Klaus Kinski (1926-1991) war ein deutscher Schauspieler, der neben seinen schauspielerischen Leistungen auch für seine cholerischen Wutausbrüche bekannt war. Er galt als schwieriger Gesprächs- und Interviewpartner, der nicht immer bereit war, sich auf die Aussagen und Fragen seines Gegenübers einzulassen. Doch warum war die Kommunikation mit Kinski so schwierig? Anhand eines Beispiels wird in dieser Arbeit versucht, darauf eine Antwort zu geben. Dafür wird ein Fernsehinterview, das – wie so häufig – mit einem Wutausbruch Kinskis endet, konversationsanalytisch untersucht, um bestimmen zu können, warum die Kommunikation in diesem Interview nicht gelang.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Struktur eines Gesprächs nach Brinker und Sager
2.2 Formale Eigenschaften und die Konstituierungspraxis nach Brinker und Sager
2.3 Das Interview als Kommunikationsform
3. Methodisches Vorgehen
4. Analyse
4.1 Analyse der Gesprächsstruktur
4.2 Analyse der interaktiven Verfahren
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht ein Fernsehinterview mit Klaus Kinski konversationsanalytisch, um die Ursachen für das Scheitern der Kommunikation in diesem speziellen Fall zu identifizieren und die angewandten interaktiven Verfahren auf deren Wirksamkeit hin zu prüfen.
- Konversationsanalyse nach Brinker und Sager
- Strukturelle Analyse von Gesprächsphasen
- Untersuchung von interaktiven Verfahren und "Accounts"
- Evaluation von Kommunikationsstörungen und Eskalationsmomenten
- Analyse der Rollenverteilung zwischen Interviewer und Kinski
Auszug aus dem Buch
2. Theoretische Grundlagen
Die Einheiten, welche Brinker und Sager in ihrem Werk zur Strukturierung von Gesprächen vorschlagen, sind der Gesprächsschritt, die Gesprächssequenz und die Gesprächsphase.
Die kleinste Einheit eines Gesprächs ist der Gesprächsschritt. In der englischen Sprachwissenschaft wird diese Einheit auch turn genannt und bildet „die Grundeinheit des Dialogs“. Erving Goffman beschreibt diese Grundeinheit näher als „alles das, was ein Individuum tut und sagt, während es an der Reihe ist“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse dar, ein konkret gescheitertes Interview mit Klaus Kinski hinsichtlich der Kommunikationsmuster zu untersuchen.
2. Theoretische Grundlagen: Erläutert die methodischen Werkzeuge der Gesprächsanalyse nach Brinker und Sager, einschließlich Gesprächsstrukturen und der Definition des Interviews.
3. Methodisches Vorgehen: Beschreibt die Anwendung der Theorie auf das vorliegende Kinski-Interview und erläutert die Transkriptionskriterien.
4. Analyse: Untersucht im Detail die Gesprächsstruktur und die interaktiven Verfahren, die zu einem Abbruch des Gesprächs führen.
5. Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen, die zeigen, dass sowohl Kinskis Haltung als auch die Gesprächsführung der Journalistin wesentlich zum Scheitern beitrugen.
Schlüsselwörter
Gesprächsanalyse, Klaus Kinski, Kommunikationstheorie, Brinker und Sager, Interaktive Verfahren, Gesprächsstruktur, Interview, Kommunikationsstörung, Eskalation, Konversationsanalyse, Streitgespräch, Sprecherwechsel, Face-Konzept, Performanz, Inhaltsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Scheitern eines Fernsehinterviews mit dem Schauspieler Klaus Kinski unter Verwendung konversationsanalytischer Methoden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Gesprächsstruktur, die interaktiven Verfahren der Dialogpartner sowie die Bedingungen für eine gelungene oder misslingende Verständigung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die spezifischen Gründe für das Kommunikationsversagen in diesem Interview empirisch zu fundieren und die interaktiven Strategien der Beteiligten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die konversationsanalytische Methode nach Brinker und Sager angewandt, um die Mikro- und Makroebene des Gesprächs zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Gesprächsschritte, formale Eigenschaften) und die praktische Analyse der Gesprächsstruktur sowie der interaktiven Verfahren im Kinski-Interview.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gesprächsschritt, Gesprächssequenz, interaktive Verfahren, Indexikalität und Eskalationsprozesse.
Warum wird das Interview mit Klaus Kinski als "Streitgespräch" betrachtet?
Aufgrund der auftretenden Kommunikationsstörungen, der Eskalation und der gegenseitigen Provokationen weist es typische Merkmale auf, die über ein übliches Informationsinterview hinausgehen.
Welche Rolle spielt die Journalistin bei der Eskalation?
Die Analyse legt nahe, dass die Journalistin die formale Ordnung des Intervies nicht immer wahrt und durch ihre Fragestellung bei Kinski Widerstand provoziert.
Wie reagiert Klaus Kinski auf die Fragestellung?
Kinski empfindet die Fragen teilweise als redundant oder bösartig, was ihn dazu veranlasst, die Fragen als sinnlos zu diskreditieren und die Kooperation zu verweigern.
Welches Fazit zieht die Autorin über den Kommunikationsabbruch?
Das Scheitern ist auf eine mangelnde Kooperationsbereitschaft beider Seiten zurückzuführen, wobei Kinski sich unverstanden fühlt und die Journalistin das Interesse an einer sachlichen Interaktion vermissen lässt.
- Arbeit zitieren
- Juliane Baier (Autor:in), 2016, Eine Gesprächsanalyse eines Interviews mit Klaus Kinski hinsichtlich der interaktiven Verfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1262841