerz und Geschlechterrollen aufzuzeigen.
- Analyse der petrarkistischen Liebeslyrik
- Weiblicher बनाम männlicher Petrarkismus
- Vergleichende Interpretation von Sonetten
- Stilistische Untersuchung und Formanalyse
- Die Rolle der Literaturtradition und Innovation
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Thematik
Ich werde im Folgenden das lyrische Ich als “sie” bezeichnen, da Labé in Vers 11 selbst angibt, dass es sich um eine weibliche Sprecherin handelt: “Tant de flambeaus pour ardre une femmelle!”. Damit ist jedoch auf keinen Fall eine Gleichsetzung der Autorin und des Lyrischen Egos gemeint. (vgl. Labé, Fahrenbach-Wachendorf 2001 : 42)
Das Sonett II von Louise Labé handelt von Liebe, Schmerz und der Leidenschaft; das lyrische Ich apostrophiert seinen Geliebten und erzählt von ihrem Unglück. Die Liebe ist zwar nicht ausdrücklich im Gedicht erwähnt, durchscheint jedoch in dem Porträt, in dem verschiedene Körperteile des geliebten Menschen erwähnt werden. (“O beaus yeus bruns” V. 1, “(... ) ô front, cheveus, bras, mains & doits!” V. 9)
In der ersten Strophe drückt das lyrische Ego ihre Enttäuschung über den Angebeteten aus, weil sie lange auf ihn gewartet und ihn ersehnt hat. Das Sonett beginnt mit der Beschwörung des Blickes (“O beaus yeus bruns, ô regars détournés” V.1), der vermutlich auch der Blick ist, der die Liebe ausgelöst hat. Ab Vers 2 wird das lyrische “Ô” klagend, welches durch Wörter wie "soupirs" und "larmes" seinen elegischen Ton erhält. Die Adjektive wie “beaus” in Vers 1 und “chaus” in Vers 2 heben den Geliebten hervor. Jedoch findet sich in dem Sonett vergebens eine derartige Überhöhung der Erscheinung wie bei Petrarca. Die Ausdrücke “nuits” et jour” in Vers 3 - 4, betonen, dass das Warten konstant ist und schon lange dauert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den Petrarkismus, die Zielsetzung der Arbeit sowie Erläuterung der Fokussonette.
2 Analysen der einzelnen Gedichte nach jeweiligen Gesichtspunkten: Detaillierte Untersuchung von Petrarcas Sonett 90 hinsichtlich Thema, Form und Stilmitteln.
3. Analyse der Sonette: Umfassende Analyse der Sonette 188 von Petrarca und II von Louise Labé unter den Aspekten Thematik, Form und Stil.
4 Vergleich der Sonette: Synoptische Gegenüberstellung von Petrarca und Labé, wobei insbesondere die Unterschiede im subjektiven Erleben und der Rolle der Frau hervorgehoben werden.
5 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die Labé als Innovatorin innerhalb des Petrarkismus identifiziert.
Schlüsselwörter
Petrarkismus, Louise Labé, Francesco Petrarca, Liebeslyrik, Sonett, Weiblicher Petrarkismus, Unerfüllte Liebe, Vergleich, Stilmittel, Geschlechterrolle, Literaturgeschichte, Lyrisches Ich, Sehnsucht, Tradition, Innovation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich zwischen der traditionellen petrarkistischen Liebeslyrik Francesco Petrarcas und dem weiblichen Petrarkismus von Louise Labé.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Darstellung von unerfüllter Liebe, Schmerz, das lyrische Ich, die Überhöhung der Geliebten bzw. des Geliebten sowie die literarische Tradition des Petrarkismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, herauszufinden, wie sich Louise Labé in die Dichtungstradition Petrarcas einschreibt und welche individuellen Merkmale ihren eigenen "weiblichen Petrarkismus" definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, wobei die Sonette nach Thematik, Form und Stilmitteln decodiert und interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einzelanalysen von Petrarcas Sonett 90, Sonett 188 sowie Labés Sonett II, gefolgt von einem direkten Vergleich dieser Gedichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Petrarkismus, Sonett, Liebe, Schmerz, Vergleich und literarische Innovation charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle des lyrischen Ichs bei Labé im Vergleich zu Petrarca?
Bei Petrarca spricht das lyrische Ich meist als Mann aus der Distanz zu einer unerreichbaren Frau, während bei Labé eine Frau spricht, die ihre Enttäuschung über einen untreuen bzw. verlassenden Geliebten ausdrückt.
Warum verwendet Labé keine mythologischen Stoffe in ihrem Sonett?
Das Fehlen mythologischer Vergleiche dient bei Labé der Darstellung einer bodenständigeren, direkteren Lebensnähe und unterstreicht ihre Abgrenzung vom traditionellen petrarkistischen Stil.
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- Lea Alexandra Schöpfer (Author), 2022, Weiblicher Petrarkismus. Ein Vergleich des Sonetts II von Louise Labé mit ausgewählten Gedichten Francesco Petrarcas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1262673