Mellenbach liegt inmitten des Thüringer Waldes und gehört zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. In seiner Umgebung befinden sich Orte die dem gleichen Landkreis angehören, wie zum Beispiel Unterweißbach, Dörnfeld und Meuselbach, aber auch einige, die zum Ilm-Kreis zählen, wie Allersdorf. In diesem Gebiet des Thüringer Waldes treffen die Grenzen der beiden Kreise aufeinander, deshalb werden in dieser Arbeit die Orte nicht nach Kreisen unterschieden, da man aufgrund der engen Lage zueinander keine kreisbedingten Unterschiede feststellen kann. Im Anhang der Arbeit kann man gut erkennen, wie die Orte zueinander liegen (siehe Abbildung 1).
Um genügend und vor allem authentisches Material für diese Arbeit zu sammeln, war es wichtig sich mit den Menschen in den Dörfern zu unterhalten und sie zu befragen. Man findet kaum bis kein schriftliches Material zu diesem Thema, was sehr schade ist. Es war sehr interessant, diese Namen und Geschichten herauszufinden, wenn auch nicht immer einfach und auf den ersten Blick verständlich. Denn sehr auffällig ist, dass die Dialekte aussterben. Es war teilweise sehr schwierig, die älteren Leute, die befragt wurden, zu verstehen. Vor allem in Dörfern, mit denen man vorher kaum in Kontakt gekommen ist, wie zum Beispiel Herschdorf. Doch auch in bekannten Dörfern war es teilweise schwierig, die älteren Menschen dort zu verstehen. Deshalb wurde als ebenfalls wichtig empfunden, die Aussprache und ihre Besonderheiten in Mellenbach und Umgebung mit aufzuführen, da sie wesentlich zum Verständnis beitragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines zu den Dialekten in Mellenbach und Umgebung
3. Einwohner und ihre Necknamen rund um Mellenbach
3.1 Mellenbach
3.2 Unterweißbach
3.3 Oberweißbach
3.4 Katzhütte
3.5 Meuselbach
3.6 Allersdorf
3.7 Neuhaus
3.8 Barigau
3.9 Dörnfeld
3.10 Garsitz
4. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturellen Identitäten und sprachlichen Besonderheiten in den Dörfern rund um Mellenbach im Thüringer Wald. Ziel ist es, durch persönliche Befragungen der Einwohner die teilweise aussterbenden Dialekte sowie die historischen Hintergründe der lokal gebräuchlichen "Necknamen" zu dokumentieren und deren Bedeutung für die regionale Identität herauszuarbeiten.
- Analyse der sprachlichen Dialektunterschiede zwischen Tal- und Hochflächenlagen.
- Dokumentation lokaler Bezeichnungen für Alltagsgegenstände als Indikator für kulturelle Abgrenzung.
- Erforschung der historischen und anekdotischen Ursprünge der dörflichen Necknamen.
- Untersuchung der geografischen Einflüsse auf die Entwicklung isolierter Dialektformen.
- Sicherung von mündlichem Kulturgut durch Interviews mit der älteren Generation.
Auszug aus dem Buch
3.6 Allersdorf
Allersdorf ist ein Dorf „von circa 150 Einwohnern und ein Ortsteil von Herschdorf, welches einen Kilometer weiter nördlich liegt“.7 Allersdorf liegt auf einer Hochfläche, in 600m Höhe (siehe Abbildung 8). Im Tal erstreckt sich der Finkenbach, der durch die Finkenmühle fließt und in der Schwarza mündet. Allersdorf gehört, im Gegensatz zu den oben genannten Dörfern schon zum Ilm-Kreis. „Die Grenze des Kreises Saalfeld-Rudolstadt verläuft circa 200m nördlich von Allersdorf“8, jedoch ist hier der Unterschied zwischen den Landkreisen noch nicht zu erkennen.
In den umliegenden Dörfern werden die Allersdorfer entweder die „Heckenbinder“ oder die „Schüsselkörbe“ genannt.
Früher hatten die Allersdorfer zwischen ihren und den Gärten der Nachbarn viele Hecken zum Sichtschutz stehen. Da es aber auf Grund der Höhenlage Allersdorfs dort sehr windig ist, verloren die Hecken mit der Zeit an Dichte und man konnte hindurch schauen. Um dies zu verhindern, nahmen die Bewohner längere Zweige ihrer Hecken, schnitten diese ab und fädelten, bzw. banden sie in die kahlen Stellen der Hecken ein. Seitdem nennt man sie auch „Heckenbinder“.
Wie schon erwähnt ist ein weiterer Name der Allersdorfer „die Schüsslkörbe“. Dieser leitet sich aus der Lage des Dorfes ab. Allersdorf liegt, wie schon beschrieben, auf einer Hochfläche. Wenn man dies von oben betrachtet, sieht es aus, als sei das Dorf eine Schüssel, weil es in U-Form in den Berg eingebettet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die geografische Verortung der untersuchten Orte im Thüringer Wald und begründet die methodische Notwendigkeit der direkten Befragung der Einwohner aufgrund mangelnder schriftlicher Quellen.
2. Allgemeines zu den Dialekten in Mellenbach und Umgebung: Dieses Kapitel vergleicht die sprachlichen Eigenheiten ausgewählter Dörfer anhand von Wortbeispielen und beleuchtet die unterschiedlichen Bezeichnungen für alltägliche Gebrauchsgegenstände.
3. Einwohner und ihre Necknamen rund um Mellenbach: Das Hauptkapitel widmet sich der detaillierten Vorstellung einzelner Orte und erklärt jeweils die Entstehungsgeschichte der ihnen zugeschriebenen Necknamen durch historische oder anekdotische Überlieferungen.
4. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen, betont den Wert der Dialektforschung und mahnt die Dringlichkeit an, das schwindende Wissen um die lokale Geschichte und Sprache für die Nachwelt zu bewahren.
Schlüsselwörter
Thüringer Wald, Mellenbach, Dialekt, Necknamen, Mundart, Sprachwandel, kulturelle Identität, Ortsgeschichte, Besenbinder, Heckenbinder, Rotaugen, Querlicher, Regionalkultur, Feldforschung, Ethnografie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung und Dokumentation von Dialekten sowie den traditionellen Necknamen in Dörfern rund um Mellenbach im Thüringer Wald.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die sprachliche Varietät innerhalb weniger Kilometer, die Entstehungsgeschichten lokaler Spottnamen und die Erhaltung mündlicher Überlieferungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die aussterbenden Dialekte und die damit verbundenen Anekdoten durch Befragungen der älteren Bevölkerung authentisch zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf qualitativen Interviews (mündliche Befragungen) der Einwohner sowie einer komparativen Analyse der sprachlichen Besonderheiten der Region.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine sprachliche Einführung und eine ortsspezifische Analyse, in der jedes Dorf einzeln mit seinen Besonderheiten und Necknamen vorgestellt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dialekt, Regionalkultur, Thüringer Wald, Necknamen und Feldforschung geprägt.
Warum variieren die Dialekte auf engem Raum so stark?
Die geografische Lage, insbesondere die Isolation durch schwierige klimatische Bedingungen (wie in Herschdorf) oder die Trennung durch Tal- und Hochlagen, hat zur Ausbildung sehr lokaler Identitäten und Sprachformen geführt.
Was bedeutet der Neckname "Rotaugen" für die Dörnfelder?
Dieser Name bezieht sich auf eine lokale Legende, die in Zusammenhang mit vermeintlichem Inzest und den daraus resultierenden körperlichen Merkmalen bei Kindern steht.
Wie entstanden die Namen der Allersdorfer "Heckenbinder"?
Aufgrund starker Winde in der Höhenlage litten die Hecken als Sichtschutz. Die Bewohner mussten diese durch das Einbinden weiterer Zweige künstlich reparieren, woraus sich die Bezeichnung ableitete.
Was steckt hinter dem Mythos der "Querlicher" in Garsitz?
Die Legende besagt, dass Kobolde (Querlicher) in Höhlen im Wald lebten und die Vorfahren der heutigen Bewohner durch magische Unterstützung bei der Lebensbewältigung unterstützten.
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- Stefanie Krahner (Author), 2008, Alte und neue Familiennamen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126301