Sprachenpolitik in Afrika – Was unternimmt die African Union?


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeine Daten zum afrikanischen Kontinent

3 Allgemeine Informationen zur Afrikanischen Union

4 Die Sprachenpolitik im Rahmen des strategischen Plans 2004-2007 der AU-Kommission
4.1 Das Priority Programme 19 „Priority Education“
4.2 Das Priority Programme 23 „Cultural Renaissance”

5 Die African Academy of Languages (ACALAN)

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Die Mitgliedstaaten der AU

1 Einleitung

„Mehrsprachigkeit in Afrika ist [...] eine jahrhundertalte Erscheinung.“, schreiben Heine, Schadenberg und Wolff in ihrem Buch „Die Sprachen Afrikas“ (Heine, Schadenberg, Wolff 1981, S. 515). Sie führen an, dass Sprachkenntnisse unterschiedlich verwendet wurden: im Zusammenhang mit Handel wurden Zweitsprachen erlernt, im Zusammenhang mit Herrschaftsbildungen nachbarliche Sprachen und Dialekte. Als Beispiel führen sie die Yoruba-Stadt Ilorin in Westnigeria an, wo Anfang des 19. Jahrhunderts bei Hofe Ful, in der Verwaltung Hausa, unter der Stadtbevölkerung Yoruba und von den Bauern verschiedene andere Sprachen gesprochen worden seien. Arabisch sei die Sprache der Religion und teilweise der Gesetzgebung gewesen.[1] Grad und Art der Mehrsprachigkeit hänge von Faktoren ab, deren wichtigste Wohngebiet, Geschlecht, Mobilität, Schulbildung und Alter seien.[2] Während die einen Sprachen fast nur als Erstsprache gesprochen werden, werden die anderen gewohnheitsmäßig von Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen als „Verkehrssprachen“ benutzt. Die Anzahl der Verkehrssprachen in Afrika ist nicht genau bekannt[3], aber alle afrikanischen Verkehrssprachen beruhen auf einer „natürlichen“, als Muttersprache gesprochenen Basisform, Ausbreitung und Verwendung von Verkehrssprachen hängen von ihrem Prestige und ihrer Zugänglichkeit ab.[4] Dass europäische Sprachen, die in afrikanischen Ländern den Status einer Amtssprache erhalten haben, das höchste Prestige besitzen, ist nicht verwunderlich,

„...denn ihre Kenntnis ermöglicht den Zugang zu sozial höher bewerteten Stellen in der Verwaltung, im überregionalen Handel und in der Politik. Daneben werden europäische Sprachen meist mit Modernität, technischem Fortschritt und ökonomischer Entwicklung in Verbindung gebracht.“[5]

Das Prestige afrikanischer Sprachen variiere von Sprache zu Sprache, je nachdem, ob sie als offizielle oder nationale Sprache anerkannt sei (wie z.B. Swahili in Tansania, Kenia und Uganda, Hausa in Nordnigeria, Somali in Somalia), auf eine bedeutende kulturelle Tradition zurückblicken könne (z.B. Hausa, Akan, Yoruba), in den Verkehrs- und Handelszentren des Staates verbreitet und somit als „modern“ angesehen sei oder von der Elite als Erstsprache gesprochen werde.[6] In einer Nation könne Sprache insbesondere zwei Funktionen haben: einerseits könne sie als Mittel zur Sicherstellung der Kommunikation innerhalb des Staates dienen („Amtssprache“), andererseits als Symbol nationaler Einheit („Nationalsprache“).[7] Mit der Hebung afrikanischer Sprachen in den Rang von Amts- oder Nationalsprachen geht jedoch die Problematik einher, dass sich sprachlich nicht berücksichtigte Bevölkerungsgruppen benachteiligt fühlen und gegen die Politik auflehnen könnten.

Bereits die am 25. Mai 1963 von 30 afrikanischen Staaten gegründete Organization of African Unity (OAU) sowie ihre im Millennium-Jahr 2000 gegründete Nachfolgeorganisation, die African Union (AU), der 53 Länder Afrikas angehören, haben sich dieser Problematik zugewandt. Die OAU hat in der am 5. Juli 1976 verabschiedeten Cultural Charter of Africa[8] ihrer Überzeugung Ausdruck verliehen, “... that it is imperative to resolutely ensure the promotion of African languages, mainstay, and media of cultural heritage in its most authentic and essentially popular form, ...” (S. 3), und als Priorität diesbezüglich „..the transcription, teaching and development of national languages with a view to using them for the dissemination and the development of science and technology; ...” (S. 7) formuliert. Im “PART V - THE USE OF AFRICAN LANGUAGES” (S.10) ist festgehalten:

“Article 17

The African States recognize the imperative need to develop African languages which will ensure their cultural advancement and accelerate their economic and social development and to this end will endeavour to formulate a national policy in regard to languages.

Article 18

The African States should prepare and implement the reforms necessary for the introduction of African languages into education. To this end each state may choose one or more languages.

Article 19

The introduction of African languages at all levels of education should have to go hand-in-hand with literacy work among the people at large.”

Diese Hausarbeit wird untersuchen, ob und welche Schritte die Nachfolgeorganisation AU unternimmt, um afrikanische Sprachen zu fördern und ihr Prestige zu verbessern. Als Grundlage für die Untersuchung dient der für den Zeitraum 2004-2007 aufgestellte Strategic Plan of the African Union Commission, der dahingehend überprüft wird, in welchen Bereichen die AU ihre Prioritäten setzt und wie sie deren Umsetzung beabsichtigt. Ein neuer strategischer Plan für den Zeitraum 2009-2012, basierend auf dem strategischen Plan von 2004-2007, ist gegenwärtig noch in der Entwurfsphase und soll durch die AU-Versammlung und den ausführenden Rat bei deren nächsten ordentlichen Sitzungen im Juli 2009 angenommen werden.[9] Der Entwurf war noch nicht im Internet verfügbar und kann daher nicht in diese Hausarbeit einbezogen werden.

Diese Hausarbeit basiert hauptsächlich auf Dokumenten der AU, einigen ihrer Unterorganisationen sowie anderer internationaler Organisationen. Zahlreiche der für diese Hausarbeit verwendeten Dokumente sind im Internet abrufbar. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Webseite der AU[10] derzeit vier Sprachen (englisch, französisch, portugiesisch, arabisch) vorsieht. Während die englischen Webseiten sehr viele Informationen und Dokumente bereitstellen, ebenso die Webseiten in französischer und arabischer Sprache, die jedoch hier und da auf englischsprachige Webseiten verlinken, sind portugiesischsprachige Webseiten zwar in der Struktur vorgesehen, aber nicht verfügbar. Webseiten oder Dokumente in afrikanischen Sprachen sind weder vorgesehen noch zu finden. Der Zugriff auf für diese Hausarbeit relevante AU-Dokumente erfolgte ausschließlich auf die in englischer Sprache angebotenen Webseiten.

Um sich ein Bild von den Problemen und ihren Größenordnungen zu machen, mit denen die AU konfrontiert ist, wenn es um die Sprachenpolitik geht, werden zuerst einige allgemeine Daten zu Afrika angeführt, die relevant für die behandelte Problematik sind. Anschließend werden Aufbau und Funktionsweise sowie die Ziele der AU kurz vorgestellt. Nachfolgend werden die beiden Priority Programmes erläutert, in denen der Sprachenpolitik Aufmerksamkeit gewidmet wird und ein in den Priority Programmes aufgeführtes Projekt näher untersucht.

2 Allgemeine Daten zum afrikanischen Kontinent

Der afrikanische Kontinent erstreckt sich über eine Fläche von ca. 30,3 Mio. km2[11] und ist politisch aufgeteilt in 53 Staaten und 3 abhängige Gebiete.[12] Der DSW-Datenreport 2008 gibt für Mitte 2008 ca. 967 Mio. Einwohner für Afrika an, davon leben 809 Mio. in Sub-Sahara-Ländern (DSW, 2008, S.6).

Die Anzahl der Sprachen, die in Afrika gesprochen werden, wird von der UNESCO auf etwa 1.400 geschätzt, 124 werden als bedrohte Sprachen, 48 als ausgestorbene Sprachen angesehen.[13] Was die Situation der afrikanischen Sprachen angeht, stellt die UNESCO fest:

„The endangerment of African languages, especially small ones, results from the pressure exerted by large African languages. The governments of most African countries favour large African languages, and have negative attitudes and language policies against small ones. Some governments even favour the ex-colonial languages, especially English and French, and are against the use of any African language of their countries for official purpose.”[14]

3 Allgemeine Informationen zur Afrikanischen Union

Die AU, hervorgegangen aus der OAU, wurde am 11.Juli 2000 in Lomé (Togo) gegründet und ist eine zwischenstaatliche Organisation, der 53 afrikanische Länder angehören (ohne Bouvet Insel, Marokko, Mayotte, Réunion, St. Helena).

[...]


[1] Heine, Schadeberg, Wolff 1981, S. 515-16.

[2] Heine, Schadeberg, Wolff 1981, S. 521.

[3] Heine, Schadeberg, Wolff 1981, S. 517.

[4] Heine, Schadeberg, Wolff 1981, S. 519.

[5] Heine, Schadeberg, Wolff 1981, S. 519-20.

[6] Heine, Schadeberg, Wolff 1981, S. 520.

[7] Heine, Schadeberg, Wolff 1981, S. 534.

[8] Organization of African Unity, 1976.

[9] African Union, , 2009.

[10] http://www.africa-union.org (Zugriff: 14.09.07 und 11.03.09).

[11] http://de.wikipedia.org/wiki/Afrika#Geographie (Zugriff: 20.09.06 und 11.03.09).

[12] http://de.wikipedia.org/wiki/Afrika#Alle_53_Staaten_Afrikas_und_abh.C3.A4ngigen_Gebiete (Zugriff: 20.09.06 und 11.03.09).

[13] UNESCO 2001, S. 43-44.

[14] UNESCO 2001, S. 44.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Sprachenpolitik in Afrika – Was unternimmt die African Union?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Philosophische Fakultät III, Asien-/Afrikawissenschaften)
Veranstaltung
Sprache und Kommunikation – Einführung in die Afrikanistik
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V126330
ISBN (eBook)
9783640406456
ISBN (Buch)
9783640406746
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrikanische, Union, Sprachen, Politik, Hausarbeit, Strategic Plan, Seminar
Arbeit zitieren
Andrea Bou-Said (Autor), 2009, Sprachenpolitik in Afrika – Was unternimmt die African Union?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126330

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