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Sprachursprungstheorien im 18. Jahrhundert: Rousseau und Herder

Title: Sprachursprungstheorien im 18. Jahrhundert: Rousseau und Herder

Term Paper , 2008 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Michael Brendel (Author)

French Studies - Linguistics
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Eine Fragestellung, die im Zeitalter der Aufklärung mit äußerst großem Eifer diskutiert wurde, ist die nach dem Ursprung der Sprache.

Auf der einen Seite propagierten Philosophen, die sich strikt an der biblischen Glaubenslehre orientierten, den göttlichen Ursprung der Sprache, welcher zumeist „die strikte Grenzziehung zwischen Mensch und Tier wie auch das Bild der nach dem Schöpfungsakt konstant bleibenden Lebewesen“ (Veldre 1997: S. 125) einschloss. Anhänger dieses göttlichen Ursprungs, wie z.B. Beauzée oder der deutsche Philosoph Süßmilch, gingen außerdem davon aus, dass der Mensch bereits als vernunftbegabtes Wesen mit voller Denkfähigkeit erschaffen wurde, was eine göttliche Eingabe der Sprache erst ermöglichte. Auf der anderen Seite begannen Philosophen, die Trennlinie zwischen Tier und Mensch anzutasten und sich mit einer möglichen Entwicklung des Menschen aus einem wie auch immer gearteten Naturzustand zu beschäftigen. Seit Condillac, dem Begründer des Sensualismus in Frankreich, gewannen außerdem Hypothesen an Bedeutung, die davon ausgingen, dass Sprache und Denken eng miteinander verknüpft sind und sich deshalb nur gemeinsam entwickeln konnten. Es waren jedoch nicht ausschließlich sensualistische Sprachursprungstheorien, die sich mit der Möglichkeit einer menschlichen Sprachschöpfung befassten.
Einer der bekanntesten und einflussreichsten französischen Sprachdenker des 18. Jahrhunderts war neben Condillac Jean-Jacques Rousseau, dem Droixhe und Hassler eine „sensualistisch-anthropologische Sicht der gemeinsamen Entwicklung von Gesellschaft, Sprache und Denken“ attestieren. Rousseau beschäftigt sich in zwei seiner Werke mit der Sprachursprungsthematik. Zum einen streift er diese in seinem Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes (1755), zum anderen behandelt er sie eingehend in seinem Essai sur l’origine des langues, welcher mit dem Untertitel où il est parlé de la mélodie et de l’imitation musicale erst posthum (1781) veröffentlicht wurde. Der wohl bedeutendste Sprachtheoretiker auf deutscher Seite war zu dieser Zeit Johann Gottfried Herder, dessen Abhandlung über den Ursprung der Sprache (1772) für Aufsehen sorgte und als „Kulminationspunkt“ der Literatur zu dieser Thematik eingestuft werden kann. Auf den folgenden Seiten sollen sowohl die oben genannten Schriften Rousseaus als auch die Abhandlung Herders genauer unter die Lupe genommen werden.

Excerpt


Gliederung

1 Einleitung

2 Hauptteil

2.1 Der Ursprung der Sprache nach Rousseau

2.1.1 Das Verhältnis des Discours sur l’inégalité zum Essai sur l’origine des langues

2.1.2 Der sprachtheoretische Exkurs des Discours als Kritik an Condillac

2.1.3 Die Sprachursprungstheorie des Discours

2.1.4 Die Begründung des affektiven Sprachursprungs im Essai sur l’origine des langues

2.1.5 Rousseaus Klimatheorie: südliche versus nördliche Sprachen

2.2 Der Ursprung der Sprache nach Herder

2.2.1 Herders Reaktion auf die Sprachursprungshypothesen seiner Zeit

2.2.2 Der Begriff der „Besonnenheit“ und seine Begründung durch die Theorie der „Sphären“

2.2.3 Die Urszene der Sprachentstehung

2.2.4 Das Ohr als „erster Lehrmeister der Sprache“

3 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachursprungstheorien des 18. Jahrhunderts, wobei der Fokus auf den philosophischen Ansätzen von Jean-Jacques Rousseau und Johann Gottfried Herder liegt. Ziel ist es, deren unterschiedliche Herangehensweisen – die affektive Begründung bei Rousseau und das Konzept der „Besonnenheit“ bei Herder – kritisch zu analysieren und in den Kontext der zeitgenössischen Debatte über das Wesen des Menschen und die Entstehung von Sprache einzuordnen.

  • Sensualistische Sprachursprungstheorien in Frankreich
  • Vergleich von Rousseaus Schriften "Discours" und "Essai"
  • Rousseaus Klimatheorie und affektiver Sprachursprung
  • Herders „Besonnenheit“ und die Theorie der „Sphären“
  • Der Zusammenhang zwischen Menschenbild und Sprachtheorie

Auszug aus dem Buch

2.2.3 Die Urszene der Sprachentstehung

Der Mensch besitzt durch seine Besonnenheit auch den für die Sprachentstehung entscheidenden Vorteil, dass er in seiner Wahrnehmung frei ist und in dem „ganzen schwebenden Traum der Bilder“, die er wahrnimmt, „auf einem Bilde verweilen“, es fokussieren und „Merkmale absondern“ kann. Wenn er dies tut, sprich, wenn er „nicht bloß alle Eigenschaften lebhaft oder klar erkennen, sondern eine oder mehrere […] unterscheidende Eigenschaften […] anerkennen kann“, beweist der Mensch „Reflexion“. Aus dieser Reflexion, dem „gerichtete[n], reflektierende[n] Denken als solches“ ist laut Herder Sprache entstanden: „Dies erste Merkmal der Besinnung war Wort der Seele. Mit ihm ist die menschliche Sprache erfunden!“ (Krüger 1967: S. 4-5). Dieses Prinzip erläutert Herder anhand einer Szene, in der der Mensch einem blökenden Schaf gegenübersteht:

Der Schall des Blökens von einer menschlichen Seele, als Kennzeichen des Schafs, wahrgenommen, ward, kraft dieser Besinnung, Name des Schafs, und wenn ihn nie seine Zunge zu stammeln versucht hätte. Er erkannte das Schaf am Blöken: Es war gefaßtes Zeichen, bei welchem sich die Seele an eine Idee deutlich besann – was ist das anders als ein Wort, und was ist die ganze menschliche Sprache, als eine Sammlung solcher Worte? (Pross 1978: S. 33)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Debatte über den Ursprung der Sprache im 18. Jahrhundert ein und beleuchtet den Zusammenhang zwischen anthropologischen Fragestellungen und religiösen Weltanschauungen.

2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Sprachursprungstheorien von Jean-Jacques Rousseau und Johann Gottfried Herder im Kontext ihrer philosophischen Werke.

2.1 Der Ursprung der Sprache nach Rousseau: Hier werden die verschiedenen Ansätze Rousseaus in seinen Werken Discours und Essai sowie seine Kritik an Condillac und seine Klimatheorie untersucht.

2.1.1 Das Verhältnis des Discours sur l’inégalité zum Essai sur l’origine des langues: Dieses Unterkapitel thematisiert die Forschungsdiskussion zur Vereinbarkeit der beiden zentralen Werke Rousseaus bezüglich ihrer Sprachtheorien.

2.1.2 Der sprachtheoretische Exkurs des Discours als Kritik an Condillac: Das Kapitel erläutert, warum Rousseau die sensualistische Hypothese Condillacs als unzureichend betrachtet und welche methodischen Paradoxien er darin identifiziert.

2.1.3 Die Sprachursprungstheorie des Discours: Hier wird die Verortung des Sprachursprungs innerhalb der Menschheitsgeschichte nach Rousseau zwischen den beiden großen gesellschaftlichen Revolutionen dargestellt.

2.1.4 Die Begründung des affektiven Sprachursprungs im Essai sur l’origine des langues: Dieses Kapitel erläutert die zentrale These Rousseaus, dass Sprache primär aus menschlichen Leidenschaften und nicht aus physischen Bedürfnissen entstand.

2.1.5 Rousseaus Klimatheorie: südliche versus nördliche Sprachen: Das Kapitel beschreibt die Einteilung der Sprachentwicklung in Phasen und die geographisch-klimatische Differenzierung zwischen affektiver und rationaler Sprache.

2.2 Der Ursprung der Sprache nach Herder: Dieser Abschnitt widmet sich Herders Abhandlung über den Ursprung der Sprache und seiner spezifischen anthropologischen Begründung der Sprachfähigkeit.

2.2.1 Herders Reaktion auf die Sprachursprungshypothesen seiner Zeit: Hier wird Herders Abgrenzung zur zeitgenössischen Theorie sowie sein kategorialer Unterschied zwischen Mensch und Tier dargelegt.

2.2.2 Der Begriff der „Besonnenheit“ und seine Begründung durch die Theorie der „Sphären“: Das Kapitel erklärt, wie Herder die menschliche Freiheit und Reflexionsfähigkeit durch das Verhältnis von Umwelt und Instinkt herleitet.

2.2.3 Die Urszene der Sprachentstehung: Dieses Unterkapitel beschreibt anhand von Herders Schaf-Beispiel, wie durch Reflexion und bewusste Namensgebung das erste Wort und somit Sprache entsteht.

2.2.4 Das Ohr als „erster Lehrmeister der Sprache“: Hier wird Herders Theorie beleuchtet, nach der der Hörsinn eine privilegierte Rolle bei der Identifizierung von Merkmalen und der Wortbildung einnimmt.

3 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Sprachursprungstheorien des 18. Jahrhunderts eher spekulativer Natur waren, jedoch grundlegende Fragen zum Wesen des Menschen und der Sprachfunktion aufwarfen.

Schlüsselwörter

Sprachursprung, Rousseau, Herder, Aufklärung, Sensualismus, Besonnenheit, Reflexion, Anthropologie, Leidenschaft, Sprachphilosophie, Condillac, Evolution, Naturzustand, Affekt, Sprachfunktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die verschiedenen Theorien über den Ursprung der Sprache, die im 18. Jahrhundert von einflussreichen Philosophen wie Rousseau und Herder entwickelt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Mittelpunkt stehen die Entstehung der menschlichen Lautsprache, der Vergleich zwischen Mensch und Tier, die Rolle der Vernunft versus Affekte sowie die Auswirkungen von klimatischen Bedingungen auf die Sprache.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die spezifischen Argumentationslinien von Rousseau und Herder herauszuarbeiten und zu zeigen, wie ihre Theorien eng mit ihren jeweiligen Menschenbildern verknüpft sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftlich-philosophische Analyse, die auf der exegese der Primärwerke von Rousseau und Herder sowie der Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Blöcke, die Rousseaus affektive Sprachursprungstheorie und Herders Konzept der menschlichen Besonnenheit detailliert gegenüberstellen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachursprung, Besonnenheit, Sensualismus, Reflexion, anthropologische Fragestellungen und das Menschenbild des 18. Jahrhunderts.

Wie unterscheidet sich die Sprachursprungstheorie von Rousseau von der von Herder?

Während Rousseau die Sprache aus der affektiven Ausdrucksfunktion in einer sozialen Entwicklung herleitet, begründet Herder die Entstehung der Sprache aus der kategorialen Sonderstellung des Menschen durch seine Besonnenheit und Reflexionsfähigkeit.

Was meint Herder mit der „Besonnenheit“ als Bedingung für Sprache?

Herder bezeichnet damit die Fähigkeit des Menschen, aus der Vielzahl seiner Wahrnehmungen einzelne Merkmale abstrahierend herauszugreifen und zu fokussieren, was die bewusste Verknüpfung von Lauten mit Objekten (Namensgebung) erst ermöglicht.

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Details

Title
Sprachursprungstheorien im 18. Jahrhundert: Rousseau und Herder
College
University of Regensburg  (Institut für Romanistik)
Course
Sprachwissenschaft um 1800
Grade
1,3
Author
Michael Brendel (Author)
Publication Year
2008
Pages
15
Catalog Number
V126359
ISBN (eBook)
9783640323180
Language
German
Tags
Sprachursprung Herder Rousseau Ursprung Sprache Discours sur l'inégalité Essai l'origine langues Klimatheorie Sprachentstehung Entstehung Sprachursprungshypothese
Product Safety
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Quote paper
Michael Brendel (Author), 2008, Sprachursprungstheorien im 18. Jahrhundert: Rousseau und Herder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126359
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