Die Anzahl der Sprachen, die in Afrika gesprochen werden, wird von der UNESCO auf etwa 1.400 geschätzt, 124 werden als bedrohte Sprachen, 48 als ausgestorbene Sprachen angesehen. "Mehrsprachigkeit in Afrika ist [...] eine jahrhundertalte Erscheinung.“ (Heine, Schadenberg, Wolff, 1981: Die Sprachen Afrikas, S. 515). Während die einen Sprachen fast nur als Erstsprache gesprochen werden, werden die anderen gewohnheitsmäßig von Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen als „Verkehrssprachen“ benutzt. Ausbreitung und Verwendung von Verkehrssprachen hängen von ihrem Prestige und ihrer Zugänglichkeit ab.
Diese Hausarbeit untersucht, ob und welche Schritte die African Union (AU) unternimmt, um afrikanische Sprachen zu fördern und ihr Prestige zu verbessern. Als Grundlage für die Untersuchung dient der für den Zeitraum 2004-2007 aufgestellte "Strategic Plan of the African Union Commission", der dahingehend überprüft wird, in welchen Bereichen die AU ihre Prioritäten setzt und wie sie deren Umsetzung beabsichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeine Daten zum afrikanischen Kontinent
3 Allgemeine Informationen zur Afrikanischen Union
4 Die Sprachenpolitik im Rahmen des strategischen Plans 2004-2007 der AU-Kommission
4.1 Das Priority Programme 19 „Priority Education“
4.2 Das Priority Programme 23 „Cultural Renaissance”
5 Die African Academy of Languages (ACALAN)
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, ob und welche konkreten Maßnahmen die African Union (AU) ergreift, um die Förderung afrikanischer Sprachen voranzutreiben und deren Prestige zu steigern, wobei als Analysebasis der strategische Plan der AU-Kommission für den Zeitraum 2004-2007 dient.
- Analyse der sprachpolitischen Zielsetzungen im strategischen Plan der AU
- Untersuchung der Rolle von Bildungsprogrammen für afrikanische Sprachen
- Evaluation des Stellenwerts der kulturellen Renaissance für die Sprachförderung
- Rolle und Aufgaben der African Academy of Languages (ACALAN)
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
„Mehrsprachigkeit in Afrika ist [...] eine jahrhundertalte Erscheinung.“, schreiben Heine, Schadenberg und Wolff in ihrem Buch „Die Sprachen Afrikas“ (Heine, Schadenberg, Wolff 1981, S. 515). Sie führen an, dass Sprachkenntnisse unterschiedlich verwendet wurden: im Zusammenhang mit Handel wurden Zweitsprachen erlernt, im Zusammenhang mit Herr schaftsbildungen nachbarliche Sprachen und Dialekte. Als Beispiel führen sie die Yoruba Stadt Ilorin in Westnigeria an, wo Anfang des 19. Jahrhunderts bei Hofe Ful, in der Verwal tung Hausa, unter der Stadtbevölkerung Yoruba und von den Bauern verschiedene andere Sprachen gesprochen worden seien. Arabisch sei die Sprache der Religion und teilweise der Gesetzgebung gewesen. Grad und Art der Mehrsprachigkeit hänge von Faktoren ab, deren wichtigste Wohngebiet, Geschlecht, Mobilität, Schulbildung und Alter seien. Während die einen Sprachen fast nur als Erstsprache gesprochen werden, werden die anderen gewohnheitsmäßig von Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen als „Verkehrssprachen“ benutzt.
Die Anzahl der Verkehrssprachen in Afrika ist nicht genau bekannt, aber alle afrikanischen Verkehrssprachen beruhen auf einer „natürlichen“, als Muttersprache gesprochenen Basisform, Ausbreitung und Verwendung von Verkehrssprachen hängen von ihrem Prestige und ihrer Zugänglichkeit ab. Dass europäische Sprachen, die in afrikanischen Ländern den Status einer Amtssprache erhalten haben, das höchste Prestige besitzen, ist nicht verwunderlich, „...denn ihre Kenntnis ermöglicht den Zugang zu sozial höher bewerteten Stellen in der Verwaltung, im überregionalen Handel und in der Politik. Daneben werden europäische Sprachen meist mit Modernität, technischem Fortschritt und ökonomischer Entwicklung in Verbindung gebracht.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung bettet das Thema Mehrsprachigkeit in den historischen und gesellschaftlichen Kontext Afrikas ein und leitet die Fragestellung zur Rolle der AU bei der Sprachförderung her.
2 Allgemeine Daten zum afrikanischen Kontinent: Dieses Kapitel liefert demografische Eckdaten und einen Überblick über die sprachliche Vielfalt sowie die Problematik bedrohter Sprachen in Afrika.
3 Allgemeine Informationen zur Afrikanischen Union: Hier werden die Gründung und die organisatorische Struktur der AU sowie ihr Ziel eines vereinten Afrikas kurz vorgestellt.
4 Die Sprachenpolitik im Rahmen des strategischen Plans 2004-2007 der AU-Kommission: Dieses Kapitel analysiert die im strategischen Plan definierten Schwerpunkte zur Sprachförderung, insbesondere in den Bereichen Bildung und kulturelle Renaissance.
4.1 Das Priority Programme 19 „Priority Education“: Das Unterkapitel erläutert Bildungsinitiativen der AU, die den Einsatz afrikanischer Sprachen im Unterricht forcieren sollen.
4.2 Das Priority Programme 23 „Cultural Renaissance“: Es werden kulturelle Ziele der AU beleuchtet, die den Erhalt des kulturellen Erbes und die Förderung afrikanischer Sprachen als Teil einer gemeinsamen Identität anstreben.
5 Die African Academy of Languages (ACALAN): Das Kapitel beschreibt die Entstehung, die Zielsetzungen und die zentralen Projekte der ACALAN zur Stärkung afrikanischer Sprachen.
6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert die Bemühungen der AU und der ACALAN und kritisiert das Fehlen einer konsequenten Umsetzung, insbesondere hinsichtlich der Internetpräsenz.
Schlüsselwörter
Sprachenpolitik, Afrika, African Union, Mehrsprachigkeit, ACALAN, Cultural Renaissance, Bildung, Verkehrssprachen, Amtssprache, kulturelles Erbe, Sprachförderung, strategischer Plan, Sprachenvielfalt, afrikanische Sprachen, Sprachstatus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Sprachenpolitik in Afrika und untersucht spezifisch, welche Maßnahmen die African Union (AU) zur Förderung und Stärkung afrikanischer Sprachen unternimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle afrikanischer Sprachen in Bildung und Kultur, die institutionelle Arbeit der AU und die strategische Planung zur kulturellen Renaissance des Kontinents.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand des strategischen Plans 2004-2007 zu überprüfen, in welchen Bereichen die AU ihre Prioritäten bei der Sprachenförderung setzt und wie deren Umsetzung geplant ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine dokumentenbasierte Analyse, indem sie offizielle Dokumente der AU, ihrer Unterorganisationen und weiterer internationaler Institutionen auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die demografische und sprachliche Situation Afrikas, den institutionellen Aufbau der AU, die spezifischen „Priority Programmes“ zu Bildung und Kultur sowie die Gründung und Funktion der ACALAN.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachenpolitik, African Union, Mehrsprachigkeit, ACALAN, Sprachförderung und kulturelle Renaissance charakterisiert.
Was kritisiert die Autorin am Umgang mit den eigenen Webseiten der AU und ACALAN?
Die Autorin kritisiert, dass trotz des erklärten Willens zur Förderung afrikanischer Sprachen die Online-Präsenz dieser Organisationen fast ausschließlich auf Englisch und Französisch verfügbar ist, was den eigenen Zielen widerspricht.
Warum ist die Einrichtung der ACALAN als Meilenstein zu verstehen?
Die ACALAN wird als Meilenstein betrachtet, da sie die langjährigen Bemühungen zur Dokumentierung und aktiven Förderung afrikanischer Sprachen institutionalisiert und in das Budget der AU integriert hat.
Welche Rolle spielen europäische Sprachen laut der Analyse im afrikanischen Kontext?
Europäische Sprachen fungieren oft als Amtssprachen und besitzen ein hohes Prestige, da sie den Zugang zu politischen, administrativen und wirtschaftlichen Positionen erleichtern.
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- Andrea Bou-Said (Autor), 2009, Sprachenpolitik in Afrika – Was unternimmt die African Union?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126330