Vergleich des Baal mit der Lulu -Tragödie in Bezug auf den Einfluss Frank Wedekinds auf Bertolt Brecht


Hausarbeit, 2001

15 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wedekinds Einfluss auf Brecht
2.1 Wedekind ein Lehrer Brechts
2.2 Gemeinsamkeiten
2.3 Wedekinds Einfluss auf das Theater Brechts

3. Vergleich der Dramen „Baal” und „Lulu-Tragödie”
3.1 Inhaltsangabe der „Lulu-Tragödie”
3.2 Inhaltsangabe des „Baal”
3.3 Vergleich des Aufbaus
3.4 Vergleich der Stilmittel
3.5 Vergleich der Thematik und der Hauptfiguren

4. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit soll den Einfluss Frank Wedekinds auf den jungen Bertolt Brecht auf- zeigen und genauer bestimmen. Dies wird an zwei Werken der beiden Autoren, Wede- kinds „Lulu-Tragödie” und Brechts „Baal”, dargelegt.

5 Wedekind, der zu Lebzeiten umstritten war und es teilweise auch heute noch ist, gehörte trotzdem zu den wichtigsten und bedeutendsten Theaterautoren des 20. Jahrhunderts. Wichtig erscheint an ihm vor allem seine Bedeutung für fast alle späteren Strömungen der Literatur. Viele seiner Zeitgenossen schätzten und lobten ihn. Karl Kraus nannte ihn den „faszinierendsten Dramatiker Deutschlands“1. Heinrich Mann sah, dass Wedekind in

10 seinen Stücken vorweggenommen hat, was erst noch kommen sollte, womit er Recht hatte. Einer von Wedekinds Bewunderern war der 34 Jahre jüngere Bertolt Brecht. Er er- nannte Wedekind „mit Tolstoi und Strindberg zu den großen Erziehern des neuen Europa“.2 Brecht übernahm viel von Wedekinds Ideen, entwickelte sie in seiner Literatur weiter und nutzte sie für sein Theater. Dies wird auch beim Vergleich der obengenannten

15 Werke deutlich.

2. Wedekinds Einfluss auf Brecht

2.1 Wedekind ein Lehrer Brechts

Bertolt Brecht, einer der wenigen Autoren, die die Bedeutung Frank Wedekinds für die Kunst der Moderne und für das deutsche Theater würdigten, macht schon in seiner Ju-

20 gend Bekanntschaft mit Wedekinds Werken.

Bereits 1914 bekommt er von seinem Vater eine Wedekind-Ausgabe geschenkt. Brecht, der sehr früh mit dem Schreiben beginnt und seine Arbeiten seit 1916 mit Bert Brecht si- gniert, verfolgt also schon im Alter von 18 Jahren interessiert die gesamte zeitgenössische Literatur. Vor allem die Dramenproduktion von Gerhart Hauptmann, Frank Wedekind,

25 Bernard Shaw und August Strindberg bekommen seine Aufmerksamkeit. Trotz seiner Begeisterung für den Naturalismus, schätzt er in besonderer Weise Frank Wedekind, die Antipode Hauptmanns und bekennender Gegner des Naturalismus.3

Im Jahre 1918 schreibt sich Brecht in der philosophischen Fakultät der Ludwig Maximili- ans Universität in München ein. Dort besucht er Kurse verschiedenster Bereiche, möchte

30 sich in möglichst vielen Bereichen bilden. Er lebt nach der Devise „Das Leben ist eine Rutschbahn”, ein Ausspruch, der auch in Wedekinds Stück „Der Marquis von Keith” be- nutzt wird. In dieser Zeit besucht Bertolt Brecht auch ein Seminar bei Artur Kutscher, welches für Brecht sehr bedeutend ist, da Wedekind an der „Abschiedskneipe” des Se- minars teilnimmt.

35 Seit Brecht in München wohnt, bewundert er sein Vorbild Wedekind auch als Schauspie- ler und Vortragskünstler, studiert seine Gestik und seine eigenwilligen Betonungen. Häu- fig singt er seinen Freunden Wedekinds Bänkellieder und Balladen vor. Wortwörtlich sagt er: „ Nie hat mich ein Sänger so begeistert und erschüttert. Es war die enorme Le- bendigkeit dieses Menschen, die Energie, die ihn befähigte, von Gelächter und Hohn

40 überschüttet, sein ehernes Hoheslied auf die Menschlichkeit zu schaffen, die ihm auch diesen persönlichen Zauber verlieh.”1 Schon bei dieser Beschreibung kann der Eindruck entstehen, dass Baal Züge von Wedekinks Persönlichkeit trägt. Meiner Meinung nach ist dieser Eindruck durchaus berechtigt, denn Wedekind repräsentierte die Idee des jungen Brecht vom Dichter als Außenseiter der Gesellschaft, einem Sänger und Vagabunden.2

45 Auffällig ist auch, dass Wedekind schon in der ersten Szene des „Baal” als Vorbild ge- nannt wird: „ Einiges könnte geradezu von Verlaine oder Wedekind sein. Ich meine das Diabolische.” (S. 13)

Als Wedekind am 9. März 1918 stirbt, ist Bertolt Brecht tief betroffen. Brecht schreibt ei- nen Nachruf auf Wedekind, indem er ihn als große Erzieherpersönlichkeit würdigt Dieser

50 erscheint im Augsburger Blatt. Zusätzlich arrangiert er eine nächtliche Totenfeier in Augsburg und fährt zur Beerdigung nach München. Dort sieht er Wedekind im Sarg und schildert später diesen Eindruck folgendermaßen: „ Eine der größten Überraschungen, die ich je hatte: Er sah aus wie ein kleiner Junge, so um den Mund herum. Der süffisante preziöse Zug der Lippen, das Übersättigte, Zynische ganz weg! Zuerst meinte man, er

55 lächle; aber dann sah man, daß er das Lächeln sich schon abgewöhnt hatte.”3

Die Eindrücke dieser Beerdigung verarbeitet er später in dem folgenden Vierzeiler:

Sie standen ratlos in Zylinderhüten Wie um einen Geieraas. Verstörte Raben.

Und ob sie ( Tränen schwitzend) sich bemühten:

60 Sie konnten diesen Gaukler nicht begraben

Auch in den Tagebüchern Brechts1 findet man noch nach Wedekinds Tod einige Einträge, die im Zusammenhang mit ihm stehen. Zum Beispiel schreibt er am 19.12.1921 folgendes: „[…] Ich kann nicht arbeiten, singe bloß Choräle und Wedekind. Das ist ein Erbauungsschriftsteller wie wenige. Er und ein Revolver und kein Gewissen, aber Ge-

65 schmack: Das ist besser als die Konfirmation.[…]”

Brecht ernennt Wedekind, neben Lion Feuchtwanger, Karl Valentin, Alfred Döblin, Karl Kraus und Serjej Tretjakow, zu einem seiner Lehrer. Seine Lehrer sind Freunde, Autoren und Wissenschaftler, mit denen er zum Teil zusammenarbeitet und die wie er, stets dazu- lernen wollen, die auch als Lehrer zugleich Schüler bleiben.

70 Brecht bewundert Wedekind also nicht nur, sondern versucht auch von ihm zu lernen, Dinge zu übernehmen und weiterzuführen. Der Einfluss des Stils von Wedekind wird zum Beispiel in dem Bänkelsängerstil und dem kabarettistischen Ton der Brechtschen Songs sowie der „Hauspostille” sichtbar. Außerdem übernimmt Brecht von Wedekind die Methoden der „direkten” Aussage, der Täuschung und Provokation, welche Wede-

75 kind in die Literatur gebracht hat.

2.2 Gemeinsamkeiten

Die zum Teil sehr ähnliche Thematik der Stücke Brechts und Wedekinds lassen sich si- cherlich unter anderem durch Gemeinsamkeiten und Parallelen im Lebenslauf, -wandel und Umfeld der beiden Autoren erklären.

80 Brecht und Wedekind, wuchsen beide in aufgeklärten, bürgerlichen Verhältnissen auf, in recht wohlhabenden und gebildeten Familien. Sie wurden beide sehr stark von der prote- stantischen Kirche und ihrem Glauben geprägt und setzten sich sehr früh mit diesem aus- einander. Wedekind nannte sich aber schon im Jahre 1881 einen Atheisten, da es keine wirkliche Alternative zum Christentum für ihn gab. Er glaubte ebenso wie Brecht nicht

[...]


1 Mennemeier, Franz: Modernes Deutsches Drama 1; München 1979, S. 326

2 Ebd. S.326

3 Völker, Klaus: Bertolt Brecht; München 1976, S.17

1 Völker, Klaus: a.a.O., S.25

2 Esslin, Martin: Brecht. Das Paradox des politischen Dichters; Frankfurt 1962, S.159

3 Völker Klaus: a.a.O., S.25

1 Brecht, Bertolt: Tagebücher 1920-1922; Frankfurt 1975

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vergleich des Baal mit der Lulu -Tragödie in Bezug auf den Einfluss Frank Wedekinds auf Bertolt Brecht
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Seminar für deutsche Literatur und Sprache)
Veranstaltung
Einführung in die Literaturwissenschaft
Note
gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V12627
ISBN (eBook)
9783638184656
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brecht, Wedekind, Baal, Lulu
Arbeit zitieren
Mirja Plischke (Autor), 2001, Vergleich des Baal mit der Lulu -Tragödie in Bezug auf den Einfluss Frank Wedekinds auf Bertolt Brecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12627

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