Die Montessori-Pädagogik

Selbsterziehung als Weg zur Selbstständigkeit?


Seminararbeit, 2008

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Maria Montessori – Leben

3. Die heutige Verbreitung ihres Pädagogikkonzepts

4. Die Montessori-Pädagogik
4.1 Grundlagen
4.2 Sensible Phasen
4.3 Didaktik
4.4 Leistungsbewertung
4.5 Die Rolle der Religion in der Erziehung
4.6 Von der Kinderkrippe bis zum Gymnasium

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Maria Montessori ist eine der bedeutungsvollsten Pädagogen überhaupt. Obwohl der Beruf des Erziehers/ der Erzieherin fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wird, sind Frauen in den Theorien der Erziehung sehr selten vertreten. Umso bedeutungsvoller wird hier Maria Montessori. Sie hat ein Erziehungskonzept entwickelt, welchem heute noch große Bedeutung zugemessen wird.

Im Zentrum dieses Konzepts stehen vor allem Freiheit, Kreativität und das Ziel einer normalen, selbstständigen Entwicklung des Kindes. Einer der Schlüsselbegriffe der montessorischen Pädagogik ist die Selbsterziehung. Die Kinder sollen durch die Unterstützung der Eltern und Erzieher lernen, selbstständig zielorientiert zu lernen. Es ist wichtig, die Kinder selbst bestimmen zu lassen, was sie bearbeiten möchten, ihnen aber gleichzeitig Regeln und Normen nahe zubringen, an die sie sich halten müssen. Dadurch soll sich die Persönlichkeit des Kindes so entwickeln, dass es seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten entdeckt und diese ausweitet.

Die Montessori-Pädagogik geht auf jedes Kind speziell ein, da jeder Schüler anders ist, ein anderes Lernverhalten aufzeigt und natürlich seine eigenen besonderen Talente hat.

In der heutigen Zeit sind Montessori-Einrichtungen weit verbreitet, vor allem im skandinavischen Teil Europas. Die Pädagogik ist allgemein sehr anerkannt und findet vielerorts große Zustimmung.

In der folgenden Arbeit soll die Pädagogik Maria Montessoris umrissen und erklärt werden und die Frage beantwortet werden, ob Selbsterziehung wirklich ein Weg zur Selbstständigkeit sein kann.

2. Maria Montessori – Leben

Maria Montessori wird am 31. August 1870 in Chiaravalle bei Ancona geboren. Einige Jahre später zieht ihre Familie nach Rom. Ihr Vater ist ein Mann, der darum bemüht ist, die klassische Rollenverteilung innerhalb der Familie aufrecht zu erhalten. Jedoch zeigt sich recht schnell, dass diese Versuche ohne Erfolg bleiben. Früh zeigt sich, dass Maria Montessori eine ausgeprägte mathematische – naturwissenschaftliche Begabung hat. Aufgrund dieses Talentes besucht sie eine technische Oberschule für Jungen.

Ihre Mutter, Renilde Stoppani, unterstützt ihre Tochter, aus dem traditionellen Muster auszubrechen und als Frau in einer Welt, bestimmt von Männern, Karriere zu machen.

Nachdem sie die Schule beendet hat, beginnt sie ein Medizinstudium, was zu dieser Zeit sehr ungewöhnlich ist. Damals war es in Rom nur Männern gestattet, Medizin zu studieren. Folglich wird sie mit strengen Auflagen belegt, um studieren zu dürfen. Beispielsweise darf sie den Hörsaal erst nach ihren männlichen Studienkollegen betreten, Leichen erst spät am Abend oder in der Nacht sezieren. Als sie 26 Jahre alt ist schließt sie ihr Medizinstudium erfolgreich ab und wird 1896 als erste Ärztin Italiens promoviert. Montessori tritt eine Stelle als Assistenzärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Rom an.

Nun beginnt sie auch sich für bessere Erziehungsbedingungen für Kinder einzusetzen. In der Psychiatrischen Universitätsklinik werden ihr geistig behinderte Kinder vorgestellt, die in einem Gefängnis untergebracht sind. Man sieht in diesen Kindern Tiere mit „abnormen Fressverhalten“, da sie mit den Brotresten in der Gefängniszelle spielen. „Maria Montessori dagegen erkennt hier das Bedürfnis der Kinder, sich in einem leeren Raum geistige Anregung zu verschaffen“[1]. Sie beginnt die Schriften von Jean Marc Gaspard Itard und Eduard Seguin zu studieren, welche beide zu Beginn des 19. Jahrhunderts bahnbrechende Arbeiten zur Erziehung behinderter Kinder verfasst hatten. „1866 wurde Seguins Werk „Idiotie und ihre Behandlung“ in den USA veröffentlicht. Es war das Werk, an dem sich Montessori am meistens orientierte.[2] Sie entwickelt die Sinnesmaterialen von ihm weiter, bis hin zu der Form, wie sie heute auch noch in Kinderhäusern und Schulen zum Einsatz kommt: dem Montessori – Material.

Ende des 19. Jahrhunderts übernimmt sie die Leitung des Heilpädagogischen Instituts in Rom, welche sie aber nach nur 2 Jahren wieder abtritt. 1907 entsteht ihr erstes Kinderhaus „Casa dei Bambini“ 1909 schreibt sie ihr erstes Buch „ Il methodo della pedagogica“ („Die Methode der wissenschaftlichen Pädagogik“). In dieser Zeit wird auch ihr erstes und einziges Kind geboren: Ihr Sohn Mario. Nun beginnt Maria Montessori sich auf die Ausbildung von Erzieherinnen zu konzentrieren, „wobei Inhalte und Durchführung derartiger Lehrgänge ausschließlich ihr selbst obliegen“[3].

Einen Rückschlag erlebt sie zur Zeit des Faschismus. Ihre Einrichtungen werden geschlossen und ihre Bücher verbrannt. Während des 2. Weltkrieges hält sie sich in Indien auf, kehrt aber 1949 wieder nach Europa zurück – in die Niederlande, dort wo die Internationale Montessori-Vereinigung ihren Sitz hat ("Association Montessori Internationale"). Am 6. Mai 1952 stirbt sie in Noordwijk aan Zee, wo sie in einem kreisförmigen Grabmal unter hohen Laubbäumen beigesetzt wird.

3. Die heutige Verbreitung ihres Pädagogikkonzepts

Die Verbreitung der Montessori-Pädagogik kam vor allem zu dem Zeitpunkt ins Rollen, als Maria begann, Erzieherinnen und Erzieher auszubilden.

Die Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen ist besonders und lang (300 Stunden) für die nach einer Prüfung ein Diplom erteilt wird (es erfolgt alles gemäß den Richtlinien der "Association Montessori Internationale" [AMI]). Alle Montessori-Einrichtungen sehen in etwa gleich aus, wodurch ein hoher Grad an Internationalität und Qualität erreicht wurde.

Ihre längerfristigen Ausbildungskurse und ihre viele Vortragsreisen in fast alle Kontinente der Erde, sowie ihre Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten haben sehr zur Verbreitung ihrer Pädagogik beigetragen. Kein pädagogisches Konzept ist wohl so sehr verbreitet, wie das von Maria Montessori.

Montessori-Gesellschaften aus aller Welt arbeiten gemeinsam in der „AMI“ zusammen. In Deutschland gibt es zur Zeit etwa 950 schulische und vorschulische Einrichtungen der Montessori-Pädagogik. Die Hälfte davon sind Vorschuleinrichtungen, von denen sich circa ein Drittel mit behinderten Kindern beschäftigt. Es gibt in etwa 250 Montessori-Grundschulen, von denen 58 integrative Einrichtungen sind. Außerdem gibt es Montessori-Hauptschulen, -Sonderschulen, -Gymnasien, -Realschulen und -Gesamt-schulen. Die meisten Einrichtungen in Deutschland finden sich in Nordrhein - Westfalen und Bayern. Finnland, Schweden und die Niederlande haben aber im Vergleich ein viel dichteres Netz an anerkannten Montessori-Einrichtungen als Deutschland.

4. Die Montessori-Pädagogik

4.1 Grundlagen

Maria Montessori knüpft mit ihrer Pädagogik an alte Traditionen europäischer Anthropologie an. Sie orientiert sich vor allem an der körperlich-geistig-psychischen Entwicklung und an den individuellen Lernbedürfnissen der Kinder. Sie vertraut auf die eigenen Kräfte des Kindes, auf seinen ganze eigenen und inneren Willen „groß“ zu werden, zu wachsen. Die Kinder werden deshalb weniger geführt, sondern von den Erzieherinnen und Erziehern darin unterstützt, selbstständig ihre Potenziale herauszubilden und mit dieser Kraft in die Gesellschaft zu wachsen. „Wie der Arzt, müsse der Erzieher auf die heilenden und normalisierenden Kräfte im Kind vertrauen. Sein Hauptanliegen [...] wird daher der Schutz und die Förderung des Kindes [...] sein.“[4]

Die Pädagogen sollen den Kindern helfen, ihren eigenen Weg zu finden und starke, selbstbewusste Menschen zu werden. Es muss also jedes Kind genau beobachtet werden, wie weit es in seiner Entwicklung ist, welche Bedürfnisse es hat, in welche Richtung seine Aktivitäten gehen und vieles mehr. Deshalb heißt ein Grundsatz:

„Folge dem Kind, achte auf die Zeichen, die dir seinen Weg zeigen“

Natürlich kann ein Kind nicht aus eigener Kraft und nur mit der eigenen Intelligenz in die Gesellschaft wachsen. Dazu braucht es Bilder und Wertvorstellungen von dieser Welt, denn um seinen eigenen Weg finden zu können, braucht es eine Orientierung. Aus diesem Grund gibt es einen zweiten Grundsatz in der Montessori-Pädagogik:

„Hilf mir, es selbst zu tun“

Weiterhin gilt der Grundsatz, dass ein Kind am besten das verinnerlicht, was es im Moment gerne lernen möchte. Es soll ihm nichts oktroyiert werden, das Kind soll selber entscheiden können, was es lernt.

Die Ziele der Montessori-Pädagogik sind nicht, bestimmt Lernziele in einem bestimmten Zeitraum zu schaffen oder zu erlernen, vielmehr ist es hier erstrebenswert, so genannte „Schlüsselkompetenzen“ zu erwerben, wie disponieren, mit anderen kommunizieren und kooperieren. Die Kinder sollen lernen, sehr früh selbstständig zu werden. Zu starke Abhängigkeit von einem Erwachsenen führt zu Unterwürfigkeit, wobei die Selbständigkeit des Kindes wieder in den Hintergrund tritt. Weiterhin gehört zu den Zielen der Erziehung, dass die Kinder auch sozial kompetent werden. Das heißt, sie sollen lernen zu helfen, zu teilen und auch Verantwortung zu übernehmen.

Vor allem aber hat sich Maria Montessori zum Ziel gesetzt, dass ihre Einrichtung für alle Kinder offen sind. Dabei ist es egal, welche Leistungen die Kinder erbringen, ob sie begabt oder lernschwach sind.

Natürlich ist es auch wichtig, welche Leistungen die Kinder erbringen. Es gibt verschiedene Entwicklungsphasen, in denen die Kinder beobachtet werden, in denen es von großer Bedeutung ist, was die Kinder und Jugendlichen erlernen und welche Leistungen sie bringen.

[...]


[1] Hedderich, Ingeborg: Einführung in die Montessori-Pädagogik. München²: Ernst Reinhardt Verlag 2005. Seite 13.

[2] Frey, Andreas; Heinz, Petra; Krömmelbein, Stefan: Maria Montessori und ihre Pädagogik. Landau: Verlag Empirische Pädagogik 2007. Seite 38.

[3] Hedderich, Ingeborg: Einführung in die Montessori-Pädagogik. München²: Ernst Reinhardt Verlag 2005. Seite 16.

[4] Fuchs, Brigitta: Maria Montessori. Ein pädagogisches Porträt. Weinheim u.a.: Beltz Verlag 2003. Seite 40.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Montessori-Pädagogik
Untertitel
Selbsterziehung als Weg zur Selbstständigkeit?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Techniken wissenschaftlichen Arbeitens
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V126304
ISBN (eBook)
9783640315383
ISBN (Buch)
9783640318704
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori-Pädagogik, Selbsterziehung, Selbstständigkeit
Arbeit zitieren
Stefanie Krahner (Autor), 2008, Die Montessori-Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126304

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